
Gudow – Vom Sorgenkind zum unangenehmen Underdog hat sich der TSV Gudow in dieser Kreisliga Südost entwickelt. Die Ausbeute am Segrahner Berg war zur Winterpause sehr dürftig, denn man ging ohne einen einzigen Sieg in den langen Winter. Nach diesem haben die Lauenburger allerdings ein ganz neues Gesicht bekommen und sind plötzlich ein echtes Hindernis für einige Kreisligisten. HL-SPORTS blickt auf die Saison und sprach mit zwei Gesichtern des aktuellen Aufwärtstrends.
Zehn Punkte reichen für den Klassenerhalt
Im vergangenen Jahr hielt der TSV Gudow mit großem Glück die Klasse. Zehn Punkte reichten für den 14. Platz, den Relegationsrang. Hinter den Lauenburgern blieben nur die beiden zurückgezogenen Teams TSV Siems und FC Dornbreite II. In der neuen Saison sollte es allerdings nicht einfacher werden für den TSV, denn die Liga hat sich deutlich verbessert und Rückzieher sollte es bisher nicht geben. Daher mussten sportlich mindestens zwei Teams hinter sich gelassen werden, was eine schwierige Aufgabe werden sollte. Einige Spieler nahmen Verletzungen aus der Vorsaison mit in die neue Spielzeit, sodass sie personell in den ersten Monaten fehlen würden. Einer davon ist Lennart Burmeister, der in der abgelaufenen Saison 13 Tore erzielte. Von den insgesamt 33 Treffern in der gesamten Runde gingen 30 auf das Konto von Hendrik und Lennart Burmeister, sodass dieses Duo die absolute Lebensversicherung des TSV Gudow war.
Rückschlag im Kellerduell
Ein kurzer Sommer 2025 stand an und die Vorbereitung auf die neue Kreisligasaison war daher nicht unbedingt lang. Vor allem die Ungewissheit durch den Relegationsplatz 14 erschwerte die Planung, denn erst spät war klar, in welcher Klasse man an den Start gehen würde. Klarheit schaffte die Staffeleinteilung, die Gudow bereits zeigte, dass es eine Mammutaufgabe werden würde. In der wohl stärksten Kreisliga seit über einem Jahrzehnt war man vom ersten Tag an der klare Underdog. Die Konkurrenz sollte stark werden, denn selbst die Aufsteiger mit dem Eichholzer SV II und SV Azadi Lübeck II sind keine gewöhnlichen. Klar war also, dass zehn Punkte wie in der Vorsaison wohl diesmal nicht genügen würden. Der TSV kam schwer in die neue Saison, sodass man sich früh am Tabellenende wiederfand. Die ersten elf Ligaspiele wurden allesamt verloren, sodass bereits wenig für die Mannschaft vom Segrahner Berg sprach. Zahlreiche personelle Ausfälle, wie Hendrik „Bommel“ und Lennart Burmeister, waren nicht zu ersetzen und auch der Glaube schwand. Das letzte Spiel im Oktober, das Gastspiel beim VfL Vorwerk, sollte das wohl wichtigste Duell der Hinserie werden, denn ein Sieg war Pflicht gegen den ebenfalls tief im Keller steckenden Verein. Eine späte Niederlage sorgte für große Enttäuschung, hängende Köpfe und zudem einen erneuten Ausfall von Hendrik Burmeister. Ein Tag zum Vergessen für die Elf von Marcel Schaper. Nicht wenige schrieben diese endgültig als klaren Absteiger ab, doch dieser „Tiefpunkt“ sollte der Beginn einer Wende sein.
Starke Reaktion
Zum Beginn im November war der Eichholzer SV II beim punktlosen TSV Gudow zu Gast und die Rollenverteilung war klar. Alles andere als ein Sieg der Lübecker sollte als eine große Überraschung gelten. Nach sieben Minuten geriet das Heimteam in Rückstand und nach den deprimierenden Wochen zuvor sprach noch weniger als ohnehin für den TSV. Doch ein ersatzgeschwächtes Team zeigte trotz dieser Situation eine beeindruckende Moral und kämpfte sich zurück. Routinier Sascha Stange glich tatsächlich aus und die Chancen auf den Sieg waren sogar da. Man kratzte am ersten Dreier der Saison, doch auch wenn es diesen nicht gab, sollte der Spieltag ein erster kleiner Erfolg sein. Der erste Punkt im zwölften Spiel war eingefahren. In der Folgewoche ging es zum Ligaprimus Reinfeld/Kronsforde und es sollte eine Mammutaufgabe werden. Bis dahin verlor der Spitzenreiter kein einziges Mal, sodass die Ungeschlagenen die Sieglosen empfingen. Ein echtes David-gegen-Goliath-Spiel stand also an und der Underdog machte es dem Favoriten enorm schwer. Nur ein direkter Freistoß knackte das Schlusslicht, sodass die Partie 0:1 endete. Gudow durfte stolz sein, denn es war ein beeindruckender Kampf. Der Trend zeigte in die richtige Richtung, auch wenn das Konto nur einen Punkt schwer war. In den letzten Spielen des Jahres folgten zwar noch Niederlagen, doch die Leistungen stimmten bei einem sehr dünnen Kader.
Nach Horrorbilanz zum Winter folgt der Aufwärtstrend
Ein Punkt aus 17 Spielen und 14:64 Tore standen zur Winterpause auf dem Zeugnis des Kellerkinds, eine erschreckende Bilanz. Der Klassenerhalt schien unmöglich für viele Betrachter und die Mannschaft von Marcel Schaper wurde von nicht wenigen bereits abgeschrieben. Es stand allerdings eine lange Winterpause an und diese sollte einiges bewirken. Die Verletzten feierten ihre Rückkehr und die Stimmung im Team veränderte sich. Eine neue Euphorie entfachte sich in einer Situation, die fast schon ausweglos erschien. Das neue Pflichtspieljahr begann mit einer 0:2-Heimniederlage gegen den TSV Schlutup, doch die Leistung machte Mut. Der damalige Gästetrainer Frank Wölffel sagte nach dem Spiel: „Ich bin mir sicher, dass sie zumindest zu Hause bald die ersten drei Punkte holen werden.“ Genau damit sollte er recht behalten. Nur eine Woche später spielte eine starke Mannschaft eine beeindruckende erste Hälfte gegen den VfL Rethwisch. Mit 3:0 führte diese und für viele war klar, trotz der schwachen Punktebilanz: „Dieses Team lebt.“ Die Führung wurde über die Zeit gebracht, auch dank eines starken Rückhalts im Tor und der erste Dreier der Saison war in trockenen Tüchern. In der Folgewoche kam der TSV Travemünde, Verbandsligaabsteiger, an den Segrahner Berg und Gudow bestätigte die Leistung aus der Vorwoche. Ein verdienter Punkt trotz Rückstand wurde eingefahren. Zwei Spiele in Folge blieb man ungeschlagen, was in der Hinserie noch unmöglich schien.
Es gibt Hoffnung
In der Fremde folgte allerdings ein Dämpfer, denn die Mannschaft verlor mit 1:4 beim heimstarken SV Fortuna St. Jürgen. Zur Pause stand noch die Null, doch es folgte ein Leistungseinbruch. Die Kräfte waren komplett weg, was nicht überraschend kam nach den intensiven ersten Wochen. Dies war allerdings ein Ausrutscher, denn zuletzt gab es zwei Auftritte, bei denen man sich mehr als nur konkurrenzfähig zeigte. In Kücknitz führte man mit 1:0 und verpasste den Sack zuzumachen. Stattdessen musste man sich geschlagen geben. Zuletzt im Derby gegen Breitenfelde gab es eine Punkteteilung, die leistungsgerecht war. Man war sogar nicht weit vom Sieg entfernt. Nach 23 Spielen stehen nun sechs Zähler auf dem Konto, fünf mehr als noch zur Winterpause. 0,1 Punkte im Schnitt in den ersten 17 Spielen stehen nun 0,8 nur in 2026 gegenüber. Die Entwicklung ist in den Auftritten klar zu sehen, dennoch braucht es für den Klassenerhalt noch mehr Punkte. Der Relegationsplatz 14, den man in der Vorsaison erreichte, ist derzeit vier Punkte entfernt. Dort steht der TSV Eintracht Groß Grönau II, bei dem der Trend in die absolut andere Richtung zeigt. Trotz des Rückstandes ist der Klassenerhalt nicht so unrealistisch, wie es scheint, denn gleich zweimal trifft Gudow noch auf die Eintracht. Man hat also alles in der eigenen Hand und auch auf Vorwerk und Stockelsdorf trifft man noch. Die aktuelle Saison zeigt, dass vor allem zu Hause einiges möglich ist, daher ist es positiv, dass vier der letzten sieben Spiele zu Hause sind.
Lennart Burmeister: „Aus meiner persönlichen Sicht hat meine Saison eigentlich erst im Winter angefangen“
Ein Gesicht des aktuellen Aufschwungs ist Lennart Burmeister. 2025 kam er nahezu gar nicht zum Zug, nun sieht es anders aus. Er ist aktuell der Schlüsselspieler im Angriff und mit seinem Tempo genau der Spieler, der in den ersten 17 Spielen noch fehlte. HL-SPORTS sprach mit ihm und fragte ihn, wie er diese Saison bisher wahrnimmt und was sich verändert hat: „Aus meiner persönlichen Sicht hat meine Saison eigentlich erst im Winter angefangen. Ich hatte lange mit einer Schambeinentzündung zu kämpfen – eine extrem hartnäckige Verletzung, die ich Anfang 20 schon einmal hatte. Dadurch wusste ich zwar, was auf mich zukommt, aber leicht war es trotzdem nicht. Ich habe monatelang im Kraftraum auf mein Comeback hingearbeitet. An der Stelle möchte ich mich auch nochmal ausdrücklich bei Dr. Seidel in Lübeck, der Physiotherapie Gesundheitsreich sowie bei Torsten Benken und Bettina Ritter bedanken – ich habe mich dort immer bestens aufgehoben gefühlt. Als ich dann endlich wieder angreifen wollte, kam direkt der nächste Rückschlag durch einen Infekt. So blieb es 2025 bei zwei Kurzeinsätzen ohne wirklichen Einfluss. Insgesamt also ein Halbjahr zum Vergessen. Ich habe in der Zeit extrem mit den Jungs mitgelitten. Uns hat es einfach an Selbstvertrauen gefehlt und an manchen Stellen auch an Qualität. Und wenn es dann läuft, hast du eben auch kein Glück – wir haben ja nicht jedes Spiel klar verloren, wenn ich da an Rethwisch oder Kronsforde denke. Im Winter gab es dann aber wirklich so etwas wie einen Knalleffekt. Wir haben uns zusammengesetzt, offen über unsere Probleme gesprochen und klare Ziele für die Rückrunde formuliert. Ein zentraler Punkt war unsere Fitness, weil uns in vielen Spielen gerade in der letzten halben Stunde die Luft ausgegangen ist. Die Vorbereitung hat dann viel verändert. Im Trainingslager sind wir als Team nochmal enger zusammengerückt und haben richtig hart gearbeitet. Auch der Wintereinbruch hat uns eher zusammengeschweißt als aufgehalten – wir mussten improvisieren, sind gemeinsam durchs Dorf gelaufen und haben uns gegenseitig gepusht. Diese Phase hat uns mental und körperlich extrem weitergebracht. Ich glaube, genau daraus kommt auch die aktuelle Euphorie – wir merken einfach, dass sich die Arbeit auszahlt und wir fitter sind als vorher. Für mich persönlich ist es einfach ein super Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen und der Mannschaft mit Toren und Vorlagen helfen zu können. Das habe ich wirklich vermisst, auch mental war das nicht immer einfach. Wir sind eine unangenehme Mannschaft, das wissen wir, aber wir können auch Fußball spielen, das haben wir zuletzt gezeigt. Auch wenn wir von außen manchmal belächelt werden – gerade von den Lübecker Teams – motiviert uns das eher. Viele hatten uns schon abgeschrieben, aber ich bin überzeugt, dass wir noch einige Mannschaften ärgern werden.“ Zudem verriet Burmeister, wie es für ihn weitergeht: „Unabhängig davon, wie die Saison ausgeht: Ich werde dem Verein treu bleiben. Der TSV ist mein Verein – egal ob Kreisliga oder Kreisklasse A.“
Zusammenhalt als Faktor
Trainer Marcel Schaper gab ebenfalls einen Einblick in die vergangenen Wochen und Monate: „Wir haben Mitte Januar ein Trainingslager gehabt, wo Stimmung und Fitness im Vordergrund standen. Gemeinsame Nächte in der Jugendherberge und ein denkwürdiger Mannschaftsabend haben geholfen. Das sollte nicht der Auftakt für die Rückrunde sein, sondern schon für die kommende Saison. Große Ziele sollte man nicht mit einem Punkt ausgeben. Die Jungs haben festgestellt, dass es nur funktioniert, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Während der Platz zugeschneit war, gab es dann diverse gemeinsame Intervallläufe, die den Grundstein für die kompakte Defensive gelegt haben. Man merkt, dass jeder Bock hat, sich gemeinsam reinzuhauen und passend dazu kommen dann auch die Erfolgserlebnisse. Knappe Niederlage gegen Schlutup, erster Sieg gegen Rethwisch, Comeback gegen Travemünde und zuletzt der späte Punktgewinn auswärts in Mölln. Man merkt, wie von Spiel zu Spiel das Selbstvertrauen steigt. Wir achten überhaupt nicht auf die Tabelle und haben nur das Ziel, jeden Gegner auf unserer vermeintlichen Abschiedstour zu ärgern. Erste, Zweite und Alte Herren unterstützen sich wieder zu hundert Prozent gegenseitig, Spieler, die in den letzten Jahren gegangen sind, kommen für die Zweite wieder zurück. Auch bei der Ersten passiert was Richtung Sommer. Das alte „TSV Gudow Gefühl“ kehrt langsam zurück. Zusätzlich wurde gerade die Baugenehmigung für Flutlicht auf dem Hauptplatz eingereicht, es bewegt sich also in die richtige Richtung.“ Zudem gab es eine weitere positive Nachricht, denn ein Spieler, der sich am Sonntag schwer verletzte, hatte Glück im Unglück: „Jens „Ente“ Ehrhardt hatte Glück im Unglück und wird zu Vorbereitungsbeginn wieder zur Verfügung stehen.“







