Fan-Ärger rund um das Ostsee-Duell zwischen Holstein Kiel und Hansa Rostock

KSV-Stimmungsboykott und Rostocker Rast auf dem Rückweg in Lübeck

Hansa-Fans werden am Lübecker Hauptbahnhof von der Polizei in Empfang genommen. Foto: ar/OH-AKTUELL.de

Kiel – Das 1:1 (1:0)-Unentschieden zwischen Holstein Kiel und Hansa Rostock am Sonnabend in der 2. Bundesliga war eine gerechte Punkteteilung. Die ersten 45 Minuten gingen an die „Störche“, die zweiten an die „Kogge“. Dabei werden sich die Gastgeber dennoch etwas ärgern, denn genügend Möglichkeiten für einen Dreier hatten sie.

Gastgeber verpassen Sieg

Fabian Reese (28.) brachte Kiel per Handelfmeter in Front, weil Neidhart sich zu ungeschickt im eigenen Strafraum anstellte. Kurz vor Schluss glich Lukas Hinterseer (88.) für die Mecklenburger aus. Danach kam Holstein zu einer Mega-Doppel-Chance, wo Holtby (92.) erst an Kolke scheiterte und Arp einen Millimeter hinter Scherf an den Ball kam, der den Ball ganz knapp am eigenen Tor vorbei lenkte. Bei der folgenden Ecke köpfte Erras (93.) hauchzart über die Latte. Glücklicher, aber nicht unverdienter Auswärtszähler für den F.C. Hansa.  

„501“ will Sanktionen nicht hinnehmen

Rund um die Begegnung gab es allerdings schon im Vorfeld Stress. Der „Block 501“ bei den Kielern war sauer auf den eigenen Verein. Der Dachverband der Aktiven Fanszene gab eine Stellungnahme zu den Sanktionen des Zweitliga-Vorstandes. Darin kündigte man unter anderem einen „Stimmungsboykott“ im Heimspiel gegen Rostock an und eine „Verlassen des Blocks“ nach dem Anpfiff.

„Keil zwischen Anhängerschaft der KSV Holstein“

Ein Auszug aus der „501“-Stellungnahme: „Das Vereinspräsidium hat vergangene Woche alle Register gezogen und deftige Sanktionen als Konsequenz aus dem HSV-Spiel gegen uns ausgesprochen. Kurz um, uns sind alle Privilegien, die wir als Fanszene genossen haben, genommen worden. Längst unverhandelbare Parkplätze, Fotoakkreditierungen oder der Zugang zum Block 501-Container werden uns und euch bis auf weiteres verwehrt. Und mehr. Weite Teile der Maßnahmen sind nicht zielorientiert und stellen für uns reine Schikane dar. Anders lassen sich beispielsweise das Verbot zum Verteilen des Fanzines Düt un Dat oder sonstiger Flyer nicht erklären. Hinzu kommt, dass uns das Aufstellen des Block 501 Infostandes untersagt wurde. Diese Sanktion ist gerade vor dem Hintergrund, dass der Block 501 ein Verbund aller Holstein-Fans und nicht mit der aktiven Fanszene gleichzusetzen ist, absolut absurd. Der Verein versucht hier ganz bewusst einen Keil zwischen die Anhängerschaft der KSV Holstein zu schlagen. Unter anderem bekommen wir das auch dadurch zu spüren, dass Personen, die mit dem Abbrennen von Pyrotechnik nicht einverstanden sind, aufgefordert werden, Personen, die pyrotechnische Gegenstände abgebrannt haben sollen, beim Verein ans Messer zu liefern. Gerne möchten wir an dieser Stelle hinweisen, dass der Umgang mit Pyrotechnik absolut verantwortungsbewusst stattfand und es sich nicht, wie in sämtlichen Presseerzeugnissen geschrieben, um einen wahnwütigen Mob handelte, der es sich zur Aufgabe genommen hat, Mensch und Material zu gefährden.“

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Holstein-Fans wollen Auswärtsspiele nicht besuchen

Zu dem angekündigten Verlassen des Blocks kam es übrigens nicht. Dazu kündigten die KSV-Anhänger an, bis auf Weiteres keine Auswärtsspiele mehr zu besuchen. Stattdessen eine klare Ansage an den Club: „Wertes Präsidium, wir lassen uns von euren Sanktionen nicht spalten. Wir lassen uns von euren Sanktionen nicht einschüchtern. Wir stehen enger zusammen als jemals zuvor und werden diesem Angriff auf unsere Fankultur in Form von Kollektivstrafen und Forderung nach Denunziantentum entschlossen entgegentreten. Wir bleiben kritisch und lassen uns von euren kindischen Methoden nicht brechen und fordern die sofortige Rücknahme aller gegen uns verhängten Sanktionen. Ihr wollt uns, dann nehmt uns wie wir sind!“

Kein Support

Im Holstein-Stadion dominierten dafür die Gästefans mehr denn je. Nur sie supporteten ihr Team, wie gewohnt lautstark. 12.460 Zuschauer wohnten dem Spiel bei und es blieb nach Polizeiangaben störungsfrei.  

Lukas Fröde (Hansa Rostock) im Zweikampf mit Kwasi Okyere Wriedt (Holstein Kiel). Foto: Lobeca/Otto Kasch

Zwischenstopp in Lübeck

Nach Abpfiff erwarteten 30 Beamte der Bereitschaftspolizei die Hansa-Anhänger am Lübecker Hauptbahnhof, die mit dem Zug aus der Landeshauptstadt weiter nach Hause reisten. Hier gab es einen kurzen Aufenthalt, um vermutlich für „Getränke-Nachschub“ zu sorgen. Die Polizei-Leitstelle meldete danach: Keine Vorkommnisse, alles ruhig, die Rostocker fuhren weiter.

Zwist zwischen Hansestädten

Nach dem DFB-Pokalspiel des F.C. Hansa auf der Lohmühle kam es zu Ausschreitrungen der Rostocker, die das Spielfeld stürmten. Zudem existiert eine Fanfreundschaft zwischen dem VfB Lübeck und dem Hamburger SV. In der Vergangenheit kam es hier zu Auseinandersetzungen. Szene-Insider berichteten, dass Lübeck und Hamburg den Rostockern eine „Hanseatische Ultra-Gemeinschaft“ anboten, die die Hansa-Ultras ablehnten. Stattdessen sucht man anscheinend bei jeder Gelegenheit die Konfrontation zwischen den drei Hansestädten.

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