„Dafür liebt man den Amateursport“ – „Unglaublich gutes Spiel“ in der Kreisliga

Eichholz II und Pansdorf II liefern sich einen Schlagabtausch, der nahezu alles bot, was sich der Fußballfan wünscht

Der Eichholzer SV II und TSV Pansdorf II lieferten ein Spiel ab, das noch lange Zeit in Erinnerung bleiben wird. Foto: Lobeca/Niklas Runne
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Lübeck – Kampf, Leidenschaft, Spektakel und Spannung bis zur letzten Sekunde – genau dies bot das Topspiel in der Kreisliga Südost. Mit dem Eichholzer SV II und TSV Pansdorf II trafen sich zwei Anwärter auf den zweiten Platz, die beide mit ordentlich Rückenwind ins Spiel gingen. Was in den 90 Minuten passieren sollte, war weitaus mehr als ein gewöhnlicher Kreisliga-Kick.

Beide Teams gut besetzt

Die beiden formstärksten Teams der Kreisliga Südost trafen sich am Sonnabend an der Guerickestraße. Der Eichholzer SV II ging mit einer Serie von zehn ungeschlagenen Spielen ins Duell mit dem TSV Pansdorf, der selbst seit 13 Spielen nicht mehr verlor. Selbstvertrauen war auf beiden Seiten also definitiv da, und beide Mannschaften können in dieser Saison noch Großes erreichen. Es geht um die Vizemeisterschaft und somit die Qualifikation für die Aufstiegsspiele zur Verbandsliga. Pansdorf hat die beste Ausgangslage, doch auch noch einige knifflige Aufgaben vor der Brust. Eichholz hat das vermeintlich leichteste Restprogramm sowie ein direktes Duell gegen Schlutup, sodass auch der Aufsteiger noch nicht ganz aus dem Rennen um den zweiten Platz raus war. Die Partie zwischen den beiden Zweitvertretungen sollte also bereits im Vorfeld einiges versprechen. Personell mussten die Lübecker auf den angeschlagenen Dominik Rudnik verzichten. Für ihn kam Dominik Möller aus dem Landesliga-Kader ins Team. Niklas Hamer begann zudem vorne als Stürmer. Die Qualität wurde also nicht unbedingt geringer. Auf Seiten des TSV kehrten einige Spieler zurück, die in der Vorwoche beim 6:0-Sieg gegen Vorwerk noch fehlten. So konnte Steven Tion unter anderem auf Jannik Jalas, Niklas Simon und Alexander Witt setzen. Dies hatte zur Folge, dass mit Tim Bolbrinker und auch Mephew Hinze zwei Spieler nur auf der Bank saßen. Letzterer war gegen Vorwerk mit drei Toren der Spieler des Spiels.

Es geht früh zur Sache

Die Partie sollte direkt mit ordentlich Schwung beginnen. Ein Abtasten gab es nicht, stattdessen zeigten beide Teams direkt, dass sie unbedingt ihre Serie fortsetzen wollen. Eichholz zeigte dabei dem Tabellenzweiten von der ersten Minute an, dass sie auf ihrem Kunstrasenplatz das Spiel machen wollen. Sie versteckten sich nicht und kamen mit hohem Tempo nach vorne. Pansdorf hielt dagegen, sodass es bereits früh ordentlich zur Sache ging. Die Folge waren zwei Gelbe Karten in den ersten acht Minuten. Es gab viele Annäherungen in der Anfangsphase, doch beide Defensivreihen waren aufmerksam und stabil. Dennoch gab es in der zehnten Minute einen Konter der Gäste über Tom Volkmann, den Eichholz allerdings unterbinden konnte. Vier Minuten später kamen die Ostholsteiner über den schnellen Witt in den Strafraum, wo der Linksaußen gelegt wurde. Es gab Elfmeter, den Niklas Simon (15.) zur Führung verwandelte. Zwei Minuten später kamen die Lübecker zur Chance auf den Ausgleich, als Hamer abzog, doch Patrick Raube abwehrte. Nicht selten wurde es gefährlich, wenn die Heimmannschaft in den Strafraum kam, doch zu selten kam dabei ein Abschluss zustande, der den TSV-Schlussmann forderte. Dennoch war es eine Partie, die eine Menge bot. Das Tempo war hoch, es war ein offener Schlagabtausch, bei dem die Eichholzer ausglichen. Die Kugel kam in Richtung langen Pfosten, wo Maik Germann zunächst nicht rankam. Der Ball kam über Umwege zu Niklas Hamer (19.), der den Angriff eiskalt zum verdienten Ausgleich vollendete.

Niklas Simon traf zur 1:0-Führung des TSV Pansdorf II. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Riesenchance mit Pausenpfiff

Es war eine packende Partie, die nicht nur enorm spannend, sondern auch auf einem hohen fußballerischen Niveau war. Beide Mannschaften betrieben nicht nur Werbung für die wohl stärkste Kreisliga des Landes, sondern auch für sich, denn es war sehr ansehnlich und schwungvoll. Nach 25 Minuten gab es den nächsten schnellen Umschaltmoment der Pansdorfer, die über Graefe und Volkmann in Richtung Eichholzer Tor kamen, doch der Abschluss des Rechtsaußen war nicht präzise genug, sodass ESV-Kapitän Tim Germann ohne Mühe klären konnte. Die Einwürfe des Innenverteidigers waren auf der anderen Seite immer wieder gefährlich, denn die Pansdorfer hatten Mühe, die bis in den Fünfmeterraum geschleuderten Bälle zu klären. Ole Rüdiger zog aus der zweiten Reihe mal ab, doch der Ball segelte nach rund einer halben Stunde deutlich über den Querbalken. Anschließend wechselten beide Trainer, denn sowohl Jalas als auch Magnus Breitung kratzten nach ihren frühen Gelben Karten an der Ampelkarte. Das intensive Spiel war teils auch ordentlich hitzig, denn beide Mannschaften wollten unbedingt gewinnen, doch unfair wurde es kaum. In den letzten Minuten vor der Pause gab es dann nochmal mehrere gute Chancen auf beiden Seiten. Der eingewechselte Bennet Walcher setzte sich auf rechts durch und spielte in die Mitte, wo der Angreifer nicht rankam, doch Dominik Möller konnte völlig ungestört abschließen, schob jedoch vorbei. Mit der letzten Aktion vor der Halbzeit hätten dann allerdings die Gäste in Führung gehen können. Walcher verlor den Ball, sodass Pansdorf konterte. Volkmann lief ganz allein auf Lasse Borkenhagen zu, doch der Keeper rettete.

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Alexander Witt war auf dem Flügel ein belebender Faktor im Offensivspiel des TSV Pansdorf II. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Chance um Chance auf beiden Seiten

1:1 stand es nach 45 Minuten, und es war in diesem Topspiel noch alles offen. Beide Teams hatten Chancen, und dies sollte auch nach der Pause so bleiben. Zur zweiten Hälfte mussten die Pansdorfer allerdings wechseln, denn Torwart Raube hatte Leistenprobleme, sodass Felix Wala für ihn kam. Dieser sah, wie seine Mannschaft mit Schwung aus der Kabine kam. Willem Stendorf zog einen Abschluss allerdings ein gutes Stück über das Tor. Zwei Minuten später war es Janik Zimmermann mit einer guten Einzelaktion, anschließend zog der Außenverteidiger in Richtung Tor, wo er Borkenhagen zur nächsten Parade zwang. Die ersten Minuten des zweiten Durchgangs gehörten klar dem Tabellenzweiten, der durch Witt die nächste gute Chance hatte. Anschließend waren die Gastgeber wieder mehr im Spiel und kamen gefährlich in Richtung Tor. Zunächst fehlte eine Fußspitze in der Mitte, die zweite Welle klärte Pansdorf mit Mühe, doch dann unterbrach der Schiedsrichter die Partie wegen einer Kopfverletzung. Es war ein enorm spannendes Spiel, in dem beide auf dem schmalen Kunstrasen immer wieder zu Chancen kamen. Einzig die Treffer fehlten, denn auf der einen Seite rettete ein starker Eichholzer Torhüter, und auf der anderen Seite ließ die stärkste Defensive der Liga kaum etwas anbrennen. In der 62. Minute war es dann aber so weit, und der Ball zappelte zum dritten Mal im Netz, doch der Jubel der Heimmannschaft war nur von kurzer Dauer. Der Treffer zählte nämlich nicht, denn ein Foul an Niklas Simon lag vor.

Es war ein hart umkämpftes Spiel an der Guerickestraße. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Irre Rettungsaktion verhindert Last-Minute-Sieg

Die letzten 20 Minuten brachen an, und auf beiden Seiten lag der Führungstreffer in der Luft. Während Pansdorf II die klareren Chancen hatte, waren die Eichholzer mit den Zielspielern Hamer, Möller und Germann immer wieder gefährlich, ohne dabei die richtig klaren Möglichkeiten gehabt zu haben. In der 70. Minute war es dann ein Umschaltmoment des TSV über Volkmann, der den eingewechselten Hinze sah, doch dieser traf die Kugel beim Abschluss nicht richtig. Im Gegenzug setzte sich Mo Özkaya durch, doch aus spitzem Winkel scheiterte der Joker an Wala. Die Schlussphase war in vollem Gange, und keine der beiden Mannschaften machte den Anschein, sich mit dem einen Punkt zufriedenzugeben. Stattdessen gingen beide auf den Sieg, was die letzten Minuten zu einem Spektakel machte. 13 Minuten vor dem Ende gab es den weiten Einwurf von Witt, Volkmann schloss ab, doch Borkenhagen zeigte einen Monster-Reflex. Im Stile von Manuel Neuer riss der ESV-Schlussmann den Arm hoch und verhinderte den Rückstand. Die letzten Minuten machte Eichholz nochmal richtig Druck, Pansdorf hielt dagegen und kämpfte vermehrt mit Krämpfen. Die Kraft war weg, dennoch verteidigte man alles weg. Hamer schoss nach einer kurz ausgeführten Ecke vorbei. Drei Minuten gab es Nachspielzeit, diese war bereits abgelaufen, doch es gab noch einmal eine Riesenchance. Aus einem Standard der Platzherren entstand der schnelle Gegenstoß der Pansdorfer. Ein langer Ball fand Hinze, Borkenhagen kam raus, war bereits geschlagen, doch der ehemalige Travemünder bekam den Ball nicht richtig kontrolliert. Dennoch brachte er den Ball aufs leere Tor, doch Deniz Karakaya rettete den Ball im allerletzten Moment vor der Linie mit einer Grätsche. Es fehlten wenige Zentimeter für den Auswärtssieg des TSV Pansdorf II, der in den über 95 Minuten die besseren Chancen hatte. Die Punkteteilung war leistungsgerecht, denn beide Teams hatten Argumente für den Sieg. Es war eine Partie, die alles bot, was sich der Fußballfan wünscht, denn von der ersten bis zur letzten Sekunde ging es zur Sache, war es spannend und ein Spiel, das durchaus zeigte, dass beide Mannschaften an der Verbandsliga anklopfen.

Lindhoff hebt Leidenschaft seiner Mannschaft hervor

Für Eichholz wird es mit Blick auf Platz zwei allerdings ganz schwierig, denn dazu war dieser Punkt zu wenig. Dies ist allerdings auch keineswegs das Ziel am Pöbelberg, denn man weiß genau, wo man herkommt. Als Aufsteiger spielen sie eine starke Saison und blieben gegen das Spitzentrio der Liga auf heimischem Platz ungeschlagen. Trainer Stephan Lindhoff sagte zu HL-SPORTS nach dem 1:1-Remis gegen Pansdorf: „Gerechtes Unentschieden im Topspiel. Ich glaube, die Zuschauer haben ein überragendes Kreisligaspiel mit Spannung, Emotionen und zwei klasse Mannschaften gesehen. Hut ab vor der heute gezeigten Leistung beider Mannschaften. Dafür liebt man den Amateursport. Ich kann es nur nochmal betonen, dass das, was wir für eine Leidenschaft auf den Platz bringen, Wahnsinn ist.“

Stephan Lindhoff sprach lobend zu seiner Mannschaft. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Steven Tion: „Ein unglaublich gutes Spiel“

Pansdorf bleibt seit dem 18. Oktober 2025 ungeschlagen und hat den zweiten Platz in der eigenen Hand. Bei einem Spiel mehr beträgt der Vorsprung auf den TSV Schlutup nun noch sechs Punkte. Der Vorsprung ist durch das Remis am Pöbelberg etwas geschmolzen, dennoch sieht es sehr gut für das Team vom Techauer Weg aus. Man hat mit Reinfeld/Kronsforde noch ein Spitzenspiel vor der Brust, trifft zudem noch auf unbequeme Gegner wie Kücknitz oder Lübeck 1876. Doch wenn der TSV so auftritt, wie sie es am gestrigen Sonnabend getan haben, dann wird der Wiederaufstieg nach einem Jahr zurück in die Verbandsliga näher rücken. Zum vergangenen Spiel sagte Trainer Steven Tion zu HL-SPORTS: „Ein unglaublich gutes Spiel auf einem sehr hohen Niveau. Was für ein Spiel – auch wenn wir am Ende die Riesenchance haben, das Spiel zu gewinnen, so denke ich, dass es über 90 Minuten ein gerechtes Ergebnis ist, auch wenn unsere Chancen sicher die klareren waren. Ich bin einfach stolz auf meine Jungs, mit welcher Leidenschaft, Laufbereitschaft und mit welchem Einsatz dieses Spiel gespielt wurde. Hut ab, auch ein Lob an Eichholz, die ein sehr gutes Spiel abgeliefert haben. Insgesamt haben die Zuschauer, glaube ich, einen richtig guten Nachmittag gehabt.“

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