Exklusiv-Interview: GAME DAY – der Film ist nicht nur etwas für Football-Fans – „Das funktioniert!“

ranNFL-Moderator Carsten Spengemann. Foto: Patric-Pablo Eller

Lübeck – Was ist ein Gameday? Diese Frage ist relativ einfach zu beantworten, denn es ist der englische Begriff für Spieltag. Doch wie sieht so ein Tag bis ins kleinste Detail aus und was und vor allem wer steckt dahinter? Diese Frage dürfte dann für die meisten Menschen schon etwas schwieriger zu beantworten sein. Patric-Pablo Eller hat sich der Sache angenommen und einen Film gemacht. Hauptdarsteller sind Menschen, die etwas mit den Lübeck Cougars zu tun haben. Verantwortliche, Spieler, Fans… Eller sammelte drei Jahre Material und hat sich während der Corona-Pandemie ans Werk gemacht. Warum und welche Dinge er dabei erlebt hat, erzählte der Lübecker in einem Interview bei HL-SPORTS.

Die Premiere von GAME DAY. Foto: Patric-Pablo Eller

Film ab!

Hallo Patric, eine Aussage in einem Trailer von „GAME DAY – der Film“ beinhaltet „pure Freude und purer Stress“. Wie empfindest du als Filmemacher diese Aussage dabei?

Patric-Pablo Eller: Das ist sehr treffend für einen Gameday und für alle, die damit zu tun haben. So ein Event ist immer sehr viel Stress, weil jeder möchte, dass am Ende pure Freude herauskommt. Und das tut es ja auch.

Produzent Patric-Pablo Eller und Cougars-Geschäftsführer Sascha Knappe. Foto: Patric-Pablo Eller

Wie bist du auf die Idee zum Film gekommen?

Patric-Pablo Eller: Die Idee hatte ich schon immer im Hinterkopf. Meiner Natur und meinem Job ist es geschuldet, einen Film zu machen und ein Traum von mir war. Normalerweise kommt es aber gar nicht dazu, ein Projekt in diesem Umfang zu realisieren. Zu den Cougars an sich bin ich erstmal „fachfremd“ als Filmer gekommen. Ich wurde irgendwann beauftragt die Trailer für die Heimspiele zu machen. In der ersten Saison habe ich das alles vom Office gemacht und war gar nicht auf dem Buni. Ich hatte erstmal gar keine Connection zum Football, wurde aber immer wieder eingeladen. Irgendwann passte es bei mir und sofort, nachdem ich den Buni betreten habe, hat es mich gepackt. Dabei war es erstmal weniger der Sport, den ich zu der Zeit noch gar nicht wirklich verstanden habe, sondern einfach die Atmosphäre, die mich mitgerissen hat. Ich habe von Anfang an wesentlich mehr gefilmt, als mein Auftrag gewesen wäre, weil ich alles so interessant fand. Das ist erstmal ohne Hintergedanken im Archiv gelandet und mir letztes Jahr zugutegekommen, als die Corona-Pandemie mir alle Aufträge abschnitt und ich als selbständiger Dienstleister erstmal vor großen Problemen stand. Mir kam relativ schnell die Idee, dass ich jetzt mal meinen Film machen könnte, den ich schon immer im Hinterkopf hatte. Mit einem Crowdfunding rief ich dazu auf, mich dabei zu unterstützen.

Foto: Patric-Pablo Eller

Wie viel Geld kam im Crowdfunding zusammen?

Patric-Pablo Eller: Nach einer Kalkulation kam ich auf rund 2.000 Euro, die für mich ungefähr die nächsten sechs Wochen kostendeckend wären. Danach, habe ich gedacht, wird es schon irgendwie weitergehen. Ich habe dann symbolische 1.987 Euro aufgerufen (das Gründungsjahr der Cougars). Damit wollte ich auch zeigen, dass es um die Cougars geht und nicht direkt um mich. Das fanden alle toll und die Finanzierung hat schnell geklappt.

Foto: Patric-Pablo Eller

Was ist der Inhalt des Films?

Patric-Pablo Eller: Der Film geht schon lange vor dem ersten Spielzug los. Er begleitet Menschen und die verschiedenen Sichtweisen auf den GAME DAY. Wann fängt so ein Gameday für die unterschiedlichen Personen an? Was bedeutet er ihnen? Was empfinden sie für außergewöhnliche Situationen? Man erfährt sehr viele Hintergründe. Das ist äußerst spannend und unterhaltsam.

Foto: Patric-Pablo Eller

Wie kam die Idee des Films bei den Cougars an?

Patric-Pablo Eller: Das fanden sie erstmal klasse, und haben mich voll unterstützt. Ich wusste zu dem Zeitpunkt ja selber nicht ganz genau, wo die Reise hingehen würde. Mit Sascha Knappe (Geschäftsführer der Cougars) habe ich dann ein bisschen Brainstorming gemacht, um den genauen Inhalt zu formulieren. Erste Idee war eine Rückschau der Saison 2019, die ja als Vizemeister der GFL 2 sehr erfolgreich war. Wir fanden dann aber, dass dieses Thema nicht von einer langen Haltbarkeit wäre und wir lieber etwas schaffen wollten, was man sich auch längerfristig anschauen möchte. „GAME DAY – der Film“ hat sich dann so ergeben. Ich wusste am Anfang wirklich nicht, was daraus werden würde. Ich wusste nur, da ist „irgendwas drin“. Ich habe dann angefangen aus meinem Archivmaterial die ersten Szenen zu schneiden, und musste feststellen, dass sich die Szenen alleine nicht tragen, wenn einem keiner was dazu erzählt. Ich habe zu dieser Zeit in Echtzeit lernen müssen, wie man so einen Film macht. Ich fragte dann den Spieler Herbert Mette, ob er mir mal in einer Tonaufzeichnung erzählen könnte, was ihm ein Gameday bedeutet. Als ich seine Sprachmemo mit meinen Bildern zu einem Trailer kombinierte, merkte ich sofort „Das funktioniert!“. Daraufhin wusste ich, dass ich Interviews würde führen müssen. Die Liste mit Menschen, die für einen GAME DAY relevant sind, wurde ziemlich lang, und ich musste sie dann im Laufe der Zeit etwas runterkürzen.

GAME DAY im Kino. Foto: Patric-Pablo Eller

Du hattest also erst die Szenen und dann das Drehbuch?

Patric-Pablo Eller: Ja, ich hatte ja Tonnen an Filmmaterial und das war auch die einzige Möglichkeit, so einen Film im Jahr 2020 zu machen. Es gab je definitiv keinen Gameday und somit keine Möglichkeit, Spieltagszenen zu drehen. Einige besondere Szenen hatte ich sofort im Kopf. Da war zum Beispiel der erste Touchdown von Ilja Osiik, in seinem ersten Spiel für die Cougars vor zwei Jahren. Ihn wollte ich auf jeden Fall interviewen, weil ich wusste, dass ich in meinen Aufnahmen hatte, wie er vor Freude ausrastete. Daraus konnte ich eine zentrale Szene im Film bauen, indem ich alle anderen Beteiligten fragen konnte, wie sie einen Touchdown erleben.

Patric-Pablo Eller und Cody Cougar. Foto: Patric-Pablo Eller

Wie viel Zeit ist für das Schneiden und das gesamte Archivmaterial draufgegangen?

Patric-Pablo Eller: Auf dem Buni habe ich drei Saisons mit je sieben Heimspielen abgedeckt. Jedes Spiel kommt bei mir so auf etwa fünf Stunden vor Ort. Während des ersten Lockdowns bin ich dann mit dem Fahrrad zu meinen Interviewpartnern gefahren und habe sie dann mit Maske und 1,5 Meter Abstand gesprochen. Das waren zirka zwei Stunden pro Gesprächspartner. Die Stunden im Schnitt kann man gar nicht genau beziffern. Auf jeden Fall waren es sehr viele. Insgesamt hat es sechs Monate gedauert, bis der Film fertig war. Und das ist schon verdammt schnell, wie ich jetzt feststellen durfte. Die erste Zeit war ich von morgens bis in die Nacht dabei den Film zu machen. Irgendwann ist bei mir die Arbeit wieder hochgefahren und ich musste ja auch mein Brot verdienen. Da musste ich die richtige Balance zwischen Film und Arbeit finden. Das war unheimlich belastend, aber im Endeffekt geil.

Foto: Patric-Pablo Eller

Gab es Tiefen während der Zeit und bist du jetzt Football-Experte?

Patric-Pablo Eller: Tiefen gab es nicht wirklich. Das ist mein Job, den ich aus purer Leidenschaft mache. Nach drei Saisons filmen an der Sideline weiß ich noch nicht alles, aber auf jeden Fall schon wesentlich mehr. Man lernt auch ein Spiel zu lesen. Das geht jetzt auf jeden Fall besser, als noch im ersten Jahr und ich weiß ungefähr wo ich wann stehen muss. Und dass ich die Kamera nicht mehr zu früh abbaue. Es gibt doch einige Leute, abgesehen von Spielern und Coaches, die das Spiel auch nicht ganz verstehen und trotzdem einen GAME DAY genießen können. Das finde ich ganz schön an der Sache.

Foto: Patric-Pablo Eller

Was hat es mit der „Testgruppe“ auf sich gehabt, die es ja gab?

Patric-Pablo Eller: Über die Monate gab es immer wieder Personen, die kleine Szenen vorab zu sehen bekamen. Sie wussten zwar nicht, dass sie meine Testgruppe waren, aber das hat mir sehr viel gebracht. Wenn ich eine Sequenz zu einem bestimmten Thema fertig hatte, brauchte ich natürlich Feedback, ob ich auf dem richtigen Weg bin und ob die Szene funktioniert. Da war mir auch sehr wichtig, dass diese Gruppe gar nichts mit Football zu tun hat, wie beispielsweise meine Mutter. Wenn ich von ihr das Feedback bekomme, „die Cheerleader machen ja auch drei Stunden harten Sport, das war mir vorher gar nicht bewusst“, dann weiß ich, dass meine Szene funktioniert.

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Patric-Pablo Eller und Carsten Spengemann. Foto: Patric-Pablo Eller

Der Film hat es sogar ins Kino geschafft. Wie kam es dazu?

Patric-Pablo Eller: Das war einfach das größte aller Gefühle, als der Film im CineStar lief, und auch noch im größten Saal. Durch meinen Job hatte ich schon vorher Kontakt zur Kinoleitung und als ich merkte, dass der Film deutlich länger als die angedachten 20 bis 25 Minuten werden würde, fragte ich einfach mal an, ob eine Kinovorstellung denkbar wäre. Das war so und im Endeffekt hatten wir vier ausverkaufte Vorstellungen. Es wären noch mehr gewesen, aber der November-Lockdown machte uns dann natürlich einen Strich durch die Rechnung. So gesehen hatte ich ein Riesen Glück mit dem Timing und ich bin allen dem Cinestar sehr dankbar.

Cody Cougar. Foto: Patric-Pablo Eller

Wie war das für dich? Roter Teppich und so…?

Patric-Pablo Eller: Natürlich war im Rahmen der Corona-Maßnahmen kein Event mit Rotem Teppich möglich, aber wir haben alles rausgeholt was machbar war. Carsten Spengemann (ranNFL Moderator), der auch Stadionsprecher der Cougars ist und dankenswerter Weise für meinen Film zur Verfügung stand, hat im Anschluss an die Premiere durch eine kurze Talkrunde, natürlich mit großen Abständen, geführt. Für alle Beteiligten und vor allem für die Fans war es trotz aller Maßnahmen ein wunderbares Event, bei dem sie auch einfach mal zusammenkommen konnten. Dass mein Film für viele ein kleines Trostpflaster für die ausgefallene Saison war, ist einfach schön!

Foto: Patric-Pablo Eller

Wie war das für dich als Produzent, Kameramann, Interviewer, Cutter und Tontechniker?

Patric-Pablo Eller: In der Nacht vor der Premiere habe ich nicht geschlafen. Zum ersten Mal kam mir da sogar der Gedanke, was eigentlich wäre, wenn die Zuschauer den Film nicht mögen. Als der Film dann aber lief war es ein unbeschreiblich schönes Gefühl und er kam ja auch gut an. Klar kenne ich den Film in- und auswendig, aber ich habe auch zum ersten Mal live die Reaktionen erleben dürfen. Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl, mit den Zuschauern in zusammen in einem Kinosaal zu sitzen und seinen eigenen Film zu sehen.

Foto: Patric-Pablo Eller

Dabei bist du in der Künstlerszene schon länger bekannt, weil du beispielsweise als DJ unterwegs warst. Ist das vergleichbar?

Patric-Pablo Eller: Es ist in gewisser Weise vergleichbar, weil man ein eigenes Werk präsentiert. Aber eine Platte ist nach vier Minuten vorbei und der Film dauert anderthalb Stunden – das ist echt mal eine Hausnummer. Die Länge eines solchen Projektes habe ich vorher auch echt unterschätzt. Ich wusste nicht wirklich, was ich da tu, aber das waren immer die besten Sachen, die ich gemacht habe (lacht). 90 Minuten komplette Gänsehaut.

Foto: Patric-Pablo Eller

Und nun gibt es die DVD zu Film?

Patric-Pablo Eller: Aufgrund der hohen Nachfrage nach den Kinovorstellungen, habe ich eine Kleinauflage herstellen lassen, damit jeder Interessierte den Film zuhause genießen kann. Die Leute können sich GAME DAY über die Homepage www.gameday-film.de bestellen, oder bei famila in der Schwartauer Landstraße am Infopoint kaufen. Eigentlich war auch ein Event dort mit Cody Cougar, dem Maskottchen der Cougars und weiteren Aktionen geplant. Doch als die Pandemie-Situation immer schlechter wurde, haben wir natürlich davon Abstand genommen. Ich wollte nicht der Grund sein, dass es einen Menschenauflauf gibt. Man muss jetzt nicht einmal den Markt betreten (wenn man nicht möchte) um den Film zu bekommen, denn der Infopoint befindet sich dem Markt vorgelagert. Mir war wichtig, dass sich niemand durch mich in Gefahr begibt.

Foto: Patric-Pablo Eller

„It never rains in Lübeck“ – was hat es damit auf sich?

Patric-Pablo Eller: Das ist ein Satz, der im Umfeld der Cougars immer wieder mal fällt. Für meinen Film bin ich der Sache auf die Spur gegangen. Es ist ja zum Beispiel so, dass auch die Fans schon davon gehört haben, aber nicht wussten, was es damit auf sich hatte. Das fand ich spannend und die Auflösung gibt es im Film 🙂

Foto: Patric-Pablo Eller

Das war dein erster Film. Wann kommt der nächste?

Patric-Pablo Eller: Es gab tatsächlich sofort die Frage, wann Gameday II kommt. Ich habe auch wirklich gefallen am Filmemachen gefunden, würde am liebsten nur noch dies machen. Jetzt konzentriere ich mich aber erstmal auf DIESEN Film. Die DVDs liegen bereit und langfristig wäre es natürlich auch schön, GAME DAY ins Fernsehen oder auf Streamingplattformen zu bringen. Alles ist absolut toll und unglaublich bis hierhin, aber es kann bestimmt noch weitergehen. Ich habe den GAME DAY zum Beispiel auch für das Schleswig-Holstein-Filmfestival angemeldet und vielleicht kommen ja auch noch weitere dazu.

Das erwartet euch in GAME DAY!

Abschließende Frage: Ist der Film nur etwas für eingefleischte Football-Fans?

Patric-Pablo Eller: GAME DAY ist nicht nur etwas für Football-Fans, auch wenn es das Thema ist. Generell dürfte er für jeden Sportinteressierten spannend zu sehen sein, aber auch für jeden anderen. Es geht um Leidenschaft und eine gemeinsame Sache und das ist unabhängig vom eigentlichen Thema immer toll.

Patric, vielen Dank für das Interview und alles Gute für deine nächsten Projekte, von denen wir gerne etwas hören oder natürlich sehen…

Hier DVD bestellen: https://www.gameday-film.de

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