
Lübeck – Auf dem Rasen eine Nullnummer, doch auf den Rängen sowie rund um das Stadion des VfB Lübeck lief der Freitagabend anders als sonst ab. Der Regionalligist kommt einfach nicht zur Ruhe. Der Fanstreit ist nach wie vor am Köcheln und nun verschaffen sich die Sponsoren sogar gemeinsam Luft. Und immer wieder fielen die Begriffe Kommunikation, Fairness und Vereinsführung.
Davon ist man bei den Grün-Weißen derzeit weit entfernt. Angefangen bei einem Fankrieg, der seit dem 13. März die Lohmühle in ein Politikum verwandelte. Und natürlich das liebe Geld. Viele Anhänger machen sich große Sorgen um die Zukunft des Vereins – wieder einmal.
Zuschauer wurden nicht ins Stadion gelassen
Los ging der seltsame Tag gegen Nachmittag, als der Verein den Online-Ticketshop für die „Alte Holze“ schloss. Rund 40 Fans mit erworbenen Karten durften diesen Bereich vor Anpfiff nicht betreten. Eine behelmte Polizeieinheit zog eine Kette vor den Einlasstoren. Grund dafür waren nach Angabe einer Polizeisprecherin gegenüber HL-SPORTS: „Der Vereinsvorstand entschied, dass die Betroffenen nicht in den Block C dürfen. Es wurde angeboten, einige Plätze auf der „Holze“ anzubieten, und der Rest sollte in Block B gehen.“ Der vom VfB Lübeck eingesetzte Mediator soll dem Fanclub Halunken und dessen Freunden allerdings vor geraumer Zeit nicht nur den B-Block, sondern auch die „Alte Holze“ freigegeben haben.
Unter den rund 40 „Draußen-Bleibern“ waren allerdings auch Spieler der eigenen 3. Mannschaft der Grün-Weißen sowie „normale“ Zuschauer, die den Halunken nicht zuzuordnen sind. Einige von ihnen durften den Bereich dann doch während des Spiels betreten. Andere schauten sich die Partie gegen den Eimsbütteler TV von der naheliegenden Baumarkt-Empore an. Von der Fangruppierung Halunken waren vermutlich nur bis zu zehn Personen unter den „Ausgesperrten“. Ein Gespräch zwischen den Vorständen Sebastian Rath, Hanno Behrens und einem Fan führten zu keiner Veränderung der Situation. Die übrig gebliebenen friedlichen Anhänger zogen irgendwann von dannen.

Logen-Transparent als Weckruf
Während dieser Außen-Aktion gab es im Inneren der Lohmühle der Einlauf der Mannschaften. Auf einmal wurde von den Logen zwei bis sieben ein langes Transparent entrollt. Darauf stand „BRUSS, IPERDI, URBACH… W(I)ER ALS NÄCHSTES!? POLITIK RAUS AUS KURVE & VEREIN!“.
Der nächste Knall! Ein Statement von diversen Sponsoren aus einem Stadion-Bereich, den es dort so noch nie gab. Dabei handelte es sich nicht nur um einzelne frustrierte Geldgeber, sondern gleich um sechs Logen, die teilweise mehrfach besetzt sind – also eine stattliche Zahl an Unterstützern. Die Gesamtsumme dieser Firmen dürfte sich auf mehr als 150.000 Euro pro Saison beziffern. Mit Urbach Bauunternehmung Hamburg, die ihr Engagement erst einmal zum Sommer 2027 kündigte (HL-SPORTS berichtete), würde dem Verein ein mittlerer sechsstelliger Betrag fehlen.
„So geht man nicht mit Sponsoren um“
Bei den finanzkräftigen „Aktivisten“ hieß es an dem Abend immer wieder in Summe: „Das mit Urbach war vereinsschädigend, so geht man nicht mit Sponsoren um, die den Verein unterstützen. Wir wollen nicht die Nächsten sein, die man versucht einzuschüchtern.“ Dabei wurde einhellig immer wieder der Finanzvorstand genannt. Dieser gab am Vorabend der Partie gegen die Hamburger in einem LN-Interview zu Protokoll, dass man in Kauf nehmen müsse, auf Partner im Zweifel zu verzichten, sollten diese die Vereinslinie nicht mittragen wollen.
Vereinsführung unter Druck
Ein nächster Warnschuss gegen die aktuelle Vereinsführung, der viele dieser Sponsoren eine „schlechte Kommunikation“ sowie mangelndes Interesse an den unterstützenden Unternehmen des VfB vorhalten. Die Baustelle Lohmühle wird also immer größer für die Gremien, die damit noch mehr unter extremen Druck stehen. Die Solidarisierung mit dem Hauptsponsor wird vermutlich für eine ungemütliche Mitgliederversammlung am 27. Oktober sorgen.
Bildquellen
- Protest: Lobeca/Vivian Pfaff








