Mitglieder, Fans und Sponsoren laufen Sturm: Aufsichtsrat des VfB Lübeck isoliert sich

Geheime Treffen in Grün-Weiß

Aufsichtsrat und Vorstand des VfB Lübeck im Oktober 2025. Foto: LOBECA

Lübeck – Die Nerven beim VfB Lübeck liegen blank. Nach dem verheerenden Aus von Sportvorstand Sebastian Harms (HL-SPORTS berichtete) droht dem Traditionsverein nun endgültig der emotionale und wirtschaftliche Totalschaden.

Im Zentrum des Sturms: Ein Aufsichtsrat, der sich zunehmend isoliert und das Vertrauen der gesamten Stadt zu verspielen droht.

Am vergangenen Dienstagnachmittag wurden Vorstandschef Dr. Dieter Gudel sowie die Aufsichtsräte Paul Manthey und Marcel Burdenski gemeinsam im Stadion gesichtet. Es ist ein Treffen mitten in einer Phase, in der an der Lohmühle eigentlich an der Zukunft gearbeitet werden soll. Ging es um die Zukunft des 50-jährigen Vereinschefs? Zumindest brennt hinter den Kulissen die Mühle lichterloh. Die Gerüchte, dass der Aufsichtsrat den Erfolgsvorstand und Insolvenzretter Gudel trotz all seiner Verdienste eiskalt abservieren will, verdichten sich von Stunde zu Stunde.

Das doppelte Spiel mit der Ausgliederung

Das politische Taktieren des Kontrollgremiums erreicht eine neue Dimension. Eigentlich bilden die Aufsichtsräte Detlef Meyer-Stender und Dennis Tensfeldt zusammen mit Gudel die offizielle Ausgliederungskommission, um die Regionalliga-Mannschaft am 15. Juni in eine GmbH zu überführen. Waren sie auch bei dem Treffen? Und wie glaubwürdig sind die sechs verbleibenden Kontrolleure überhaupt noch? Carsten Abbe hatte sich bereits nach der Harms-Entscheidung mit einem Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender verabschiedet. Ist er noch in alles eingeweiht?

Aktuell gerät das Gremium extrem unter Druck: Mitglieder, Fans und Sponsoren sind skeptisch. Das Vertrauen scheint schon seit dem Harms-Skandal verspielt. Die Zukunft des Aufsichtsrates hängt mit Gudel zusammen. Er kann die sechs Personen noch retten, indem er seine erfolgreiche Arbeit fortführt. Tut er das nicht, muss der Aufsichtsrat Namen nennen, welche Kapitäne die GmbH steuern. Alle wollen wissen, wem sie zukünftig ihr Vertrauen schenken sollen.

Es steht der schwerwiegende Verdacht im Raum, dass der Aufsichtsrat eine existenzbedrohliche Hängepartie riskiert: Will man Personalentscheidungen bewusst bis nach dem „Tag der Tage“ am 15. Juni verschweigen, um die Stimmen der Mitglieder für die GmbH nicht zu gefährden? Soll hier die Basis bewusst im Dunkeln gelassen werden, um nach der Abstimmung vollendete Tatsachen zu schaffen? Sollte sich dieser Verdacht erhärten, wäre das ein beispielloser Vertrauensbruch gegenüber Mitgliedern, Fans und vor allem Sponsoren.

Der wirtschaftliche Kollaps droht vor dem 15. Juni

Die Quittung für diese Politik der verschlossenen Türen könnte den Aufsichtsrat nun viel schneller einholen als gedacht. Die Sponsoren-Front steht felsenfest. Unternehmer Oliver Prieur (Prieur Dichtstoffe, Klub111) hatte im internen Chat des „Club der Hanseaten“ bereits unmissverständlich klargestellt, dass er sein finanzielles Engagement sofort einstellt, sollte Gudel gehen müssen.

Nach HL-SPORTS-Informationen bröckelt die Unterstützung in der Lübecker Wirtschaft nun massiv. Weitere namhafte Gönner sollen bereits offen darüber beraten, dem Verein den Geldhahn komplett zuzudrehen – und zwar noch vor der Mitgliederversammlung. Der VfB Lübeck hat bisher viele Krisen gemeistert, doch hier scheint anders: Goliath steht vor dem Stadion.

Auch der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Rehder fand im selben Chat vernichtende Worte für das aktuelle Kontrollgremium. Der 61-Jährige wirft den Verantwortlichen „Besserwisserei“ vor und stellt die alles entscheidende Frage, warum die Sponsoren und Gönner nicht endlich die „falschen Personen“ im Verein verjagen.

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Die Vertrauensfrage: Ist dieser Aufsichtsrat noch tragbar?

Die Frage ist längst nicht mehr, ob Dieter Gudel bleibt. Die Frage ist – liest und hört man genau hin –, ob dieser Aufsichtsrat überhaupt noch die moralische und professionelle Legitimation besitzt, den VfB Lübeck in eine neue Ära zu führen. Wer die eigenen Mitarbeiter in die „Reamateurisierung“ treiben, Sponsoren vergraulen und die Mitgliederversammlung als taktisches Schild benutzen könnte, steuert den Verein sehenden Auges in den Ruin. Geht es nur um eine schwarze Null und um einen um ein Viertel gekürzten Etat für die neue Saison? Oder geht es um Macht?

Die Aufsichtsräte hüllen sich in Schweigen. Grundsätzlich lobenswert, doch in diesem Fall wohl ziemlich sicher der Tod des Vereins. Stimmen die Mitglieder unter diesen Voraussetzungen überhaupt für eine Ausgliederung, wenn sie nicht wissen, wer die GmbH führt? Und was machen die Sponsoren dann?

Der „Club der Hanseaten“ zählt etwa 150 Unternehmer und Personen, die im Durchschnitt rund 5.000 Euro pro Jahr in den Verein pumpen. Zieht nur die Hälfte ihr Engagement zurück, würden auf Schlag knapp 400.000 Euro fehlen. Das wäre mehr als der Etat für das momentane Regionalliga-Team. Wäre das sportlicher und vereinspolitischer Selbstmord?

Die Basis spricht in den sozialen Netzwerken von absolutem „Wahnsinn“. Wenn die Ausgliederung am 15. Juni nicht krachend scheitern soll, muss sich im Führungskreis der Grün-Weißen sofort etwas ändern. Das Kontrollgremium ist endgültig umzingelt von der eigenen Basis und den Geldgebern der Stadt. Die Uhr tickt – und das Radar der Öffentlichkeit ist schärfer denn je.

Welche Note würdet ihr dem VfB Lübeck für die Regionalliga-Saison geben?

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