
Lübeck – Die wilde Achterbahnfahrt des VfB Lübeck nimmt kein Ende. Stichtag ist der 15. Juni – dann soll der Regionalligist auf Druck des Finanzamtes die Ausgliederung seiner 1. Mannschaft in eine Kapitalgesellschaft beschließen. Doch was monatelang das Top-Thema war, wurde Ende April durch den Aufsichtsrat abgelöst. Inzwischen stehen die sechs verbleibenden Kontrolleure des Vereins unter Beschuss. Vor allem Sponsoren machen Druck.
Grund ist zum einen die Entlassung von Sportvorstand Sebastian Harms und nun ein möglicher Rausschmiss des Vorstandsvorsitzenden Dr. Dieter Gudel (HL-SPORTS berichtete). Eine Zwickmühle, denn sollte der 50-Jährige seine bisher erfolgreiche Arbeit nicht weiterführen, dürfte der Verein einem harten Sturm entgegenfahren. Nicht wegen des Finanzamtes, sondern weil inzwischen immer mehr Unterstützer überlegen, was mit ihren Verträgen ist.
„Gudel und Harms haben gute Arbeit geleistet“
Nächstes Schwergewicht ist die Schmelzer Gruppe mit 19 Filialen von „Schmelzer Hörsysteme“ in der gesamten VfB-Region. Felix Schmelzer ist beunruhigt und zugleich verstimmt. Gegenüber HL-SPORTS sagte der Geschäftsführer des Unternehmens:
„Wir sind überrascht, dass der Verein nun ad hoc eine andere Richtung einschlagen könnte. In vielen sehr guten persönlichen Gesprächen mit Herrn Gudel haben wir uns von der Zukunftsvision 2030 anstecken lassen. Das ist eine tolle Sache und wir wollen das gerne so unterstützen. Als hanseatische Kaufleute gilt für uns ein Wort und wir haben fest auf den Handschlag mit Dieter Gudel vertraut – ein Vertrauen, das er und Herr Harms auf vielen Ebenen mit ihrer sehr guten Arbeit gerechtfertigt haben. Nun scheint es im Verein an Stabilität zu fehlen. Das ist für kein Unternehmen ein gutes Aushängeschild, weder für den VfB Lübeck noch für uns als Rückensponsor.“
Kaufmannsehre und Verlässlichkeit gefordert
Der Unternehmer schlägt dabei in die gleiche Kerbe wie viele Mitglieder, Fans und andere Sponsoren. Für Schmelzer geht es bei der Partnerschaft um grundlegende Werte, die auch seine eigene Firmenmaxime prägen: Freundlichkeit, Ehrlichkeit und Kompetenz. Wenn diese Basis wackelt, wird es schwierig.
Schmelzer erklärte, dass er über die Marketingabteilung des Clubs an den Aufsichtsrat schrieb: „Wir stehen hinter Herrn Dr. Dieter Gudel und dem gemeinsam eingeschlagenen Weg.“ Gegenüber HL-SPORTS ergänzte er mit Blick auf die geplante Sponsorenveranstaltung: „Aus unserer Sicht braucht der Verein gerade jetzt Kontinuität, Vertrauen und eine klare Linie, um die angestoßenen Entwicklungen erfolgreich fortzuführen. Wenn ich für das gemeinsame Projekt “Vision 2030“ auf die Bühne geholt werde, dann muss ich mich auf die Kaufmannsehre und die Absprachen verlassen können. Weil genau dieses Fundament gerade wegbricht, lassen wir unsere Sponsorenverträge aktuell prüfen.“
Kartenhaus könnte zusammenfallen
Es ist also kein Hirngespinst mehr, dass immer mehr Unternehmen besorgt sind und das aufgebaute Vertrauen gegenüber dem Verein nun in Frage stellen. Der Aufsichtsrat hat sich bisher noch nicht zur Person Gudel geäußert. Die Zeit für den VfB Lübeck wird knapp und vor allem die Luft immer dünner. Wie lange hält das Kontrollgremium das noch aus?






