
Lübeck – Wer in Lübeck über Torhüter spricht, kommt an Eric Schlomm kaum vorbei. Der ehemalige Keeper des VfB Lübeck und des 1. FC Phönix Lübeck schrieb eine außergewöhnliche zweite Karriere im American Football. Bei den Hamburg Sea Devils spielte er auf europäischer Bühne, reiste durch große Stadien und sammelte individuelle Auszeichnungen. Nun schließt sich der Kreis: Mit 34 Jahren kehrt Schlomm zum Fußball zurück und verstärkt das Trainerteam des FC Dornbreite.
„Erst Hausbau, Gartenbau und Familie“
Der Weg zurück an die Seitenlinie war keineswegs geplant. Nach dem Ende seiner Football-Karriere wollte Schlomm zunächst Abstand vom Leistungssport gewinnen. „Da war irgendwann eine Zäsur“, erzählt er. „Ich habe lange erfolgreich Fußball gespielt, dann ein paar Jahre Football. Mit 34 macht der Körper langsam Schwierigkeiten. Ich dachte mir: Jetzt mache ich erst einmal gar nichts.“ Statt Trainingsplänen und Wettkämpfen standen zunächst andere Projekte im Vordergrund. „Erst Hausbau, Gartenbau, Familie. Und wenn sich das alles eingeschwungen hat, dann gucke ich mal, was möglich ist. Doch ganz losgelassen hat ihn der Fußball nie. Der Kontakt zu Dornbreite-Coach Danny Skwierczynski riss auch während seiner Football-Zeit nie ab. „Wir hatten immer gesagt: Wenn sich irgendwann etwas ergibt, sprechen wir nochmal miteinander. Und ich hatte Lust, zum Fußball zurückzukehren.“
Der perfekte Einstieg beim FC Dornbreite
Als sich die Möglichkeit ergab, als Torwarttrainer einzusteigen, musste Schlomm nicht lange überlegen. „Fußball sehe ich auch als Trainer. Und dann ergibt sich die Möglichkeit, als Torwarttrainer einzusteigen. Da dachte ich: Das mache ich.“ Besonders das Umfeld überzeugte den ehemaligen Keeper. „Geile Truppe. Viele Jungs kenne ich noch von früher. Das Trainerteam ist super. Besser geht es nicht. Das ist für mich der perfekte Einstieg zurück in den Fußball.“ Dass sich beim FC Dornbreite derzeit etwas entwickelt, spürt Schlomm sofort. „Hier in Dornbreite bewegt sich etwas. Ich habe Bock, etwas zu bewegen. Das macht einfach Spaß.“
„Ich war nur semi-erfolgreich“
Trotz seines bekannten Namens blickt Schlomm überraschend selbstkritisch auf seine Fußballlaufbahn zurück. „Viele sagen, ich sei erfolgreich gewesen. Aber ich sehe das anders. Ich habe am Ende keine Minute Regionalliga gespielt.“ Vier Jahre gehörte er zum Kader der ersten Mannschaft des VfB Lübeck, der große Durchbruch blieb jedoch aus. „Ich war vier Jahre im Kader der ersten Herren und habe keine Minute gespielt. Natürlich bin ich stolz darauf, überhaupt dort hingekommen zu sein. Mit meiner Größe als Torwart ist das schon ein Erfolg. Aber es hat immer ein bisschen etwas gefehlt.“ Ein Gefühl, das ihn durch seine gesamte Sportkarriere begleitet hat. „Das zieht sich irgendwie durch mein ganzes Leben als Sportler.“
Vom Probetraining zur europäischen Bühne
Der Wechsel zum American Football entstand ursprünglich eher zufällig. Nach seinem Abschied aus dem Fußball wollte Schlomm unbedingt weiter Wettkampfsport betreiben. „Ich wollte auf gar keinen Fall auf Leistungssport verzichten. Football hat mich immer interessiert.“ Ein Probetraining wurde zum Startschuss einer bemerkenswerten Karriere. „Dann ging es los. Und dann ging es sehr schnell sehr steil nach oben.“ Mit den Hamburg Sea Devils erlebte Schlomm Momente, von denen viele Sportler nur träumen. „Das war das, wovon man als Kind träumt. In großen Stadien spielen, zu Auswärtsspielen fliegen, in Barcelona oder Istanbul auflaufen, ein großes Finale spielen.“ Besonders die Atmosphäre in der European League of Football beeindruckte ihn nachhaltig. „Das war unglaublich. Dafür bin ich den Sea Devils sehr dankbar.“
Große Momente – und doch fehlte immer ein Stück
Trotz vieler Höhepunkte blieb auch im Football das Gefühl, dass am Ende noch etwas Größeres möglich gewesen wäre. „Da wäre es natürlich schön gewesen, wenn wir das Finale gewonnen hätten.“ Auch sein Traum von einer Europameisterschaft endete enttäuschend. „Ich hatte gehofft, dort vielleicht noch einen Titel zu holen. Am Ende wurde ich aus irgendwelchen Gründen nicht für die Endrunde nominiert.“ Wieder blieb ein Kapitel mit einem kleinen Fragezeichen zurück. „Das war erneut so ein Ende, bei dem ich sage: Es hätte schöner sein können.“ Bereuen würde er den Wechsel jedoch niemals. „Auf gar keinen Fall. Ich liebe Football weiterhin.“
„Das nächste Kapitel öffnet sich jetzt“
Selbst heute verfolgt Schlomm die Entwicklung des Sports weiterhin aufmerksam. Seine Zukunft sieht er jedoch klar auf dem Fußballplatz. „Ich sehe mich nicht als Trainer im Football. Im Fußball dagegen schon.“ Deshalb fühlt sich die Rückkehr nach Dornbreite für ihn richtig an.
„Das nächste Kapitel öffnet sich jetzt wieder. Und das ist Fußball.“ Besonders die Zusammenarbeit mit bekannten Gesichtern und die neue Rolle reizen ihn. „Es sind viele dabei, die ich noch von früher kenne. Ich freue mich riesig darauf.“ Nach Jahren zwischen Fußball und Football hat Schlomm vor allem eine Erkenntnis gewonnen. „Das Wichtigste ist, dass es Spaß macht. Das habe ich mit 34 Jahren gelernt.“ Und vielleicht ist genau das die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Neustart beim FC Dornbreite. „Wenn du Spaß an der Sache hast, wirst du automatisch irgendwann erfolgreich.“
Bildquellen
- Schlomm: Lobeca/Roberto Seidel
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