3:1-Sieg gegen die „Keiler“: SC Cismar zeigt sein Heimspiel-Gesicht

Verdienter Sieg trotz Gelb-Rot und starkem Kuhlmann

Ekstase beim SC Cismar nach dem erlösenden 3:1 durch Vimcent Kern. Foto: Lobeca/Niklas Runne
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Grömitz – Am Mittwochabend standen in der Kreisliga Südost vier Partien auf dem Programm. Dabei sollte es vor allem an der Gildestraße in Grömitz ein echtes Topspiel geben, denn mit dem SC Cismar und der SG Dersau/Kalübbe trafen nicht nur zwei starke Mannschaften aus dem Vorjahr, sondern auch zwei Favoriten aus dieser Saison aufeinander.

Zymberi gibt Kreisligadebüt als Kapitän

Wenn der SC Cismar und die SG Dersau/Kalübbe aufeinandertrafen, dann ging es in der Regel meist ganz heiß her. Es waren spannende und bis zum Schluss enge Duelle, bei denen sich beide Mannschaften gar nichts schenkten. Dies zeigten auch die vielen Karten, denn in den vergangenen vier Begegnungen sollten allein fünf Spieler den Platz vorzeitig verlassen. Es ist ein heißer Tanz zwischen den beiden Kreisligisten, auf den mit Spannung am Mittwochabend geblickt wurde. Die sportliche Ausgangslage sorgte durchaus dafür, dass beide Mannschaften einen Dreier benötigten. Dersau/Kalübbe startete mit einem Unentschieden sowie zuletzt einem torreichen 4:3-Sieg, wo ein fragwürdiger Elfmeter letztlich den Unterschied machte. Somit standen vier Punkte auf dem Konto der Mannschaft von Holger Böttcher. Diese kassierte mit fünf allerdings auch erstaunlich viele Gegentore, denn die Stabilität war im vergangenen Jahr noch die große Stärke. Diese erhoffte man sich mit Neuzugang Fatlum Zymberi, der von Oberligaaufsteiger Eutin 08 kam und noch keine Minute in der Kreisliga in den ersten beiden Partien auf dem Platz stand. Nun sollte er allerdings sein Ligadebüt feiern und die „Keiler“ als Kapitän auf den Rasen führen. Er agierte im Mittelfeld und sollte dort mit seiner Qualität und Erfahrung das Spiel lenken. Der SC Cismar startete mit einem 7:1-Heimerfolg gegen den TSV Lensahn, einen der Mitfavoriten auf den Aufstieg. Es wurde sich in einen echten Rausch gespielt und wieder einmal bewiesen, dass man sich zu Hause mit Abstand am wohlsten fühlt. In der Folgewoche beim SV Kirchbarkau sah dies nämlich bereits wieder ganz anders aus. Es setzte eine 2:3-Niederlage, die nach einem enttäuschenden Auftritt auch keineswegs unverdient war. Daher sollte ein anderes Gesicht gezeigt werden und dies wurde es auch.

Lattentreffer nach drei Minuten

Bereits der Blick aufs Personal sorgte dafür, dass der SCC ganz anders ins Spiel gehen würde. Zuletzt fehlten noch einige wichtige Leistungsträger, doch diese kehrten nun zurück. So sollte vor allem die Rückkehr von Paul Schröder, Henrik Schattka und Stürmer Lennard Siebrecht der Mannschaft von Sascha Pretzel enorm guttun und die nötige Sicherheit und Leichtigkeit geben, die in Kirchbarkau fehlte. Fünf Veränderungen nahm Pretzel in seiner Startelf vor, so sollte Siebrecht ganz vorne wieder in die Spitze rücken, Bennet Kern dafür in etwas offensiverer Rolle dahinter. Zudem bildeten Paul Schröder und Henrik Schattka eine komplett neue Innenverteidigung zum vergangenen Auswärtsspiel. Cismar hoffte gegen die SG auf die Heimstärke, denn in 19 Ligaheimspielen verloren die Grömitzer gerade einmal eines. Daher traten die Ostholsteiner auch sehr selbstbewusst und mutig auf, übernahmen von Beginn an die Kontrolle. Bereits in den ersten 180 Sekunden segelten zwei gefährliche Ecken in den Sechzehner, bevor im Anschluss Paul Schröder mit einem Lattentreffer früh für richtig Torgefahr sorgte. Die Gäste sollten allerdings ebenfalls Gefahr ausstrahlen, so zum Beispiel nach acht Minuten. Auf links waren sie durch, zogen ab und trafen nur den Pfosten. Den zweiten Versuch brachte Marten Biss aufs blanke Tor, doch Schröder warf sich in höchster Not in den Schuss und verhinderte die Gästeführung.

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Beide Mannschaften lieferten sich ein hochklassiges Kreisligaspiel. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Grömitzer haben Chancenplus

Es war das erwartete intensive Fußballspiel, in dem es auf beiden Seiten gefährliche Aktionen gab. Ein Einwurf fand Steffen Uhl, doch der erfahrene Angreifer scheiterte an Dennis Kuhlmann. Auf der anderen Seite sollte Bennet Kern knapp am Tor vorbeischieben, bevor er nur drei Minuten später eine präzise Flanke auf den Kopf von Siebrecht schlug, doch der Stürmer nickte vorbei. Cismar war die aktivere Mannschaft und entwickelte immer mehr ein Übergewicht, auch wenn es eher viele Halbchancen waren, die verzeichnet wurden. Oft fehlte noch die Präzision im letzten Drittel oder aber eine falsche Entscheidung wurde getroffen. Nach einer knappen halben Stunde sollte Schiedsrichter Marek Zieske auf beiden Seiten gefordert werden, als zunächst Uhl zu Fall ging und auf der anderen Seite Florian Nothnagel. Drei Minuten später war es eine Cismar-Ecke an den zweiten Pfosten, wo Siebrecht per Kopf für Tom Andres ablegte, doch dieser zog ein gutes Stück über das Tor. Die Hausherren waren die bessere Mannschaft im Spiel und machten es wirklich gut. Dersau setzte allerdings vereinzelte Nadelstiche, womit sie für Gefahr sorgten. Elf Minuten vor der Halbzeit tauchte dann Bennet Kern allein vor Keeper Simon Ehrk auf, doch der Torhüter sollte sich großmachen und das Duell für sich entscheiden. Im Gegenzug verpasste Dustin Riedel deutlich und auch Smajli verzog.

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Führung mit Pausenpfiff

Das Spiel fuhr sich in den letzten zehn Minuten vor der Pause nochmal richtig hoch, denn erneut lief Kern auf Ehrk zu, doch wieder fand der junge Offensivspieler seinen Meister im Gästeschlussmann. Marten Biss sollte für Dersau/Kalübbe noch einen Abschluss verzeichnen, doch auch dieser war zu ungenau und fand den Weg deutlich am Tor vorbei. Es schien, als würde es ohne Tore in die Pause gehen, doch die Grömitzer hatten noch eine Aktion parat. Thias Reincke (45.) zog aus der zweiten Reihe ab und traf. Es war der verdiente Führungstreffer für eine starke Heimmannschaft, die sich belohnte. Es war aufgrund der Spielanteile und dem Chancenplus leistungsgerecht. Zur zweiten Hälfte nahm sich Dersau vieles vor, denn sie hatten zu wenig Spielkontrolle und auch die letzte klare Torchance datierte aus der Anfangsphase. Es war kein schlechter erster Durchgang, doch längst auch nicht die beste Leistung, die das Team von Holger Böttcher auf dem Rasen bot. Nach dem Seitenwechsel sollte es allerdings nicht lange dauern, bis der SCC den zweiten Treffer nur knapp verpasste. Nach exakt 15 Sekunden scheiterte Siebrecht allein vor Ehrk. Dies musste eigentlich das 2:0 sein und kurz danach hatte auch Kern zwei gute Gelegenheiten, wo er allerdings den Ball nicht kontrolliert bekam. Die Gäste waren überhaupt nicht im Spiel und Cismar machte Druck. Offensiv verzeichnete die SG kaum noch klare Chancen, es dauerte bis in die Schlussphase.

Joker Birkner erhöht

Nach einer knappen Stunde brachte Pretzel dann mit Jamie Birkner einen pfeilschnellen Flügelspieler für Nothnagel-Valand, der stark an der Gelb-Roten Karte kratzte. Insgesamt wurde dieses Spiel immer hitziger, es wurde lauter von der Seite und der Unparteiische und sein Gespann hatten ein alles andere als leicht zu leitendes Spiel. Zahlreiche Verwarnungen hagelte es, sodass nach knapp 100 gespielten Minuten zehn Karten gezeigt wurden. Acht davon auf Seiten der Heimelf, die versuchte, das Spiel hektischer zu machen, immer wieder den Zweikampf suchte und Dersau überhaupt keine Ruhe ließ. In der 64. Minute sollte es dann einen Aufreger geben. Birkner zog das Tempo an, war auf und davon. Hendrik Ohler foult ihn zunächst glasklar als letzter Mann vor dem Sechzehner, doch der Joker blieb auf den Beinen. Im Strafraum ging der Verteidiger dann erneut runter zur Grätsche und traf den Ball, doch auch Birkner, sodass lautstark der Foulelfmeter gefordert wurde. Diesen gab es nicht und auch die Rote Karte für das erste Foul nicht. Elf Minuten danach war es dann eine ähnliche Situation, denn erneut war der junge Flügelspieler auf dem Weg zum Tor, doch diesmal konnte er nicht gestoppt werden und drückte den Ball über die Linie (75.). Es war das überfällige 2:0, denn von den Gästen kam im zweiten Durchgang nichts mehr. Kein einziger Abschluss sollte zu diesem Zeitpunkt nach dem Seitenwechsel aufs Tor kommen, sodass die Mannschaft aus dem Kreis Plön komplett harmlos blieb. Doch dann kam eine Situation, die beinahe dieses Spiel komplett hätte kippen können.

Ein Kern fliegt, ein Kern trifft

Halbrechts vor dem Strafraum entschied der Schiedsrichter auf Freistoß Dersau, dabei zeigte sein Assistent glasklar etwas anderes an. Der Ärger beim SCC war riesig, denn ausgerechnet dieser ruhende Ball sollte von Innenverteidiger Yannik Lamp (80.) im Tor untergebracht werden. Der erste Schuss aufs Tor im zweiten Durchgang ging direkt rein und im Anschluss war die Böttcher-Elf wie ausgewechselt. Sie waren hungrig und wollten unbedingt den Ausgleich. Nun gab es eine echte Drangphase der SG Dersau/Kalübbe, die zunächst mit einem von SCC-Verteidiger Schröder abgefälschten Ball gefährlich wurden und anschließend zweimal am herausragend parierenden Dennis Kuhlmann scheiterten. Am Wochenende war dieser in Kirchbarkau noch der Pechvogel und nun verhinderte dieser den Ausgleich gleich mehrfach. Doch der SCC bekam keine Ruhe rein und das Spiel drohte zu kippen. Bennet Kern sah in der 89. Minute nach einem unnötigen Foul im Mittelfeld an Timon Biss die Gelb-Rote Karte. Zudem gab es einen Freistoß, den Ehrk im Mittelfeld ausführte. Anschließend sollte allerdings Vincent Kern den Ball abfangen, den Torhüter kurz hinter der Mittellinie umkurven und in Richtung leeres Tor starten. In dieses schob er ein, sodass der zehn Minuten zuvor eingewechselte Spieler den Deckel draufmachte. Ausgerechnet der Bruder des wenige Sekunden zuvor vom Platz verwiesenen Bennet Kern. Dersau lief in der anschließenden Nachspielzeit zwar an, doch Cismar verteidigte alles weg und nahm die drei Punkte mit.

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Jubel nach dem 3:1. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Reaktion auf Enttäuschung vom Wochenende

Es bleibt somit dabei, dass der SCC zu Hause ein ganz anderes Gesicht als in der Fremde zeigt. Wieder einmal wurde eine Spitzenmannschaft der Liga bezwungen und dies über 90 Minuten auch absolut verdient. Die Gäste wachten zu spät auf und zeigten erst nach dem Anschlusstreffer, wie gefährlich sie sein können, doch dies war zu spät. Vier von möglichen neun Punkten stehen auf dem Konto der SG, die zwar ein hartes Anfangsprogramm hatte, doch den Ansprüchen als Mitfavoriten nicht gerecht wurde. Die Ostholsteiner dagegen zeigten eine starke Reaktion auf die Enttäuschung vom Sonnabend. Co-Trainer Daniel Temme sagte dazu: „In der ersten Halbzeit eine gute Kreisliga Partie. Beide Mannschaften spielerisch auf gutem Niveau unterwegs. Wir machen einfach alles besser als am letzten Wochenende. Zweite Halbzeit müssen wir direkt die Führung ausbauen. Dann wird das Spiel durch fragwürdige Entscheidungen unruhig und emotional. Wir haben diese Power genutzt und in den richtigen Momenten die Tore erzielt. Geiles Ding am Ende. Als Mannschaft sehr gut verteidigt und den Sieg eingefahren. Samstag geht es weiter.“

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Erneut zu Hause erfolgreich: Der SC Cismar. Foto: Lobeca/Niklas Runne
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