
Lübeck – Ein Jubiläum und ein Streit. Lübeck freut sich auf das 150. Stadtderby zwischen dem VfB und 1. FC Phönix am kommenden Sonntag um 14 Uhr in der Regionalliga, doch es gibt Stress zwischen zwei Fangruppen: „Ultra Kollektiv Lübeck (UKL)“ gegen „Halunken“ (HL-SPORTS berichtete). Normalerweise hält man in der Aktiven Fan-Szene dicht, doch das ist spätestens seit Sonntag vorbei. Das sorgt für Fragezeichen in der Szene.
Den bisherigen Höhepunkt gab es ausgerechnet am Freitag, den 13. des vergangenen Monats. Dort überfielen Hamburger Ultras zusammen mit Teilen des befreundeten UKL das Lübecker Fan-Dorf und machten Jagd auf die Halunken. Es gab Verletzte. Unbeteiligte, die mit keiner der beiden Gruppierungen zu tun haben, kamen zu Schaden. Seitdem herrscht Eiseskälte in der Pappelkurve und vor allem Leere. Der Verein sperrte die überdachte Tribüne und trennte UKL und Halunken im Stadion. Das wurde gegen BW Lohne sowie Werder Bremen II so praktiziert. Eine Lösung des Streits scheint nicht in Sicht.
Schwere Vorwürfe via Social Media
Am Sonntag meldete sich erstmals das UKL über die Sozialen Medien zu Wort und kippte alles aus, was sie der Gegenseite vorwerfen. In einer dreiteiligen Stellungnahme wirft das UKL den Halunken eine jahrelange Verschiebung von Grenzen vor. Man spricht von „homophoben Schmähgesängen, rechtsextremen Sprüchen und Kleidung sowie NS-Parolen“. Das “Kollektiv“ inszeniert sich als moralische Instanz, die nun öffentlich Stellung beziehen müsse: „Das UKL wird niemals Einzelne anschwärzen, aber wir werden diesen Taten nicht mehr die Anonymität der Masse geben.“ Dabei räumte das UKL ein, dass man jahrelang wegsah und intern versuchte, Ausreißer unter Kontrolle zu bringen. Die Gruppierung forderte den Verein zu einer klaren Positionierung auf. Der Angriff auf das eigene Conti-Dorf wurde darin nur mit einem Satz angerissen.
„Was hier betrieben wird, ist aus unserer Sicht eine Mischung aus Diffamierung, bewusster Verzerrung von Fakten und einer Täter-Opfer-Umkehr, die wir so nicht stehen lassen werden“, war die Reaktion der Halunken. Diese folgte am darauffolgenden Tag: Sie weisen die Anschuldigungen als „Nazi-Keule“ zurück und sprechen von einer gezielten Diffamierung, um von dem gewaltsamen Überfall auf das Conti-Dorf abzulenken. Dieser Überfall, so die Halunken, sei ein „Verrat an der eigenen Fanszene“ gewesen. Entscheidend für die Halunken ist die Aktion von UKL-Teilen. Hierzu heißt es: „Ein gemeinsamer Überfall und brutaler Angriff mittels Einsatzes von Schlagwaffen auf das Conti-Dorf – das Herz der Lübecker Fanszene – wurde bis ins kleinste Detail geplant und umgesetzt – ohne Rücksicht auf Unbeteiligte, Familien und Kinder.“ Man distanziere sich klar von Vorwürfen des Faschismus: „Wir sind Fußballfans. Nicht mehr. Nicht weniger.“
VfB stellt Strafanzeige
Der VfB Lübeck reagierte heute (15.4.) mit einer offiziellen Stellungnahme. Der Verein zeigt sich besorgt über die öffentliche Schlammschlacht und bestätigt, dass die Vorfälle vom Freitag, den 13. März, bereits polizeilich verfolgt werden. Unter der Vorgangsnummer SH / 181141 / 2026 wurde Strafanzeige gestellt. Besonders deutlich wird der Verein beim Thema Dialog: Dieser sei bisher daran gescheitert, dass eine Gruppe diesen „kategorisch ausschließt“. Wer damit gemeint ist, bleibt zwischen den Zeilen lesbar, da das UKL in seiner eigenen Erklärung die Bedingungen für eine Rückkehr in die Kurve („eindeutige Unterstützung aller VfB-Fans“) sehr hoch ansetzt.
Der VfB findet deutliche Worte für das Schweigen zum Leid der Opfer: „Mit Erschrecken müssen wir feststellen, dass die Inkaufnahme von Verletzten oder die Empathie mit Opfern der Gewalt nur wenig Erwähnung findet – das ist für uns nicht hinnehmbar.“
Machtanspruch im Fokus der Kritik
Beobachter der Szene blicken derweil kritisch auf die Rolle, die das UKL in den vergangenen Jahren eingenommen hat. Die Gruppe dehnte ihren Einfluss weit in die Vereinsgremien aus – eine Entwicklung, die nicht ohne Folgen blieb. Viele erinnern sich an den massiven Druck auf langjährige Gremiumsmitglieder, Förderer, Mäzene, deren Rückzug den Verein auch finanziell schwer belastet hat. Dass der Verein nun personelle und organisatorische Konsequenzen gezogen hat, um die Ordnung wiederherzustellen, werten viele als notwendigen Schritt gegen eine „Alles oder Nichts“-Mentalität, die den Verein bisher zunehmend isolierte.
Vor dem 150. Stadtderby will der VfB nun diesen Scherbenhaufen zusammenkehren. Während der Verein zur Einigkeit mahnt („Unser VfB Lübeck braucht seine Fans – und zwar vereint, nicht gespalten“) und den Dialog über das Fan-Projekt fordert, bleibt die Pappelkurve uneins. Ob die Lohmühle wieder ein Ort der gemeinsamen Leidenschaft oder weiterhin ein Schauplatz von Machtkämpfen und polizeilichen Ermittlungen bleibt, wird sich möglicherweise schon am Sonntag zeigen. Derzeit sieht es nicht nach Frieden aus. Die abschließende Frage bei diesem Konflikt lautet: Wer denkt wirklich an den Verein?
HL-SPORTS hat sich entschieden, die jeweiligen Stellungnahmen in voller Länge und chronologischer Reihenfolge wie folgt zu veröffentlichen:
UKL (12. April)
WAS IST HIER EIGENTLICH GERADE LOS?
Mit dieser Erklärung wollen wir euch eine umfassende Aufklärung zur aktuellen Situation geben.
Seit dem Jahr 2003 haben wir, das Ultra’ Kollektiv Lübeck, unsere ganze Kraft in die Unterstützung des VfB Lübeck gesteckt. Wir haben Verantwortung in den Vereinsgremien übernommen und zusätzlich ehrenamtliche Unterstützung in nahezu allen Bereichen des Vereinslebens geleistet: Fanshop-Artikel entworfen, Dauerkarten-Kampagnen umgesetzt, Arbeitseinsätze an der Lohmühle ausgeübt, Malerarbeiten im Kabinengang und Stadion vorgenommen, Designs für Trikots und Tickets gestaltet, Veranstaltungen organisiert und einen Essens- und Getränkeverkauf bei allen Jugend- und Amateurheimspielen angeboten.
Vor allem aber haben wir das Contidorf gemeinsam mit anderen VfBern erschaffen, entwickelt und bis zuletzt betrieben, einen Anlaufpunkt für alle VfB-Fans. Wir haben für kühles Bier im Sommer, Glühwein im Winter, grün-weiße Nächte oder das Winterdorf gesorgt. Wir haben dort einen einzigartigen Ort für Fan- und Vereinspolitik, einen Treffpunkt für VfB-Fans bei Heimspielen und den Ort unserer karitativen Projekte für soziale Träger in der Hansestadt geschaffen. In der Pappelkurve, die wir nach jahrelangen Streifzügen durch Block A, G1 und G6 durch ehrenamtliches Engagement und eigene Sponsorenakquise maßgeblich ermöglicht haben, stand die Weiterentwicklung der optischen und akustischen Unterstützung unseres Vereins für uns immer im Mittelpunkt unseres Lebens. Diese Heimat der Fans ist unser ganzer Stolz und das Ergebnis jahrzehntelanger Mühen, angetrieben von der Liebe zu unserem Verein und der Sehnsucht nach einem Ort der Freiheit und des Wohlfühlens für alle VfB-Fans, Beschäftigte und Angehörige.
Niemals hätten wir all das leichtfertig aufs Spiel gesetzt.
Die Auseinandersetzung rund um das Contidorf nach dem Heimspiel gegen den Hamburger SV II war nicht der Anfang, sondern der traurige Höhepunkt eines langen anhaltenden Konfliktes mit dem Fanclub Halunken. Der für den VfB entstandene Schaden schmerzt uns sehr. Auch wir sehen diesen Abend als Zäsur in der Historie unserer Fanszene.
Wie konnte es so weit kommen?
Der angesprochene Konflikt ist das Resultat einer jahrelang andauernden Spirale massiven Fehlverhaltens des Fanclubs Halunken. Mit dieser Gruppe hat sich ein Personenkreis gebildet, welcher unsere Fankultur und die Werte des Vereins gezielt kompromittiert und gespalten hat.
Anfangs waren es Provokationen innerhalb unserer Fankurve. Hierzu gehören das Stören von optischen Aktionen, des grün-weißen Tifo oder das Nicht-Einhalten von Absprachen in der Kurve und dem Contidorf. Im Laufe der letzten Jahre wurde dieses negative Verhalten ausgeweitet: homophobe Schmähgesänge, rechtsextreme Sprüche & Kleidung, NS-Parolen und rassistische Beleidigungen gegen eigene und gegnerische Spieler. VfB-Fans wurden schikaniert und angegangen, in den vergangenen zwei Jahren auch physisch. Weibliche VfB-Fans wurden herabgewürdigt, Freunde von der Nordtribüne Hamburg bedroht und beschimpft. Jeder, der den VfB regelmäßig auswärts begleitet, hat dies erlebt und mitbekommen.
Immer wieder haben wir, aus unserem Selbstverständnis als Führungsgruppe der Kurve heraus, das Gespräch mit diesem Personenkreis gesucht. Immer wieder wurde uns seitens der Halunken versichert, dieses Fehlverhalten abzustellen. Immer wieder wurden diese Zusagen durch tatsächliches und immer drastischeres Fehlverhalten ad absurdum geführt. Immer wieder haben wir bis kurz vor Selbstverleugnung Kompromisse gesucht.
Wir haben von diesem Personenkreis keine konstruktive Mitwirkung an unserer Fanszene erwartet und auch nicht erhalten. Jedoch können wir ein bewusstes Schädigen von allem, was uns und den Verein ausmacht, die Lübecker Fanszene repräsentiert und was uns in unserem Leben Freude bereiten sollte, niemals akzeptieren.
Mittlerweile ist die Gruppe Halunken und ihr Umfeld von Jung-Nazis unterwandert und so wurde in den letzten Jahren eben genau das gemacht, was Faschisten so machen: die Verschiebung von Grenzen und das Überschreiten von Linien, immer und immer weiter, immer und immer wieder, mit voller Absicht.
Im Nachgang der öffentlich bekannt gewordenen Auseinandersetzung haben diese Personen dann endgültig jegliche Masken fallen lassen. Noch im Stadionumfeld wurde Jagd auf Einzelpersonen, Unbeteiligte und Minderjährige gemacht, Menschen im Privatleben wurden eingeschüchtert und bedroht. Eine dem UKL zuzurechnende Räumlichkeit im Contidorf wurde noch in der Nacht aufgesägt und sämtliches Mobiliar darin in Zerstörungswut kaputtgeschlagen. Wir wissen genau, dass nicht alle Mitglieder des Fanclubs Halunken an diesen Vorkommnissen beteiligt waren, aber sie legitimieren es durch ihr Nichteingreifen. Es ist nach all diesen Geschehnissen grotesk, dass im Namen dieser Gruppe nun sogar die von uns entwickelten Symboliken der Pappelkurve Lübeck verwendet werden und dass Anspruch auf unsere Kurve erhoben wird – die Kurve, an deren Gestaltung sich die Gruppe in den letzten Jahren quasi nie beteiligt hat.
Diese Form der Eskalation überschreitet jede Grenze dessen, was wir jemals tolerieren konnten oder werden. Wir sind Ultras – wir verlieren nicht, wofür wir stehen: Keine Angriffe ins Privatleben, keine Einschüchterung oder Bedrohung von anderen VfB-Fans oder Unbeteiligten! Viel zu lange haben wir aus unserem Selbstverständnis als Ultras heraus gegenüber dem Verein und anderen VfBern die Dinge nicht klar genug benannt. Das UKL wird niemals Einzelne anschwärzen, aber wir werden diesen Taten nicht mehr die Anonymität der Masse geben, so wie wir es in all den Jahren getan haben und so wie es der Fanclub Halunken in all den Jahren ausgenutzt hat.
Wie kann es weitergehen?
Wir haben unsere ganze Kraft in das gegeben, was wir auch in Zukunft wollen:
Eine lautstarke Kurve ohne Menschenfeindlichkeit, ohne Bedrohung und ohne Einschüchterung, in der sich alle VfB-Fans, die sich an die grundlegenden Werte unseres Zusammenhaltes und an die Werte des Vereins halten, wohlfühlen sollen, in der unsere befreundeten Gäste willkommen sind, im Contidorf, in der Pappelkurve und in jedem Gästeblock, in dem wir stehen und singen.
Diese Orte und ihr Zusammenhalt sind unser Leben. Wir wollen zurück in die Pappelkurve und ins Contidorf, um dieses Leben zu schützen und neu zu gestalten, besser und geschlossener als jemals zuvor.
Dafür braucht es einen klaren und verlässlichen Rahmen, einen Rahmen, in dem sich alle VfB-Fans sicher fühlen können und in dem die Werte, für die wir stehen, geschützt werden. Hierfür benötigt es jedoch auch die eindeutige Unterstützung aller VfB-Fans, Angehörigen und Angestellten des Vereins, um diese Zukunft der Pappelkurve samt Contidorf Realität werden zu lassen.
Wir wissen, dass die handelnden Personen im VfB jetzt das erste Mal überhaupt mit den Lügen, dem Leugnen und dem Opfermythos der Halunken konfrontiert sind und damit einen Umgang finden müssen. Dennoch erwarten wir eine glasklare Positionierung des VfB Lübeck, welche Art von Fankultur er auf seinen Rängen haben möchte! Hass durch Rassismus, Homophobie, Sexismus und Gewalt gegen andere VfBer oder eine Fankurve, die Grün-Weiß ist, in der sich jeder Mensch, der den VfB unterstützen möchte, wohlfühlen kann?
Wir wissen, dass sich der VfB weiterhin in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage befindet und dass das Kapazitäten bindet, aber wir wissen auch: Jetzt ist der Zeitpunkt für alle VfB-Fans, für unsere Stadt und sein Aushängeschild gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, eine freie und reflektierte Fankultur aktiv zu schützen. Wir laden den VfB Lübeck und alle VfBer, die noch ein Teil dieser Gemeinschaft sein wollen, ein, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen.
Nur so kann wieder eine positive Kraft entstehen – für eine bessere Zukunft unseres Vereins und seiner Fans.
Wir sind entschlossener als jemals zuvor, diesen Weg gemeinsam mit euch zu gehen.
IMMER VORWÄRTS VfB!
Ultra’ Kollektiv Lübeck seit 2003 im April 2026
Halunken (13. April)
WAS IST HIER EIGENTLICH GERADE WIRKLICH LOS?
„Die Lüge ist wie ein Schneeball: Je länger man ihn wälzt, desto größer wird er.“ – Martin Luther
Mit der aktuellen Stellungnahme des Ultra Kollektiv Lübeck wurde eine weitere Grenze überschritten. Nach den Ereignissen rund um das Contidorf erleben wir nun nicht nur eine Eskalation auf physischer Ebene, sondern auch einen gezielten Angriff auf uns über die Öffentlichkeit. Was hier betrieben wird, ist aus unserer Sicht eine Mischung aus Diffamierung, bewusster Verzerrung von Fakten und einer Täter-Opfer-Umkehr, die wir so nicht stehen lassen werden. Offen, transparent und klar nehmen wir hiermit im Folgenden Stellung.
Wer wir sind Unsere Gruppe besteht seit ca. zehn Jahren. Viele unserer Mitglieder sind jedoch deutlich länger Teil der Lübecker Fanszene und seit vielen Jahren – teils Jahrzehnten – eng mit dem VfB Lübeck verbunden. Viele von uns haben sämtliche Höhen und Tiefen unseres Vereins aktiv miterlebt.
Wir stehen für:
– bedingungslosen Support eine lebendige,
– offene Kurve
– eine klare Trennung zwischen Fanszene und Vereinspolitik
Wir sind Fußballfans. Nicht mehr. Nicht weniger. Unsere Rolle in der Fanszene Wir sind nach dem UKL mit unserem Umfeld zusammen die zweitgrößte Gruppe der Kurve. Das UKL ist seit Jahren eine prägende Gruppe, was von uns nie in Frage gestellt wurde. Gleichzeitig haben wir uns als eigenständige Stimme innerhalb der Kurve etabliert. Eine Opposition zu sein bedeutet nicht Spaltung, sondern Meinungsvielfalt. Dass genau diese Haltung aus unserer Sicht durch das UKL zunehmend nicht toleriert wird, ist ein Kernproblem der aktuellen Entwicklung.
Mehrere Grenzüberschreitungen Was aktuell passiert, ist nicht ein einzelner Vorfall, sondern eine Kette von Grenzüberschreitungen: Das UKL führt hierbei aus unserer Sicht einen Frontalangriff auf mehreren Ebenen gegen uns aus. Eine Meinungsverschiedenheit mit einer mit dem UKL befreundeten Hamburger Fangruppe schien nun die „perfekte Gelegenheit“ zu sein, um die „lästige Opposition“ in Form der Halunken ein für alle Mal loszuwerden. Ein gemeinsamer Überfall und brutaler Angriff mittels Einsatzes von Schlagwaffen auf das Contidorf – das Herz der Lübecker Fanszene – wurde bis ins kleinste Detail geplant und umgesetzt – ohne Rücksicht auf Unbeteiligte, Familien und Kinder. Zahlreiche Verletzungen wurden dabei billigend in Kauf genommen. Hierzu gab es seitdem kein Wort der Entschuldigung an unbeteiligte Verletzte, geschweige denn gegenüber der eigenen Fanszene, die man sinnbildlich „sprengte“. Vielmehr führt man den Frontalangriff gegen uns unverhohlen weiter aus.
An dieser Stelle sei nochmal klar gesagt, dass die dramatisierende Schilderung wir hätten „Freunde von der Nordtribüne bedroht“ bewusst suggerieren soll, dass es sich hierbei um eine grundsätzliche Ablehnung von HSV-Fans der Nordtribüne oder im Allgemeinen handele. Dies ist nicht der Fall. Es handelt sich hierbei um einen „fußballtypischen“ Konflikt mit einer einzelnen Gruppe, welche mit dem Ultra Kollektiv Lübeck befreundet ist. Wir pflegen nach wie vor im Privaten freundschaftliche Kontakte zu Einzelpersonen und vereinzelten Gruppen der Nordtribüne Hamburg.
Der Überfall auf das Contidorf war nicht mehr und nicht weniger als ein Verrat an der eigenen Fanszene. Dieser Überfall war allerdings keine Affekthandlung. Er war viel mehr wohldurchdacht mit dem Ziel, eine möglichst große Aufmerksamkeit zu erzeugen, um sich selbst danach in klassischer Täter-Opfer-Umkehr durch die gezielt platzierten Diffamierungen, die in der aktuellen Stellungnahme des UKL gipfeln, zum Märtyrer der eigenen Fanszene zu erklären, welche man kurz zuvor hinterrücks überfallen hat. Um diesen unentschuldbaren Verrat an der eigenen Fanszene zu legitimieren und um das übergeordnete Ziel zu erreichen, uns als Opposition innerhalb der Fanszene zu entfernen, bedient man sich nun einer der schärfsten rhetorischen Waffen der Gegenwart: Der sogenannten „Nazi-Keule“.
Um es einmal vorweg zu nehmen: Wir distanzieren uns ganz klar von Vorwürfen des Faschismus oder einer „Unterwanderung von Jung-Nazis“. Kein Mitglied war oder ist in einer politischen Partei aktiv, auf einschlägigen Demonstrationen anwesend oder agitiert in diesem Kontext. Wir sind seit den Anfängen der Pappelkurve Teil dieser und haben sich auf unseren Bereich erstreckende Choreografien anderer Gruppen stets respektvoll mitgetragen und stimmen in den lautstarken und optischen Support der Mannschaft Spiel für Spiel mit ein.
Wie kam es aus unserer Sicht zum Knall? Das UKL stellt seit Jahren die führende Hauptgruppe in der Lübecker Fanszene und wurde seit jeher auch von uns als diese angesehen. Es gab keinerlei Bemühungen unsererseits diesen Status in Frage zu stellen. Dennoch besteht unsere Gruppe nicht nur seit 10 Jahren, sondern viele der heutigen Mitglieder sind auch bereits zuvor langjährige Mitglieder der Fanszene gewesen. Mit den Jahren ist unsere Gruppe inklusive Umfeld gewachsen, sodass wir heute die zweitgrößte Gruppe der Kurve und eine echte Opposition im Block darstellen, die nicht jeder vorgeschriebenen Meinung und Haltung des UKL blind folgt.
Dass wir dadurch zur Zielscheibe des UKL wurden, zeigte sich in der Vergangenheit immer wieder. Im Sinne: „Wer unserer Ideologie nicht folgt, ist gegen uns“ führte das UKL diese Kämpfe nicht nur mit uns, sondern vor allem mit dem Verein und der Vereinsführung selbst. Hieraus resultierte unter anderem das Verjagen von Sponsoren (führte mit zur Fast-Insolvenz des Vereins und bedingt den aktuellen finanziellen Status Quo) und Verantwortlichen. Das UKL beansprucht die Führungsrolle in der Kurve und Mitsprache in der Vereinspolitik (nicht zuletzt durch direkte Bekleidung von Ämtern und Funktionen), duldet dabei aber offensichtlich ungern andere Meinungen.
Gespräche zwischen Vertretern beider Gruppen fanden in den Zeiten vor dem Überfall statt, man zeigte sich einander auf, was gut lief, was schlecht lief. Ein Standardprozess innerhalb von multipolaren Fanszenen. Dass es hierbei Ausreißer auch, aber nicht nur, auf unserer Seite gab, müsste jeder VfBer, der sich schon länger in Szenekreisen bewegt, gut einschätzen können.
Austritte, eine gesprengte Fanszene, Isolation innerhalb der Szene, Reputationsverlust und Vereinsschädigung, sind Konsequenzen, die das UKL, insbesondere deren verantwortlicher Führungskreis nun eindeutig zu verantworten haben. Dies alles hat man in Kauf genommen, um der eigenen, indoktrinierten Ideologie gerecht zu werden? Im Versuch, das Ruder rumzureißen, sich „reinzuwaschen“, drückt man uns nun öffentlich einen Stempel auf, den wir uns nicht aufschwatzen lassen!
Wir reichen allen die Hand, aber nicht den Tätern Wir richten einen Appell an die Vernunft und an alle am brutalen Überfall nicht beteiligten UKL-Mitglieder: Stoppt und distanziert euch von dem Quatsch, den die in euren Reihen seit Jahren agitierenden Personen nun zum Höhepunkt gebracht haben. Folgt nicht den blinden ideologischen Worten der Rädelsführer. Wir reichen euch sowie jedem anderen VfBer die Hand und bieten ein direktes Gespräch an, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Lasst euch nicht über die einseitig dominierten Kommunikationskanäle beeinflussen. Bildet euch eine eigene Meinung!
Wir sind Teil der Pappelkurve und wollen mit allen VfBern wieder gemeinsam für unseren Verein zusammenstehen. Jede Gruppe hat dort Ihren berechtigten Platz. Die feigen Täter des Überfalls auf das Herz der VfB-Fans haben diese Berechtigung verwirkt.
Grün-Weiße Grüße
Halunken 1919
VfB (15. April)
Stellungnahme des VfB Lübeck zur aktuellen Situation innerhalb der Fanszene
Der VfB Lübeck nimmt die aktuellen Entwicklungen und öffentlichen Stellungnahmen einzelner Gruppen der Fanszene sehr ernst. Die Aufarbeitung der Vorfälle rund um das Heimspiel gegen den Hamburger SV II dauert an und wird mit der notwendigen Konsequenz und Sorgfalt durch die Behörden und durch unsere Unterstützung fortgeführt. Wir haben beim 2. Polizeirevier Lübeck direkt nach dem Vorfall Strafanzeige gestellt (Vorgangsnummer SH / 181141 / 2026) und bitten alle Betroffenen und alle Augenzeugen um aktive Unterstützung, zur Aufklärung der vollzogenen Straftaten beizutragen.
Unabhängig von unterschiedlichen Sichtweisen und Darstellungen einzelner Gruppen bleibt für uns entscheidend: Die Eskalation der vergangenen Wochen – sowohl auf physischer als auch auf verbaler Ebene – hat unserem VfB erheblichen Schaden zugefügt und widerspricht in jeder Hinsicht den Werten, für die unser VfB steht. Wir sagen es klar: Gewalt gegen Menschen, extremistische Gesinnung, rassistische Parolen, Diskriminierung und die Einschüchterung anderer Fans sind mit unserem VfB unvereinbar – nicht als abstrakte Formel, sondern als unmissverständliche Grenze. Mit Erschrecken müssen wir feststellen, dass die Inkaufnahme von Verletzten oder die Empathie mit Opfern der Gewalt nur wenig Erwähnung findet – das ist für uns nicht hinnehmbar und wir distanzieren uns ausdrücklich!
Mit Blick auf das bevorstehende 150. Stadtderby gegen den 1. FC Phönix Lübeck richten wir daher einen klaren Appell an alle Beteiligten:
Unser VfB Lübeck braucht seine Fans – und zwar vereint, nicht gespalten.
Unsere Fanszene war über viele Jahre hinweg ein zentraler Bestandteil dessen, was unseren VfB ausmachte: Leidenschaft, Zusammenhalt und bedingungslose Unterstützung für Grün-Weiß. Diese Stärke droht aktuell verloren zu gehen. Stattdessen entstehen Gräben, die nicht nur das Miteinander in der Kurve, sondern unseren gesamten Verein belasten und schädigen.
Wir erwarten von allen Beteiligten, dass bestehende Konflikte nicht weiter öffentlich oder gar gewaltsam ausgetragen werden. Unterschiedliche Meinungen gehören zu einer lebendigen Fanszene – Gewalt, Diffamierung und Eskalation jedoch nicht. Wer meint, unter dem Deckmantel von Fankultur Gewalt auszuüben oder menschenfeindliche Ideologien verbreiten zu können, hat an der Lohmühle keinen Platz.
Der VfB Lübeck steht seit dem Vorfall bereit, diesen Prozess mit Hilfe aller Gremien aktiv zu begleiten und zu unterstützen – doch ein gemeinsamer Dialog wurde bislang ausgeschlossen, was die Situation nicht verbessert. Der VfB appelliert eindringlich an die Verantwortung aller Gruppen: Setzt Euch an einen Tisch. Sucht den Dialog. Klärt Eure Differenzen intern und mit dem notwendigen Respekt füreinander. Nutzt die Möglichkeiten des Fanprojekts, lasst den Fandialog und den Fanbeirat wieder aufleben!
Gerade mit Blick auf das anstehende Stadtderby erwarten wir von allen Beteiligten, dass der Fokus wieder auf dem liegt, was uns verbindet: die Unterstützung unserer Mannschaft und die gemeinsame Leidenschaft für unseren VfB. Wir schulden es nicht nur unseren Spielern, sondern auch den vielen ehrenamtlichen Helfern, Mitarbeitenden, Partnern und Familien, die Woche für Woche mit großem Engagement daran arbeiten, dass unser VfB für positive Werte, Gemeinschaft und Zusammenhalt steht.
Der VfB Lübeck wird weiterhin alles dafür tun, ein sicheres und respektvolles Stadionerlebnis zu gewährleisten. Gleichzeitig liegt es auch in der Verantwortung jedes Einzelnen, seinen Beitrag dazu zu leisten. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass die Lohmühle wieder das wird, was sie sein soll: ein Ort der Unterstützung, der Leidenschaft und des Miteinanders – offen für alle, die unseren VfB mit Anstand und Respekt unterstützen, und geschlossen gegenüber Gewalt, Diskriminierung, Rassismus, Homophobie, Extremismus jeglicher Form.
Alles, was zählt, ist, dass man zusammenhält!
Ehrenrat, Aufsichtsrat, Vorstand
Bleibt Holstein Kiel in der 2. Bundesliga?
- Nein, direkter Abstieg (39%, 43 Votes)
- Ja, direkte Rettung (31%, 34 Votes)
- Nein, Abstieg über die Relegation (13%, 14 Votes)
- Ist mir egal (11%, 12 Votes)
- Ja, Sieg in der Relegation (5%, 6 Votes)
- Weiß ich nicht (1%, 1 Votes)
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Bildquellen
- Lohmühle: LOBECA
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