Foto: Lobeca/Kaben

Bamberg – Stark ersatzgeschwächt haben die Hamburg Towers dem neunfachen Deutschen Meister Brose Bamberg einen mehr als respektablen Kampf geboten. Einer, der letztlich nicht belohnt wurde. Mit 66:77 (48:57, 32:39, 19:25) ging die sechste Begegnung in Folge verloren.

Die Befürchtungen des Vorabends bewahrheiteten sich am Morgen des Spieltags: Heiko Schaffartzik, Justus Hollatz, Prince Ibeh und Jannik Freese waren allesamt noch zu krank, um einen Einsatz zu gewährleisten. So musste Cheftrainer Mike Taylor seine Starting Five umbauen, in der sich nun Jorge Gutierrez, Yanna Franke, Beau Beech, Michael Carrera und Bogdan Radosavljevic befanden. Besonders der ohnehin schon motivierte Carrera schien an alter Wirkungsstätte Adrenalin zu bluten und trieb seine Mannschaft mit defensiven Hustle-Plays an. Das allein genügte gegen die bissige Verteidigung der Franken noch nicht. Erschwerend kam hinzu, dass sich Beech früh den kleinen Finger der rechten Hand äußerst unansehnlich auskugelte. Der Kapitän kehrte allerdings kurze Zeit später zurück aufs Parkett. Seine Mitspieler erzwangen durch eine Presse Ballverluste – gaben das Spielgerät aber selbst auch zu leichtfertig ab, was den Gastgebern einfache Punkte bescherte. Bis Mitte des ersten Viertels waren die Norddeutschen gleichauf, nach zehn Minuten lag Brose knapp mit 25:19 vorne. Das Highlight lieferte dennoch der Aufsteiger, als Tevonn Walker einen Franke-Fehlwurf direkt aus der Luft zum Dunk verwertete.

Die einfachen Abschlüsse misslangen hingegen beiderseits. Der Einsatz der stark unterbesetzten Wilhelmsburger war bemerkenswert, weswegen sie dranblieben, obwohl es sichtlich schwierig war, die zweitbeste Verteidigung der Liga zu penetrieren (24:29/14. Minute). Überhaupt erinnerte die fehlerbehaftete Partie eher an eine Defensiv-Schlacht denn an ein Offensiv-Feuerwerk. Bamberg gelang es, sich zweistellig abzusetzen (34:24/16.), worauf das Taylor-Team in der atmosphärischen Brose Arena vor 5162 Zuschauern furchtlos mit einem 8:0-Lauf antwortete. Vor allem Radosavljevic avancierte zum Fokus im Angriff. Eine unkonzentrierte Minute zum Ende der ersten Hälfte brachte die Towers wieder um einen Großteil ihres Lohns (32:39).

Beide Opponenten kamen mit mehr Tempo aus den Kabinen, schienen jeweils mit Lösungen für die Strategie des jeweils anderen aufzuwarten. Doch dann kassierten die Norddeutschen einen massiven Rückschlag. Spielmacher Gutierrez zog sich bei einem Zweikampf einen Cut über dem Auge zu, der für Schwindelgefühle sorgte, weswegen er nicht in der Lage war, den Court ohne Hilfe zu verlassen. Der Mexikaner sah sich die restliche Begegnung mit schmerzverzerrtem Gesicht von der Bank aus an und wurde anschließend mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert. Ohne etatmäßigen Point Guard benötigte der Tabellenfünftzehnte Zeit, um sich zu akklimatisieren. Was dahin half, den Rückstand nicht anschwellen zu lassen: abermals beherzte und vor allem variable Defense. Wenngleich das Duell keineswegs durch Attraktivität zu gefallen wusste, war es mehr als beachtlich, was die Hamburger aus ihren Möglichkeiten herausholten. Radosavljevic dominierte nun bereits zum vierten Mal seit seinem Wechsel und bewies damit endgültig, dass er zur Elite deutscher Center in der easyCredit Basketball Bundesliga zählt. Vor den abschließenden zehn Minuten war so noch alles möglich (48:57).

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Damit nicht genug. Beech nahm sich ein Herz und erzielte acht Zähler. Das, gefolgt von zwei Radosavljevic-Korblegern, sorgte für laute Pfiffe in der Brose Arena – die Towers waren nach einem 11:0-Run mit 65:64 in Führung gegangen (36.). Das exzellente Rebounding war einer der Gründe für den Erfolg, Franke als Aushilfsaufbau ein weiterer. Der amtierende Pokalsieger reagierte im Stil einer erfahrenen Mannschaft, zog die Daumenschrauben an und am Gegner vorbei. Der Favorit ließ nichts mehr zu, sodass enttäuschte Hamburger nach dem Buzzer hängenden Kopfes das Feld verließen.

Ihr Trainer war allerdings extrem stolz: „Ich bin komplett begeistert von unserer Leistung und unserem Kampfgeist. Es war extrem schwer gegen ein tief besetztes Team ohne mehrere Schlüsselspieler zu agieren, dann kam die Verletzung von Guti hinzu. Umso beeindruckter war ich, wie die Mannschaft mit diesen Rückschlägen umgegangen ist. Letztlich sind uns ein paar Fehler zu viel unterlaufen, vor allem die Ballverluste waren kostspielig. Wir bleiben aber positiv.“

Hamburg Towers: Franke (4 Punkte/6 Assists), Holland (2), Beech (15), Walker (4), Gutierrez (7), Kindzeka, Radosavljevic (23), Carrera (7/10 Rebounds), Ogunsipe (4), Yebo.

Während der Nationalmannschaftspause werden die Towers etwas eingeschränkt trainieren. Denn neben Trainer Mike Taylor (Polen) werden Yanna Franke (Niederlande), Marvin Ogunsipe (Österreich), Michael Carrera (Venezuela) und eventuell Jorge Gutierrez (Mexiko) ihre Länder vertreten. Allerdings steht erst am 29. Februar wieder ein Spiel an, wenn die HAKRO Merlins Crailsheim in der edel-optics.de Arena antreten.

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