
Spannung bis zur letzten Sekunde
Der 17. Mai wird ein Feiertag bei Familie Tillmann! Am 17. Mai 2013 hat Gilbert Tillmann das Deutsche Spring-Derby in Hamburg gewonnen, am 17. Mai 2026 hat Bruder Frederic das 95. Deutsche Spring-Derby in Hamburg gewonnen. Tränen rollten, die Freude war grenzenlos.
Zum fünften Mal war Frederic Tillmann mit dem inzwischen zwölfjährigen DSP Comanche in Hamburgs Derby am Start, zweimal schon war er Zweiter, einmal Vierter, jetzt – endlich – hat es mit dem Sieg geklappt.
Tillmann musste vorlegen. Zügig fing er an, nahm seinen Comanche extrem vor den Bahnschranken und der Mauer zurück und blieb fehlerfrei in 54,84 Sekunden. „Ich war jetzt das dritte Mal im Stechen beim Derby“, resümierte er. „Ich habe es zweimal zuvor schon nicht so gut zu Ende gebracht, aber aus diesen Fehlern habe ich gelernt. Heute hat alles geklappt. Aber die zwei Minuten, die ich dann noch warten musste, bevor ich das Ergebnis von Simon erfuhr, das waren die schlimmsten.“ Aber Heineke leistete sich zwei Hindernisfehler. Sieg für Frederic Tillmann, Platz zwei für Simon Heineke.
„Natürlich bin ich sehr happy“, betonte Simon Heineke. „Auch wenn ich Cordillo gerne noch einmal ermöglicht hätte, mit seinen 18 Jahren hier vielleicht als Derbysieger vom Platz zu gehen.“ Der 18-jährige Cordillo war heute zum sechsten Mal beim Derby am Start, das vierte Mal mit Simon Heineke, zuvor zweimal unter Nisse Lüneburg, mit dem er 2019 tatsächlich bereits das Derby gewonnen hatte. „Aber insgesamt bin ich einfach nur glücklich und dankbar.“ Heineke hatte nicht nur einen erfahrenen Derbyspezialisten unter dem Sattel, sondern auch an seiner Seite. Er wird trainiert von Achaz von Buchwaldt, seinerseits Derbysieger im Jahr 1996 mit Lausbub.
Es war eine Mischung aus Sensation und Dramatik. Andrè Thieme hat im vergangenen Jahr das Derby zum vierten Mal gewonnen, das erste Mal mit Paule. Mit Paule war er auch heute unterwegs und beendete den 1.250-Meter langen Parcours mit 17 Hindernissen mit einem Abwurf: am niedrigsten Hindernis von allen, am Aufsprung des großen Walls. „Ich kann gar nicht sagen, dass ich mir zu sicher war, aber ich war nach Sprung drei ein bisschen geschockt“, beschreibt Thieme seinen Ritt. „Diese irischen Wälle springt Paule normalerweise ohne Probleme, doch heute hat er dort kurz gezögert. Dabei sind wir etwas aus dem Rhythmus gekommen und sogar leicht gestolpert. Danach hatte ich über den Wassergraben und die Palisade eigentlich wieder ein richtig gutes Gefühl.
Im Nachhinein weiß ich selbst nicht genau, warum ich den Wall dann so eng auf der Innenbahn angeritten bin.“ Die 168. Nullrunde wäre greifbar gewesen und vielleicht sogar eine historische Sensation: Noch nie war ein Reiter so nah dran, den Großen Preis und das Derby in Hamburg in einem Jahr zu gewinnen. Nach dem ersten Verarbeiten dieses Fehlers aber betonte Thieme: „Am Ende bin ich wahnsinnig glücklich mit Paule. Aber wenn ich gestern nicht schon gewonnen hätte, wäre ich jetzt wahrscheinlich richtig angepisst“, grinst er. „Aber Spaß beiseite – diese Woche war unglaublich erfolgreich, alles ist aufgegangen und es war einfach großartig.“
Vielleicht war die Bedeutung der Erfahrung noch nie so offensichtlich wie an diesem Derbytag. Sieger Comanche war das fünfte Mal im Derby dabei, Reiter Frederic Tillmann satte zehn Mal. Für den zweitplatzierten Cordillo war es der sechste Derbystart, für Reiter Heineke der vierte. André Thieme hat bereits viermal das Derby gewonnen, Paule war zum vierten Mal am Start und hat einmal gewonnen. Und auch der zwölfjährige C the Stars, der dieses Jahr mit Stephan Dubsky auf Platz vier gelandet ist, kennt den Hamburger Derbyplatz schon. 2025 war er Zweiter unter dem Sattel des Spaniers Esteban Benitez Valle.
Strahlend beendete Turnierchef Matthias Rath das Deutsche Spring- und Dressur-Derby: „Über das Wochenende ist bereits viel gesagt worden, aber gerade dieser Derby-Abschluss heute war noch einmal etwas ganz Besonderes. Bis zum Schluss haben alle mitgefiebert: Gibt es ein Stechen oder nicht? Dass dann ausgerechnet der letzte Reiter das Stechen noch erreicht, hat die Spannung perfekt gemacht. Die Stimmung war heute – wie eigentlich an allen Tagen – einfach überragend. Es macht einfach wahnsinnig viel Freude, diese Veranstaltung zu begleiten.“
Melitta verlängert Kooperationsvertrag
Sehr groß war Raths Freude auch nach einem Gespräch mit dem präsentierenden Derbysponsor Melitta. Matthias Rensch, Melitta Geschäftsführer Europa, Afrika und Asien für den Geschäftsbereich Kaffee, verkündete: „Das zweite Jahr war noch einmal anders als das erste. Und wir haben erneut unglaublich viel positives Feedback bekommen.“ Besonders beeindruckend seien natürlich der Sport, der Ehrgeiz und die Leidenschaft, die man überall spüre. Das seien Werte, mit denen sich Melitta als Unternehmen sehr gut identifizieren könne. „Wir sind von der Veranstaltung inzwischen so begeistert“, erklärt Rentsch, „dass Matthias Rath und ich uns gestern tatsächlich einmal zusammengesetzt haben und darüber gesprochen haben, dass wir die Partnerschaft langfristig weiterführen möchten. Darüber werden wir in den kommenden Wochen genauer sprechen.“ Rath freute sich: „Ich glaube, dass diese Kontinuität für das Derby enorm wichtig ist. Es geht darum, auch für die Zukunft Stabilität zu schaffen.“
Clara Blau gewinnt Stilpreis nach Publikumswertung
Hamburg ist das einzige Turnier, auf dem der bekannte Harmonie und Fairness Preis auch im Springen verliehen wird – und zwar im Deutschen Spring-Derby. Per Zuschauer-Voting war die Abstimmung am Derbysonntag eine klare Entscheidung: Clara Blau hat mit ihrem Paul begeistert und erhielt diesen Preis, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Das Paar hatte sich zwar zwei Abwürfe im Derbyparcours geleistet, aber die 25-Jährige war von ihrem Herzenspferd völlig begeistert und strahlte: „Ich habe mich über jedes Hindernis gefreut, das er so toll gesprungen ist. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht.“






