Gudow verschafft sich beste Ausgangslage im Keller – VfL Vorwerk belohnt sich nicht für starke Moral

Spannung vor Saisonfinale

Der TSV Gudow feierte einen wichtigen Auswärtssieg am Torfmoor. Foto: TSV Gudow/o.H.

Lübeck – Die letzte Englische Woche der Saison in der Kreisliga Südost sollte ganz im Fokus des Abstiegskampfs stehen. Drei Mannschaften kämpften um einen Platz, der auf den Verbleib in der Klasse hoffen lässt. Dabei war die Ausgangslage enorm spannend, vor allem aufgrund eines direkten Duells am Mittwochabend.

VfL Vorwerk – ATSV Stockelsdorf 2:4 (0:2)

Nach der 0:1-Niederlage beim TSV Gudow, wo man keinen guten Auftritt hinlegte, war der Druck für den VfL Vorwerk am Dienstagabend gegen den ATSV Stockelsdorf nicht gerade klein. Vor allem das direkte Duell am Folgetag zwischen dem Vorletzten und Letzten sollte die Lübecker nochmal richtig zittern lassen, doch gleichzeitig war das Nachholspiel auch eine große Chance, den 14. Platz vorerst zu sichern und den Druck auf die Konkurrenz massiv zu erhöhen. Zu Gast war allerdings ein Gegner, der in den vergangenen Spielen wieder richtig in Fahrt gekommen ist und sich dementsprechend vorzeitig aus dem Keller befreit hat. Stockelsdorf glänzte vor allem mit einer Menge Offensivqualität, sodass es unter anderem einen 9:1-Erfolg gegen Gudow gab. Gewarnt war man beim VfL Vorwerk also definitiv, dennoch war auch klar, dass die drittschwächste Defensive der Liga durchaus auch Lücken bieten würde, die man gnadenlos ausnutzen wollte. Im Vergleich zum vergangenen Spiel zeigte der VfL ein ganz anderes Gesicht. Man wollte es noch mehr und kam früh zu ersten Möglichkeiten. Dabei schloss man allerdings zu oft überhastet oder zu ungenau ab, sodass Jan-Hendrik Froh im ATSV-Tor noch nicht die allzu großen Herausforderungen bekam. Die Gäste zeigten sich wesentlich kaltschnäuziger, was den Unterschied in den ersten 45 Minuten machte. Ivan Dervejanko (28.), ehemaliger Vorwerker, sowie Alexander Dudek (32.) erzielten die beiden Gästetreffer.

Vorwerk zeigte starke Moral

Im zweiten Durchgang wollte das Kellerkind unbedingt nochmal rankommen und gab keineswegs auf. Man war mutig und hoffte, doch mit dem dritten Gegentreffer durch Thilo Wolff (60.) schien die Messe eigentlich gelesen zu sein. Dem war allerdings keineswegs so, denn Vorwerk gab einfach nicht auf. Schon im Hinspiel hielt man trotz mehrerer Rückschläge, wie einer Roten Karte, immer wieder dagegen und steckte einfach nicht auf und dies war nun erneut der Fall. Der Glaube und Mut sollten belohnt werden. Mehmet Sütlü (77.) und Azan Malik (80.) sollten plötzlich auf 2:3 verkürzen und man war nun ganz nah dran, am Ausgleich zu schnuppern. Doch stattdessen war die Mannschaft von Benjamin Schramm bei einem Freistoß einmal nicht wach und schon fiel der vierte Gegentreffer. Tjark Sölter (83.) setzte seine starke Form fort und machte den Deckel drauf. Bitter für den VfL, der auf diesen Auftritt sehr stolz sein durfte. Genau so tritt man im Abstiegskampf auf, denn die Moral stimmte, nur die Punkte fehlten letztendlich.

Vorwerk zeigt anderes Gesicht

Michael Weiss sagte nach der Niederlage: „Ein komplett anderes Gesicht gezeigt als gegen Gudow. Wir kommen gut ins Spiel, haben unsere Möglichkeiten, aber sind zu nervös vorm Tor. Stodo hingegen macht es richtig und ist eiskalt und geht somit mit 0:2 in die Pause. Wir zeigen nochmal ein komplett anderes Gesicht und den Willen, das Spiel noch zu drehen, sieht man auf dem Platz. Wir kassieren das 0:3 und alle denken das war’s. Aber nein, die Überzeugung war heute größer und wir kommen verdient ran und verkürzen auf 2:3. Leider passen wir bei einem Freistoß nicht auf und gehen dann K.o. und kassieren das 2:4. Jetzt haben wir Samstag den Showdown, den keiner wollte.“

Stockelsdorf beendet Saison auf Platz Zwölf

Stockelsdorf setzt den Lauf fort und wird die Saison auf dem aktuellen zwölften Platz beenden. Damit wird man insgesamt nicht zufrieden sein, denn man schaffte es nicht konstant, die Leistungen auf den Platz zu bekommen. Viel Licht und Schatten begleiten den ATSV, der sich trotz zwischenzeitlichem Zittern vorzeitig retten konnte. Gegen Vorwerk war man die effizientere und insgesamt auch cleverere Mannschaft, sodass es trotz zwischenzeitlich aufkommender Spannung einen 4:2-Auswärtssieg gab. Der Stecker des zurückkommenden Kellerkinds wurde nach dem zweiten Treffer schnell wieder gezogen. Jan Mehlfeld, Trainer von „Stodo“, sagte zum Spiel: „Am Ende ist der Sieg okay. Vorwerk hat nie aufgegeben und alles reingeworfen, kommt noch auf 2:3 ran. Wir machen dann im richtigen Moment das 2:4 und damit war es entschieden. Vorwerk viel Erfolg im letzten Spiel.“

TSV Eintracht Groß Grönau II – TSV Gudow 1:4 (1:1)

Verlieren verboten galt am Mittwochabend am Torfmoor. Der TSV Eintracht Groß Grönau II als Tabellenschlusslicht empfing den Vorletzten TSV Gudow. Beide gingen in die Englische Woche in der Verfolgerrolle, denn die beste Ausgangslage hatte Vorwerk. Ein Sieg war also für beide Pflicht, denn ein Remis würde wenig helfen und eine Niederlage würde den Abstieg so gut wie besiegeln. Daher herrschte durchaus Anspannung, wobei die Gefühlswelten der vergangenen Wochen absolut gegensätzlich waren. Groß Grönau verspielte sich eine gute Ausgangslage zur Winterpause und befand sich mit nur einem Sieg in 2026 im freien Fall. Drei Punkte holte Neu-Trainer Alexander Wollmer gerade einmal, sodass der Trend klar gegen die Zweitvertretung sprach. Bei Gudow sah dies ganz anders aus. So schien es zum Winter noch aussichtslos, als die Lauenburger mit einem Punkt am Tabellenende standen, doch mittlerweile sind sie drauf und dran, auf den Verbleib in der Kreisliga zu hoffen. Vor dem Duell am Mittwoch waren es zwölf Zähler, die man in diesem Jahr geholt hat, sodass Welten zwischen Hinrunde und Rückrunde lagen. Die Rückkehr wichtiger Spieler, doch vor allem des Glaubens an die eigenen Stärken, brachte den vor der Saison bereits klaren Underdog zurück ins Rennen.

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Groß Grönau II und Gudow lieferten sich eine sehr umkämpfte Partie. Foto: Niklas Runne

Groß Grönau überrascht Gudow

Es war also ein Spiel in Groß Grönau, das eine Menge versprach. „Alles oder Nichts“, lautete das Motto, denn alles andere als ein Dreier würde wohl kaum weiterhelfen. Mit Lennart und Hendrik „Bommel“ Burmeister standen zwei wichtige Schlüsselspieler der Gäste in der Startelf. Sie sollten wichtige Faktoren sein. Auf der Gegenseite war es wieder eine bunt durchgemischte Truppe, die auf den Platz geschickt wurde. So agierte unter anderem mit Philipp Polzin der Coach der Ersten in der Innenverteidigung. Die ersten Minuten gingen allerdings klar an die Hausherren. Sie zeigten direkt, dass sie auf ihrer Sportanlage den wichtigen Erfolg einfahren wollten und waren von Beginn an voll da. Sie pressten früh und es ging früh zur Sache, sodass es intensiv, umkämpft und von vielen Zweikämpfen geprägt war. Zwar hatte Grönau etwas mehr Zugriff, doch die klaren Chancen ließen auf sich warten. Nach zehn Minuten kam Gudow besser rein und hatte den ersten Aufreger in diesem Spiel. Ausgangspunkt war ein Eckball und anschließend drückte der Angreifer den Ball inklusive Torhüter über die Linie, doch der Schiedsrichter entschied richtigerweise auf Offensivfoul. Im Gegenzug fand Groß Grönau dann mal eine zu große Lücke in der Gästeabwehr, sodass Kilian Gretzinger (17.) allein aufs Tor zulief und eiskalt zur Führung traf.

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Ausgleich zum psychologisch besten Zeitpunkt

Nun nahm Gudow das Zepter in die Hand und wurde spielbestimmend. Hendrik Burmeister zog einen Freistoß direkt aufs Tor, doch Marvin Mundt war zur Stelle. Auf der Gegenseite unterlief einem Verteidiger ein fahrlässiger Ballverlust, doch diesen bestrafte die Zweitvertretung nicht. In den letzten Minuten des ersten Durchgangs nahm die Partie nochmal etwas Fahrt auf, sodass es auf beiden Seiten noch zu Möglichkeiten kam. Leon Kürschner verzog knapp und auf der Gegenseite prüfte Julian Schlicht Mundt aus 27 Metern. Gudow war im Endspurt am Drücker und mit dem Pausenpfiff fiel tatsächlich der Ausgleich. Eine Balleroberung im gegnerischen Strafraum war der Ausgangspunkt, anschließend scheiterte Hendrik Burmeister aus spitzem Winkel an Mundt, doch den zweiten Ball drückte Lennart Burmeister (45.) über die Linie. Es war ein erzwungenes Tor. Trainer Marcel Schaper sagte zu diesem Treffer: „Gegen Kücknitz war es schon ein ähnliches Tor. Das, was uns in der Rückrunde ausmacht, ist, dass wir immer wieder kommen und wir es einfach mehr wollen als der Gegner. Was hier los war an der Bank, dann hat der Ratzeburger SV II noch einen kleinen Ausflug gemacht und uns supportet, ich glaube da kann sich die Kreisliga auf diese Truppe freuen.“

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Jubel des TSV Gudow. Foto: Niklas Runne

Gudow gewinnt die Oberhand

Zur zweiten Hälfte war somit wieder alles auf Null, doch Gudow kam deutlich besser aus der Kabine. Sie waren spie

lbestimmend und drängten auf den Führungstreffer. Zweimal verpasste man aus aussichtsreicher Position den Abschluss, zudem bewahrte ein weiteres Mal Mundt seine Mannschaft vor dem Rückstand. Die Lauenburger hatten nun klar die Oberhand und belohnten sich mit dem Führungstor. Ein Tiefenball fand Marvin Lindau (61.), der zur zweiten Hälfte erst eingewechselt wurde und dieser traf eiskalt zum 2:1. Es war die hochverdiente Gästeführung und sie machten direkt weiter. Hendrik Burmeister prüfte Mundt per Kopf, zudem zog Lennart Burmeister über den Querbalken. Die Lübecker hatten nach einer guten ersten halben Stunde das Spiel komplett aus der Hand gegeben, sodass es eine Frage der Zeit war, bis der Gegner das dritte Tor erzielte. Elf Minuten vor dem Ende war es der Fall und eine Lindau-Ecke fand Lennart Els (79.), der den Ball über die Linie drückte.

Wollmer sieht Rot

Das 3:1 sollte die Vorentscheidung sein, denn es blieb dabei, dass Gudow das Chancenplus behielt. Groß Grönau versuchte es dennoch, gab sich keineswegs auf, doch der Gegner hielt leidenschaftlich dagegen. Fünf Minuten vor dem Ende sah dann der Trainer der Eintracht, Alexander Wollmer, die Rote Karte. Dazu sagte er: „Ich habe Rot gesehen, weil ich zum zweiten Mal gelacht habe. Ich habe erst Gelb bekommen, weil ich gelacht habe und hochgesprungen bin und habe wegen einer Entscheidung dann nochmal gelacht. Der Schiedsrichter Olaf Grote meinte, ich lache ihn aus, aber das ist Interpretationssache.“ Somit musste das Schlusslicht die letzten Minuten ohne den Coach auskommen. Kurz darauf kam dieses allerdings zu einer Riesenchance, nochmal Spannung ins Spiel zu bekommen, doch Jan Ulrich war gegen den Abschluss aus kurzer Distanz zur Stelle. Zwei Minuten später setzte Gudow eine Ecke direkt an die Latte, bevor mit der letzten Aktion des Spiels Niko Kröger (94.) zum 4:1-Endstand traf.

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Groß Grönau-Coach Alexander Wollmer sah die Rote Karte. Foto: Niklas Runne

Lauenburger leiten Vatertagstour vorzeitig ein

Aufgrund des zweiten Durchgangs war der Auswärtssieg verdient. Gudow hatte mehr vom Spiel und wollte es insgesamt auch einfach mehr als der Gegner. Trainer Marcel Schaper sagte zu HL-SPORTS: „Wenn man hier mit 4:1 gewinnt, dann fällt das Fazit total positiv aus. Wir waren in der ersten Halbzeit zugegebenermaßen überrascht von der Mannschaft, die auf dem Platz stand. Groß Grönau hat es gut gemacht, es war eine ganz andere Truppe, als bei uns. Wir hatten dann umgestellt, weil wir überhaupt keinen Zugriff im Mittelfeld hatten. Erstmal machen wir dann genau zur Halbzeit das 1:1, psychologisch kannst du nicht besser treffen. Dann haben wir gewechselt und wollten vorne draufgehen. Wir haben zweimal die Möglichkeit, machen den nicht, gehen dann aber völlig verdient in Führung. Beim dritten haben wir uns bisschen Zeit gelassen und das vierte, das freut mich ganz besonders für Niko Kröger, weil der die ganze Saison Scheiße am Fuß hat und jetzt macht er das Tor. Ich denke, wir leiten die Vatertagstour diesen Abend schon ein.“

Groß Grönau hakt Kreisliga-Kapitel ab

Für Groß Grönau II war es eine weitere Niederlage, dabei sah es im ersten Durchgang noch gar nicht so schlecht aus. Man war dort nicht die schlechtere Mannschaft und führte bis zur letzten Aktion vor der Pause. Nach dem Seitenwechsel verlor man das Spiel komplett aus der Hand und musste sich daher geschlagen geben. Diese Niederlage macht den Sprung auf Platz 14 für die Eintracht nahezu unmöglich, denn das Torverhältnis ist im Vergleich zu schwach. Man kann nur noch bei den Punkten gleichziehen, sodass das Kapitel Kreisliga am Sonnabend enden wird. Trainer Alexander Wollmer sagte zu HL-SPORTS: „Ich denke nach der zweiten Halbzeit ist das schon verdient, dass wir verloren haben. Wir sind erste Halbzeit gut reingekommen, haben auch zurecht 1:0 geführt und haben dann leider in den letzten fünf Minuten den Faden verloren und bekommen das 1:1. Zweite Halbzeit ein Spiegelbild der restlichen Spiele gewesen. Für uns geht es in die Kreisklasse A, Neuaufbau, alles auf Null. Wir bedanken uns beim Schiedsrichtergespann für die gute Leistung, die waren super.“

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