Timmendorfer Strand – Derbyzeit für den EHC Timmendorfer Strand: zum dritten Mal in dieser Saison kommt es zum Ostsee-Duell mit den Rostock Piranhas, zum zweiten Mal am morgigen Freitag (20 Uhr) vor heimischer Kulisse im ETC. Ein Sieg soll endlich her, auch um die Konkurrenz im Tabellenkeller wieder unter Druck zu setzen. Denn am Sonntag (18.30 Uhr) dürfte beim Spitzenreiter Füchse Duisburg wohl nichts zu holen sein. Doch zumindest für das Derby ist ein gesunder Optimismus zu spüren.

Rückblende: fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, am 24. Januar 2014, gab es ein Derby, an das sich die Timmendorfer Zuschauer noch gerne zurückerinnern. Damals siegte eine ersatzgeschwächte Timmendorfer Mannschaft gegen die Piranhas mit 12:1, filetierte die Raubfische nach allen Regeln der Kunst. Und einige der Hauptakteure dieses Kantersieges sind auch jetzt wieder mit guter Form dabei.

Da wäre zum Beispiel Kenneth Schnabel. Der 23-jährige kam nach seiner zu Saisonbeginn erlittenen Verletzung, die ihn fast zwei Monate kostete, nicht so richtig in Tritt. Doch seit dem Jahreswechsel präsentiert er sich wie verwandelt, harmoniert prächtig mit Marco Meyer und Tauno Zobel. Seine Bilanz aus den letzten fünf Spielen: sechs Tore, sechs Vorlagen.
Oder Moritz Meyer: dieser brillierte vor zwei Jahren mit drei Toren bei fünf Punkten und ist nun rechtzeitig zum Derby wieder da. Mit zwei Kisten meldete sich der Ältere der Meyer-Brüder gegen Erfurt wieder zurück auf dem Eis. Dazu kommen Patrick und Thorben Saggau, welche ebenfalls zum Prestige-Duell wieder fit sind.

Dass die Rückkehr der Form und vor allem die Rückkehr der verletzten Führungsspieler wichtig ist, zeigt allein schon der Blick auf die Tabelle. Aktuell rangieren die Beach Boys auf Tabellenplatz zwölf, doch zu Rang 14 sind es gerade einmal zwei Punkte. Jeder Punkt ist wichtig und da können Punkte im Derby es gleich doppelt sein, zumal der Ostsee-Rivale aus Mecklenburg als Tabellenzehnter jenseits von Gut und Böse steht.

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Mit 46 Punkten bräuchten die Piranhas ein großes Eishockeywunder, um noch den Sprung auf Platz acht zu schaffen. Zehn Punkte beträgt der Rückstand auf den EHC Neuwied. Dafür beträgt der Vorsprung auf die Beach Boys schon satte 21 Zähler, so dass man durchaus sagen kann, dass die Piranhas so etwas wie das personifizierte Mittelmaß der Liga sind. Der Grund ist dabei recht einfach, die Rostocker können gegen fast alle gewinnen, aber auch gegen fast jeden verlieren. Erfolgen gegen Halle und die Hannover Scorpions stehen beispielsweise Niederlagen bei den Crocodiles Hamburg und Preussen Berlin gegenüber. Aufpassen muss die Timmendorfer Defensive vor allem auf Petr Sulcik und Michal Bezouska, die mit über 50 Punkten eine sehr gute Rolle in der Oberliga spielen. Aber auch andere Spieler bei den Piranhas können zubeißen, so beispielsweise Artur Lemmer, welcher aktuell auf 42 Scorerpunkte kommt. Allerdings reist Rostock ohne den verletzten Kapitän Jens Stramkowski nach Timmendorf, dazu steht ein dickes Fragezeichen hinter Goalie Dustin Haloschan.

Bei den Beach Boys ist die Hoffnung auf einen Sieg groß, schließlich konnte man nicht nur Selbstvertrauen sammeln, sondern hat mit Cory Melkert einen neuen, defensiven Anker. Mit zwei richtig starken Spielen und vier Scorerpunkten führte sich der Kanadier sehr gut ein und stabilisierte die Defensive. Er könnte, genauso wie die Saggaus und Moritz Meyer zum X-Faktor für die Timmendorfer werden, vor allem wenn er seinen Schuss endlich einsetzen kann, wie Trainer Martin Williams launisch auf der Pressekonferenz nach dem Erfurt-Spiel erzählte: „Cory hat einen Mörderschuss, aber er konnte ihn heute nicht einsetzen. Er hatte den falschen Schläger und wohl Angst, dass dieser bricht, wenn er alles in seinen Schlagschuss setzt.“
Nach jetztigem Stand wird Williams nur auf die Langzeitverletzten Victor Engert und Christian Herrmann verzichten müssen. Und so ist es kein Wunder, dass „OJ“ mit viel Optimismus in die anstehenden Partie geht: „Wir müssen gewinnen, wir brauchen die Punkte. Aber auch für die Psyche wäre es wichtig, mal gegen Rostock zu Zählern zu kommen. Doch die Voraussetzungen sind gut, also werden wir das schaffen.“

Am Sonntag geht es für die Beach Boys dann zu den Füchsen Duisburg. Man muss kein Prophet sein, dass man dort wohl nichts holen wird. 25 Siege feierte das Team aus dem Ruhrpott in 29 Spielen, mit 74 Punkten stehen die Füchse souverän an der Spitze der Tabelle. Acht Siege in Folge gab es seit Mitte Dezember, zuletzt feierte man gar ein 20:0 (!) gegen -zugegebenermaßen- stark ersatzgeschwächte Crocodiles. Dass es für die Beach Boys ebenfalls so deutlich wird, ist jetzt nicht zu erwarten, aber ein Punktgewinn im Kohlenpott wäre eine Überraschung, ein Sieg eine Sensation.

Unter der Woche gab es Neuigkeiten in Sachen Kader. Der verletzte Tscheche Michael Chvostek ist wie erwartet in seine Heimat zurückgereist und wird in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen. Ob er nach dem Sommer an den Strand zurückkehrt ist aktuell nocht nicht bekannt. Und David Jasieniak, Testspieler aus Salzgitter, ist ebenfalls nicht mehr dabei. „Er ist durch Haus und Familie stark in Salzgitter verwurzelt, da hätte es finanziell und auch auf Grund der Entfernung wenig Sinn für beide Seiten gemacht“, so Martin Williams zu HL-SPORTS: „Seine Leistungen waren absolut in Ordnung, da sind wir auch sehr dankbar für. Wer weiß, was im kommenden Jahr möglich ist.“ Jasieniak war während der rund zwei Wochen in Timmendorf dreimal wöchentlich von Salzgitter an die Ostsee gependelt.

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