Vom Gym in die Hansehalle: Wie Storm FC Lübeck zurück auf die Kampfsport-Landkarte bringt

Storm FC geht in die nächste Runde. Foto: Copyright: Visual Ethos by Madeleine Kriese, Homepage: www.visualethos.de, Instagram: @visualethos/oH

Lübeck – Es gibt Abende, die bleiben hängen. Der Gong hallt durch die Halle, die Scheinwerfer schneiden durch den Rauch, das Publikum steht. Für einen Moment ist alles still – und dann explodiert der Lärm. Storm FC soll genau diese Art von einem Abend bieten: ein Ereignis, bei dem man spürt, dass es um mehr geht als nur um Siege und Niederlagen. Es geht um Leidenschaft, um Disziplin und um eine Stadt, die sich ihren Platz im Kampfsport zurückerobert. Doch der Weg dahin begann nicht mit großen Bühnen oder Videowänden, sondern mit einer Idee. Und mit einem Ring, der lange Zeit stillstand.

Ein Sport im Wartemodus

Ein Blick zurück führt in den November 2019. Damals endeten die letzten K1 Warriors in Lübeck, die Hand des Siegers wurde gehoben, der Applaus verebbte. Ein weiteres Event für 2020 war geplant, doch dann kam Corona. Mit der Pandemie verschwanden nicht nur Veranstaltungen, sondern auch Perspektiven. Die großen Kampfsportabende waren vorbei, die Szene zog sich zurück in die Gyms, in kleine Trainingsgruppen, in den Alltag. „Natürlich hat der Sport weitergelebt“, sagt Andreas Wiechmann. „Aber ohne Bühne fehlt etwas. Kämpfer brauchen Ziele. Und eine Stadt braucht solche Momente.“ In den Folgejahren blieb es ruhig. Lübeck trainierte – aber Lübeck zeigte sich nicht. Bis 2024.

Der erste Sturm zieht auf

Im Combat Sports Lübeck fand im Herbst 2024 die erste Veranstaltung unter neuem Namen statt: Storm Fighting Championships. Knapp 250 Zuschauer, regionale Vereine aus Lübeck, Hamburg, Bremen oder Rostock und vor allem echte Aufbruchsstimmung. Die Kämpfe waren Newcomer-Duelle, roh, ehrlich, nah dran. Keine große Inszenierung, aber genau das machte den Reiz aus. Man spürte: Hier entsteht etwas. „Das war der Startschuss“, erinnert sich Mitgründer Markus Kemper. „Wir haben gemerkt: Da ist ein Hunger in der Stadt. Die Leute wollen Kampfsport sehen.“ Schleswig-Holsteins größtes Kampfsportevent begann im Kleinen – doch die Vision war von Anfang an größer.

Behind the scenes: Drei Köpfe, eine Idee

Hinter Storm FC stehen Andreas Wiechmann, Jan Beu und Markus Kemper. Drei Männer, die sich aus der gemeinsamen Vorstandsarbeit beim gemeinnützigen Verein Combat Sports Lübeck kennen. Wiechmann ist Kampfsporttrainer durch und durch, seit Jahrzehnten in der Szene aktiv. Beu und Kemper hingegen brachten zunächst einen anderen Blick mit. „Markus und ich waren anfangs skeptisch“, sagt Beu. „Wir hatten kaum Berührungspunkte mit dem Sport und haben uns gefragt, ob man als Sportfremder so ein Event überhaupt nachhaltig organisieren kann.“ Doch Wiechmann blieb hartnäckig. „Während Corona und den geschlossenen Sportstätten hatte man viel Zeit zum Nachdenken“, erzählt er. „Und ich war überzeugt: Eine solche Veranstaltung gehört einfach nach Lübeck.“

Von der Idee zur Hansehalle – alles oder nichts

Das erste Newcomer-Event 2024 wurde ein Erfolg. Doch während Beu und Kemper noch abwägten, ob der Sprung in die Hansehalle nicht zu groß sei, entschied Wiechmann kurzerhand. Er rief bei der Stadt an und mietete die Halle für 2025.

„Das war der Sprung ins kalte Wasser, den wir gebraucht haben“, sagt Kemper. „Ab da gab es kein Zurück mehr. Wir sind alles oder nichts gegangen.“ Eine Firma wurde gegründet, Aufgaben verteilt, ein Eventboxring gekauft. Wiechmann übernahm die sportliche Leitung, Beu die Umsetzung vor Ort, Kemper die Geschäftsführung und Sponsorenarbeit. „Wir sind mit einer Idee, aber ohne Referenzen zu Firmen gegangen“, erinnert sich Kemper. „Umso unglaublicher war die Unterstützung, die wir am Ende bekommen haben.“ Denn ein solches Event bedeutet immer auch Risiko. Veranstaltungstechnik, Hallenmiete, Kämpfergagen, Sicherheitsdienst – all das kostet. Ohne Partner wäre es nicht möglich gewesen.

Show trifft Sport: Storm FC will mehr sein als nur Kämpfe

Storm FC setzte von Beginn an auf ein Konzept, was bisher eher selten ist: Kampfsport als Eventerlebnis. Licht, Kameras, Videowände, lokales Essen, hochwertige Getränke und eine Atmosphäre wie bei internationalen Veranstaltungen.

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„Als Sportler wäre ich glücklich, hätte ich einen Ring und ein paar Stühle“, sagt Wiechmann mit einem Schmunzeln. „Aber das würde heute nicht mehr funktionieren.“ Storm FC wollte die Schwelle senken, auch für Menschen, die bisher wenig mit Kampfsport zu tun hatten. „Wir wollen, dass auch jemand kommt, der noch nie einen Kickboxkampf gesehen hat – am Ende begeistert nach Hause geht und nächstes Jahr wiederkommt“, sagt Kemper.

Lübeck erlebt den Durchbruch

Im Mai 2025 folgte schließlich der Durchbruch. Das Event in der Hansehalle wurde ein voller Erfolg. Rund 2000 Zuschauer, Titelkämpfe, Emotionen – und die Storm Fighting Championships waren plötzlich die größte Kampfsportveranstaltung Schleswig-Holsteins. „Dass es direkt so durch die Decke ging, hätten wir niemals erwartet“, sagt Beu. „Die Resonanz war überwältigend.“ Kemper erinnert sich besonders an zwei Momente. „Ein Unternehmer kam noch auf der Veranstaltung  auf mich zu und wollte unterstützen. Und ein paar Tage später sprach mich ein älterer Herr vor meinem Haus an und sagte: ‚Ich war noch nie auf so einer großartigen Kampfsportveranstaltung.‘ Da wusste ich: Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Solche Begegnungen zeigen, was Storm FC ausmacht. Kampfsport erreicht plötzlich Menschen, die vorher keinen Zugang dazu hatten.

Mehr Show, mehr Klasse, mehr Storm: Volume 2 soll alles toppen

Storm FC denkt deshalb längst weiter. Volume 2 soll nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch den nächsten Schritt machen. „2025 war unsere Baseline“, sagt Kemper. „Dieses Jahr legen wir drauf.“ Das Event soll größer werden, intensiver, emotionaler, mit noch mehr Show, mehr Unterhaltung und einem Abend, über den man noch Wochen später spricht. Was das bedeutet? In der Hansehalle werden zusätzliche Videowände, Kameras und Effekte sowie ein erweiterter Bühnenaufbau mit Kaltfeuer für noch mehr Atmosphäre sorgen. Auch abseits der Kämpfe setzt der Veranstalter neue Akzente: Im Infield werden professionelle Barkeeper Cocktails anbieten, erstmals ist zudem eine Halbzeitshow mit den Cheerleadern des TLC Lübeck und der Tanzgruppe Sincerity geplant. Nach dem letzten Gong geht der Abend bei einer offiziellen Aftershow-Party im nahegelegenen Club A1 weiter, zu der alle Ticketbesitzer freien Eintritt erhalten. Doch bei allem Rahmenprogramm bleibt der Kern der gleiche: die Kämpfe im Ring. Auch sportlich soll Volume 2 ein Upgrade werden. „Nach der Terminankündigung haben uns Teams aus ganz Deutschland und dem Ausland geschrieben“, freut sich Wiechmann. „Wenn wir 2025 die Bundesliga waren, sind wir dieses Jahr die Champions League.“ Und die langfristige Vision? Wiechmann antwortet ohne Zögern: „Think big. Irgendwann tragen wir hier einen Welttitel aus. Am liebsten natürlich mit Lübecker Beteiligung.“ Tickets für die Storm Fighting Championships Volume 2 am 9. Mai 2026 sind ab 25 Euro erhältlich unter www.stormfc.de.

Gelingt es dem SV Todesfelde die Aufstiegsbasis zu schaffen?

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