„Es ist einfach fantastisch“ – Die Zarpener Last-Minute-Könige stechen wieder zu

Aufsteiger ärgert nächsten Favoriten und festigt die Tabellenspitze

Großer Jubel herrschte am Freitagabend beim TSV Zarpen. Es gab erneut einen späten Sieg und somit die Festigung der Tabellenspitze. Foto: Lobeca/Niklas Runne
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Travemünde – Am Freitagabend sollte das Topspiel des achten Spieltags in der Kreisliga Süd steigen. Der TSV Travemünde empfing den Tabellenführer und das einzige ungeschlagene Team der Liga, den TSV Zarpen. Es sollte ein besonderes Spiel werden, das auch über 100 Zuschauer an die Ivenedorfer Landstraße lockte. Es lebte von der Spannung und sollte in den Schlussminuten ein denkwürdiges Ende finden.

Ausfälle auf beiden Seiten

Diese Partie wurde ordentlich entgegengefiebert. Sowohl der heimische TSV Travemünde als auch die Gäste vom TSV Zarpen zollten im Vorfeld dem Gegenüber großen Respekt, erwarteten jeweils einen ganz starken Gegner. So durften sich die Zuschauer auf ein besonderes Spiel einstellen. Personell fehlten der Heimmannschaft mit Felix Rockrohr ein wichtiger Offensivspieler, hinten mit Tobias Lüth ein Verteidiger und auch Torhüter Robin Fehrs sollte nach seiner Rotsperre bei der Zweiten erneut nicht zur Verfügung stehen. Zudem musste auch auf Sören Witt verzichtet werden. Dieser kam im Sommer aus Zarpen und sein aktueller Coach sagte vor dem Spiel, dass es „romantisch unter Flutlicht“ wird, wenn er sein Saisondebüt gegen den Ex-Club feiert. Leider sollte es dazu allerdings nicht kommen. Auf der Gegenseite sollte Nico Henkel zum zweiten Mal in der Startelf stehen. Mit Lucas Pohl fehlte allerdings kurzfristig ein anderer Offensivspieler. Dennoch war es eine gut besetzte Truppe, die ins Rennen geschickt wurde, denn mit Henkel und Nico Scheel sowie dem zuletzt formstarken Sidney Munier hatten die Gäste eine Menge Qualität in der Offensive.

Zarpen dominiert die Anfangsphase

Die ersten Minuten waren für viele auf der Sportanlage wohl ziemlich überraschend. Cheftrainer Tobias Clasen schob die Favoritenrolle im Vorfeld klar zum Gegenüber und sagte sogar, dass dieser dominant auftreten würde gegen seine Mannschaft. Dies war allerdings zunächst überhaupt nicht der Fall. Zarpen nahm das Zepter direkt in die Hand und dominierte die Anfangsphase. Sie hatten klar mehr den Ball, liefen an und erarbeiteten sich früh ein Chancenplus. So zog Luca Rhein früh knapp am Tor vorbei und nur kurz darauf sollte Marc Hadeler per Kopf nach einer Ecke verpassen. Es war ein wirklich guter Beginn der Gastmannschaft, die nach neun Minuten eine richtig gute Möglichkeit hatten, als ein Verteidiger der Hausherren den Ball im eigenen Strafraum herschenkte, doch Rohr scheiterte an Bennet Montag. Kurz darauf bot sich eine weitere doppelte Möglichkeit.

Travemünde wird vor der Pause gefährlich

In der ersten Viertelstunde war es also ein Spiel auf ein Tor, in dem Zarpen durchaus an der Führung schnupperte. Travemünde wurde ordentlich überrascht von den sehr mutigen und selbst dominanten Gästen. Nach rund 20 Minuten sollte Travemünde nach und nach besser ins Spiel finden. Sie hatten mehr Zugriff und Kontrolle über das Spiel, doch die richtig guten Möglichkeiten blieben noch aus. Stattdessen sollte Scheel auf der anderen Seite zum Abschluss kommen: Mit Blick auf die Abschlüsse war es eine erste halbe Stunde, die glasklar an den Tabellenführer ging, auch wenn die Heimelf mittlerweile mehr Kontrolle bekam. In der 34. Minute gab es dann mal eine erste richtig gute Chance für die Monte-Kicker, die über rechts kamen, den Ball in die Mitte brachten, wo Zarpens Verteidiger Sanfan Soumah den Ball an den eigenen Pfosten klärte. Die anschließende Ecke sollte gefährlich kommen, denn gleich zweimal blockten die Verteidiger ab, doch konnten dann klären. Bis zur Pause kam Travemünde noch zweimal zum Abschluss, doch Citea zog über das Tor und Aldermann prüfte Jonas Neumeister.

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Travemündes Yigit Keremsah war einer der auffälligsten Akteure in der ersten Hälfte bei seiner Mannschaft. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Gerechtes Remis zur Pause

Zur Halbzeit war es also noch ein torloses Unentschieden. Zarpen hatte insgesamt mehr Spielanteile, auch wenn sie kurzzeitig den Faden verloren, doch Travemünde kreierte selbst zu wenig klare Offensivszenen. Die besseren Chancen hatte man dennoch, vor allem durch den Pfostentreffer und die Chance in der 41. Minute, wo Neumeister zur Stelle war. Das Unentschieden zum Pausentee war gerecht, doch ein 0:0-Spiel sollte es nicht sein. Beide Mannschaften waren mutig und hatten ihre Phasen, sodass es eine Frage der Zeit war, bis der erste Treffer fallen würde. Zum Seitenwechsel reagierten beide Trainer. Zarpen brachte nun mit Deniz Karakaya einen schnellen, erfahrenen Außenspieler für Miko Karstens. Travemünde wechselte gleich doppelt und brachte John Liehr und Levy Riemer für Aldermann und Hesebeck.

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Zarpen bekommt ein Übergewicht

Die zweite Hälfte legte direkt schwungvoll los, denn nach einer Ecke kam Pascal Schönknecht zum Kopfball, den Neumeister überragend hielt. Auf der Gegenseite sollte Rhein einen Schuss am Tor vorbeisetzen. Nun war es ein munterer Schlagabtausch, denn es gab für beide Mannschaften gute Chancen. Zunächst kam Henkel zum Schuss, der dabei auch getroffen wurde, doch der erhoffte Elfmeterpfiff für Zarpen blieb aus. Stattdessen gab es eine Ecke, die am ersten Pfosten brenzlig wurde. Auf der anderen Seite köpfte Christian Furchtmann knapp über das Tor. Im Anschluss entwickelte sich ein Übergewicht für Zarpen. Sie spielten ihr Tempo aus und wurden vor allem durch Nico Scheel immer wieder gefährlich. So hatte dieser innerhalb von zehn Minuten drei gute Gelegenheiten, die beste, als er allein vor Keeper Montag scheiterte. In der 71. Spielminute war es auch Henkel, der an der Vertretung des gesperrten Stammkeepers scheiterte. Die Monte-Kicker kamen durch den eingewechselten Alexander Kanehl mal wieder zu einem Schuss, der aus der Distanz abzog und Neumeister forderte. Kurz danach gab es dann einen Aufreger. Die Gastmannschaft steckte durch, Scheel schien fast durch, doch Citea stoppte ihn. Er wäre womöglich alleine durchgelaufen, sodass eine Notbremse gefordert wurde, doch der Schiedsrichter entschied sich für Gelb.

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Es ging ordentlich zur Sache im Topspiel. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Wieder trifft der Aufsteiger spät

Die Schlussminuten brachen an und wenn die vergangenen Wochen eines gezeigt haben, dann dass der Aufsteiger aus dem Otto-Dechert-Stadion in den letzten Minuten nochmal voll da ist und man sie bis zur letzten Sekunde in Schach halten muss. In den vorherigen vier Kreisligaspielen wurden insgesamt sechs Tore in der Schlussviertelstunde erzielt. So retteten sich die Nordstormaner mehrfach vor der ersten Saisonniederlage oder aber holten doch noch einen Sieg, wie gegen Lübeck 1876 und Viktoria. Nun waren sie erneut in der Schlussphase am Zug und es sollte tatsächlich wieder passieren. Karakaya legte ab für Nico Scheel (90.), der diesmal eiskalt ins lange Eck traf. Es war der verdiente Führungstreffer kurz vor dem Ende, doch es stand noch die Nachspielzeit an. Travemünde machte auf, ging volles Risiko, doch war zu unclever. Ein langer Abschlag von Neumeister wurde zur perfekten Vorarbeit, sodass Nico Henkel (93.) allein vorm Tor auftauchte und zum 2:0 erhöhte. Wieder waren es zwei späte Treffer und Zarpen sowie die knapp 40 mitgereisten Fans warteten auf den Abpfiff. Es sollte allerdings noch einmal den Anschlusstreffer geben. Alexander Kanehl (95.) traf aus der Distanz über Neumeister hinweg. Danach beendete Jan Dalitz allerdings das Spiel direkt, sodass der Sieg für den TSV Zarpen perfekt war.

„Richtig, richtig krasse Moral“

Die Stormarner haben erneut einen Favoriten geärgert, nachdem bereits Siebenbäumen (3:1) und Lübeck 1876 (3:2) geschlagen und gegen Kücknitz (3:3) ein Remis geholt wurde. Man ist aktuell einfach nicht zu stoppen, sodass die Tabellenführung auch hochverdient ist. Dominik Reichardt sagte zum späten Sieg: „Wir setzen genau das um, was wir als Matchplan hatten. Wir haben uns direkt auf unsere Stärken fokussiert und den Gegner direkt 15 Minuten an die Wand gespielt. Dann sind wir aber 20 Minuten echt nicht gut im Spiel, aber in der zweiten Halbzeit machen wir es dann um Welten besser und spielen es wie in den ersten 15 Minuten. Wir gehen verdient als Sieger vom Platz.“ Zu den erneuten späten Toren setzte er fort: „Es ist der Wille. Es ist einfach fantastisch, was die Mannschaft macht. Wirklich richtig, richtig krasse Moral. Man muss aber auch sagen, dass wir hier nicht ganz über 90 Minuten, aber wir sind hier die bessere Mannschaft. Wir haben die Riesenchance, müssen sie nur nutzen. Klar haben sie ein, zwei gute Möglichkeiten, selbst auch das 1:0 zu schießen, aber dass wir es hintenheraus wieder mit unserer Fitness und Moral machen, ist brillant.“

Jetz: „Ein Unentschieden wäre sicherlich verdient gewesen“

Für den TSV Travemünde war diese Niederlage ein ordentlicher Dämpfer. Bereits zum zweiten Mal musste sich die Mannschaft von der Ivenedorder Landstraße geschlagen geben. Dies war am Ende auch nicht unverdient, denn es gelang nicht, den mutigen Aufsteiger in Schach zu halten und vorne sich viele Chancen zu kreieren. Zwar waren die Möglichkeiten da, doch nicht viele. In zu vielen Phasen des Spiels fehlte den Monte-Kickern der Zugriff und die Kontrolle über das Spiel. Zudem waren es Ungenauigkeiten im letzten Drittel, die dafür sorgten, dass vielversprechende Angriffe schnell wieder verpufften. Zur ersten Heimniederlage in dieser Saison sagt Christian Jetz: „Wir sind gerade gegen Ende der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft und verlieren dann Anfang der zweiten Halbzeit die Ordnung, am Ende kriegen wir dann zwei Konter, als wir uns stabilisiert haben. Ein Unentschieden wäre sicherlich verdient gewesen, Glückwunsch nach Zarpen.“

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