
Lübeck – Es ist DAS Thema der vergangenen Wochen in Fußball-Deutschland. Die Debatte um die zukünftige Gestaltung der Regionalligen hat spätestens seit Februar so richtig Fahrt aufgenommen. Zwischen Aufstiegsproblemen, Kompasslösungen, Club-Initiativen und scharfer Kritik herrscht noch keine Klarheit um die heißbegehrte Regionalliga-Reform.
Was ist das Problem?
Die Problemlage ist recht einfach erklärt: Im deutschen Fußball gibt es vier Aufstiegsplätze zur 3. Liga, allerdings fünf Regionalliga-Gruppen. Ergo: Nicht jeder Regionalliga-Meister steigt auch automatisch auf. Dabei ist hier die Regelung etwas komplexer. Die Erstplatzierten der Regionalliga West und Regionalliga Südwest sind als Aufsteiger gesetzt, was mit ihrer Verbandsstärke zu tun hat. Von den übrigen drei Staffeln geht jedes Jahr rotierend ein Meister direkt hoch, während die anderen beiden in einer Relegation mit Hin- und Rückspiel den letzten Aufstiegsplatz ausspielen. Entsprechend sorgt das vor allem in jenen drei Regionen für Unzufriedenheit.
Das Kompass-Modell
Der am heißesten diskutierte Lösungsvorschlag ist das sogenannte „Kompass-Modell“. Dieses sieht eine Einteilung der Regionalligen in vier Staffeln vor, sodass jeder Meister sicher einen Aufstiegsplatz zugesprochen bekommt. Dabei sollen die Mannschaften mithilfe Künstlicher Intelligenz jedes Jahr nach kürzester Fahrtstrecke zusammengestellt werden. Trotz verbandsübergreifender Einteilung würden sich dadurch die Entfernungen für die Teams im Schnitt kaum verändern. Dabei kann es jeden Sommer je nach Konstellation zu Verschiebungen kommen.
Die Größe des Teilnehmerfeldes würde von 90 auf 80 Viertligisten sinken. Dafür müssten einmalig in der Saison 2026/2027 jede Regionalliga betreffend alle Clubs ab Rang 14 absteigen, die Absteiger aus der dritten sowie die Aufsteiger aus der Oberliga blieben unverändert.
Die Vorteile
Das Modell erfährt aus mehreren Gründen überwiegend sehr positive Resonanz. Zum einen würden die kürzest möglichen Fahrtstrecken ermittelt werden. Hinzu kommt, Auch Derbys würden bestehen bleiben respektive gegebenenfalls etwas weiter entfernte Lokalduelle von Jahr zu Jahr variieren, was für Abwechslung sorgt. Neue Impulse bekämen auch die vergleichsweise schwächeren Staffeln (Bayern- und Nord-), durch Vereine, die an der Grenze liegen und in jene Ligen aufrücken würden. Ein Faktor sind auch die einheitlichen und festen Absteigerzahlen sowie die bestehenden Aufstiegsregelungen aus der Oberliga, die herrschen würden. Schließlich wäre auch das Hauptproblem gelöst: Kein Meister der Regionalliga müsste noch um seinen Aufstieg in die 3. Liga bangen.
So würden die Staffeln aussehen
Nach Informationen der BILD sähe die aktuelle Regionalliga mit der neuen Regelung wie folgt aus:Staffel West Staffel Nord Staffel Süd Staffel Ost Rot-Weiß Oberhausen Kickers Emden Stuttgarter Kickers Lok Leipzig VfL Bochum II SV Meppen SGV Freiberg Hallescher FC Wuppertaler SV Blau-Weiß Lohne Sonnenhof Großaspach Rot-Weiß Erfurt Borussia Dortmund II VfB Oldenburg TSG Balingen Carl-Zeiss Jena Velbert Werder Bremen II SC Freiburg II FSV Zwickau Fortuna Düsseldorf II Drochtersen/Assel SV Sandhausen Chemnitzer FC Mönchengladbach II Hamburger SV II Astoria Walldorf ZFC Meuselwitz 1. FC Köln II Altona 93 FV Illertissen VSG Altglienicke Fortuna Köln FC St. Pauli II FC Memmingen BFC Dynamo Berlin Bonner SC Eintracht Norderstedt FC Augsburg II Hertha BSC Berlin II Sportfreunde Siegen Weiche Flensburg FC Bayern München II FSV Luckenwalde 1. FC Bocholt VfB Lübeck SpVgg. Unterhaching BFC Preußen Berlin TSV Steinbach Haiger Phönix Lübeck SV Buchbach 1. FC Magdeburg II FSV Frankfurt Greifswalder FC Wacker Burghausen SpVgg. Bayreuth Kickers Offenbach FSV Schöningen DJK Vilzing TSV Aubstadt FC Homburg Sportfreunde Lotte Würzburger Kickers Hessen Kassel Eintracht Trier SV Rödinghausen 1. FC Nürnberg II SG Barockstadt Fulda FSV Mainz 05 II FC Gütersloh Greuther Fürth II SV Babelsberg Schott Mainz SC Wiedenbrück SpVgg. Ansbach HSC Hannover Bayern Alzenau SC Paderborn II VfB Eichstätt Hannover 96 II
DFB und Regionalverbände rudern zurück – und ernten Kritik
Die AG Regionalliga-Reform des DFB veranstaltete bisher bereits vier Sitzungen, die sich mit der Suche nach einem gemeinsamen Lösungsvorschlag auseinandersetzten. Nach den ersten drei Terminen sah es danach aus, als wenn der Fokus klar auf das Vier-Staffel-Modell gerichtet werden würde, doch das vierte Treffen am 17. Februar führte wieder weiter weg vom Ziel. So stellten sich die Regionalverbände quer und beharrten auf der bestehenden Version. Grund dafür ist der befürchtete Machtverlust der Regionalverbandspräsidenten – vor allem von Peter Frymuth vom Westdeutschen Fußballverband (WDFV) – der mit der Aufgabe der Trägerschaft für ihre jeweilige Regionalliga einhergeht. Derweil machte der DFB in einer Stellungnahme deutlich, dass der Verband – entgegen unzutreffender Medienberichte – das „Kompass-Modell“ nicht präferiere und als bevorzugte Lösung ansehe. Dies hat auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf in der Konferenz der Regional- und Landesverbandspräsidenten am 9. März ausdrücklich klargestellt.
Das sorgte für Zündstoff. Sportchef Daniel Meyer vom Halleschen FC äußerte sich im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung: „Es geht offensichtlich nur um Macht und persönliche Interessen, dafür arbeiten sie gegen die Interessen des Fußballs und der Vereine. Das ist ein total fatales Zeichen.“ Auch Felix Magath sprach sich für das Kompass-Modell aus und stellte gegenüber der BILD klar: „Die aktuelle Situation halte ich für nicht tragbar. Eine Änderung der Regelung ist für mich überfällig.“
Zur AG Regionalliga-Reform
„Der AG gehören Vereins- und Verbandsvertreter aus allen fünf Regionalligen an. Jede Staffel hat eigenverantwortlich ihre Vertreter für die Arbeitsgruppe benannt. Weitere Mitglieder sind Manuel Hartmann als Geschäftsführer Spielbetrieb für den DFB und Ansgar Schwenken als Direktor Spielbetrieb & Fans für die DFL. Dr. Michael Vesper komplettiert die Gruppe als Vorsitzender. Die Arbeitsgruppe selbst ist kein Beschlussgremium“, heißt es vom DFB.
Club-Initiative „Aufstiegsreform 2025“
Auch die deutschen Vereine selbst beteiligen sich an der Reform des aktuellen Regionalligen-Systems. So riefen Nordost-Regionalligisten die Initiative „Aufstiegsreform 2025“ ins Leben. Mit Zweitligist Preußen Münster als neuestes Mitglied umfasst sie mittlerweile bereits 60 Unterstützer:
Bundesliga
1. FC Union Berlin
2. Bundesliga
Dynamo Dresden
Hertha BSC
FC Schalke 04
1. FC Magdeburg
Holstein Kiel
Eintracht Braunschweig
Preußen Münster
3. Liga
Hansa Rostock
FC Erzgebirge Aue
FC Energie Cottbus
Alemannia Aachen
1.FC Schweinfurt 05
MSV Duisburg
TSV 1860 München
VfL Osnabrück
SSV Ulm 1846
Rot-Weiss Essen
Regionalliga Nordost
1.FC Lok Leipzig
Hallescher FC
Rot-Weiß Erfurt
FSV Zwickau
Carl Zeiss Jena
Greifswalder FC
Chemnitzer FC
BFC Dynamo
VSG Altglienicke
Hertha 03 Zehlendorf
SV Babelsberg 03
BSG Chemie Leipzig
FSV Luckenwalde
FC Eilenburg
BFC Preussen
Regionalliga Nord
Kickers Emden
VfB Lübeck
VfB Oldenburg
SV Meppen
Altona 93
SC Weiche Flensburg 08
FSV Schöningen
SSV Jeddeloh II
SV Drochtersen/Assel
Bremer SV
Regionalliga Bayern
FV Illertissen
Würzburger Kickers
TSV Schwaben Augsburg
Regionalliga West
Wuppertaler SV
1.FC Bocholt
Rot-Weiß Oberhausen
SC Fortuna Köln
Bonner SC
Sportfreunde Siegen
SC Wiedenbrück
Regionalliga Südwest
Hessen Kassel
Oberliga
VFC Plauen
Rot Weiss Ahlen
SV Lippstadt 08
Bischofswerdaer FV 08
Tennis Borussia Berlin
VfB Homberg
U21-Liga: Ergänzung statt Ersatz
Einigkeit herrschte hingegen bei einer anderen Entscheidung. Am 3. März wurde auf der Mitgliederversammlung der DFL ohne Gegenstimme die Einführung einer neuen U21-Liga beschlossen. Entscheidend ist jedoch, dass es sich dabei lediglich um ein freiwilliges Zusatzangebot für alle Vereine der ersten und zweiten Liga handelt. Dementsprechend würden nicht, wie von vielen gewünscht, die U23-Vertretungen aus den höheren Spielklassen zurückgezogen werden, sondern die Vereine parallel zum regulären Ligaalltag an der Zusatzliga teilnehmen. Dort sollen Akteure von der U17 bis zur U21 spielberechtigt sein und die Partien unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Der genaue Modus steht noch nicht fest.
Bald herrscht Klarheit
Die Reformbemühungen wurden etwas zurückgeworfen, sind jedoch keineswegs beendet. Der DFB und die überwältigende Mehrzahl nicht nur der betroffenen Vereine wollen ein Scheitern der AG verhindern. Am 25. März trifft sich die Arbeitsgruppe ein letztes Mal. Dann soll endlich Klarheit herrschen.
Bildquellen
- Magath: Lobeca/Norbert Gettschat
- Regionalliga: Lobeca/Mascha Holm
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