Der VfB Lübeck und die Fehlerphilosophie – Menschen kommen, Menschen gehen…

Ein Kommentar von Chefredakteur Roland Kenzo

Leere Tribünenplätze auf der Lohmühle des VfB Lübeck. Archivfoto: Lobeca/Wolf Gebhardt

Aus Fehlern lernt man bekanntlich und so sollte es auch für den Aufsichtsrat des VfB Lübeck gelten. Und ganz wichtig: Man darf Fehler machen, das ist menschlich. Jeder kennt das vielleicht aus dem eigenen Umfeld oder von sich selbst, dass man sich manchmal einfach in die falsche Richtung bewegt und den Turnaround tatsächlich nicht schafft. Man darf sich vorstellen, dass es den sechs verbleibenden Kontrolleuren im zweithöchsten Gremium des Vereins so oder so ähnlich ergangen ist. Das, was sie sich in den vergangenen Wochen leisteten, dürfte es nicht in die Ruhmeshalle der Grün-Weißen schaffen – aber das wissen die Herren selbst. Und damit sollte jetzt auch vorläufig Schluss sein.

Im guten Glauben

Ich würde behaupten, dass Paul Manthey, Jens Burchardt, Dennis Tensfeldt, Marcel Burdenski, Eckhard Evers und Detlef Meyer-Stender sich wirklich allergrößte Mühe gegeben haben, umzingelt von Freunden, Beratern und Kritikern. Dabei meinten es die Letztgenannten, die kritischen „Miesepeter“, sicherlich ebenfalls nicht schlecht, denn auch sie haben Ideen für den Verein, sitzen aber eben nicht im Aufsichtsrat. Transparenz, Ehrlichkeit und Fairness sollten sich alle auf die Fahnen schreiben, denn sonst könnte es in eine ganz falsche Richtung laufen. Besonnenheit ist gefragt, aber eben auch keine Mauertaktik. Dass die Öffentlichkeit und auch die Medien manchmal „nerven“, gehört dazu. Es ist wie in der Familie, wo der oder die eine einfach – ja – nervt. Das legt sich wieder, meistens zumindest. Dabei kommt es auf die Souveränität an, mit der man ganz offen umgehen darf.

Danke, Sebastian Harms! Danke, Dieter Gudel!

Und diese Souveränität haben Dr. Dieter Gudel sowie Sebastian Harms inne. Sie entschuldeten unter anderem den Verein um zwei Millionen Euro. Dafür gebührt beiden allergrößter Respekt. Sie haben den Weg geebnet, den nun andere für sie weitergehen. Ob die neuen Köpfe es schaffen, das Ziel zu erreichen, wird man sehen. Eine Chance haben sie definitiv verdient und die bekommen sie auch. Immerhin rollten in dieser Woche über 700 Profispiele auf die Lohmühle. Eine Ansage ist das – aber reicht es, um einen Traditionsverein zu führen und ihn zurück in die 3. Liga zu befördern? Denn das ist das Ziel, wie Hanno Behrens bereits am Freitag bei RADIO LÜBECK sagte. Wir werden sehen.

Auf den Hintergrund kommt es an

Der große Unbekannte sind dabei nicht die Doppelköpfe selbst, die sich nun als die „Absolute Beginner“ darstellen, sondern das Finanzgenie hinter Hanno Behrens und Romain Bregerie. Bis zum Namen Dieter Skallweit sind viele nach den beiden neuen Sportvorständen vermutlich gar nicht gekommen. Audi ist eine schöne Marke – und sich dort über Jahre auf Top-Manager-Level zu bewegen, heißt auch „Aushalten“ können. Der Ex-Ingolstädter wurde in der Hansestadt Tennis-Meister, das muss man auch erstmal schaffen. Und wer weiß, wie viele neue Kaninchen in den kommenden Wochen noch aus dem Hut springen – oder wie viele noch auf der Strecke bleiben.

Die Liebe zur Hansestadt

Ich begleite den Verein jetzt schon eine ganze Weile, auch kritisch und die beiden Abgänge von Sebastian Harms und nun bald Dieter Gudel hätte man aus meiner Sicht umgehen können. Nun ist es wie es ist und der Aufsichtsrat hat seinen Daumen bei beiden gesenkt. Meine Meinung ist, dass beide nicht einmal ansatzweise zeigen konnten, was wirklich in ihnen steckt. Man hat gemerkt, dass sie sich in Lübeck verliebt haben – und vielleicht auch Lübeck in sie. Und darum sind die Mitglieder, Fans und Sponsoren auch so sauer, dass sie nicht oder bald nicht mehr da sind. Man muss es erst einmal schaffen, sich den Respekt, das Vertrauen und die Zuneigung der Königin der Hanse zu verdienen. Aber gut, abgerechnet wird zum Schluss.

Vorwärts!

Jetzt gilt es, nach vorne zu gucken, das verlorengegangene Vertrauen und die hanseatische Kaufmannsehre zurückzugewinnen. Dabei sind alle gefordert, vor allem der Aufsichtsrat. Bis zum Oktober ist es nicht mehr lange hin, da wird neu gewählt. Bis dahin bleibt man sexy, wenn es Erfolge gibt – sonst möglicherweise nicht. Der Druck bleibt. So ist das Fußballgeschäft, ansonsten ist es wie so oft: Menschen kommen und gehen – auch beim VfB Lübeck.

In diesem Sinne, allerseits einen schönen Sonntag…

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Euer Roland Kenzo

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  • VfB: Lobeca/Wolf Gebhardt
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