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Oliver Zapel ist neuer Coach bei TuS Dassendorf. Der erfahrene Trainer verfolgt die Fußball-Weltmeisterschaft zwar, echte Euphorie hat das Turnier bei ihm allerdings nicht ausgelöst.
Fehlende Begeisterung
Dabei sei die fehlende Begeisterung kein rein persönliches Gefühl. Auch in seinem Umfeld nehme er wahr, dass die WM deutlich weniger Menschen mitreiße als frühere Turniere: „So richtig Fieber ist bei mir eigentlich überhaupt gar nicht aufgekommen. Also weder vor der Weltmeisterschaft noch jetzt während der Weltmeisterschaft. Das kenne ich erstmal grundsätzlich von mir, aber auch von allen aus meinem Umfeld, ganz anders. Ich höre von ganz vielen, die sich eigentlich auch in den letzten Jahren immer wieder auf solche Events gefreut haben, dass es dieses Jahr irgendwie alles spurlos an ihnen vorbeigegangen ist.“
Eine Ursache sieht Zapel in der allgemeinen Stimmung rund um den deutschen Fußball. Die Enttäuschung über die Nationalmannschaft habe sich aus seiner Sicht bereits vor dem Turnier angedeutet und sei durch das frühe Ausscheiden noch einmal verstärkt worden. „Ich glaube, das lag aber auch tatsächlich daran, dass wir in Deutschland gerade ein absolutes Fußball-Stimmungstief haben, das jetzt nochmal seinen Gipfel gefunden hat bei der Weltmeisterschaft. Ich glaube aber, dass der Weg sich in den letzten Jahren ja schon angedeutet und abgezeichnet hat. Und da glaube ich, war eher so ein bisschen die Enttäuschung schon im Vorwege spürbar auch vielleicht, dass es alles ein bisschen peinlich werden könnte. Und am Ende war es das ja dann auch tatsächlich.“
Zu viele Spiele und schwierige Anstoßzeiten
Neben dem enttäuschenden Auftritt der deutschen Mannschaft nennt Zapel weitere Gründe für die ausgebliebene Turnierbegeisterung. Gerade die Anstoßzeiten in der Nacht hätten verhindert, dass sich ein klassisches WM-Gefühl entwickeln konnte. Viele Fans seien gezwungen gewesen, die Partien erst am folgenden Morgen in Zusammenfassungen zu verfolgen: „Also von Fieber ist jetzt bei mir nicht so wirklich die Rede. Ich finde, insgesamt kommen da viele Faktoren zusammen, teilweise eben auch die Anstoßzeiten, die so dieses richtige Mitfiebern einfach verhindern, dass man immer darauf angewiesen ist, am Morgen irgendwelche Zusammenfassungen zu sehen.“
Auch die hohe Anzahl der Begegnungen sieht Zapel kritisch. Die größere WM mit zahlreichen Mannschaften und Spielen führe nicht automatisch zu mehr Qualität: „Und dann finde ich, ist dieser Overload an viel zu vielen Spielen, der ist einfach komplett drüber. Und die Qualität der Spiele ist jetzt auch nicht so, dass man permanent vom Hocker gerissen wird.“
Nagelsmann braucht Abstand und Ruhe
Zapel kennt Julian Nagelsmann persönlich. Über einen längeren Zeitraum bestand regelmäßiger Kontakt zwischen den beiden Trainern, der während Nagelsmanns Zeit beim FC Bayern München allerdings zunehmend weniger wurde: „Ja, der Kontakt zu Julian war relativ lange da und wurde auch wechselseitig aufrechterhalten. Dann kam irgendwas durch die Zeit bei Bayern München, was dann dazu geführt hat, dass die Frequenzen immer mehr abgenommen haben.“ Nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft will sich Zapel bewusst nicht bei Nagelsmann melden. Für ihn gehöre es zum respektvollen Umgang, dem Ex-Bundestrainer den nötigen Raum zur Verarbeitung der Enttäuschung zu lassen. „Jetzt, muss ich ganz ehrlich sagen, gebietet es der Anstand, dass man ihn mit dem, was er jetzt gerade so durchmacht, auch alleine lässt. Und ich glaube, er will auch gar nicht so viel hören von irgendwem, ob ich das bin oder ob das sonst wer ist.“
In einer solchen Situation benötige ein Trainer vor allem Menschen aus seinem engsten persönlichen Umfeld: „Ich glaube, da muss jetzt jeder Trainer in so einer Phase auch seine Ruhe haben, um das zu verarbeiten, dass er in seinem allernächsten Umfeld auch da Leute findet, mit denen er da ganz offen drüber reden kann. Das ist jetzt wichtig. Und deswegen halte ich mich da so komplett raus aus diesem ganzen Verarbeitungsprozess. Und ja, da muss er jetzt eben durch, irgendwie.“
Ein schwieriger Trainermarkt in Deutschland
Kritisch blickt Zapel auch auf den deutschen Trainermarkt. Für die Coaches selbst seien viele Entscheidungen, Anfragen und Entwicklungen kaum nachvollziehbar. Teilweise kämen plötzlich zahlreiche Angebote, ohne dass ersichtlich sei, warum sich das Interesse innerhalb kurzer Zeit verändert habe: „Ja, der Trainermarkt in Deutschland, der ist schon sehr gewöhnungsbedürftig und auch eigenartig, erst recht für die Menschen, die sich dann eben auch in diesem Markt bewegen. Ab und zu versteht man die Zusammenhänge gar nicht so wirklich. Da kommen dann plötzlich Anfragen auch in der Quantität, wo man denkt, okay, was ist jetzt gerade passiert, woher kommt das? Stand irgendetwas über mich irgendwo geschrieben, aber ist dann gar nicht so.“
Zapel sieht darin ein grundsätzliches Problem, das im deutschen Fußball über einen längeren Zeitraum vernachlässigt worden sei: „Ich glaube, das ist ein generelles Problem im deutschen Fußball, dass der Trainermarkt über viele Jahre komplett vernachlässigt wurde, dass vielleicht auch die völlig falschen Hebel in Bewegung gesetzt wurden.“
Auch er selbst habe in den vergangenen Jahren immer wieder über neue Aufgaben nachgedacht. Nach seiner zweiten Amtszeit bei der SG Sonnenhof Großaspach entschied er sich allerdings bewusst gegen eine schnelle Rückkehr in den Profifußball: „Aber um auf mich zurückzukommen, klar, ich hatte zwischendurch jetzt immer mal wieder auch Momente, wo ich gedacht habe, ja, in einer anderen Lebenssituation würde ich mich solchen Themen sicherlich viel schneller und viel euphorischer öffnen.“
Bewusster Ausstieg aus dem Trainerkarussell
Die Ungewissheit des Trainerberufs wollte Zapel nicht länger als ständigen Bestandteil seines Lebens akzeptieren. Deshalb gründete er ein Unternehmen und schuf sich damit eine größere berufliche Sicherheit abseits des Fußballplatzes: „Ich habe mich aber ganz bewusst nach meinem zweiten Abschied aus Großaspach zurückgezogen und habe gesagt, ich möchte auf keinen Fall mehr in diesem Karussell da weiterhin auf der Schleuder sitzen und nicht wissen, was morgen oder übermorgen passiert.“
Der Schritt in die Selbstständigkeit sollte ihm Stabilität geben und gleichzeitig dabei helfen, den Blick auf das Leben außerhalb des Profifußballs zurückzugewinnen. „Und deswegen habe ich ja auch dann mich dazu entschlossen, ein Unternehmen zu gründen, was dann eben auch Stabilität und Sicherheit verleiht. Und vor allen Dingen auch, um mal wieder ein bisschen zu erden, ein bisschen runterzuholen aus dieser vermeintlichen Traumwelt des Profi-Trainer-Daseins.“
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Dassendorf überzeugt mit einem echten Projekt
Mit dem TuS Dassendorf hat Zapel nun dennoch eine neue Aufgabe auf der Trainerbank angenommen. Der kurze Weg von seinem Wohnort zum Trainingsplatz sei angenehm, habe aber nicht den entscheidenden Ausschlag gegeben: „Das ist jetzt am Ende Dassendorf geworden. Das ist insofern natürlich, ja, schon schön, weil es dann tatsächlich ja der Nachbarort ist und ich noch nie in meinem ganzen Leben so einen kurzen Weg zum Training hatte wie jetzt gerade.“
Viel wichtiger sei für ihn die Möglichkeit gewesen, bei einem Verein tatsächlich etwas aufzubauen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen: „Aber was mich jetzt gekitzelt hat, war vielmehr die Möglichkeit, einmal mehr in einem Projekt mich ausleben zu können, wo es um neue Strukturen geht, wo es um Veränderungsprozesse geht, wo es um Umbrüche geht und wo es vor allen Dingen auch darum geht, einem Verein eine neue Identität zu verpassen, eine neue DNA, alles so ein bisschen anders anzugehen, als es in der Vergangenheit der Fall war.“
Diese Perspektive habe ihn schnell überzeugt. Mittlerweile sei die alte Leidenschaft für die tägliche Arbeit auf dem Fußballplatz wieder vollständig zurückgekehrt: „Und deswegen hat mich das dann relativ schnell abgeholt. Und jetzt bin ich froh, dass ich es gemacht habe, weil ich merke, dass ich jetzt auch schon wieder sehr, sehr stark infiziert bin und jeden Tag im Grunde genommen nichts anderes auch im Kopf habe als Fußball.“

„Moderne Kopfgeldjäger“ im Fußballgeschäft
Zapel rechnet damit, dass es trotz seiner Entscheidung für Dassendorf weiterhin Anfragen und Versuche geben wird, ihn für andere Trainerstellen zu gewinnen. Besonders kritisch äußert er sich über Vermittler, deren Interesse aus seiner Sicht häufig stärker am eigenen finanziellen Vorteil als an einer sinnvollen Karriereplanung orientiert ist: „Und von daher, ja, wird es wahrscheinlich immer weiter so sein, dass es immer wieder dann Vermittler gibt. Das sind ja, wie soll ich sie nennen, das sind moderne Kopfgeldjäger, die im Grunde genommen nichts anderes im Kopf haben, als mit den Objekten, in diesem Fall Trainern, auch Geld zu verdienen.“
Aktuell bestehe für ihn allerdings kein Grund, den eingeschlagenen Weg infrage zu stellen: „Die werden auch weiterhin versuchen, irgendwelche Lücken aufzureißen und mir irgendwas schmackhaft zu machen. Aber aktuell bin ich sehr froh und glücklich über den Weg, den ich eingeschlagen habe.“
Fußball-Norden entfernt sich vom Profibereich
Mit Sorge verfolgt Zapel die Entwicklung des Fußballs in Hamburg und Schleswig-Holstein. Aus seiner Sicht gelingt es den Vereinen der Region trotz regelmäßiger ambitionierter Projekte nicht, sich dauerhaft in Richtung 3. Liga oder höher zu entwickeln: „Leider entwickelt sich unsere Region und damit meine ich ja nicht Hamburg und auch Schleswig-Holstein immer mehr zu einem Fußball-Tristesse-Band oder einer Region, die offensichtlich irgendwelche Defizite hat, die andere Regionen nicht haben.“ Die Ursachen sieht er sowohl in den infrastrukturellen und wirtschaftlichen Voraussetzungen als auch in organisatorischen Problemen: „Klar, strukturell vor allen Dingen, aber auch wirtschaftlich. In anderen Regionen geht es ganz anders zu, aber wahrscheinlich glaube ich auch organisatorisch, dass wir das eine oder andere Defizit haben.“
Für Zapel ist die große Entfernung der norddeutschen Vereine zum Profifußball nicht normal: „Weil es ist nicht normal, dass wir so weit entfernt sind von der dritten Liga, obwohl wir ja immer wieder auch gute, spannende Projekte anführen. Aber wir kommen immer nur bis zu einem gewissen Punkt und irgendwas verhindert, dass wir über diesen Punkt hinausgehen.“
Ein gemeinsamer Leuchtturm fehlt
Eine mögliche Ursache sei die fehlende Bereitschaft, vorhandene Kräfte zu bündeln. Von außen werde beispielsweise häufig gefragt, warum einzelne Vereine nicht enger zusammenarbeiten und gemeinsame Ziele verfolgen: „Vielleicht ist das das Nicht-Bündeln-Wollen von Kräften. Wenn wir uns jetzt zum Beispiel den VfB und Phönix genauer anschauen, dann sagt jeder, der von draußen draufguckt: Ja, warum schließen die sich denn nicht zusammen und machen da gemeinsame Sache?“
Dabei weiß Zapel, dass solche Überlegungen aufgrund unterschiedlicher Vereinskulturen und Interessen deutlich komplizierter sind, als sie von außen erscheinen: „Klar, das sind unterschiedliche Klientelen, die das eben auch verhindern. Kennen müssen Außenstehende in der Regel nicht.“ Dennoch fehle der Region ein klarer Orientierungspunkt mit langfristiger sportlicher und struktureller Planung.
„Aber uns fehlt so ein bisschen, ja, so ein Leuchtturm, der dann wirklich auch sagt, okay, wir gehen das Ganze jetzt nicht nur emotional an, sondern auch konzeptionell.“ Immer neue kurzfristige Anläufe seien nicht ausreichend, wenn kein langfristiger Plan hinter den Projekten stehe: „Und ich finde, es gibt zu wenig Konzeption und auch zu wenig Planbarkeit in Bezug auf die Zeitfenster, die man für solche Projekte braucht.“
England soll Frankreich im Finale schlagen
Trotz seiner insgesamt geringen WM-Begeisterung verfolgt Zapel die entscheidende Phase des Turniers. Für das Endspiel erwartet der neue Dassendorfer Trainer ein Duell zwischen Frankreich und England. Die französische Mannschaft hat ihn mit ihrer Qualität und Stabilität überzeugt, den Titel traut er am Ende jedoch den Engländern um Trainer Thomas Tuchel zu. Nach 60 Jahren soll die lange Wartezeit der Three Lions aus seiner Sicht enden. Zapel tippt auf einen englischen Finalsieg gegen Frankreich. Damit würde erstmals seit 1966 wieder eine englische Nationalmannschaft Weltmeister werden – und ausgerechnet ein deutscher Trainer würde England zurück auf den Fußballthron führen.
Die WM in Lübeck bei HL-SPORTS & RADIO LÜBECK
Morning-Show: „WM-Wecker“
An den Werktagen liefern Bjarne Setje-Eilers und Tilo Deneke um kurz nach 8 Uhr kompakt die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Nacht aus Nordamerika – verständlich, schnell und mit regionalem Blick. Zu hören bei RADIO LÜBECK, nachzulesen bei HL-SPORTS.
„Die WM in Lübeck am Mittag“
Gegen 12.45 Uhr melden sich Denise Boll, Ben Sönnichsen und Timo Kempinski aus dem WM-Studio von RADIO LÜBECK in den media docks mit der Story des Tages. Im Mittelpunkt stehen regionale Themen rund um Fußball, Weltmeisterschaft und die Menschen im Hansebelt.
Ergänzt wird die Berichterstattung durch regelmäßige Übersee-Schaltungen zu Christian Albrecht Barschel ins schwarz-rot-goldene Fanlager. Der Sportjournalist berichtet exklusiv in der Vorrunde für RADIO LÜBECK und HL-SPORTS live von den Eindrücken vor Ort.
Evening-Session: „WM-Countdown“
Um und bei 18.15 Uhr blicken erneut Bjarne Setje-Eilers und Tilo Deneke gemeinsam mit Stimmen aus Lübeck und der Region auf die Spiele der kommenden Nacht und die Themen des Tages. Zu hören bei RADIO LÜBECK, nachzulesen bei HL-SPORTS.
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Bildquellen
- Zapel: Lobeca/Wolf Gebhardt
- Zapel: Lobeca/Wolf Gebhardt
- Zapel: Lobeca
- Zapel: sr
- Zapel: Lobeca/Felix Schlikis








