„Ballerbude“ und Zusammenhalt: Ein Aufsteiger mischt die Liga auf

Das macht den TSV Zapen so stark

Der TSV Zarpen ist noch ungeschlagen. Der Aufsteiger sorgt für Furore und führt die Kreisliga Süd an. Foto: Lobeca/Niklas Runne
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Zarpen – Der TSV Zarpen stieg in der vergangenen Saison in die Kreisliga auf. Mit nur einer Niederlage marschierten die Stormarner durch die Kreisklasse A und brillierten mit Offensivwucht, vielen Toren, doch auch einer stabilen Defensive. Es war schon dort eine Mammutaufgabe, den TSV zu bezwingen, und vor allem im Otto-Dechert-Stadion sollte es keiner Mannschaft gelingen. Nun stand die Herausforderung Kreisliga an und in dieser brauchte der TSV keinerlei Eingewöhnungszeit. Viel mehr begeistern sie derzeit die Liga mit ihrer Art von Fußball und vor allem einem unglaublichen Willen.

Rückkehr nach zwölf Jahren

Der TSV Zarpen feierte im Sommer seine Rückkehr nach zwölf Jahren in die Kreisliga. Damals endete dieses Kapitel nach zwei Jahren mit dem Rückzug, sodass es einen jahrelangen Aufenthalt in der Kreisklasse A gab. Dieser war nie von Sorgen geplagt, sondern es waren viele ruhige Spielzeiten im Tabellenmittelfeld. Nach zweimaligem fünften Tabellenplatz folgte vergangene Saison der große Coup mit dem Aufstieg in die Kreisliga. In den 20 Ligaspielen gab es nur eine Niederlage, diese am letzten Spieltag, als der Titel bereits gesichert war. Ansonsten gelang es keiner Mannschaft, die Stormarner zu bezwingen. 63 Saisontore wurden erzielt, sodass mehr als dreimal pro Spiel im Schnitt gejubelt werden durfte. Nico Scheel und Lucas Pohl hatten dabei mit zusammen 49 Treffern einen ganz großen Anteil. Doch auch die Defensive wusste zu überzeugen, denn es gab nur 17 Gegentore. Dies waren mit Abstand die wenigsten der Liga. Diese Anzahl scheint noch viel beeindruckender, wenn man den letzten Spieltag ausklammert, als es vier Gegentore gegen Scharbeutz/Pönitz gab. So waren es nur 13 in 19 Spielen. Sechsmal stand die Null, sodass es nicht nur die Offensive war, die den Meister auszeichnete.

Verstärkungen im Sommer

Der Schritt in die Kreisliga war folgerichtig und für diesen rüstete der TSV nochmal etwas auf. Es gab wenig Abgänge, der von Sören Witt gilt da als nennenswertester, doch ansonsten blieb das intakte Team zusammen. Hinzu kamen noch Verstärkungen durch Lucas Rhein oder aber Nico Henkel. Beide haben sich perfekt ins Team integriert und sind direkt klare Stammspieler geworden. Henkel bringt eine Bewerbung von 13 Verbandsligatoren in der Vorsaison bei Landesligaaufsteiger Pönitz mit. Dabei stand er nur gerade einmal 951 Spielminuten auf dem Feld. Der Stürmer weiß also genau, wo das Tor steht, was er in der Vorbereitung bei seinem neuen Club ebenfalls unter Beweis stellte. Schon in der Vergangenheit spielte Henkel schon beim Team aus dem Otto-Dechert-Stadion. In den ersten Wochen bremste ihn allerdings eine Verletzung aus, sodass er erst dreimal auf dem Platz stand.

Aufsteiger sorgt für Furore

Der Saisonstart in der neuen Liga war dennoch ein wirklich beeindruckender. Der TSV Zarpen knüpfte nahtlos an der Vorsaison an und nahm den Schwung direkt mit in die Kreisliga. Ohne sich zu verstecken oder zu sehr auf den Gegner zu gucken, zieht Zarpen einfach ihr Spiel durch, was sie zu einem ganz besonderen Aufsteiger macht. Schon in der Vergangenheit schafften es die Aufsteiger aus der A-Klasse, für Furore zu sorgen, wie Lübeck 1876 einst oder aber vergangene Saison der Eichholzer SV II, doch was in der kleinen Gemeinde im Norden Stormarns passiert, ist kaum zu vergleichen. Es ist nicht der Club aus der Stadt, der sich nach dem Aufstieg munter bei anliegenden Vereinen verstärkt und bereits die Strukturen wie ein höherklassiger Verein hat. Viel mehr ist es der Zusammenhalt einer ganzen Gemeinde und eines gesamten Vereins, der dafür sorgt, dass die erste Herren derzeit so auf sich aufmerksam macht. Nach acht Spielen ist der TSV nämlich die letzte verbliebene Truppe, die in der Kreisliga Südost noch nicht verloren hat. Mit 18 Punkten führt die Mannschaft von Tobias Clasen und Dominik Reichardt die Liga an.

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Last-Minute-Könige gänzen mit Moral und Fitness

Favoriten wie Eichholz II, Travemünde, Siebenbäumen oder aber der TSV Schlutup stehen allesamt hinter Zarpen und dies scheint mehr als nur eine Momentaufnahme zu sein. Schließlich wurde bereits gegen drei dieser vier Mannschaften gespielt, wobei es sieben von neun Punkten gab. Gegen Siebenbäumen wurde dank einer beeindruckenden Mannschaftsleistung, vor allem gegen den Ball, mit 3:1 gewonnen. In Schlutup rettete man sich spät einen Punkt, doch zuletzt in Travemünde sollte es einen verdienten 2:1-Auswärtssieg geben. Als erste Mannschaft überhaupt in dieser Saison entführten sie drei Punkte von der Ivendorfer Landstraße. Auch Siebenbäumen konnte von keinem anderen Team bisher bezwungen werden. Zarpen ist also durchaus auf Augenhöhe, auch wenn es in den vergangenen Wochen durchaus auch erst späte Entscheidungen gab. In den vergangenen fünf Spielen gab es immer entweder den Ausgleich oder aber den Siegtreffer erst in der Nachspielzeit. Daher sind die Stormarner die Last-Minute-Könige der Liga. Neun Tore wurden bereits nach der 75. Minute erzielt. Dominik Reichardt erklärte diese unglaubliche Moral zuletzt nach dem späten Sieg gegen Travemünde: „Es ist der Wille. Es ist einfach fantastisch, was die Mannschaft macht. Wirklich richtig, richtig krasse Moral.“ Er hob die Moral, doch auch Fitness seiner Truppe hervor.

zarpen jubelt @ „Ballerbude“ und Zusammenhalt: Ein Aufsteiger mischt die Liga auf
Es gab viel Grund zum Jubeln für den TSV Zarpen. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Zusammenhalt als Faktor

Trotz der Tabellenführung hält sich der Aufsteiger noch zurück. Das klare Ziel von vor der Saison hat Priorität Nummer Eins, sodass der Klassenerhalt weiterhin im Fokus steht. Dieser großen Euphorie möchte der TSV nicht verfallen, sodass Reichardt auch auf die Euphorie-Bremse trat. „Ich würde immer noch sagen: Kirche im Dorf lassen. Wir sind immer noch nur Aufsteiger und gerade erst aus der A-Klasse gekommen. Es kommen immer noch Gegner, wie Eichholz Sonntag, das wird wieder eine harte Nummer. Aber wir sind eine Mannschaft, stehen zusammen ein, haben über 30 Mann im Kader und diese stehen alle füreinander ein. Ob die vier Leute, die nicht eingewechselt wurden, das gibt kein Knick in die Mannschaft und das ist das Geile.“ Das Team überzeugt als Kollektiv auf und neben dem Platz, die Stimmung ist auffällig positiv und die Unterstützung vom Seitenrand ebenfalls ein Faktor. Der heimische Sportplatz ist immer gut gefüllt und auch auswärts folgen zahlreiche Fans dem TSV. In Travemünde trotzten 30 bis 40 Anhänger dem Verkehrschaos und supporteten ihr Team. Im Otto-Dechert-Stadion herrscht eine Atmosphäre, die in der Kreisliga ihresgleichen sucht. Nicht ohne Grund liegt die letzte Niederlage dort nun schon über ein Jahr zurück. Im Mai 2025 unterlagen sie mal dem späteren Meister Eichholz II, doch seitdem gab es 39 Punkte in 15 Heimspielen. Es ist einfach besonders am Pöhlser Weg. Reichardt verriet, was diesen Fußballstandort derzeit so auszeichnet: „Ich glaube, es ist die Ballerbude. Gerade bei den Heimspielen sieht man das. Beim Pokalspiel gegen Ahrensburg, wir spielen gegen einen Verbandsligisten und der Platz ist an einem Dienstagabend einfach voll. Die bringen vielleicht 20 Leute mit und 60 stehen da von uns. Wir sind momentan, glaube ich, so ein bisschen das Aushängeschild. Unsere Damen spielen richtig guten Fußball, wir spielen attraktiv und erfolgreich und ich glaube, dass in so einem kleinen Dorf der Zusammenhalt einfach mega gut ist.“

ballerbude @ „Ballerbude“ und Zusammenhalt: Ein Aufsteiger mischt die Liga auf
Der Zusammenhalt in Zarpen ist groß. Die Ballerbude, von der fleißig supportete wird, spielt eine wichtige Rolle beim TSV. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Ballerbude gegen Pöbelberg – Ein Kracher am Sonntag

Nun am Sonntag steht ein ganz besonderes Spiel für den TSV Zarpen an. Zu Hause empfangen sie den nächsten Favoriten der Liga, wenn der Eichholzer SV II sich auf den Weg macht. Die Lübecker wurden vor der Saison als absoluter Top-Favorit gehandelt, sodass auf den Meister der A-Klasse nun eine ganz harte Nuss wartet. Diese zu knacken wird unheimlich schwer, denn es muss einiges zusammenpassen. Mit Blick auf die individuelle Qualität ist die Favoritenrolle glasklar an den Pöbelberg vergeben, doch mit Unterstützung der Ballerbude sowie einer erneut mannschaftlichen Top-Leistung soll gegen den ESV II der Sieg gelingen. Ein absolutes Topspiel ist zu erwarten, in dem beide Mannschaften Argumente für sich haben.

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