
Eutin – Es war das Spiel der Spiele in der Kreisliga Ost, das am heutigen Sonnabend am Waldeck in Eutin stieg. Der Tabellenführer Eutin 08 II empfing den Verfolger, die SG Dobersdorf/P’hagen. Dieses Duell sollte vielleicht schon die Vorentscheidung im Meisterkampf bringen. Nach kräfteraubenden 90 Minuten gab es zwei Gefühlswelten, die wohl kaum unterschiedlicher sein könnten. Während eine Mannschaft sichtbar niedergeschlagen war, herrschte auf der Gegenseite Ekstase.
Zweikampf an der Spitze
Wenn Eutin 08 II und die SG Dobersdorf/P’hagen sich duellieren, dann geht es traditionell richtig zur Sache. So sollte es auch an diesem Sonnabend sein, denn es stieg das unumstrittene Topspiel in dieser Saison. Seit Monaten liefern sich die beiden Mannschaften einen Zweikampf um die Meisterschaft, wobei beide immer mal wieder den Platz an der Sonne hatten. Nach gutem Start führten die 08er die Liga an, doch nach einem Formtief im Herbst wechselte der Spitzenreiter. Zuletzt kehrte man aufgrund von mehr absolvierten Spielen zurück auf den ersten Platz, doch die SG hat ein Spiel in der Hinterhand. Daher war das direkte Duell von enormer Bedeutung. Der Trend sprach vor dem Spiel für die Dobersdorfer, denn Eutin gewann dreimal in Folge nicht. Zudem konnte die Mannschaft aus der Rosenstadt noch nie gegen den heutigen Gegner gewinnen.
Schnoor kehrt zurück
Nun sollte das Warten ein Ende haben aus Sicht der Eutiner. Personell stand ein breiter Kader zur Verfügung und auch Jasper Schnoor war wieder fit. Zudem rückten Florian Schumacher und Lasse Behrmann zurück in die Startelf. Auf der Gegenseite nahm Patrick Mierse nach seiner Verletzung aus dem Spiel am Dienstagabend in Raisdorf nur auf der Bank Platz. Auch Kjell Gonda blieb erneut draußen. Dennoch war es eine qualitativ starke Truppe, die die Tabellenführung zurückerobern wollte. Eutin nahm sich viel vor und startete gut in die Partie. Sie übernahmen die Kontrolle und setzten gegen den Ball den Gegner früh unter Druck. Über die schnellen Außen, in Person von Jorge Bruckmann und Leon van den Eeckhaut, kam man mit Tempo ins letzte Drittel. Vorne agierte Top-Torjäger Monty Gutzeit als Zielspieler. Bereits nach fünf Minuten gab es den ersten Aufreger. Bruckmann ging über die rechte Seite in den Sechzehner und ging zu Boden, doch die Pfeife des Schiedsrichters blieb richtigerweise still. Dobersdorf war noch nicht so richtig im Spiel, versuchte es meist mit Umschaltsituationen. Nach 13 Minuten gab es dann die erste richtig gute Gelegenheit. Van den Eeckhaut zog aus 18 Metern ab, doch setzte den Ball am rechten Pfosten vorbei.
Gutzeit lässt Riesenchance liegen
Zwei Minuten später wurde es dann brandgefährlich. Ein Tiefenball fand Gutzeit, der aufs Tor zulief und an Keeper Niklas Matthies scheiterte. Bruckmann war mitgelaufen, doch der Stürmer suchte selbst den Abschluss. Die anschließende Ecke kam scharf aufs Tor, doch Matthies faustete den Ball raus. Eutin war der Führung nahe, doch im Anschluss verflachte das Spiel etwas. Dies lag auch daran, dass Dobersdorf nun aktiver wurde und auch mehr versuchte, selbst herauszuspielen. Es war ein hochklassiges Spiel, das im ersten Durchgang trotz wenig Spektakel seinen Erwartungen gerecht wurde. Dennoch tat sich die Gastmannschaft schwer, richtig zwingend zu werden. Halbchancen boten sich, doch diese waren selten gefährlich. Zudem forderte man zweimal einen Foulelfmeter, nachdem zunächst Goetting und zwei Minuten vor der Pause ein weiterer Spieler der Gäste im Sechzehner zu Boden gingen. Jeweils blieb allerdings, wie in der fünften Minute auf der anderen Seite, auch hier die Pfeife stumm.
Führung vom Punkt
Zur Pause blieb es im Spitzenspiel torlos. Eutin war in den ersten 25 Minuten die spielbestimmende und bessere Mannschaft, doch nutzte die guten Chancen nicht. Anschließend kam der Gegner besser rein, doch wurde selten so richtig gefährlich. Bitter für die SG war, dass nach einer halben Stunde Dennis Wedemann verletzungsbedingt vom Feld musste. Mit Spannung wurde auf die zweite Hälfte geblickt, in der die Zuschauer am Waldeck nun auch auf Tore hofften. Sieben Minuten waren gespielt, da gab es mal einen Abschluss für Dobersdorf, doch Goetting brachte diesen zu ungenau auf den Kasten von Niklas Heesch. Im Gegenzug kam Eutin in den Strafraum, Gutzeit versuchte, Matthies zu umkurven, doch ging zu Fall. Der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter. Es war die Riesenchance für die Ostholsteiner und Monty Gutzeit (55.) traf eiskalt. Es war die verdiente Führung der Hausherren, die in der Live-Tabelle den Vorsprung an der Tabellenspitze auf drei Punkte vergrößerten. Dobersdorf reagierte und brachte mit Kjell Gonda einen echten Unterschiedsspieler. Dieser sammelte in seiner Karriere bereits höherklassige Erfahrungen. Der großgewachsene Offensivmann sollte auch direkt ein Faktor sein. Er belebte das Spiel der Gastmannschaft massiv und sorgte für eine ganz andere Präsenz im vorderen Drittel.
Kjell Gonda macht den Unterschied
Dobersdorf erhöhte nach dem Rückstand das Tempo. Gonda holte einen Einwurf heraus, der anschließend Ausgangspunkt für das 1:1 durch Timo Federwisch (61.) war, der am langen Pfosten die Kugel über die Linie drückte. Die Mannschaft von Cheftrainer Thomas Matthies machte direkt weiter. Ein langer Ball von Heinrich Paul Döring leitete ein, anschließend klärte Eutin nicht konsequent genug, sodass Kjell Gonda (66.) abzog und den Ball wuchtig verwandelte. Plötzlich führte der Gast aus dem Kreis Plön. Dieser war unglaublich effizient, machte aus wenig ganz viel. Torchancen waren bis dahin Mangelware von Dobersdorf, dennoch stand die Zwei auf ihrer Seite. Sieben Minuten nach dem Führungstreffer bot sich die Gelegenheit auf das dritte Tor, doch Morten Bossmann scheiterte an 08-Keeper Heesch. Die Schlussphase brach an und Eutin brauchte eine deutliche Steigerung. Offensiv ging kaum noch etwas und die Zeit lief runter. Jasper Frahm reagierte und brachte Dustin Uchneytz und Finn Schöning in die Partie. Kurz darauf schnürte der Coach auch selbst nochmal die Schuhe und wechselte sich ein. Im Hinspiel ging dies voll auf, denn dort traf Frahm doppelt, doch diesmal sah dies anders aus. Jakubenko schob am Kasten vorbei, zudem zog Lasse Behrmann in der 93. Minute nochmal aus rund 27 Metern ab, doch dies war alles, was Eutin aufs Tor brachte. Somit war das Spitzenspiel vorbei und die Heimmannschaft niedergeschlagen. Die Enttäuschung war riesig, zahlreiche Spieler sackten zu Boden und machten ihre Unzufriedenheit deutlich. Auf der Gegenseite war es ein ganz anderes Bild. Der Sieger feierte ausgelassen, gemeinsam mit seinen zahlreichen mitgereisten Fans. Dem ganzen Team sowie seinen Unterstützern war klar, dass die Tür zur Meisterschaft ganz weit aufgegangen war. Man hat alles in der eigenen Hand und kann bereits am Dienstag im Heimspiel gegen Schönkirchen den nächsten Schritt machen.
Eutin blickt nach vorne
Eutin haderte im zweiten Durchgang mit zu wenig Ideen und Durchschlagskraft nach vorne, sodass kaum klare Chancen kreiert wurden. Der Cheftrainer sagte: „Dobersdorf hat sich ein bisschen angepasst, Dobersdorf hat das Spiel enger gemacht, ist weiter rangekommen, hat uns nicht mehr so frei spielen lassen und das war merkbar bei uns. Nichtsdestotrotz waren wir besser im Ballbesitz und Dobersdorf ist durch unsere Fehler ins Spiel gekommen. Ich glaube, wenn wir diese nicht machen und klare Bälle spielen, dann gewinnen wir. Trotzdem muss man sagen, ist ein Kjell Gonda ein Faktor, der reinkommt und nochmal entscheidende Szenen setzt. Das ist bitter, aber nichtsdestotrotz habe ich den Jungs gesagt, dass hier keine Meisterschaft entschieden oder eine Saison beendet wird, sondern es um drei Punkte geht und wir haben immer noch ein klares Ziel vor Augen, wir wollen in die Top Zwei und da gilt es in den letzten drei Spielen jetzt neun Punkte einzufahren. Das ist das klare Ziel und da werden wir am Dienstag beginnen wollen.“ Er setzte fort: „Es fehlte so ein bisschen die Frische. Wir haben in der ersten Hälfte viele intensive Läufe gemacht, sind tendenziell einmal zu viel sofort in die Tiefe gegangen, da fehlten ein Stück weit die Körner, das muss man so akzeptieren. Nichtsdestotrotz war es ein bisschen fahrig, man hätte klarer rausspielen können und schlägt dann unnötig lange Bälle, anstatt den nächsten Mitspieler anzuspielen, und das war so ein bisschen entscheidend, dass wir nicht mehr ins letzte Drittel kamen.“
Kaltschnäuzigkeit und Spritzigkeit vermisst
So war es am Ende ein 1:2 aus Sicht der Rosenstädter, die im ersten Durchgang durchaus die Chancen hatten, das Spiel auf ihre Seite zu ziehen. Man nutzte diese nicht und blieb anschließend zu harmlos. Die Niederlage sorgte für den Verlust der Tabellenführung, was die Eutiner enorm ärgerte. Der Coach schilderte das Spiel aus seiner Sicht: „Ich würde sagen, über 90 Minuten waren wir die bessere Mannschaft, uns fehlte heute leider die Kaltschnäuzigkeit und Spritzigkeit im letzten Drittel, um einen reinzuhauen. Wenn ich daran denke, van den Eeckhaut einmal reingezogen, wo er knapp am Tor vorbeigeht, oder Monty Gutzeit, wo der Torwart gut hält, das sind Dinger, die wir in solchen Situationen in so einem Spiel machen müssen. Wir machen dann verdient nach einem Foulelfmeter das 1:0 und dann muss man sagen, werden wir ein stückweit zu passiv und gehen ein stückweit zurück und weg von unserer Linie. Man muss sagen, durch zwei individuelle Fehler, wo wir hinten den Ball rausfummeln wollen, anstatt klar nach vorne zu spielen, verlieren wir am Ende 1:2. Ich würde am Ende auch sagen verdient, da kann man Dobersdorf nur beglückwünschen, die jetzt auch zur Meisterschaft reisen werden. Man muss das anerkennen. Wo man mit dem Kopf dann woanders ist, anstatt klare Bälle zu spielen. Am Ende muss man sagen, hat Dobersdorf verdient 2:1 gewonnen.“






