
Lübeck – Viel Arbeit, Schweiß und Diskussionen auf der einen Seite, noch mehr Stress, Unmut und Unverständnis auf der anderen. Der VfB Lübeck durchschritt in den vergangenen Wochen und Monaten ein Tal der Tränen und der Unzufriedenheit. Mitglieder, Fans und Sponsoren waren hin- und hergerissen – zwischen Mannschaft, Trainer und Vorstand sowie der Position des Aufsichtsrates. Auch dort gab es nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Carsten Abbe kündigte seinen Rücktritt aus dem Gremium für Ende Juni an, zog seinen Abschied jedoch in der vergangenen Woche vor und verließ die Kontrollgruppe sogar vorzeitig. Insgesamt waren die sechs verbleibenden Personen in Verantwortung sehr leise. Nun haben sie sich öffentlich geäußert, in einem exklusiven Gespräch mit HL-SPORTS. Paul Manthey und Dennis Tensfeldt sprachen über die bevorstehende Ausgliederung am heutigen Montag (15. Juni) und die Zukunft der Grün-Weißen.
Manthey und Tensfeldt geben Richtung vor
HL-SPORTS: Am kommenden Montag steht mit der außerordentlichen Mitgliederversammlung die vielleicht wichtigste Weichenstellung der Vereinsgeschichte an. Hand aufs Herz: Wie optimistisch blickt der Aufsichtsrat auf das Votum der Mitglieder in Sachen Ausgliederung?
Paul Manthey: „Optimistisch und respektvoll zugleich. Wir spüren in den Gesprächen mit Mitgliedern, dass die große Mehrheit verstanden hat, worum es geht: Die Ausgliederung sichert die Zukunftsfähigkeit unseres Profifußballs, ohne dass der Verein seine Wurzeln verliert. Wir werben um jede Stimme und nehmen jede Frage ernst – aber wir gehen mit Zuversicht in den Montag. Am Ende entscheiden die Mitglieder, und das ist auch richtig so.“
HL-SPORTS: Hinter dem Verein liegen extrem unruhige Wochen mit vielen personellen Veränderungen im sportlichen und administrativen Bereich. Warum ist es gerade jetzt so wichtig, dass die Mitglieder am Montag ein Signal der Geschlossenheit senden und für die Ausgliederung stimmen?
Paul Manthey: „Weil ein Verein in einer Phase der Veränderung Klarheit braucht – nach innen wie nach außen. Die personellen Wechsel der letzten Wochen waren Teil eines notwendigen Neuaufbaus, kein Selbstzweck. Ein klares Votum am Montag schafft das Fundament, auf dem das neue Team arbeiten kann: stabile Strukturen, klare Verantwortlichkeiten, ein gemeinsamer Weg. Geschlossenheit heißt nicht, dass alle einer Meinung sein müssen – sie heißt, dass wir nach einer demokratischen Entscheidung gemeinsam anpacken.“
HL-SPORTS: In den vergangenen Wochen gab es rund um die Lohmühle viel Diskussionsstoff, auch zum Thema Kommunikation. Wenn ihr selbstkritisch auf die vergangenen Monate blickt: Wo seht ihr die größten Ansätze, um die Öffentlichkeitsarbeit und den Dialog mit den Mitgliedern und Fans künftig noch transparenter zu gestalten?
Dennis Tensfeldt: „Selbstkritisch betrachtet hätten wir an mancher Stelle früher kommunizieren können – das nehmen wir ernst. Gleichzeitig muss man ehrlich sagen: Vieles, was Mitglieder, Sponsoren und Fans beschäftigt hat, betrifft Personalentscheidungen. Und die kann und darf man nicht vorab öffentlich erklären – schon aus Respekt vor den beteiligten Menschen. Was wir verbessern wollen, ist der Dialog dort, wo er möglich ist: Mitglieder, Sponsoren und Fans früher mitnehmen, Entscheidungen besser einordnen, ansprechbar bleiben. Das ist unser Anspruch für die kommende Zeit.“
HL-SPORTS: Viele Fans treibt die Sorge um, dass der Verein durch eine Ausgliederung seine Seele oder die Mitbestimmung der Mitglieder verliert. Welche Garantien und Leitplanken sind im neuen Konzept verankert, damit der VfB Lübeck im Kern immer ein Mitgliederverein bleibt?
Dennis Tensfeldt: „Diese Sorge nehmen wir sehr ernst, und die Antwort ist eindeutig: Der VfB Lübeck bleibt ein Mitgliederverein. Der e.V. hält hundert Prozent der Anteile an der neuen Gesellschaft – die Mitglieder behalten also die Kontrolle. Die Marke „VfB Lübeck“ verbleibt beim Verein und wird der Gesellschaft nur lizenziert. Auch die Jugend und der Breitensport bleiben im e.V. Die Ausgliederung trennt nicht den Verein von seiner Seele – sie schützt den Verein, indem sie wirtschaftliche Risiken vom gemeinnützigen Kern fernhält.“
HL-SPORTS: Das neue Vorstandsteam hat die Arbeit aufgenommen, Großsponsoren wie zuletzt die Urbach Bauunternehmung haben ihren klaren Schulterschluss für die Zukunft bekräftigt. Welchen konkreten Fahrplan hat der Aufsichtsrat für die Wochen direkt nach der Mitgliederversammlung, um den sportlichen und strukturellen Neustart voranzutreiben?
Paul Manthey: „Wir freuen uns sehr über den klaren Rückhalt unserer Partner – das ist in dieser Phase ein wichtiges Signal des Vertrauens. Unser Fahrplan nach der Versammlung ist klar: Das neue Vorstandsteam treibt die sportliche und strukturelle Aufstellung für die kommende Saison voran, wir setzen die neuen Strukturen operativ auf und führen die Gespräche mit unseren Partnern konsequent weiter. Es geht jetzt darum, Schritt für Schritt Stabilität in Ergebnisse zu übersetzen – auf dem Platz und daneben.“
HL-SPORTS: Wenn wir den Blick über den Montag hinauswerfen: Wo seht ihr den VfB Lübeck in zwei oder drei Jahren, wenn die Mitglieder grünes Licht für die neuen wirtschaftlichen Strukturen geben?
Paul Manthey: „Wir wollen einen VfB Lübeck, der wirtschaftlich auf stabilen Beinen steht und sportlich wieder angreift. Das Ziel ist klar formuliert: die Rückkehr in den Profifußball, getragen von gesunden Strukturen statt von kurzfristigen Notlösungen. In zwei, drei Jahren soll man auf den Montag zurückblicken und sagen können: Das war der Moment, in dem der Verein die Weichen richtiggestellt hat. Wir sind realistisch genug zu wissen, dass das harte Arbeit bedeutet – und ehrgeizig genug, es zu wollen.“
HL-SPORTS: Letzte Frage – und vielleicht die wichtigste: Mitglieder, Fans und Sponsoren erwarten eine transparente Aufklärung zu Personalien und Entscheidungen. Wann dürfen sie damit rechnen?
Dennis Tensfeldt: „Transparenz ist uns wichtig, und wir nehmen diesen Anspruch ernst. Gleichzeitig gilt: Bei Personalien sind wir an den Schutz der beteiligten Personen gebunden – das ist eine Frage des Anstands und auch der rechtlichen Sorgfalt. Was wir zusagen können: Die Mitglieder sind das höchste Organ des Vereins, und die Mitgliederversammlung ist der richtige Ort, um Entscheidungen und Hintergründe einzuordnen. Genau das werden wir am Montag tun – sachlich, offen und fair im Rahmen des Möglichen und mit dem Respekt vor den Mitgliedern, den sie verdienen.“
HL-SPORTS: Vielen Dank für das Interview.
Tag der Entscheidung
Nun ist es also soweit und die Mitglieder entscheiden in wenigen Stunden darüber, wie es mit ihrem Verein weitergeht. Für die Ausgliederung ist eine einfache Mehrheit notwendig. Die Veranstaltung findet im Juniper (Herrenholz) statt. Dann soll auch die Mitgliedschaft noch einmal genauestens über den aktuellen Stand der Dinge informiert werden. Es wird also Tacheles geredet. Es steht also eine historische Vereinsversammlung bevor…
Bildquellen
- JHV: Lobeca
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