
Lübeck – Seit dem gestrigen Dienstagabend (12.5.) steht der Meister in der Kreisliga Ost fest. Die SG Dobersdorf/P’hagen krönte sich mit einem späten 2:1-Heimsieg gegen den SC Cismar zum Titelträger, sodass die kleine Gemeinde in eine absolute Ekstase verfiel. Der Jubel und die Freude bei der SG waren grenzenlos. Parallel rollte beim Raisdorfer TSV ebenfalls der Ball, wobei der TSV Lensahn personell arg gebeutelt anreiste, doch spät einen Punkt rettete.
SG Dobersdorf/P’hagen – SC Cismar 2:1 (1:0)
Es war ein großer Tag auf dem Dieter-von-Borstel-Platz. Die SG Dobersdorf/P’hagen hatte die große Chance, sich mit nur einem Punkt den Titel zu sichern. Zu Gast war der SC Cismar, der 2026 vor diesem Spiel nur ein einziges Mal verlor. Es wartete auf den Tabellenführer also eine ganz schwierige Aufgabe, denn im Hinspiel musste man sich sogar geschlagen geben. Vor einer Kulisse von knapp 200 Zuschauern, die unbedingt nach dem letzten Heimspiel der Saison feiern wollten, sollte es ein munteres Kreisliga-Duell werden. Personell saßen bei Dobersdorf mit Kjell und Marcel Gonda, Danny Heese, Tim Schümann und Heinrich Paul Döring einige Spieler auf der Bank, die in den vergangenen Wochen noch mehrfach zur ersten Elf gehörten. 19 Mann standen dem Spitzenreiter zur Verfügung, sodass Trainer Thomas Matthies sogar zwei Spieler streichen musste. Cismar fehlten an diesem Abend durchaus die Optionen auf der Bank, denn einige Spieler fielen aus. So waren mit Pascal Sievers, Tom Andres, Henrik Schattka, Thias Reincke, Timo Groth und Jamie Birkner ein halbes Dutzend nicht dabei.
Ausgeglichene Anfangsphase
Die Heimmannschaft trat in einem kompakten 4-4-2 auf, in dem die schnellen Jose Goetting und Morten Bossmann die Doppelspitze bildeten. Patrick Mierse kehrte zurück und nahm den Platz in der Innenverteidigung neben Per Schlotfeldt ein. Cismar war hochmotiviert, reiste mit 17 erzielten Toren in zwei Spielen an und wollte die Serie der vergangenen Wochen fortsetzen. Dobersdorf nahm direkt das Spiel in die Hand, wollte hier keineswegs auf das Unentschieden gehen, was reichen würde. Es war ein schwungvoller, intensiver Start, in dem Kapitän Bastian Matthies mit einem Freistoß knapp am linken Pfosten vorbei für das erste Mal Gefahr sorgte. Drei Minuten später näherte sich auch der SCC mal an, den Abschluss von Florian Nothnagel konnte Niklas Matthies im Tor der SG nicht festhalten. Es gab auf beiden Seiten gefährliche Aktionen, so blockten die Gäste nach einem weiten Mierse-Einwurf mehrfach und kamen auf der Gegenseite erneut durch Nothnagel zu einer weiteren Möglichkeit. Es war ein spannender Start in die Partie, denn diese war in den ersten 20 Minuten noch ziemlich ausgeglichen. Zwar hatte Dobersdorf mehr Spielanteile, doch der Gegner war voll da, nahm die Zweikämpfe an und machte es den Platzherren ordentlich schwer.
Führung mit Pausenpfiff
Bennet Kern suchte nach starker Einzelaktion in der 19. Minute mal den Abschluss, doch dieser war leichte Beute für den Torwart. Vier Minuten später gab es dann die beste Chance der ersten 25 Minuten. Ein Vorstoß der Heimmannschaft endete mit dem Abschluss von Bossmann, der SCC-Keeper Dennis Kuhlmann zu einer starken Parade forderte. Acht Minuten vor der Pause zappelte dann die Kugel im Netz. Ein individueller Fehler in der Abwehr führte dazu, dass Dobersdorf den Ball vor dem Sechzehner eroberte, anschließend in die Spitze spielte, wo Dennis Wedemann die Kugel reindrückte, doch der vermeintliche Torschütze schubste Linus Kluge, sodass ein Offensivfoul vorlag. Dementsprechend blieb es vorerst beim 0:0. Es war ein Spiel, das durchaus auch einige hitzige Momente hatte, was vor allem daran lag, dass beide unbedingt den Sieg wollten. Die letzten Minuten der ersten Hälfte brachen an und tatsächlich fiel doch noch der Treffer für die Hausherren. Tjark-Morten Bossmann (45.) ließ seinen Gegenspieler aussteigen und setzte den Ball ins lange Eck. Großer Jubel herrschte mit dem Pausenpfiff, denn die Meisterschaft rückte immer näher.
Cismar kommt gut raus
45 Minuten war die SG Dobersdorf/P’hagen nur noch vom großen Ziel entfernt, doch sicher war dieses noch keineswegs. Cismar kam mit Schwung aus der Kabine, nahm das Zepter direkt in die Hand und glich schnell aus. Kluge ließ Mierse stehen, lief aufs Tor zu und legte quer zu Bennet Kern (48.). Dieser schob ein und sorgte für den Ausgleich. Dobersdorf war in dieser Phase viel zu passiv, sodass Cismar sogar zu weiteren Chancen kam. Kluge prüfte Niklas Matthies aus spitzem Winkel und auch Vincent Kern sorgte für eine Annäherung per Kopf, doch diese war zu unplatziert direkt auf den Torhüter. Im Anschluss fuhr sich Dobersdorf wieder hoch. Es wurde mehrfach gewechselt, so kamen Kjell und Marcel Gonda beide rein, zudem übernahm Danny Heese für den verletzten Mierse die Innenverteidigerposition. Bossmann prüfte Kuhlmann im kurzen Eck und acht Minuten später kam Marcel Gonda frei vor dem Tor zum Abschluss, doch der Joker setzte den Ball ein gutes Stück über den Querbalken. Bruder Kjell Gonda verfehlte etwa 240 Sekunden später ebenfalls, als er einen Kopfball knapp rüber setzte.
Später Siegtreffer zum Titel
Die Gastgeber wollten hier unbedingt den zweiten Treffer, um das letzte Heimspiel der Saison mit einem Dreier zu beenden, weshalb nun Angriff um Angriff auf das Cismar-Tor zulief. Die Ostholsteiner hielten dagegen, versuchten selbst noch Nadelstiche zu setzen, doch die Entlastungsangriffe blieben aus. So spielten sich die letzten Minuten überwiegend in der Grömitzer Hälfte ab und zwei Minuten vor dem Ende passierte es. Nach einem Fehler der Gäste in der Defensive lief Tim Schümann (88.) von halblinks an Kuhlmann vorbei und schob den Ball ein. Es brach absolute Ekstase beim Tabellenführer aus, denn spätestens mit dem 2:1 wusste jeder, der es mit dem Heimteam hielt, dass dies das Tor zum Titel war. Die Meisterschaft war nach drei Minuten Nachspielzeit Realität und das große Ziel der Mannen aus dem Kreis Plön erreicht.
„Ein richtig geiles Spiel“
Cismar machte ein gutes Spiel und durfte stolz auf sich sein. Man hielt das Spiel gegen den Meister lange Zeit offen und hatte selbst durchaus Möglichkeiten, das Spiel auf seine Seite zu ziehen. Daniel Temme sagte: „Das war ein richtig geiles Spiel beider Mannschaften. Wir haben die Zweikämpfe ab der ersten Minute angenommen und sind perfekt in das Spiel gekommen. Die vor dem Spiel geforderte Leidenschaft war zu 100% da. Man sagt ja immer, dass man ein Spiel verlieren kann. Heute war es absolut okay. Dobersdorf hat natürlich in der Breite einen guten Kader und konnte viel Input reinbringen. Am Ende haben uns hingegen ein paar Körner gefehlt. Dennoch war es ein überragendes Fußballspiel unserer Mannschaft. Da sind wir als Trainer sehr stolz drauf. Glückwunsch an dieser Stelle zur Meisterschaft an Dobersdorf.“
Titel zum Karriereende
Nach dem Spiel sprach HL-SPORTS mit einigen Spielern des Kreisliga-Meisters. Kjell Gonda ließ unmittelbar nach dem Abpfiff noch einmal in seine Gefühlswelten einblicken und verkündete zudem eine Entscheidung in seiner Karriere: „Ich fühle mich natürlich überglücklich. Es war ein langer Weg, wir haben es uns als Ziel gesetzt, zum Ende wurde es immer konkreter und das ist natürlich überragend. Die Truppe hat bis zum Ende gekämpft. Wir haben viele Verletzte gehabt, haben dies aber immer wieder kompensieren können und haben es am Ende auch total verdient gehabt, weil wir über die ganze Saison guten Fußball gespielt, uns reingekämpft und es unter dem Strich verdient haben. Für mich persönlich ist es nochmal ein schöner Abschluss, weil ich zum Ende nun aufhören werde und daher passt dies für mich natürlich nochmal richtig gut.“
Stolzer Kapitän
Nicht weniger stolz auf seine Mannschaft war auch der Kapitän der Mannschaft. Bastian Matthies blickte auf die intensiven Wochen mit elf Spielen in 34 Tagen zurück: „Es ist mit Worten sehr, sehr schwer zu beschreiben. Ich glaube, wir haben uns in dieser Saison gegen sämtliche Widerstände gegengestellt. Wir haben das letzte Mal im März trainiert, haben von Anfang April bis hierhin nur Englische Wochen hinter uns und dass wir heute hier mit einem 19-Mann-Kader aufgelaufen sind, das spricht einfach für die Mentalität dieser Truppe. Ich kann nur meinen Hut davor ziehen, egal wer, egal in welcher Besetzung, wir haben dieses Jahr trotz des eigentlich schon verspielten Vorsprungs hinten heraus alles gebündelt und ich denke, das geht nur mit einer Gemeinschaft wie dieser hier. Ausschlaggebend dafür, dass wir nicht eingebrochen sind, war, dass wir im Kern schon sehr, sehr lange zusammenspielen, Höhen und Tiefen mitgemacht haben, mit einem großen Teil der Truppe schon einen Abstieg verarbeitet haben, auch in der Verbandsliga, als wir abgestiegen sind, immer eine Top-Stimmung hatten. Wir haben in der letzten Saison schon gemerkt, was noch drin ist und haben dieses Jahr nochmal alles gebündelt bis zum Ende und das Entscheidende ist diese Mentalität. Ich kann diese gar nicht hoch genug hängen. In der Bundesliga hätte man gesprochen, dass es nicht zu schaffen ist, dass der Kader dafür zu klein ist und bei uns hat von der Eins bis zur 25 jeder performt. Wir haben ein, zwei Standby-Spieler, die eingesprungen sind und egal in welcher Besetzung, wir haben immer an uns geglaubt und ich bin unfassbar stolz auf diese Truppe.“
Aufstiegsfrage geklärt
Gleichzeitig beseitigte der Mittelfeldspieler sämtliche Spekulationen, denn in den vergangenen Wochen stand ein womöglicher Aufstiegsverzicht im Raum. Dazu sagte Matthies: „Ich glaube nicht, dass es einen Meister gibt, der nicht freiwillig aufsteigen will. Ich glaube, mit diesem Haufen nochmal zu sehen, was in der Verbandsliga geht, viel Schöneres gibt es nicht. Wir sind das Heidenheim der Verbandsliga und wir rocken dieses Ding.“
Trainer spricht von unglaublichem Innenleben
Seit Sommer Cheftrainer der SG ist Thomas Matthies, der in den vergangenen Wochen ebenfalls gefordert wurde. Im Gespräch mit HL-SPORTS verriet er, was aus seiner Sicht ausschlaggebend für den Titel war: „Diese Mannschaft hat ein unglaubliches Innenleben untereinander. Sie sind so aufeinander fixiert, auch im Privaten. Es ist eine Top-Mischung aus Familienvätern, jungen Vätern und jungen Leuten und es ist einfach ein guter Spirit, das passt einfach.“ Zudem setzte er fort, über die personelle Situation, die ihn mit Stolz erfüllte: „Wir haben heute einen Kader von 19 Mann gehabt. Ich habe noch zwei Spieler gestrichen, das ist der absolute Hammer, wie wir durch diese Wochen gegangen sind ohne große Verletzungen. Jetzt gehen wir in die Verbandsliga und geben unser Bestes.“ Unterstützt beim letzten Schritt zur Meisterschaft wurde die Mannschaft von zahlreichen Anhängern am Spielfeldrand. Mit dabei war auch die Zweite der SG. An diese und die anderen Unterstützer richtete der Coach ebenfalls ein paar Worte: „Wir haben auch mit unserer zweiten Mannschaft und dem gesamten Umfeld hier ein sehr, sehr gutes Verhältnis. Das klappt schon über Jahre, es war immer harmonisch und das haben wir die letzten Jahre gepflegt. Da gehört auch eine Menge Arbeit zu, aber wir schaffen es immer wieder.“
Torwart gibt Einblicke in die Party-Pläne
Torwart und Obmann Niklas Matthies sagte: „Wir sind 2016/17 als Zweiter aufgestiegen, da haben wir schon alles abgerissen und nach so einer Saison mit allen Widrigkeiten, die wir hatten, dieser unglaublich heißen Endphase, haben wir, glaube ich, gezeigt, was wir für ein unfassbarer Verein und Mannschaft wir sind und was eigentlich im Amateurfußball immer zählt: der Zusammenhalt, der Verein.“ Zur Gestaltung der nach dem Abpfiff folgenden Stunden setzte er fort: „Die Sektduschen waren schon enorm. Dann gibt es eine richtig fette Kabinenparty und wir haben morgen alle frei, ich denke nicht, dass wir irgendwann an diesem Abend noch schlafen gehen.“
Raisdorfer TSV – TSV Lensahn 1:1 (0:0)
Ein stark ersatzgeschwächter TSV Lensahn reiste am Dienstagabend zum Raisdorfer TSV. Personell musste man auf zahlreiche Spieler verzichten, sodass man nur mit Hilfe der Zweiten ein Team zusammenbekam. Bereits am Sonnabend in Schönkirchen war man stark dezimiert und verlor erstmals seit zehn Spielen. Nun sollte dennoch gepunktet werden, doch die Heimmannschaft war hochmotiviert. Die Chance auf den Klassenerhalt für den Aufsteiger ist durchaus noch da, so gab es die Chance, mit einem Sieg in den Punkten mit Klausdorf II und Lütjenburg gleichzuziehen. Personell sah es bei Raisdorf gut aus, sodass ein breiter Kader zur Verfügung stand. Mit dabei war auch Kapitän Mirko Feierabend, der letztmals auf dem Gerd-Scheerenberger-Platz antrat, denn ihn zieht es zur neuen Saison nach Schönkirchen. Lensahn hatte auf dem Rasen, der erneut in keinem guten Zustand war, durchaus Probleme, den Ball gewohnt laufen zu lassen. Dennoch hatte man Kontrolle, doch nutzte die sich bietenden Chancen nicht. Raisdorf agierte viel mit langen Bällen, wurde in den ersten 45 Minuten allerdings kaum zwingend. Nach dem Seitenwechsel wurde Raisdorf mutiger und ging früher drauf. Ein Fehler im Lensahner Spielaufbau führte zur RTSV-Führung durch Torjäger Marvin Braun (68.). Lensahn glich nach einer Ecke in Person von Finn-Ole Ratje (74.) allerdings aus. Oliver Volk sah in den letzten Minuten noch die Rote Karte, doch die Überzahl konnte Lensahn nicht nutzen. So war es am Ende ein 1:1-Remis, wo für den TSV vor allem aufgrund der ersten Hälfte deutlich mehr drin gewesen ist.
Max Rosenthal sagte: „Am Dienstagabend um 19:30 Uhr waren wir auswärts bei Raisdorf gefordert. Schon vor dem Anpfiff war klar, dass der Platz an diesem Abend eine große Rolle spielen würde. Der holprige Untergrund machte ein kontrolliertes Kombinationsspiel schwierig, viele Bälle versprangen und ein sauberer Spielfluss kam nur selten zustande. Personell waren wir dabei knapp besetzt: Neben elf fitten Spielern hatten wir lediglich zwei angeschlagene Spieler auf der Bank. Zudem mussten wir auf unsere Stürmer Turbo und Haruna verzichten. Gleichzeitig war spürbar, dass Raisdorf unbedingt gewinnen musste und entsprechend hoch motiviert in die Partie ging. Trotz der schwierigen Bedingungen hatten wir das Spiel in der ersten Halbzeit klar unter Kontrolle. Wir waren die ballspielende Mannschaft, ließen Ball und Gegner laufen und erspielten uns mehrere gute Torchancen. Leider nutzten wir unsere Möglichkeiten nicht konsequent genug, sodass die verdiente Führung ausblieb. Defensiv standen wir stabil und ließen Raisdorf im ersten Durchgang zu keiner nennenswerten Torchance kommen. Nach der Pause erhöhte Raisdorf den Druck und presste deutlich früher. Dadurch kamen auch die Gastgeber zu einigen guten Möglichkeiten. Nach einem Fehler in unserem Aufbauspiel mussten wir schließlich das 0:1 hinnehmen. Die Mannschaft zeigte jedoch die richtige Reaktion: Nach einer Ecke gelang uns wenig später der verdiente Ausgleich zum 1:1. Erst spät in der zweiten Halbzeit sah ein Spieler von Raisdorf zudem die Gelb-Rote Karte. Die Überzahl konnten wir in den verbleibenden Minuten allerdings nicht mehr entscheidend nutzen, sodass uns der Treffer zum 2:1 nicht mehr gelang. Am Ende nehmen wir nach einem intensiven Dienstagabendspiel auf schwierigem Geläuf einen Punkt mit. Aufgrund der ersten Halbzeit und der Spielkontrolle wäre sicherlich mehr möglich gewesen, dennoch können wir auf unsere Leistung aufbauen.“






