
Lübeck – Trainingslager in Dänemark, ein internationaler Härtetest gegen Team Esbjerg und anschließend direkt zum Eulencup nach Tarp: Die weibliche B-Jugend des MTV Lübeck hat die bislang intensivste Phase ihrer Vorbereitung auf die neue Saison absolviert. Trotz hoher Belastung und zunehmender Verletzungssorgen erreichte das junge Lübecker Team zum Abschluss das Finale in Tarp und belegte nach einer 18:22-Niederlage gegen den Handewitter SV den zweiten Platz.
Dreieinhalb intensive Tage in Dänemark
Den Auftakt bildete ein dreieinhalbtägiges Trainingslager im dänischen Løgumkloster. Gemeinsam mit der weiblichen A- und C-Jugend sowie der männlichen B-Jugend des MTV Lübeck arbeitete die B-Jugend in mehreren intensiven Einheiten.
Sportlich standen insbesondere die Abwehrarbeit, das Umschaltspiel und die individuelle Ausbildung im Mittelpunkt. Neben der Arbeit in der Halle spielte aber auch das mannschaftsübergreifende Teambuilding eine wichtige Rolle. Gemeinsame Gruppenarbeiten und Mahlzeiten, Zeit im Schwimmbad sowie verschiedene gemeinsame Abendveranstaltungen sorgten dafür, dass sich die Leistungsteams auch abseits des Handballfeldes besser kennenlernen konnten.
„Gerade diese gemeinsamen Tage sind für uns wertvoll. Natürlich wollen wir sportlich möglichst viel arbeiten, aber genauso wichtig ist es, dass unsere Mannschaften im weiblichen Leistungsbereich und auch darüber hinaus miteinander in Kontakt kommen und ein gemeinsames Vereinsgefühl entwickeln“, zieht B-Jugend-Trainer Christoph Nisius ein positives Fazit.
Team Esbjerg zeigt Lübeck die Grenzen auf
Ein sportlicher Höhepunkt des Trainingslagers war der Vergleich mit der U17 von Team Esbjerg. Gegen die Däninnen musste sich der MTV mit zehn Toren Unterschied geschlagen geben.
Für die Lübecker war die Niederlage allerdings keineswegs ohne Wert. Das hohe individuelle Niveau und die körperliche Präsenz des Gegners zeigten deutlich auf, in welchen Bereichen bis zum Saisonstart noch Entwicklungspotenzial besteht.
„Wir suchen in der Vorbereitung bewusst solche Spiele. Es bringt uns wenig, wenn wir nur gegen Gegner spielen, gegen die alles funktioniert. Gegen Esbjerg wurden uns Grenzen aufgezeigt. Genau daraus können wir lernen“, so Nisius.
Aus Dänemark direkt zum Eulencup
Viel Zeit zur Regeneration blieb anschließend nicht. Am Donnerstag ging es zurück nach Deutschland – praktisch nur Zeit zum Durchatmen und Kofferwechseln, denn bereits am Freitag reiste der MTV weiter zum Eulencup nach Tarp.
Dort stand zunächst noch nicht die eigene Mannschaft im Mittelpunkt. Die Lübecker unterstützten am Freitagabend ihre 2012er-Auswahlspielerinnen bei deren Einsatz für Schleswig-Holstein. Anschließend kamen die weiblichen Leistungsmannschaften der C-, B- und A-Jugend zum gemeinsamen Pizzaessen zusammen. Ein neu ins Leben gerufener Dance-Battle in Zweierteams mit Trainerjury sorgte danach für einen etwas anderen Abschluss des ersten Turniertages.
Am Sonnabend wurde es sportlich ernst. In der Vorrunde traf der MTV auf HT Norderstedt, TSV Nord Harrislee und HKN Kollmar-Herzhorn. Die Lübeckerinnen entschieden alle drei Begegnungen souverän für sich und qualifizierten sich damit für das Halbfinale am Sonntagmorgen.
Derby im Halbfinale geht an den MTV
Dort wartete um 9.10 Uhr mit dem VfL Bad Schwartau ein echtes Lübecker Derby. Der MTV erwischte einen guten Start. Im weiteren Verlauf wurde die Partie noch einmal enger, ehe sich die Lübeckerinnen wieder absetzen und schließlich mit 24:18 durchsetzen konnten.
Bemerkenswert war dabei vor allem die personelle Situation. Der MTV musste bereits mit einigen Verletzungssorgen in das Turnier gehen. Bis auf Emma bestand der komplette eingesetzte Rückraum aus Spielerinnen der Jahrgänge 2011 und 2012 und damit aus einem für die B-Jugend ausgesprochen jungen Aufgebot. Zusätzlich musste Miri im Verlauf des Halbfinals verletzt ausscheiden.
„Das macht die Leistung für uns besonders wertvoll. Wir haben aktuell einen sehr jungen Rückraum und mussten während des Turniers immer wieder improvisieren. Trotzdem haben die Mädels Lösungen gefunden und sich das Finale erarbeitet“, erklärt Nisius.
Traumstart gegen Handewitt
Im Endspiel wartete mit dem Handewitter SV schließlich ein Gegner, den die Lübecker zu den Anwärtern auf das Final Four um die Deutsche Meisterschaft zählen. Handewitt verfügt über große körperliche Qualität und mehrere Junioren-Nationalspielerinnen.
Davon ließ sich der MTV zunächst allerdings überhaupt nicht beeindrucken. Die Lübeckerinnen erwischten einen nahezu perfekten Start und führten bereits nach vier Minuten überraschend deutlich mit 5:0.
Mit zunehmender Spielzeit machte sich jedoch die enorme Belastung der vergangenen Tage bemerkbar. Nach dem Trainingslager, dem Test gegen Esbjerg und den Turnierspielen in Tarp schwanden beim jungen MTV-Team zunehmend die Kräfte. Gleichzeitig konnte Handewitt seine körperliche Überlegenheit immer stärker ausspielen. Nach rund sechs Minuten der zweiten Halbzeit übernahm Handewitt die Führung und setzte sich anschließend weiter ab.
Auch personell wurden die Möglichkeiten des MTV immer geringer. Neben der bereits ausgefallenen Miri konnte im Verlauf des Finales auch Fritzi auf Rechtsaußen nicht mehr eingesetzt werden. Die Lübecker mussten deshalb teilweise Außenspielerinnen auf den Halbpositionen einsetzen oder mit zwei Kreisläuferinnen agieren.
Ein 0:6-Lauf in der zweiten Halbzeit brachte schließlich die Vorentscheidung. Aufgeben kam für den MTV dennoch nicht infrage. Die Lübeckerinnen kämpften bis zum Schluss und mussten sich am Ende mit 18:22 geschlagen geben.
Der Turniersieg ging damit an den Handewitter SV, während der MTV Lübeck den Eulencup auf einem starken zweiten Platz beendete.
„Wir haben sehr viele Erkenntnisse gewonnen“
Trotz der Finalniederlage fällt das Fazit beim MTV positiv aus. Gerade die beiden Vergleiche mit Esbjerg und Handewitt hätten gezeigt, wo die Mannschaft auf höherem Niveau noch arbeiten müsse. Gleichzeitig habe das junge Team aber auch gezeigt, dass es bereits in der Lage sei, gegen starke Gegner über längere Phasen mitzuhalten.
„Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Aber in dieser Phase ist für uns entscheidend, dass wir Erkenntnisse sammeln. Gegen Esbjerg und Handewitt haben wir gesehen, wo uns noch Grenzen gesetzt werden. Gleichzeitig haben wir aber auch gesehen, was unsere junge Mannschaft schon richtig gut umsetzen kann. Wenn man berücksichtigt, welche Belastung hinter den Spielerinnen lag und wie dünn unser Kader am Ende geworden ist, können wir mit dem zweiten Platz sehr zufrieden sein“, sagt Nisius.
Mit dem Ende der Schulferien kehrt für die Mannschaft nun wieder etwas Normalität ein. Der größte und intensivste Block der Saisonvorbereitung ist abgeschlossen. In den kommenden Wochen geht es für den MTV zurück in den regulären Trainingsrhythmus.
Nach dreieinhalb Tagen Trainingslager, dem internationalen Vergleich mit Team Esbjerg und dem zweiten Platz beim Eulencup lautet das Zwischenfazit in Lübeck: Die Richtung stimmt – gleichzeitig hat die intensive Woche genügend Aufgaben für die weitere Vorbereitung geliefert.





