Kinderfußball – Pandemieauswirkungen und sozialer Wandel

VfL Bad Schwartau sucht dringend Kinder der Jahrgänge 2014 und 2015

Der Riesebusch als Magnet für den Kinderfußball. In einer Altersklasse herrscht derzeit aber eine große Lücke. Foto: PT

Bad Schwartau – HL-SPORTS zu Besuch auf dem Bad Schwartauer Riesebusch. Reges Trainingsgeschehen, viele Kinder, die sichtlich Spaß an der Bewegung haben, auch bei mäßigem Wetter. In einer Ecke trainiert eine kleinere Gruppe, neun Kinder, dazu drei Übungsleiter. Perfekte Ausbildungsbedingungen also. Eine Fördergruppe? Mit Nichten, vielmehr offenbar diese Situation aktuelle strukturelle Defizite sowie gesellschaftliche Themen, wie auf Nachfrage bekannt wird. 

E-Jugend der Riesebuschkicker mit großem Aderlass

Es ist die 1. E-Jugend des Jahrganges 2015 unter der Leitung von Trainer Patrick Thoms. Der C-Lizenz-Trainer berichtet von seinen aktuellen Herausforderungen. „Wir sind mit 15 Kindern in die Saison gestartet. Fluktuation ist in dem Alter sicherlich immer mal gegeben, aber neben zwei Kindern, die das Interesse am Fußball verloren haben, mussten wir mitten in der Saison fünf Spieler abgeben, teils extern, teils intern in andere Teams. Für die Kinder haben wir mit den Eltern beschlossen, auch mit kleinem Kader die Saison fortzusetzen.“ Wenn man denn davon im Kinderfußball sprechen darf, waren es zudem Kinder, die schon länger aktiv waren, manch einer würde sie als „Leistungsträger“ bezeichnen.

Pandemielücke und Werteverschiebung

Während in vielen Vereinen, vor allem aber in noch jüngeren Jahrgängen, Wartelisten existieren oder Übungsleiter fehlen, herrschen für diese neun Kinder hervorragende Bedingungen. Thoms führt aus: „Die meisten Kinder beginnen mit etwa fünf Jahren das Fußballspielen, in diesem Jahrgang hatten wir nunmal die Pandemie und viel Zeit verloren. Dass Kinder jetzt noch anfangen, ist seltener, sie haben gerade den Sprung in die weiterführende Schule geschafft oder stehen davor. Da liegt der Fokus selten darauf, sich ein neues Hobby zu suchen. Wir freuen uns natürlich über jeden, der uns kennenlernen möchte und Spaß hat, Fußball zu spielen.“ Ob dieser Jahrgang nun spezieller ist aufgrund der globalen Umstände oder einfach die Einstellung in Hinblick auf den Mannschaftssport verändert hat, lässt Thoms offen: „Ich erlebe leider immer mehr, dass sich die Erwartungen ändern. Die Kinder wollen meist nur kicken, die sind per se selten schwierig. Bei vielen Erwachsenen, sei es Eltern, Großeltern, Übungsleitern, erlebe ich es vereinsübergreifend, dass sich die Definition von ‚Teamerfolg‚ gewandelt hat.“ Thoms selbst sieht den VfL Bad Schwartau als Ausbildungsverein, seine Aufgabe sei es, allen Kindern eine Basis zu ermöglichen, sich beim Fußballspielen zu verbessern. Dazu gehöre und das sei Grundbedingung, dass bestimmte soziale Regeln eingehalten werden. Als Trainer müsse man das Ganze im Blick behalten. „Betrachtet man rein die Spielergebnisse, so erhalte ich durch diese Herangehensweise sicherlich kurzfristig nicht immer die optimale Ausbeute. Leider ist es uns nicht gelungen, eine so starke Gemeinschaft zu erzeugen, dass das Wohl des Teams über dem jedes einzelnen steht. So mussten wir im Laufe der Saison mehrfach erfahren, dass Eltern für ihre Kinder oder mit ihren Kindern die eigenen Interessen über denen der Mannschaft stellten und die Mannschaft mitten in einer Saison verließen.“ Diese Erkenntnis sei für Thoms neu, der selbst von der E-Jugend bis zur A-Jugend beim VfL aktiv war. „Früher galt eine Zusage immer für die Saison mit allen Konsequenzen.“

Standortfrage nicht entscheidend

Die unsichere Zukunft bezüglich der Frage der Sportstätte ist sicherlich nur ein kleiner weiterer Baustein für die Zukunftsperspektiven. Vielmehr sind es die zusätzlich fehlenden Kinder aus dem Jahrgang 2014, die weitere Sorgen bereiten. Thoms: „Zunächst einmal werden wir mit vollster Kraft versuchen, mit den verbliebenen Kindern die Saison ordentlich abzuschließen. Bereits in der Winterpause hatte ich gebeten, dass wir in eine untere Staffel eingeteilt werden aufgrund der Situation. Leider war dieses offenbar nicht möglich, ohne dass ich dazu überhaupt eine Rückmeldung erhalten habe. Wir haben hierzu Unterstützung durch unsere 2. E-Jugend, in der einzelne Kinder leider nur wenig Spielzeit erhalten können und durch unsere 1. F-Jugend. Darüber sind wir sehr dankbar. Vielleicht können wir doch noch den ein oder anderen Neuling begrüßen.“ Von den ohnehin wenig vorhandenen Kinder des Jahrganges 2014 konnte in dieser Saison nur einem eine Möglichkeit geboten werden, in einer Mannschaft zu trainieren. Immerhin sei es schon gelungen, zwei davon zu reaktivieren, damit diese sich der Trainingsgruppe anschließen. Thoms führt weiter aus: „Das bedeutet aber auch, dass wir für die kommende Saison noch weitere Spieler benötigen, um eine D-Jugend stellen zu können. Das wird eine sehr schwierige Aufgabe. Die Standortfrage sehe ich da eher als zweitrangig an. Aktuell gehen wir nach den Aussagen davon aus, dass alles dafür getan wird, dass auch in der kommenden Saison auf dem Riesebusch gespielt wird. Interessierte Kinder begrüßen wir sehr gerne Montags und Donnerstags ab 17:30 Uhr auf dem Riesebusch.“

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Bildquellen

  • Riesebusch: PT
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