Favoriten straucheln in der Fremde: Viele Überraschungen am zweiten Spieltag

Siebenbäumen führt die Liga an

Die SG Wentorf-Sandesneben/Schönberg tat sich ordentlich schwer bei Lübeck 1876. Foto: Lobeca/Niklas Runne
Anzeige

Lübeck – Der zweite Spieltag der Kreisliga Süd sollte vor allem Überraschungen mit sich bringen. Einige Favoriten haben überraschend gepatzt und somit Punkte liegen gelassen. So verloren Eichholz II und der TSV Travemünde beide ihre Auswärtsspiele. Zudem gab es Comebacks wie vom TSV Kücknitz und Ratzeburger SV II, sowie dem SV Azadi Lübeck II, die nach Rückstand noch punkteten.

Ratzeburger SV – ATSV Stockelsdorf 3:3 (1:2)

Nach einer Niederlage zum Auftakt beim Krummesser SV stand für den Ratzeburger SV II nun die Wiedergutmachung an. Zu Hause wollte der Aufsteiger die ersten Punkte der Saison holen, doch dies galt auch für den Gegner. Schließlich verlor auch der ATSV Stockelsdorf seine Auftaktpartie. Die Heimelf kam gut ins Spiel und ließ bereits früh zwei Großchancen ungenutzt. Ein Elfmeter sollte letztlich dann allerdings doch die Führung besorgen, denn Jan-Hendrik Braasch (12.) blieb eiskalt. Kurz darauf verpasste der RSV nachzulegen, bevor sie allerdings den Faden verloren. Trainer Paul Dietz sagte: „Danach verlieren wir den Zugriff und man merkt den Jungs an, dass viele auf ungewohnten Positionen spielen, Stockelsdorf holt das Maximum aus ihren Chancen heraus.“ Tjark Sölter (28.) und Tim-Niklas Seeger (39.) sorgten noch vor der Pause für die Führung der Gäste.

„In der zweiten Halbzeit geben wir Gas und erarbeiten uns viele hochkarätige Chancen, leider treffen wir noch zu oft die falsche Entscheidung oder haben Pech im Abschluss und kassieren dann durch einen langen Abschlag das 3:1“, sagt Dietz. Sajad Barbari (65.) erhöhte und nun sollte es richtig schwer für die Lauenburger werden. Doch das Spiel kippte und tatsächlich gelang der Zweitvertretung die Wende. „Wir führen dann mit 3:1. Wir hatten einen kleinen Kader und die Luft ging irgendwann aus. Deshalb können wir das 3:1 nicht über die Zeit bringen“, sagt Stodo-Coach Yannik Biemann. Sven Knuth (76.) und Pelle Vogel (85.) retteten Ratzeburg einen Punkt. „Wir beweisen Moral und holen zumindest noch den Punkt. Am Ende ist es das Spielglück, was uns fehlt. Wir kassieren noch zu einfach die Gegentore und lassen unsere Chancen für sechs Tore zu einfach liegen, das Pech eines Aufsteigers kann man sagen. Den Hauptschiedsrichter muss man noch erwähnen, sehr gute Partie von ihm.“ Sein Gegenüber sagte: „Angesichts der Personallage nehmen wir den Punkt gerne mit.“

SV Azadi Lübeck II – Krummesser SV 2:1 (0:0)

Nach der 1:4-Niederlage zum Auftakt beim TSV Zarpen stand für den SV Azadi Lübeck II nun ein weiteres Duell gegen einen Aufsteiger an. An der Thomas Mann Straße gastierte der Krummesser SV und dieser kam mit Selbstbewusstsein. Am ersten Spieltag gewann dieser schließlich mit 4:2 gegen den Ratzeburger SV II und wollte daher nachlegen. Personell sah es allerdings erneut nicht gut aus, sodass die Lauenburger ersatzgeschwächt waren. Azadi sollte das Spiel erwartbar bestimmen, während die Gäste aus einer stabilen Defensive heraus zu Nadelstichen kommen wollten. Dies sollte auch aufgehen, denn zur Pause stand die Null. Es blieb nach 45 Minuten torlos, sodass alles offen war. Im zweiten Durchgang gelang dem KSV dann tatsächlich sogar der Führungstreffer. Einen Umschaltmoment vollendete Bekir Kasikci (56.). Anschließend musste Azadi den Druck erhöhen, denn es war auch klar, dass die Kraft beim Aufsteiger nachlassen würde und die Optionen von der Bank fehlen. Dies machte sich bemerkbar, sodass Araz Hassan (76.) und Karo Mohammad (81.) die Lübecker auf die Siegerstraße brachten. Eine Antwort blieb aus, sodass es am Ende einen knappen Sieg für die Zweitvertretung gab.

img 1465 @ Favoriten straucheln in der Fremde: Viele Überraschungen am zweiten Spieltag
André Bargholt fehlten die Optionen von der Bank, sodass die Kräfte immer mehr schwanden. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Krummesse machte über weite Strecken ein gutes Kreisligaspiel, hielt leidenschaftlich dagegen, doch stand nach einer Schlussphase, in der die Körner fehlten, doch ohne Punkte da. Trainer Andre Bargholt sagte zum Spiel: „Wir spielen 75 Minuten lang defensiv stabil und neutralisieren den Gegner weitestgehend schon weit vor dem Strafraum. Wir lassen kaum etwas zu und gehen sogar durch ein Tor von Bekir Kasikci nach einem guten Umschaltmoment mit 1:0 in Führung. Danach sind wir allerdings zehn Minuten lang zu weit weg vom Mann und in der Zeit schafft es ein spielstarker Gegner nach zwei Flanken den Ball über die Linie zu drücken. Aufgrund des dünnen Kaders muss man fairerweise sagen, dass uns auf dem großen Platz einfach in dieser Phase die Kraft gefehlt hat. Wir konnten unser schnelles Kurzpassspiel bei Umschaltmomenten über das gesamte Spiel nicht wie gehofft umsetzen, so verpufften die meisten unserer Angriffsmöglichkeiten im Nichts. Dennoch haben wir kurz nach dem Ausgleich selber noch die Chance erneut in Führung zu gehen, als Mika Holmer Jensen den Ball aus 20 Metern ans Lattenkreuz schießt. Alles in allem hätte das Spiel auch auf unsere Seite kippen können und auch mit einem Unentschieden hätten beide Mannschaften gut leben können. Dennoch gratulieren wir Azadi zu den drei Punkten und greifen bereits am Donnerstag im Heimspiel gegen Schlutup erneut an. Wir danken Azadi für die Gastfreundschaft, das über die gesamte Spielzeit faire Fußballspiel, den harten Kampf auf dem Rasen und wünschen viel Erfolg für den weiteren Saisonverlauf.“

Lübeck 176 – SG Wentorf-Sandesneben/Schönberg 2:0 (2:0)

An der Travemünder Allee ging es für zwei Kreisligisten darum, nach einer Niederlage zum Start nun die ersten Punkte der Saison einzufahren. Lübeck 1876 verlor am ersten Spieltag mit 1:6 bei der SG Breitenfelde/Mölln, wobei sich zum Ende ergeben wurde und die Gegenwehr mit jedem Gegentreffer weniger wurde. Die Gäste von der SG Wentorf-Sandesneben/Schönberg dagegen haderten mit zahlreichen vergebenen Torchancen, sodass es gegen Siebenbäumen am Ende eine 2:3-Derbyniederlage gab. Es steckte im Duell am Sonntag also schon eine Menge drin und während die SGWSS klar den Fokus auf die Offensive und Abschlussqualität in der Trainingswoche legte, sollten die Lübecker sich auf die Defensive fokussieren. Wentorf war im ersten Durchgang spielbestimmend mit höheren Ballbesitzanteilen, doch daraus sollte kaum etwas Zwingendes entstehen. Die Chancen gehörten nämlich ganz klar den Lübeckern. Bereits nach zwei Minuten zog Mohammed Sadiq ab, sein Schuss prallte an den Pfosten.

img 9018 @ Favoriten straucheln in der Fremde: Viele Überraschungen am zweiten Spieltag
Jubel bei Lübeck 1876 nach dem 2:0 durch Norman Bierle. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Im Anschluss sollte dann 1876-Verteidiger Lars Kunde ordentlich umgemäht werden, sodass er behandelt werden musste und seine Mannschaft kurzzeitig in Unterzahl spielte. Genau in dieser Phase kam Wentorf durch Patrick Großer zur Riesenchance, doch Julian Grotzky war zur Stelle. Für die Gäste aus Lauenburg sollte dieser Abschluss vorerst auch der letzte Versuch bleiben, der wirklich aufs Tor ging. Viele Ungenauigkeiten, wenige Ideen, sorgten dafür, dass die Gäste wenig mit dem Ball anfangen konnten. Die Chipbälle wurden immer wieder abgefangen oder aber wurden von Grotzky entschärft. Stattdessen verzeichneten die Gastgeber deutlich bessere Chancen, denn Sadiq traf erneut das Aluminium. Es war sehr bitter für die Hansestädter, denn nicht selten sollte sich so etwas rächen. An diesem Tag allerdings nicht, denn acht Minuten vor der Pause kam ein hoher Ball in den Strafraum, der Christian Hessler (37.) fand und der Kapitän traf zur verdienten Führung. Lübeck 1876 belohnte sich nun und für die Lauenburger kam es noch dicker. Denn fünf Minuten später sollte Hessler den Pfosten treffen, doch der zweite Ball kam bei Norman Bierle (42.) an, der zum 2:0 traf. Die Mannschaft von Niklas Oelrichs und Dennis Hadler ging somit mit einem Rückstand in die Pause und es war klar, dass es Umstellungen brauchte, denn die SG fand keine Mitte gefährlich zu werden. Allner und Kröhl blieben in der Kabine und nun war es auch eine Viererkette, aus der die Lauenburger spielten.

img 8512 @ Favoriten straucheln in der Fremde: Viele Überraschungen am zweiten Spieltag
Lübeck 1876 war immer wieder zur Stelle, sodass die SGWSS wenige Lösungen mit dem Ball fand. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Es sollten mehr die Außen in Szene gesetzt werden, sodass Lucas Molter in Durchgang zwei immer wieder geschickt wurde, doch selten kam dabei etwas Zwingendes heraus. Es blieb dabei, dass die Lübecker gefährlicher waren, denn Daniel Möllner scheiterte am Torhüter. Auch Sadiq sollte die Vorentscheidung liegenlassen. Die SGWSS hatte eine gute Phase kurz nach der Trinkpause, als das Tempo erhöht wurde und somit auch der Druck auf die Defensive. Daraus resultierte allerdings gerade einmal ein Torschuss, den der eingewechselte Mats Pecher über die Latte zog. So brannte für die Lübecker nichts mehr an und die 2:0-Führung wurde über die Ziellinie gebracht. Eine starke Mannschaftsleistung war dabei entscheidend, genauso wie ein aufmerksamer Torhüter, der bei den Tiefenbällen der Lauenburger schnell schaltete und diese immer wieder abfing. Der siegreiche Coach Uwe Buchholz sagte: „Wir sind als Trainerteam sehr zufrieden mit dem ersten Heimspiel. Die Jungs haben die geforderte Reaktion gezeigt und die Vorgaben super umgesetzt. In der ersten Halbzeit hat der Gegner mehr Ballbesitz, aber die Torchancen haben wir. Drei Alu-Treffer, zwei Treffer und noch zwei, drei weitere gute Torchancen sagen alles. Wentorf hatte nur eine gute Möglichkeit. Verdiente 2:0-Pausenführung. In der zweiten Halbzeit dann Verwaltungsmodus, aber dem Gegner fiel nicht viel ein. Wir haben heute gut verteidigt und das Spiel hochverdient gewonnen.“ Wentorf steht nun nach zwei Spielen ohne Punkt da und kann mit diesem Auftritt nicht zufrieden sein. Während am ersten Spieltag die vielen Chancen ungenutzt blieben, gab es diese nun nicht einmal. Daher folgt bis zum Spiel am Donnerstag bei den Lauenburgern eine klare Aufarbeitung. Dennis Hadler sagt: „Wir haben es heute über 90 Minuten nicht geschafft, ins Spiel zu kommen, und 1876 geht dadurch als verdienter Sieger vom Platz. Für uns gilt es nun, die kurze Zeit bis zum Spiel gegen Kücknitz zu nutzen und dort ein anderes Gesicht zu zeigen. Glückwunsch an 1876.“

SV Grün-Weiß Siebenbäumen – SV Fortuna St. Jürgen 3:0 (1:0)

Nach einer ärgerlichen Niederlage zum Start gegen den TSV Schlutup, als trotz 2:1-Führung am Ende eine 2:4-Pleite unter dem Strich stand, sollte es für den SV Fortuna St. Jürgen nun im zweiten Spiel mit dem ersten Sieg klappen. Zu Gast war dieser allerdings beim SV Grün-Weiß Siebenbäumen, einem klaren Favoriten auf den Aufstieg. Dieser startete erfolgreich mit einem 3:2-Sieg gegen Wentorf-Sandesneben/Schönberg in die Kreisliga und auch am Sonntag sollte es ein erfolgreiches Ende für den Verbandsligaabsteiger geben. Im ersten Durchgang fand Fortuna überhaupt nicht ins Spiel. Siebenbäumen war klar spielbestimmend und verzeichnete erste Chancen. „Wir sind leider nicht gut in die Partie gekommen und sind in der ersten Halbzeit viel zu passiv und kommen gar nicht in die Zweikämpfe. Der Rückstand zur Pause geht daher auch absolut in Ordnung“, sagt Coach Andre Meese. Nachdem zunächst Moritz Rohde einen Foulelfmeter gegen Franz Walter Schlatow hielt, sollte allerdings kurz darauf Manuel Plähn (38.) nach einer Ecke zur Führung treffen.

img 2557 @ Favoriten straucheln in der Fremde: Viele Überraschungen am zweiten Spieltag
Fortuna verlor auch das zweite Ligaspiel der Saison. Foto: Lobeca/Niklas Runne

St. Jürgen lief dem Rückstand hinterher, doch war keineswegs chancenlos. „In der zweiten Halbzeit zeigen wir dann ein komplett anderes Gesicht, sind die aktivere Mannschaft und erarbeiten uns zunehmend Torraumszenen. Allerdings schaffen wir es nicht, den Ball über die Linie zu drücken und scheitern dabei hauptsächlich an uns selbst. So bleibt uns der zu diesem Zeitpunkt verdiente Ausgleich verwehrt und Siebenbäumen schafft es dann nochmal mit zwei Kontern vors Tor. Es war die effektivere Mannschaft in der zweiten Halbzeit und gewinnt somit.“ Ghaniyu Baruwa (75.) traf nach Vorarbeit von Schlatow, bevor Frederik Diercks (89.) den Schlusspunkt setzte. Siebenbäumen kletterte durch den 3:0-Heimsieg an die Tabellenspitze, während Fortuna haderte. Es war deutlich mehr drin, doch es gab auch einen klaren Schwachpunkt: „Für uns gilt es wieder mehr aus unseren Chancen zu machen und effektiver vor dem Tor zu sein.“

TSV Schlutup – TSV Zarpen 2:2 (0:1)

Für Robertino Borja stand am Sonntagmittag das Heimdebüt an. Der neue Cheftrainer durfte nun erstmals auch am Palinger Weg in der Liga auf der Bank Platz nehmen und hoffte auf den zweiten Saisonsieg seiner Mannschaft. Nach einem 4:2 gegen Fortuna St. Jürgen war nun allerdings ein Aufsteiger zu Gast, der ebenfalls mit drei Punkten im Gepäck in den zweiten Spieltag ging. Der TSV Zarpen hatte viel vor und wollte an dem 4:1-Sieg gegen Azadi II anknüpfen. Personell musste der ohnehin ausgedünnte Gastgeber noch kurzfristig auf zwei Spieler der Startelf vom Auftaktspiel verzichten. Dennoch waren diese klar spielbestimmend, was allerdings genau der Plan des Aufsteigers war. Tobias Clasen sagte: „Wir lassen Schlutup den Ball und konzentrieren uns darauf, kompakt in der eigenen Hälfte zu stehen. Wir wollten mehr auf Konterspiel setzen, was wir auch sehr gut gemacht haben. Wir hatten gute Ballstafetten drinnen. Man muss aber schon sagen, dass Schlutup besser war und auch genug Chancen hatte, aber die haben wir gut überstanden.“ Rückkehrer Philipp Pohl (18.) brachte die Mannen aus Nordstormarn in Führung. Mit dieser ging es auch in die Halbzeit.

img 3135 @ Favoriten straucheln in der Fremde: Viele Überraschungen am zweiten Spieltag
Robertino Borja haderte mit zwei verlorenen Punkten. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Nach dem Seitenwechsel war Zarpen noch nicht ganz da. Manuel Homfeld (56.) traf nach Standard. Im Anschluss wurden einige Chancen vergeben, wo die Lübecker bereits die Führung verpassten. Diese fiel erst vier Minuten vor dem Ende, als ein Eigentor der Heimelf die drei Punkte näherbrachte. Doch nur kurz darauf sollte tatsächlich der Ausgleich durch Tim Heyer (87.) gelingen. Das 2:2 war der Endstand, was für die Gastgeber definitiv zwei verlorene Punkte waren. Coach Borja sagte: „Auch wenn es heute sicherlich nicht unser bestes Spiel war, waren wir über die gesamte Spielzeit die aktivere Mannschaft. Zarpen hat sich hauptsächlich auf das Konterspiel konzentriert. Was uns heute den Sieg gekostet hat, war ganz klar die Chancenverwertung. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Halbzeit hatten wir einige gute Möglichkeiten, um auf die Siegerstraße zu kommen. Leider haben wir diese Chancen nicht genutzt. Zarpen war dagegen sehr effektiv und hat aus drei Chancen zwei Tore gemacht. Das Positive ist, dass wir dieses Spiel schnell hinter uns lassen können. Denn bereits am Donnerstag geht es weiter und dann haben wir die nächste Möglichkeit, es besser zu machen.“ Sein Gegenüber bewertete den Punkt wie folgt: „Ich würde sagen, es war ein glücklicher Punkt für uns. Man sollte aber nicht vergessen, dass die Mannschaft sich komplett aufgeopfert hat und alles reingehauen hat, was drin war, und da sind wir sehr stolz drauf.“

Anzeige
Anzeige
VfB Lübeck
Anzeige
AOK
Anzeige
Anzeige
Anzeige

SV Viktoria 08 – Eichholzer SV II 3:2 (2:1)

Der Top-Favorit der Liga, der Eichholzer SV II, sollte am Sonntagnachmittag eine undankbare Aufgabe vor der Brust haben. Es ging auf die Falkenwiese, wo der absolute Angstgegner wartete. Im vergangenen Jahr wurden beide Partien gegen den SV Viktoria 08 verloren, zudem sollte die letzte Pleite vor 16 Spielen ausgerechnet das Rückspiel gegen die Mannschaft von Timur Akgün sein. Diese liegt Eichholz also überhaupt nicht. Nun stand das erste Auswärtsspiel direkt dort an, sodass beide Mannschaften nochmals eine Zusatzmotivation hatten. 08-Coach Akgün sagte: „Uns war von Anfang bewusst, dass wir mit Eichholz II den Top-Favoriten auf die Meisterschaft hatten. Dementsprechend haben wir uns auch schon im Vorfeld durch viele Gespräche von Spielern der Bank bis hin zur ersten Elf durchgearbeitet und sind mit einhundertprozentigem Fokus und Konzentration in das Spiel gegangen. Der Respekt war von Anfang an zu spüren und dennoch haben wir es taktisch sehr gut gemacht.“ Eichholz, die unterstützt wurden durch Vincent Janelt und Luis Fichtner, sollte sich sehr schwer auf dem großen Kunstrasenplatz tun. Vieles stimmte bei der Mannschaft von der Guerickestraße an diesem Tag nicht, sowohl mit als auch gegen den Ball.

img 3382 @ Favoriten straucheln in der Fremde: Viele Überraschungen am zweiten Spieltag
Tilo Karsten traf doppelt für den SV Viktoria 08. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Tilo Karsten (7./25.) sorgte mit seinem Doppelpack bereits in der ersten halben Stunde für die 2:0-Führung Viktorias. Diese war zu diesem Zeitpunkt auch alles andere als unverdient. Hinten sollte Torhüter Johann Gerlach noch mehrfach retten, doch beim Schuss von Maik Germann (33.) war auch dieser geschlagen. „Wir hatten das Quäntchen Glück, aber auch den Ehrgeiz, kein Tor zu kriegen, auch wenn wir dann doch den Anschlusstreffer kassieren.“ Ein Elfmeter bot Germann die Chance auf den Doppelpack, doch Gerlach sollte sich auszeichnen und seiner Mannschaft die Führung retten. Im zweiten Durchgang sollte Viktoria dann das 3:1 verpassen, sodass der Gegner immer stärker wurde. Weitgehend hielt die Heimmannschaft dort gut gegen, doch sieben Minuten vor dem Ende war es Niels Borkenhagen (83.), der zum Ausgleich traf. Sollte die Partie nun ganz kippen? Eichholz drängte auf die Führung, wollte nun unbedingt die vollen drei Punkte, doch vielleicht etwas zu sehr. In der 92. Minute lief die Landesliga-Reserve in einen Konter, den Elias Maurer (92.) tatsächlich vollendete. Die Gäste gingen beim Stand von 2:2 zu viel Risiko, wollten einfach zu viel und wurden eiskalt bestraft. So gab es erneut eine Niederlage beim Angstgegner, die so allerdings auch keineswegs unverdient war. Man erwischte einen ganz schwachen Tag. Trainer Stephan Lindhoff sagte: „Glückwunsch an Timur und seine Mannschaft zum verdienten Sieg. Viktoria stand hinten gut und hat immer wieder brandgefährlich gekontert. Wir haben heute nicht die richtige Einstellung, Laufbereitschaft an den Tag gelegt, um in dieser Liga zu punkten. Unsere Passqualität war miserabel. Leider war es heute ein komplett gebrauchter Tag für uns. Uns war bewusst, dass wir nach so einer langen Serie irgendwann auch wieder verlieren werden. Jetzt heißt es weiter hart arbeiten und am Donnerstag eine deutliche Leistungssteigerung zu zeigen.“

Viktorias Jubel war logischerweise riesengroß, denn dieser Heimsieg war ein großes Stück Arbeit. Gleichzeitig war es allerdings auch das Resultat einer starken Einstellung und des unbedingten Willens, den Favoriten zu bezwingen. „Hervorheben muss man alle Jungs von der Bank bis zu denen auf dem Platz, die hundertprozentig mit Leidenschaft, Respekt, aber auch dem gewissen Willen, unbedingt zu gewinnen, auf und neben dem Platz standen.“ Zudem setzte der Trainer fort: „Unter dem Strich muss man sagen, geht der Sieg auch in der Höhe mit 3:2 absolut in Ordnung für uns. Man hat aber gesehen, wieso Eichholz ganz klar zu den Titelfavoriten gehören. Wenn sie einmal in Schwung kommen, dann sind sie kaum zu stoppen. Heute hatten wir einfach das Quäntchen mehr an Willen und haben daher auch die Punkte zu Hause behalten.“ Der 3:2-Sieg wurde nun mit einem lachenden, doch gleichzeitig auch weinenden Auge gefeiert. Einer der Helden dieses Tages sollte nämlich sein allerletztes Spiel für den SV Viktoria 08 machen. Akgün verriet: „Es war leider von unserem Torhüter Johann Gerlach nach über zwei Jahren Vereinsmitgliedschaft das letzte Spiel. Wir wünschen ihm alles Gute für die Zukunft in seinem Studium, aber auch seinen Lebensweg und bedanken uns als Verein, aber vor allem vom Trainergespann für wunderbare Zeit zusammen und vor allem für seine Freundschaft.“

TSV Kücknitz – SG Breitenfelde/Mölln 2:1 (0:0)

Der TSV Kücknitz absolvierte am Sonntagnachmittag sein erstes Heimspiel in der neuen Saison. Zu Gast war die SG Breitenfelde/Mölln, die im vergangenen Jahr auf dem heimischen Platz geschlagen wurde, doch nun mit einer breiten Brust anreiste. Ein 6:1-Sieg zum Auftakt sorgte dafür, dass die junge Mannschaft aus Herzogtum Lauenburg sich als erste Mannschaft in dieser Spielzeit Tabellenführer betiteln durfte. Mit einer starken Offensive glänzte diese gegen Lübeck 1876, sodass man sich nun auf ein packendes Duell am Roten Hahn freuen durfte. Kücknitz kam zwar mit einer Niederlage im Rücken, doch machte ein gutes Spiel gegen den Eichholzer SV II, in dem es genügend Chancen vor der Pause gab, das Spiel auf seine Seite zu ziehen. Erneut sollte Kücknitz gut in die Partie starten und früh erste Hochkaräter kreieren, doch die Führung blieb aus. Erneut haderten die Lübecker mit ihrer Chancenverwertung. „Starker Beginn, aber wieder die Chancen nicht genutzt. Wir starten stark in die erste Halbzeit und erspielen uns gleich mehrere hundertprozentige Chancen. Leider schaffen wir es erneut nicht, diese Möglichkeiten zu verwerten. Danach geben wir das Spiel komplett aus der Hand und machen es dem Gegner unnötig leicht“, sagte Mirco Groß. So verzeichnete nun auch die SG einige gute Torchancen. Doch wie auch die Heimelf, sollte das Glück im Abschluss fehlen, sodass es tatsächlich ohne Tore in die Halbzeit ging.

Es war kaum vorstellbar, dass hier nach 45 Minuten tatsächlich noch keine Mannschaft getroffen hatte und dennoch war klar, dass es eine Frage der Zeit war, bis dies auf einer Seite geschehen würde. Groß sagte: „In der zweiten Halbzeit zeigen wir wieder ein deutlich besseres Gesicht. Direkt zu Beginn haben wir die große Chance auf das 1:0, bekommen im direkten Gegenzug aber das Gegentor.“ Frederik Pfalzgraf (49.) brachte Breitenfelde in Führung, doch die Antwort folgte prompt. Julian Müller (54.) traf zum Ausgleich. „Danach haben wir wieder mehrere klare Chancen, die wir leider nicht nutzen. Und dann kommt es, wie es kommen musste: Am Ende entscheidet ein Eigentor das Spiel – aufgrund der Vielzahl an klaren Torchancen allerdings verdient zu unseren Gunsten. Wir müssen weiter intensiv an unseren Abschlüssen arbeiten und vor dem Tor konsequenter werden. Positiv ist aber ganz klar: Wenn man sich so viele Chancen herausspielt, macht man auch einiges richtig. Jetzt gilt es, daraus die nötigen Tore zu machen“, sagte der siegreiche Coach der Kücknitzer.

img 0439 @ Favoriten straucheln in der Fremde: Viele Überraschungen am zweiten Spieltag
Arne Riewe und sein Team verloren am Ende mit 1:2. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Auch in Abwesenheit von Unterschiedsspieler Maurice Maletzki sollte die Offensive des TSV Kücknitz durchaus funktionieren, auch wenn es im Abschluss noch Luft nach oben gibt. Die drei ersten drei Punkte wurden dennoch geholt, auch wenn es für Gästecoach Arne Riewe durchaus auch ein anderes Endergebnis hätte geben können: „Hart umkämpftes Spiel. Wir sind uns einig, dass das Spiel auch 7:7 ausgehen kann oder darf. Riesen Chancenwucher bei uns in der ersten Halbzeit und bei Kücknitz in der zweiten Halbzeit. Dass wir dann leider ein Eigentor machen, ist verdammt bitter, denn einen Punkt hätte ich sehr gern auf dem Konto gehabt, aber das Glück fällt einem nicht vor die Füße. Beklagen müssen wir nun noch einen Verletzten mit Leif Wolf, was für uns ziemlich bitter ist, da wir in 2,5 Wochen Pokal haben, aber auch das müssen die Jungs schaffen und kompensieren auf dem Platz. Viel Erfolg an Kücknitz, bis zum Rückspiel.“

VfL Rethwisch – TSV Travemünde 1:0 (0:0)


Das Hinspiel der vergangenen Saison in Rethwisch hing noch sehr tief beim TSV Travemünde. Dies verriet Trainer Christian Jetz im Vorfeld, denn es war ein Spiel, in dem vieles gegen seine Mannschaft lief. Nun stand die Rückkehr an den Buchrader Weg an und klar war, dass es gegen den VfL Rethwisch noch etwas wiedergutzumachen gab. Doch beide Mannschaften hatten vor diesem Spiel eine breite Brust, denn der erste Spieltag lief genau nach dem Geschmack der beiden Kreisligisten. Der VfL feierte einen 3:1-Auswärtssieg beim ATSV Stockelsdorf und schenkte dem neuen Trainer einen gelungenen Einstand. Travemünde setzte sich deutlich mit 5:0 gegen den SV Viktoria 08 durch. Was in der Vorwoche war, sollte dennoch keine Rolle mehr spielen, denn es zählte nur das, was am gestrigen Sonntag im Pappelstadion passieren würde. Dabei waren die Voraussetzungen insgesamt eher schwierig, denn der Rasen war in einem sehr dürftigen Zustand. In der Anfangsphase gab es noch keine nennenswerten Chancen, sodass es ein sehr zähes Spiel war. Travemünde hatte deutlich mehr den Ball, doch es fiel ihnen nichts ein. Rethwisch fokussierte sich auf die Arbeit gegen den Ball. Bis zur ersten Trinkpause sollte es mal einen Abschluss nach Eckball für den TSV geben, doch den Schuss von Pascal Schönknecht hatte Torhüter Maximilian Chylla im Nachfassen sicher. Nach einer halben Stunde war es dann eine Chance für Rockrohr, doch auch diese war leichte Beute für den Keeper. Auf der anderen Seite wurde es durch Christopher Willuhn erstmals gefährlich, der allerdings an Robin Fehrs scheiterte. Zur Halbzeit blieb es somit torlos, was in Ordnung ging. Zwar gab es Halbchancen auf beiden Seiten, mit Vorteilen für die Monte-Kicker, doch so richtig zwingend wurde es nicht.

img 20260809 wa0024 @ Favoriten straucheln in der Fremde: Viele Überraschungen am zweiten Spieltag
Rethwisch und Travemünde lieferten sich ein zähes Fußballspiel mit wenigen klaren Chancen. Foto: Celina Lüth


Die zweite Hälfte sollte dann allerdings furios beginnen. Willuhn setzte sich gegen Rockrohr durch, es folgte die Flanke in die Mitte, wo es den Abpraller gibt, den Jannes Schönwald (46.) zur Führung vollendete. Rethwisch ging in Führung und nun sollte es für die Lübecker ganz schwierig werden. Diesen fiel nämlich auch im zweiten Durchgang kaum etwas ein. Es gab immer mal wieder Abschlüsse, doch meist strahlten diese nur einen Hauch von Torgefahr aus. So blieb es am Ende beim 1:0 für die Heimelf, was nicht unverdient war. Es war ein schwacher Auftritt der Gäste, die kaum eine klare Torchance kreierten. Christian Jetz sagte dazu: „Das hatte heute mit Fußball nichts zu tun. Anspruch und Wirklichkeit klafften weit auseinander. Rethwisch macht aus zwei Chancen ein Tor, wir arbeiten uns aber auch nichts wirklich Zwingendes raus. Ein großes Lob an die Spielleitung vom Schiedsrichter Sprave, an ihm lag es sicherlich nicht.“ Sein Gegenüber feierte nun den zweiten Sieg in Folge. Till Kniffka sagte zum Spiel: „Die Partie verlief für uns heute trotz dem warmen Wetter gut. Meine Jungs konnten diesmal über 90 Min. alles, was wir uns vorgenommen haben, umgesetzt. Wir hätten auch noch 2 Tore mehr machen können und verdienen absolut gegen ideenlose Travemündern, die kämpferisch trotzdem alles reingeschmissen haben.“


Als Fazit zog der Chefcoach: „Ich bin absolut stolz auf die Jungs. Hier im Dorf, im Verein passiert etwas. Es knistert und alle haben Bock. Aktuell trainieren wir immer mit 18-20 Mann und alle geben immer alles. Jeder möchte fitter und besser werden. Viele, die mal nicht zum Training kommen, schicken mir gleich eine Ersatzeinheit, damit habe ich nicht gerechnet und ist jedem hoch anzurechnen. In allem muss man dann sagen, dass dadurch auch die Leistung im Spiel stimmt und wir die Spiele auch verdient gewinnen. Wenn es so weiter geht, kann das eine ganz besondere Saison für die Mannschaft werden. Dafür gilt es aber weiter dran zu arbeiten. Der Start gefällt mir und es macht super viel Spaß mit den Jungs zu arbeiten.“

Gefällt Dir unsere journalistische Arbeit?

Dann unterstütze uns hier mit einem kleinen Beitrag. Danke.

- Anzeige -

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein