
Lübeck – Wenn am 21. und 22. Februar die besten acht U16-Teams Deutschlands in der Hansehalle aufeinandertreffen, geht es um weit mehr als nur einen Pokal. Für viele Beteiligte ist die Deutsche Meisterschaft im Nachwuchsbereich ein emotionaler Fixpunkt. Darüber sprechen Patrice Brand und Aaron Flatten im Interview bei RADIO LÜBECK. Bereits um 7.15 Uhr lief das Doppelinterview, um 12.45 Uhr und 18.15 Uhr läuft das Gespräch erneut.
„Darauf arbeitet man die ganze Saison hin“
Aaron Flatten, heute 23 Jahre alt und Bundesligaspieler bei Rot-Weiß Köln, erinnert sich an seine eigene Endrunde vor rund zehn Jahren. Mit dem SC Frankfurt 1880 reiste er damals als Süddeutscher Meister an – allerdings ohne Favoritenstatus.
„Titelfavoriten waren eher der Club an der Alster oder Uhlenhorst Mülheim“, sagt er rückblickend. Umso größer war die Überraschung, als Frankfurt am Ende Deutscher Meister wurde. „Dass wir das Turnier tatsächlich gewonnen haben, war umso erstaunlicher.“ Die Deutsche Meisterschaft sei jedes Jahr das große Ziel. Neben intensivem Technik- und Athletiktraining gehöre heute auch detaillierte Gegneranalyse dazu. „Man schaut Videosequenzen, stellt sich taktisch ein. Das hat sich im Vergleich zu damals noch einmal professionalisiert.“ Flatten sieht den deutschen Hockey-Nachwuchs trotz geringerer medialer Aufmerksamkeit gut aufgestellt. „Die Clubs leisten hervorragende Arbeit. Es kommen immer wieder Talente nach oben.“
Hockey als Heimat
Während Flatten die Perspektive des damaligen Spielers einnimmt, blickt Patrice Brand als leidenschaftlicher Hockeymensch und Begleiter auf das Turnier zurück. „Hockey ist für mich Leidenschaft und Heimat“, sagt er. Seine Laufbahn begann beim LBV Phönix, später spielte er von 2003 bis 2011 beim SC Frankfurt 1880 in der 2. Bundesliga. „Diese Zeit war unglaublich prägend – sportlich und menschlich.“ Nach seiner Rückkehr nach Lübeck war für ihn klar, dass sein Weg beim Heimatverein weitergehen würde. Frankfurt sei ihm dennoch bis heute besonders ans Herz gewachsen: „Dort standen immer die Menschen im Vordergrund.“
„Ich bekomme heute noch Gänsehaut“
Fragt man Brand nach dem damaligen Turnier, wird er emotional. „Wenn ich heute daran denke, spüre ich sofort wieder diesen Nervenkitzel.“ Er beschreibt, wie er auf der Tribüne saß, neben ihm Trainer Torsten Hatzel, beide ungläubig über das, was auf dem Feld geschah. Frankfurt war keineswegs Top-Favorit. Namen wie HTC Uhlenhorst Mülheim oder der Club an der Alster standen für Tradition und individuell stark besetzte Jahrgänge. „Auf dem Papier waren andere Teams stärker.“ Der Schlüssel zum Erfolg lag für Brand woanders: „Der Fokus lag auf mannschaftlicher Geschlossenheit. Die Jungs waren eine Clique, die seit Jahren zusammen gespielt hat. Sie haben füreinander gespielt – nicht für die Galerie.“ Disziplin, Leidenschaft und emotionale Stabilität hätten den Unterschied gemacht.
Der Moment für die Ewigkeit
Besonders in Erinnerung geblieben ist Brand die unfassbare Geschlossenheit über die zwei Turniertage hinweg. „Mit welcher Klarheit und Überzeugung die Jungs gespielt haben, das war beeindruckend.“ Auch das Umfeld habe seinen Teil beigetragen. „Jeder Baustein zählt – damit Ruhe herrscht und sich die Spieler auf das Wesentliche konzentrieren können.“ Unvergesslich bleibt für ihn vor allem die dramatische Qualifikation für das Finale – ein Sensationsmoment in letzter Sekunde. „Wir waren einfach überwältigt.“
Warum solche Turniere so wichtig sind
Für Brand steht fest: Eine Deutsche Meisterschaft ist enorm wichtig für den Nachwuchs. „Hier treffen die acht besten Mannschaften Deutschlands aufeinander. Es ist Leistungsnachweis, Entwicklungsschritt und emotionale Schule zugleich. Spieler lernen, mit Druck umzugehen, Verantwortung zu übernehmen und als Team zu funktionieren.
Weitere Einblicke zur männlichen U16-DM in Lübeck gibt es täglich bei RADIO LÜBECK.
Bildquellen
- Patrice Brand in Aktion: Johannes Stolzenburg/oH
Gefällt Dir unsere journalistische Arbeit?
Dann unterstütze uns hier mit einem kleinen Beitrag. Danke.







