
Lübeck – Wenn am 21. und 22. Februar in der Hansehalle die Deutsche Meisterschaft der männlichen U16 im Hallenhockey ausgetragen wird, ist sie mittendrin statt nur dabei: Christel Schneider. Seit 50 Jahren prägt sie den Hockeysport beim LBV Phönix – als Trainerin, Begleiterin und Identifikationsfigur. Im Gespräch bei RADIO LÜBECK (Erstausstrahlung am 12. Februar am Donnerstagvormittag) blickt sie auf ein halbes Jahrhundert Vereinsarbeit zurück – und richtet den Blick zugleich nach vorne.
„Ich bin Christel Schneider, uralt“, sagt sie mit einem Lachen. „Ich bin nämlich genau 40 Jahre alt, 50 Jahre beim LBV Phönix als Trainerin und habe alle Gruppen durchtrainiert von den Kleinsten.“ Aktuell betreut sie die Jüngsten im Verein: „Im Moment mache ich die Allerkleinsten, die sind viereinhalb bis fünfeinhalb Jahre alt und ich habe auch die Herrenmannschaften schon trainiert.“ Am 16. März wird sie 81 Jahre alt – ans Aufhören denkt sie nicht. „Mir macht’s immer noch Spaß und ich bleibe so lange dabei, wie ich gesund und munter bin.“
Fünf Jahrzehnte Hockey – und kaum Regeländerungen
In fünf Jahrzehnten Hockey hat sie Generationen kommen und gehen sehen. Grundlegende Veränderungen im Sport? Für sie kaum erkennbar. „Ich möchte sagen, gar nichts. Das ist von Anfang an so geblieben auch.“ Die Technik, die Grundlagen, die Regeln – vieles sei identisch geblieben. „Wie fasse ich den Schläger an, mit welcher Seite darf ich spielen mit dem Hockeystock, darf ich in der Halle hoch oder nicht hochspielen? Nein, nicht hoch, flach.“
Tempo und Intensität dagegen haben deutlich zugenommen. „Früher spielte man es langsamer und jetzt spielt man es auch ganz, ganz schnell und das sind auch wahnsinnige Knallschläge“, beschreibt Schneider den modernen Hockeysport. Gerade im Leistungsbereich sei die Dynamik enorm. „Ich möchte so eine Kugel nicht abbekommen während des Spiels.“
Gemeinschaft statt Eitelkeit
Was Hockey für sie besonders macht, ist das Miteinander. „Hockey ist ein schnelles Spiel. Man hat nette, viele nette Kameraden.“ Wert legt Schneider dabei auf Respekt und Teamgeist. Abwertende Kommentare duldet sie nicht. „Das habe ich gleich ausgemerzt“, sagt die 80-Jährige rückblickend. Hockey sei für sie immer auch ein Ort des sozialen Lernens gewesen.
Der LBV Phönix zählt inzwischen rund 600 Hockeyspieler. „Früher hatten wir 350, als ich anfing.“ Nachwuchsgewinnung bleibt dennoch ein zentrales Thema. „Wir gehen auch in die Schulen rein und werben.“ Kinder dürfen mehrere Male kostenlos trainieren, bevor sie sich entscheiden. „Man darf bei uns fünf bis sechs Mal trainieren, also eine Stunde immer, und dann muss man sich entscheiden.“
U16-DM als sportliches Highlight
Mit Blick auf die bevorstehende Deutsche Meisterschaft gerät Schneider ins Schwärmen. „Tolle Spiele. Die grenzen direkt schon an erste Herren.“ Gerade die U16 sei sportlich auf sehr hohem Niveau unterwegs. Für Lübeck sei das Turnier eine große Chance, Hockey stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. „Viele hier in Lübeck, auch die ältere Generation, die nehmen das nicht so an, was Hockey anbetrifft. Die gehen immer eher zum Handball, Fußball. ‚Hockey kennen wir gar nicht.‘“ Ihr persönlicher Wunsch für das Turnier ist klar formuliert: „Dass wir viele Zuschauer haben.“
Wer selbst einmal Hockey ausprobieren möchte, kann das unkompliziert tun. „Das ist immer am Montag um 14.45 Uhr bis um 16 Uhr in der Halle vom LBV Phönix. Falkenstraße 44.“ Schläger und Bälle stellt der Verein, der Einstieg erfolgt behutsam.
Nach 50 Jahren Ehrenamt ist Christel Schneider noch immer überzeugt: „Bewegung ist alles.“ Und Hockey ist für sie weit mehr als ein Sport – es ist Leidenschaft, Gemeinschaft und Zukunft.
Das vollständige Interview ist heute (12.2.) bei RADIO LÜBECK 88,5 UKW nochmal um 14.45 Uhr sowie um 20.45 Uhr erneut zu hören. Hier geht es Livestream.
Bildquellen
- Schneider: privat/oH
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