HSV-Fans nach erneuter Derby-Pleite gegen FC St. Pauli sauer, frustriert und randalierend – Walter schon unter Druck?

Tim Walter bleibt nicht viel Zeit bis zum nächsten Gradmesser: dem Duell mit Werder Bremen

Anzeigetafel im Millerntorstadion des FC St. Pauli im Derby gegen HSV. Foto: Lobeca/KBS-Picture

Hamburg – Die 2:3-Niederlage des Hamburger SV beim Stadtrivalen FC St. Pauli (HL-SPORTS berichtete) hat direkt nach Schlusspfiff für ziemlich Unmut bei den Fans der Rothosen gesorgt. Einige waren schon vor dem Spiel auf 180, lieferten sich mit den Anhängern der Braun-Weißen teilweise Straßenschlachten rund um das Stadion sowie der Reeperbahn und Schlägereien. Nach der Partie ging es weiter.

Viele Brandherde rund um das Millerntor

Der Polizeibericht liest sich wie folgt: „Noch vor Beginn des Spiels, als der Mannschaftsbus des FC St. Pauli auf der Anfahrt zum Stadion gegen 17 Uhr eine Fankneipe des Vereins in der Budapester Straße passierte, zündeten in deren Umfeld aufhältige Vereinsanhänger mehrere pyrotechnische Gegenstände. Gegen 17.15 Uhr wurden auf einer Baustelle an der Max-Brauer-Allee, Ecke Holstenstraße, randalierende HSV-Fans festgestellt. Wenig später kam es im Bereich Max-Brauer-Allee, Ecke Mumsenstraße, zu einer Auseinandersetzung zwischen etwa 100 Fans beider Lager. Beim Einsatz im Zusammenhang mit dieser Auseinandersetzung wurden zwei Polizeibeamte verletzt, einer davon schwer mit einer nicht unerheblichen Armverletzung. Gegen 20 Uhr kam es im Umfeld des Hans-Albers-Platzes zu einem Flaschenbewurf von Einsatzkräften durch HSV-Fans. Hierbei wurde niemand verletzt. Weiterhin kam es im Verlauf des Abends zu mehreren vereinzelten Auseinandersetzungen mit Fußballbezug zwischen einzelnen Personen. Während des Einsatzes wurden insgesamt zwei Personen in Gewahrsam und eine festgenommen. Die Hamburger Polizei wurde bei dem Einsatz von Kräften der Landespolizeien Schleswig-Holstein, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern unterstützt. Insgesamt waren mehr als 700 Beamte, davon knapp 100 auswärtige Kräfte, im Einsatz.“

Hamburger Derby eine neue Erfahrung

Die sozialen Medien mussten ebenso aufgebrachte Anhänger des früheren Bundesliga-Dinos aushalten. Kritik an Mannschaft und Trainer-System waren vermehrt zu lesen. Dabei müssen sich die Profis vom Volkspark das gefallen lassen. Sie zeigten nicht den nötigen Biss, so ein Derby anzunehmen. Das ließ auch HSV-Chefcoach Tim Walter nicht kalt. Für ihn war es das erste Derby in der Stadt. Der 45-Jährige hatte zuvor verkündet, dass er schon Derbys mit dem VfB Stuttgart und den „kleinen“ Bayern erlebte. Nun weiß Walter, wie das ist. Das Hamburger Stadtderby hatte er sich ganz anders ausgemalt: Dominanz sollte sein Team an den Tag legen, doch zusehen war davon recht wenig.

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Tim Leibold (Hamburger SV) und Luca Zander (FC St. Pauli) im Zweikampf. Foto: Lobeca/Marcus Kaben

Klarer Elfmeter: Walter sauer!

In der Nachbetrachtung muss man den Rothosen allerdings auch zugestehen, dass ihnen ein klarer Foulelfmeter zu Beginn der zweiten Halbzeit an Bakery Jatta von St. Paulis Jakov Medic verwehrt wurde. Die TV-Bilder zeigten das deutlich. Günter Perl, VAR in Köln, reagierte gar nicht. Schiedsrichter Harm Osmers waren ebenfalls nicht angetan, die Szene zumindest zu überprüfen. Pech für den HSV, denn unmittelbar danach fiel der 2:1-Führungstreffer für die Kiezkicker. Walter war hinterher sauer – zurecht, denn die Unsinn- oder Sinnhaftigkeit des Videoschiedsrichters bleibt stets ein Thema. Beim Bundesliga-Auftakt zwischen Borussia Mönchengladbach und FC Bayern München gab es sogar gleich zwei eindeutige Fouls an Marcus Thuram im Gäste-Strafraum. Unfassbar, dass dort nicht endlich einmal nachgesteuert wird.

Druck schon nach 3. Spieltag groß

Mit einem Sieg, einem Unentschieden und einer bitteren Derby-Schmach ist dem Hamburger SV damit nach drei Spieltagen der schlechteste Start in der 2. Bundesliga gelungen. Der Gegenwind wird vor allem in der kommenden Woche sehr viel stärker für alle Verantwortlichen im Volkspark. Am Sonntag kommt der SV Darmstadt 98 in den Norden – und zwar mit ganz viel Selbstvertrauen. Am vergangenen Wochenende schossen die „Lilien“ Aufsteiger FC Ingolstadt mit 6:1 ab. Klaus Gjasula wechselte erst vor dem Spiel von Hamburg zu den 98ern. Er durfte sofort in die Startelf und wurde nach 73 Minuten ausgewechselt. Das war die Messe bereits gelesen. Für den HSV zählt in der Begegnung nur ein Sieg. Klappt das nicht, kann es ganz schön frostig um den Cheftrainer werden. Im „Normalfall“ dürfte er sich bis inklusive des Nordderbys in einem Monat bei Werder Bremen keinen Fehltritt mehr erlauben. Sollte er auch an der Weser verlieren, könnten sogar seine Tage in Hamburg schneller gezählt sein, als ihm lieb ist. Walter braucht nun klare Ergebnisse.

Der 3. Spieltag

Schalke – Aue 1:1
St. Pauli – Hamburg 3:2
Kiel – Regensburg 0:3
Nürnberg – Düsseldorf 2:0
Sandhausen – Karlsruhe 0:0
Dresden – Hannover 2:0
Bremen – Paderborn 1:4
Darmstadt – Ingolstadt 6:1
Heidenheim – Rostock 1:1

Die Tabelle

1.SSV Jahn Regensburg38 : 09
2.Karlsruher SC36 : 17
2.SG Dynamo Dresden36 : 17
4.FC St. Pauli36 : 27
5.SC Paderborn 0736 : 35
6.1.FC Nürnberg34 : 25
7.1. FC Heidenheim 184633 : 25
8.Hamburger SV36 : 54
9.F.C. Hansa Rostock35 : 44
9.FC Schalke 0435 : 44
11.SV Werder Bremen35 : 74
12.SV Darmstadt 9836 : 63
13.FC Erzgebirge Aue31 : 13
14.Fortuna Düsseldorf34 : 53
15.Hannover 9631 : 61
16.SV Sandhausen30 : 51
17.FC Ingolstadt 0432 : 110
18.Holstein Kiel30 : 90
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