Verschollener Geldgeber, verlorenes Top-Spiel und nächste Profifußball-Vision in Schleswig-Holstein

Dassendorf verliert, ETSV-Drama, ETV-Hoffnung und in Elmshorn will man auf die Überholspur

Dassendorfs Maximilian Dittrich wird von Blerim Qestaj (ETSV) gestoppt. Foto: LOBECA/Roberto Seidel

Dassendorf – War das die Entscheidung in der Oberliga Hamburg? Die TuS Dassendorf unterlag im Top-Spiel vor Ostern mit 0:1 gegen ETSV Hamburg. Nick Selutin (kam im Sommer aus Norderstedt) traf in der 26. Minute zum Tor des Tages. Für “Dasse“ eine Katastrophe, denn die Lauenburger hatten gerade zum ersten Mal überhaupt für die Regionalliga gemeldet. Mit zehn Punkten Rückstand auf den Eimsbütteler TV, bei allerdings noch zwei Nachholspielen, ist das vermutlich ein schweres Unterfangen. Dabei spielt man allerdings kommenden Monat noch gegen den Spitzenreiter. Letzte Chance – und man muss alles gewinnen sowie darauf hoffen, dass der ETV noch Federn lässt.

ETSV rudert zurück

Dabei spielt es um die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 4. Liga keine Rolle mehr, was der ETSV macht. Die Eisenbahner haben ihre Meldung zur Regionalliga gar nicht erst abgeschickt. Der Hauptsponsor ist verschwunden. Das “Abendblatt“ berichtete, dass man am Mittleren Landweg wieder „kleine Brötchen“ backen müsse. Das sagte Sportchef Jassi Huremovic noch vor dem Duell gegen Dassendorf. Nun, nach dem Erfolg gegen den direkten Konkurrenten, dürfte man sich in Bergedorf kräftig ärgern. Der wichtige Geldgeber des Clubs ist seit knapp einem Monat verschollen. Huremovic meinte: „Ein großer Teil unseres Etats hängt von ihm ab. Ohne ihn können wir den Aufstieg nicht verwirklichen.“ Ohne Moos nichts los, auch nicht in der Oberliga – und in der Regionalliga schon gar nicht.

Keine Experimente in Eimsbüttel

Ob der ETV am Ende nach einer möglichen Meisterschaft überhaupt lachen kann, wird sich noch zeigen. Einer der größten Vereine in der Hansestadt (über 20.000 Mitglieder) will bei einem Aufstieg keine finanziellen Wagnisse starten. Die Mannschaft soll sich aus eigenen finanziellen Mitteln halten. Wie schon in der Regionalliga-Spielzeit 2023/2024 setzt man auf den eigenen Nachwuchs und nicht auf Ex-Profis.

Karadiken und Zapel wollen nach Geesthacht

Das sieht man am Wendelweg bei der TuS Dassendorf anders. Mit Martin Harnik und Max Kruse (beide 38) spielen zwei ehemalige Bundesliga-Stars im Team. Bei der Partie gegen den ETSV waren sie nicht dabei. Und ob sie sich die Regionalliga überhaupt antun würden, ist noch offen. Dennoch hofft man bei den Lauenburgern als lachender Dritter durchs Ziel direkt nach oben durchzurutschen. Ab dem Sommer hat dort Oliver Zapel (ehemals Phönix Lübeck) den Hut auf. Kumpel Hakan Karadiken (ebenfalls früherer geschasster Adler) zieht bereits die Strippen als Sportchef. Beide Typen sind dafür bekannt, dass sie keine halben Sachen machen – sie wollen den Erfolg.

Neuester Coup: Für “Dasse“ würde es nicht ins Billtalstadion (Hamburg-Bergedorf) gehen, dafür hat Karadiken ein anderes schickes Schmuckstück gefunden. Es wäre die Zentrale Sportanlage in der Berliner Straße in Geesthacht. Knapp zehn Minuten von der eigenen Heimat entfernt. 3.500 Plätze mit einer Tribüne, mitten im Wald. Es erinnert ein wenig an das Stadion der SV Drochtersen/Assel. Möglich, dass Zapel und Karadiken auch bald schon um den Aufstieg in die 3. Liga spielen – der Zweikampf mit dem Ex-Club aus Lübeck, der bereits im dritten Anlauf abbrach, dürfte auf jeden Fall für viel Interesse sorgen…  

Die anderen Favoriten für die Regionalliga

Ein Blick auf die Mitbewerber des SV Todesfelde, der neben Holstein Kiel II auch für die Regionalliga meldete, geht nach Bremen. Dort führt der Blumenthaler SV die Tabelle an, ist aber noch lange nicht durch. In Niedersachsen sind Atlas Delmenhorst und Heeslinger SC punktgleich ganz oben, vor dem 1. FC Germania Egestorf/Langreder.

Maiers Visionen

Und dann darf man sich bald vielleicht auf einen ganz neuen Namen im Norden freuen. Erst hätte man glauben können, dass es sich um einen verfrühten Aprilscherz gehandelt hat – doch anscheinend ist es absoluter Ernst: Der FC Elmshorn hat das Ziel 3. Liga ausgerufen. Bis 2033 will der Tabellenzweite der Bezirksliga Hamburg (7. Spielklasse) dorthin.

“SportNord“ berichtete am 31. März darüber, dass Sportdirektor Jörn Maier „hinter Holstein Kiel und dem VfB Lübeck die Nummer 3 im Land“ werden will. Dem früheren Football-Trainer (unter anderem NFL Europe und Lübeck Cougars) sei klar, dass man ihn für diese Vision belächelt. Dabei kennt der 54-Jährige dieses Gefühl. 2014 erklärte er die Elmshorn Fighting Pirates innerhalb von fünf Jahren in die GFL zu führen. Er schaffte es, wurde jedoch durch die inzwischen am Boden liegende European League of Football (ELF) und die Hamburg Sea Devils gestoppt, weil die Spieler aus Elmshorn dorthin abwanderten.

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„Für die Oberliga betreiben wir nicht diesen Aufwand“

Zusammen mit Sylvia Nowak (früher Vorsitzende bei den Pirates) wollte Maier erst einen neuen Verein in Elmshorn (53.000 Einwohner) gründen und von ganz unten anfangen. Es gab Kontakt zum FC Elmshorn und dort stellte sich die Frage, wo der Verein selbst hinmöchte. „Landesliga, dann vielleicht Oberliga“, war die Antwort. Die klare Botschaft von Maier und Nowak: „Für die Oberliga betreiben wir nicht diesen Aufwand, dafür kommen wir nicht.“

Maier entwarf eine zwölfseitige Broschüre: Alle zwei Jahre Aufstieg – Landesliga, Oberliga, Regionalliga, 3. Liga – bis 2032 oder 2033. Und er hat es durchdacht: Jugendarbeit als Nachhaltigkeit, Stadionbau – drittligatauglich. FCE-Vizepräsident Torben Semmelhaack soll mithelfen. Er ist Geschäftsführer eines familieneigenen Immobilienunternehmens. Und auch Bürgermeister Erik Sachse ist informiert. „Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bevölkerung“ will man mitnehmen. Der Visionär von Elmshorn sagte gegenüber SportNord: „Wir entwickeln Steine und Beine. Und es ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Eines bleibt dennoch vorläufig: Die Aufmerksamkeit einer Idee von der 3. Liga, aber doch ein bisschen anders als bisher bei Teutonia Ottensen oder woanders…

Welches Modell für die Regionalliga gefällt dir besser?

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