
Eutin – Am Freitagabend war es soweit. Das lang ersehnte und heiß darauf hingefieberte Hinspiel der Aufstiegsrelegation zur Verbandsliga zwischen dem Zweiten der Kreisliga Ost und Südost stand an. Am Waldeck empfing Eutin 08 II den TSV Pansdorf. Die Partie versprach einiges, denn es war nicht nur ein Duell zweier Zweitvertretungen, sondern auch ein echtes Derby.
Viele Geschichten
Es war alles angerichtet für einen Fußballabend, der alles bieten sollte, was sich das Fußballherz wünscht. Viele Geschichten schmückten diese Partie. So war es das letzte Heimspiel als Coach der Zweiten für Jasper Frahm, das Wiedersehen nach einem 5:3 im Kreispokal der unteren Mannschaften vor dem Winter und ein zweiter Versuch nach der verlorenen Relegation im Vorjahr für Eutin 08 II. Zudem trat mit Pansdorf eine Mannschaft an, die nur zweimal überhaupt in dieser Saison verlor und über 20 Spiele in Serie ungeschlagen blieb. Einen klaren Favoriten gab es in diesem Derby also nicht, dennoch schoben sich beide Parteien im Vorfeld diese Rolle zu. Druck verspürte man dabei jeweils nicht, zumindest wenn es nach den beiden Cheftrainern ging. Personell wurde mit Spannung auf die beiden Kader geblickt. Diese waren jeweils breit aufgestellt, sodass sowohl Frahm als auch Steven Tion eine große Auswahl an Spielern hatten. In der ersten Elf von Eutin fand sich eine gute Mischung aus jungen, hungrigen sowie erfahrenen Spielern wieder. So bildete Jannik Sarnow gemeinsam mit Oberligaspieler Fatlum Zymberi die Innenverteidigung. Florian Schumacher agierte im Mittelfeld und der spielende Co-Trainer Lennard Jakubenko trat in etwas anderer Rolle als sonst auf dem rechten Flügel auf. Pansdorf setzte mit Tobias Graefe auf einen Zielspieler als einzige Spitze. Tom Volkmann und Landesliga-Leihgabe Fabian Schulz bekleideten die Außenbahnen. Zudem halfen mit Tim Rosenlöcher und Lennart Gönnemann zwei weitere Akteure aus dem Kader der Ersten aus.
Pansdorf überrascht Eutin
Vor einer großen Kulisse von offiziell 402 zahlenden Zuschauern sollte es kein Abtasten zwischen den beiden Mannschaften geben. Wie zu erwarten war, ging es intensiv und heiß her, sodass die Partie früh erste Highlights bekam. Ein erster Vorstoß nach 25 Sekunden über Gönnemann klärte Eutin zum ersten Eckball des Spiels. Standards sollten in den ersten 45 Minuten durchaus eine große Rolle spielen für die Pansdorfer, dennoch waren es nicht nur diese. Die Mannschaft von Trainer Tion, der bereits mit Pönitz II und Ahrensbök II aufsteigen konnte, überraschte die Heimelf. So kontrollierte der Vizemeister aus der Kreisliga Südost das Spielgeschehen und hatte mehr Ballbesitz. Dies ist eigentlich eher unüblich für das Spiel des TSV, der seine Stärken klar im Spiel gegen den Ball hat. So hatte Eutin noch nicht wirklich Zugriff und die Gastmannschaft war besser drin. Man versuchte es, nicht selten auch mit langen Bällen, doch die Hintermannschaft der 08er war aufmerksam und ließ nichts wirklich anbrennen. In der elften Minute kam es dann zum ersten Aufreger in dieser Partie. Schulz trat einen Eckball, den klärte 08-Keeper Niklas Heesch, und daraus entstand plötzlich ein schneller Gegenstoß, doch Kevin Knetsch bremste Monty Gutzeit. Zwei Minuten später wurde es brandgefährlich im Sechzehner der Platzherren. Wieder trat Schulz einen Eckstoß, dieser fand Ali Abdulzahra, dessen Kopfball Heesch zu einer Glanzparade forderte.
Heesch rettet Gastgeber
Die Partie nahm nun immer mehr Fahrt auf, doch die Hausherren mühten sich noch, so richtig klare Chancen zu kreieren. Eher waren es Halbchancen, wie durch Jorge Bruckmann, der um einen Hauch vor Patrick Raube an den Ball kam. Gefährlicher waren die Pansdorfer, die am Führungstreffer anklopften. Knetsch zog aus 30 Metern ab und prüfte den Keeper der Hausherren zu einer weiteren guten Parade. Dort fehlte nicht viel und der Schuss des Kapitäns wäre traumhaft eingeschlagen. So blieb es weiterhin torlos in einem munteren Hinspiel, in dem beide nicht den ersten Fehler machen wollten, sich aber auch keineswegs ängstlich oder zurückhaltend präsentierten. Rosenlöcher verzog nach 20 Minuten, als den Gastgebern aus einer eigenen Ecke plötzlich der Konter entgegenflog. Nach 25 bis 30 Minuten veränderte sich die Partie etwas. Eutin hatte nun mehr Zugriff und ließ den Ball auch häufiger und länger laufen. So kam die Frahm-Elf zu Annäherungen, wie zum Beispiel durch Max Golovcanski, der von der Strafraumgrenze über die Latte zog, nachdem er die Kugel nicht richtig traf.
Spannende erste Hälfte – Pansdorf zwingender
Acht Minuten vor der Halbzeit war es dann wieder einmal eine Pansdorf-Ecke und erneut sollte es richtig gefährlich werden. Schulz schlug diese an den zweiten Pfosten, wo Abdulzahra völlig blank den Ball am Tor vorbeiköpfte. Auf der Gegenseite waren es wenige klare Chancen, gefährlich wurde es dennoch. So unterlief Verteidiger Schlicht ein kleiner Fehler, doch Raube war vor Torjäger Gutzeit zur Stelle. Die letzte Aktion der ersten Hälfte gehörte dann noch einmal dem Gast aus der Gemeinde Ratekau, doch Graefe traf den Ball aus guter Position nicht richtig und verzog daher deutlich. So ging es ohne Tore in die Halbzeit und es war ein Spiel, das den über 400 Zuschauern am Eutiner Waldeck eine Menge Spaß bereitete. Es war intensiv, umkämpft und spannend. Dabei war der TSV dem Führungstor aufgrund der klareren und guten Chancen näher, doch ein herausragender Torwart der Eutiner hielt die Null. Auf der anderen Seite steigerten sich die Gastgeber nach einer halben Stunde und kamen dadurch besser ins Spiel, doch ohne dabei so richtig zwingend zu werden. Kaum eine klare Torchance war die Folge.
Joker sorgt für großen Jubel
Zur zweiten Hälfte blieben beide Mannschaften personell unverändert, doch die Eutiner traten verändert auf. So kam die U23 mit deutlich mehr Zugriff und Spielkontrolle raus und machte direkt Druck. Pansdorfs Abwehr wurde dadurch vermehrt gefordert, denn vor allem Jorge Bruckmann auf der linken Außenbahn erzeugte immer wieder Torgefahr. Gästecoach Tion reagierte auf die Entwicklung des Spiels und brachte zehn Minuten nach Wiederbeginn mit Mephew Hinze deutlich mehr Tempo in die Partie. Graefe ging raus, dafür rückte nun Schulz in die Spitze. Dieser hatte die beste Chance der ersten 20 Minuten nach Wiederbeginn, als er Heesch forderte. Danach wendete sich das Blatt. Eutin erhöhte noch mehr den Druck und kam mit Tempo durch Bruckmann in den Sechzehner, doch Schlicht klärte. Drei Minuten später war es wieder der Linksaußen, der den Ball in die Mitte legte, doch Joker Jesper Görtz kam nicht mehr an den Ball. Im Gegenzug unterlief den Rosenstädtern dann der Fehler, sodass Cedric Wilcken plötzlich freie Bahn hatte, aber knapp am langen Eck vorbeichippte. Eine Minute später sollte es dann allerdings soweit sein. Der Ball kam durch zu Volkmann, der den eingewechselten Quandt schickte, welcher letztlich zum freistehenden Mephew Hinze (74.) querlegte, welcher ins Eck einschob. Es war das Führungstor für Pansdorf und der Jubel beim Team und den zahlreichen mitgereisten Fans groß. Die Tür zur Verbandsliga öffnete sich ein weiteres Stück und nun galt es, diese knappe Führung über die Zeit zu bringen.
Eutin verpasst Siegtreffer hauchdünn
Einfach sollte es allerdings keineswegs werden, denn mit Kevin Knetsch musste der Abwehrchef und Kapitän aufgrund von Krämpfen vorzeitig vom Feld. Dies machte sich durchaus bemerkbar, denn Eutin wurde im Anschluss immer gefährlicher. So zog Schumacher ab, Schlicht klärte und den zweiten Ball klärte der TSV in Not. Sechs Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit sollte Pansdorf dann den Ball nicht konsequent genug aus dem eigenen Sechzehner klären, sodass es letztlich Florian Schumacher (84.) war, der das Leder über die Linie drückte. Eutin war zurück und mindestens fünf Minuten standen noch an. Das Momentum war auf Seiten Eutins gesprungen und es gab noch einige gute Chancen. So scheiterte Görtz aus spitzem Winkel an Raube, der das kurze Eck dicht machte, und kurz darauf gab es mit Anbrechen der Nachspielzeit eine Riesengelegenheit. Über links setzte sich Bruckmann durch und dann bekam Dustin Uchneytz den Ball nicht über die Linie. Es fehlte nicht viel und es wäre pure Ekstase auf der vollen Sportanlage ausgebrochen. Stattdessen blieb es beim 1:1 und Pansdorf kam noch einmal gefährlich nach vorne. Hinze bediente Quandt, der in den Strafraum ging und nach einem Rempler von 08-Kapitän Jannik Sarnow zu Boden ging. Die Pfeife des an diesem Abend unauffälligen, souveränen und starken Schiedsrichters blieb stumm. So war es ein Remis im Hinspiel der Relegation, das für den kommenden Freitag noch alles offenlässt. Die ersten 90 Minuten machten bereits Werbung für das Rückspiel, das in einer Woche am Techauer Weg in Pansdorf steigt. Es war ein bis zur letzten Sekunde spannendes Hinspiel auf einem hohen fußballerischen Niveau, das noch keinen Sieger fand. Beide Mannschaften hatten vor einer beeindruckenden Kulisse dabei genügend Argumente für sich.







