
Lübeck – Am Freitagabend wurde die Kreisliga Süd mit gleich zwei Spielen eröffnet. Dabei stand bereits ein Derby im Kreis Herzogtum-Lauenburg an, in dem zwei potenzielle Spitzenteams aufeinandertrafen. Das Spiel schien zwischenzeitlich entschieden zu sein, doch dem war nicht so, denn der Heimmannschaft gelang beinahe die Aufholjagd. Zudem gab es ein Duell zweier neuer Trainer, bei dem der Gästecoach die Nase vorn hatte.
SG Wentorf-Sandesneben/Schönberg – SV Grün-Weiß Siebenbäumen 2:3 (0:1)
Es sollte ein richtiger Kracher zum Start der Kreisliga Süd geben. Die SG Wentorf-Sandesneben/Schönberg empfing zum Start direkt den SV Grün-Weiß Siebenbäumen, den Verbandsligaabsteiger und Mitfavoriten auf den Titel hinter Eichholz II. Es war zudem ein Derby, sodass es ordentlich zur Sache gehen sollte und ein heißer Fight zu erwarten war. Die Gäste, bei denen Mittelfeldmann Franz Walter Schlatow als Transfercoup von Oberligaabsteiger Preußen Reinfeld im Fokus stand, gehen mit einem sehr jungen Kader in die Saison und daher auch ins erste Spiel. Dennoch sollte Coach Marco Urban, der sein Ligadebüt als GWS-Chef feierte, auf einige erfahrene Stützen im Team setzen. So begann neben dem besagten Schlatow mit Manuel Plähn ein weiterer Spieler, der höherklassige Erfahrung mitbringt und als Linksverteidiger agierte. Ansonsten war die personelle Situation beim Gast in Ordnung, auch wenn mit Fynn Halupka ein guter Spieler auf der Bank nur Platz nahm und Kaleab Begna ganz fehlte.
Mölders rettet zweimal
Auf Seiten der Heimmannschaft sollte Florian Allner beginnen, der nach einem Jahr beim SSV Güster zurückkehrte. Vor seinem Wechsel in die Verbandsliga war dieser bereits der beste Torschütze der SG Wentorf-Sandesneben/Schönberg, sodass die Hoffnungen auf ihn groß sind. Auf der Bank nahm Luis Zak, der junge Torjäger der vergangenen Saison, nur Platz. In den ersten Minuten war es noch erst einmal ein typisches Abtasten. Die neue Saison war wenige Minuten alt und beide Mannschaften trafen auf einen Gegner, dem man letztmals 2021 begegnete, sodass man zunächst eher vorsichtig agierte. Dennoch setzten die Gäste früh einen ersten Nadelstich, bei dem man potenziell gerne einen Elfmeter bekommen hätte. Nach nicht ganz 20 Minuten sollte es dann die erste dicke Chance im Spiel geben. Florian Allner forderte den stark reagierenden Keeper der Gäste. Julian Mölders war direkt zur Stelle und auch beim Abschluss von Alexander Thias rettete er. Die besseren Möglichkeiten hatte daher die Heimmannschaft, doch der Treffer fiel auf der anderen Seite.
Hadler: „Sinnbildlich für mich ist das 2:0 für Siebenbäumen“
Ein Eckball an den kurzen Pfosten fand Jonas Stapf (45.), der den Ball per Kopf nur noch ins Tor verlängerte. Mit Pausenpfiff ging Siebenbäumen daher in Führung. Zur zweiten Hälfte reagierten beide Trainer. Die Gäste brachten mit Frederik Diercks einen neuen Außenverteidiger rein, während Wentorf eine taktische Umstellung vornahm und dazu Tim Haßler für Ricklef Weinhold brachte. Die SG wurde dadurch stärker, sodass die Anpassung des Trainerduos aus Niklas Oelrichs und Dennis Hadler fruchtete. Es kam mit Luis Zak für Fritz Hermann Witten zudem ein weiterer Offensivspieler, doch nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung sollte der Ball zum zweiten Mal hinter SGWSS-Keeper Müller-Krumwiede landen. Ein individueller Fehler führte dazu, dass Stapf Schlatow (57.) bediente und dieser vor dem Tor eiskalt blieb. SGWSS-Coach Hadler sagte über das Gegentor: „Sinnbildlich für mich ist das 2:0 für Siebenbäumen. Schlatow läuft von halbrechts alleine auf unseren Torwart zu und knallt den Ball eiskalt ins lange Eck. Aus gleicher Position scheitern wir in Hälfte eins zweimal am Keeper. Vielleicht ist es dann doch Erfahrung, die uns noch etwas fehlt.“ Sieben Minuten später erhöhte Timo Dankert (64.) zum 3:0, womit die Partie eigentlich vorzeitig entschieden schien.
Joker sticht doppelt
In den letzten 25 Minuten sollte das Spiel allerdings nochmal Spannung aufnehmen. Wentorf arbeitete sich zurück, denn die Platzherren waren in diesem Spiel keineswegs drei Tore schlechter. Vielmehr war es ein Duell auf Augenhöhe, in dem der letztjährige Tabellenfünfte der Stormarner Staffel sogar leichte Vorteile hatte, doch die Effizienz fehlte. „Trotzdem kommen wir nach dem 0:3 noch einmal zurück, was zeigt, die Truppe ist intakt.“ Der eingewechselte Luis Zak (73.) sollte dann allerdings wieder für neue Hoffnung sorgen und nur zwei Minuten nach dem 1:3 traf der 18-Jährige erneut (75.). Plötzlich stand es nur noch 2:3 und die Schlussphase brach an. In dieser sollte Siebenbäumen defensiv durchaus gefordert werden, denn die Heimelf blieb spielbestimmend. Die richtig klaren Chancen auf den Ausgleich blieben dabei allerdings aus. Stattdessen setzte Siebenbäumen auf Umschaltmomente, wobei man oftmals den Abschluss verpasste, doch zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit ließ Joker Yannik Teichmann die Gelegenheit auf die Entscheidung liegen. So lief Wentorf-Sandesneben weiter an, doch der Ausgleich blieb aus.
SGWSS kann sich nicht viel vorwerfen lassen
Es gab somit eine Niederlage zum Start für die Heimmannschaft, die in diesem Spiel keineswegs die schlechtere, doch am Ende einfach die unglücklichere Mannschaft war. Dennis Hadler sagt zur Auftaktniederlage: „Man kann uns heute als Mannschaft nicht viel vorwerfen. Ich denke, wir sind über 90 Minuten mindestens auf Augenhöhe. Leider kostet uns am Ende unsere Chancenverwertung gerade in der ersten Halbzeit und dann zwei individuelle Fehler in Halbzeit Zwei etwas Zählbares.“ Der Auftritt war keineswegs schlecht, denn man hat gegen den Verbandsligaabsteiger einfach nur die Kaltschnäuzigkeit vermissen lassen und hinten zwei schmerzliche Fehler gemacht. „Am Ende wäre ein Unentschieden wahrscheinlich gerecht gewesen, aber es sollte nicht sein. Wir machen weiter, arbeiten an uns und werden unsere Punkte holen. Glückwunsch an Siebenbäumen zum Sieg“, sagt Hadler.
ATSV Stockelsdorf – VfL Rethwisch 1:3 (1:2)
In Stockelsdorf standen mit Yannik Biemann und Till Knifka zwei Verantwortliche im Fokus. Beide sind Trainer in der Kreisliga Süd und feierten in dieser am Freitagabend ihr Debüt. Während Biemann mit seinem ATSV Stockelsdorf im Sommer einen Umbruch vollzogen und viele Abgänge zu verkraften hatte, sollte es auf der Gegenseite ganz anders aussehen. Der VfL Rethwisch vertraut auf den nahezu identischen Kader der Vorsaison, in der man den 13. Platz holte. Die Aufgabe beim ATSV sollte für die Stormarner eine spannende werden, denn zum einen reiste man zu einer Wundertüte und zum anderen musste man auswärts auf Kunstrasen ran, wo in der abgelaufenen Saison große Schwierigkeiten herrschten. Dementsprechend gespannt konnte man auf das Duell sein. Mit Blick auf das Personal hoffte die Heimelf vor allem auf die verbliebenen Spieler aus dem Vorjahr wie Tim-Niklas Seeger, der in der Rückrunde aufblühte, Youngster Tjark Sölter oder aber den erfahrenen Sascha Koch, der als Kapitän die Mannschaft anführte. Rethwisch dagegen überraschte, denn mit Gerrit Schubring saß einer der Schlüsselspieler im Kader nur auf der Bank.
Rethwisch lässt kaum etwas zu
Die Anfangsphase sollte erwartbar abwartend verlaufen, denn beide Mannschaften mussten erst einmal in der neuen Kreisligasaison ankommen. Daher war es zunächst ein klassisches Abtasten. Nach nicht ganz 20 Minuten sollte es dann allerdings eine Einzelaktion von Malte Gerich sein, der anschließend Rene Bossert (17.) bediente, welcher zur Führung traf. Es war das erste Tor in der Kreisligasaison, denn zu diesem Zeitpunkt stand es im Parallelspiel in Wentorf noch 0:0. Der Startschuss für die neue Spielzeit war also erfolgt und auch für diese Partie, die im Anschluss etwas mehr Fahrt aufnahm. Stockelsdorf wurde aktiver und zog mal durch Seeger ab, doch sein Schuss aus der zweiten Reihe wurde von Jannes Schönwald zur Ecke abgefälscht. Solch eine sollte letztlich dazu führen, dass Tim-Niklas Seeger (25.) am Fünfmeterraum zu frei stand und den Ball zum Ausgleich einköpfen konnte. Kurz darauf musste Rethwisch erstmals wechseln. Clemens Kopp konnte angeschlagen nicht mehr weitermachen, sodass Tim Sämann kam. In einem insgesamt ausgeglichenen Spiel sollte es kurz vor der Pause noch den dritten Treffer geben. Ein Fehlpass im Spielaufbau der Hausherren kam zu Timo Schröder (44.), der den Ball aus rund 20 Metern links unten ins Eck verwandelte.
Stockelsdorf verpasst den Ausgleich
Somit musste Stockelsdorf erneut einem Rückstand hinterherlaufen. Biemann brachte mit Aziz Nikzad und Marvin Kuppert zwei frische Kräfte und seine Mannschaft kam gut aus der Kabine. Nach Ballverlust setzte Sajad Barbari den Ball nur ans Außennetz und es folgten weitere Chancen. Seeger forderte VfK-Keeper Chylla, der allerdings ohne Mühe parierte. Kurz darauf musste sich dieser allerdings doch einmal strecken, als er einen Abschluss über den Querbalken lenkte. Die Partie war mittlerweile in Richtung ATSV gekippt. Das Chancenplus war auf Seiten der Hausherren, doch so richtig klar waren diese zu selten. Die Präzision fehlte meist, sodass die Abschlüsse entweder das Tor verfehlten oder aber Chylla zur Stelle war. In den letzten 20 Minuten, in denen nun auch Schubring im Spiel war, sollte sich das Spiel wieder etwas mehr neutralisieren, wobei beide Mannschaften nochmal zu Versuchen kamen. Kurz vor dem Ende sollte es dann nach Ballberührung im Mittelfeld den Konter geben, den Gerrit Schubring (87.) nach Zuspiel von Christopher Willuhn zum 3:1-Endstand vollendete.
Kniffka lobt Mentalität
Es sollte insgesamt ein Sieg der Rethwischer sein, der sicherlich zu hoch ausgefallen ist, denn beide Teams begegneten sich eher auf Augenhöhe. Einer ersten Hälfte, in der Rethwisch wenig zuließ, stand eine zweite gegenüber, in der Stockelsdorf das klare Chancenplus hatte. Am Ende spricht das Ergebnis allerdings für die Mannen vom Buchrader Weg, die somit im ersten Spiel unter dem neuen Coach die ersten drei Punkte holen. Dieser sagt zum Sieg: „Die erste Halbzeit haben wir sehr konzentriert und leidenschaftlich gespielt. Die ersten 45 Minuten waren wir klar besser, haben nichts zugelassen und sind absolut verdient in die Halbzeit gegangen. Die ersten 30 Minuten der zweiten Halbzeit haben wir leider ein ganz anderes Gesicht gezeigt, sodass das Spiel auch in eine andere Richtung hätte kippen können. Zum Ende hin konnten wir nochmals ein bisschen aufdrehen und haben somit verdient gewonnen.“ Die Defensive zeigte sich in den 90 Minuten stark, trotz der halben Stunde nach dem Seitenwechsel, doch Knifka gefiel vor allem: „Besonders gefallen hat mir die mentale Einstellung der Jungs, die immer positiv geblieben sind und nie aufgegeben haben.“








