
Lübeck – Die Auseinandersetzungen rund um das Landesligaspiel zwischen Türkischer SV und FC Dornbreite (HL-SPORTS berichtete) beschäftigen die Beteiligten weiterhin. Nun meldet sich der FC Dornbreite mit einer zweiten Stellungnahme zu Wort – und übt deutliche Kritik an der bisherigen Aufarbeitung durch den Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV). Im Mittelpunkt stehen die Dauer des sportgerichtlichen Verfahrens, die zunächst verhängte und später vorläufig ausgesetzte Sperre gegen einen Dornbreiter Spieler sowie die Frage, welche Konsequenzen das Verhalten weiterer Personen nach sich zieht.
FC Dornbreite sieht erhebliche Defizite
Bereits in seiner ersten Stellungnahme hatte der FCD eine umfassende, sachliche und transparente Aufarbeitung der Vorfälle gefordert. Nach Auffassung des Vereins ist diese bislang ausgeblieben.
„Aus Sicht des FC Dornbreite ist diese Aufarbeitung bislang mehr als unzureichend verlaufen“, heißt es in der neuen Erklärung.
Der Verein betont, in den vergangenen Wochen selbst viel zur Klärung beigetragen zu haben. Man habe Informationen zur Verfügung gestellt, Gespräche geführt und die Bereitschaft zur vollständigen Aufarbeitung erklärt. Ziel sei es gewesen, die Ereignisse lückenlos aufzuklären und dort Konsequenzen zu ziehen, wo sie notwendig seien. Dennoch seien aus Sicht des FCD weiterhin zahlreiche Fragen offen.
Kritik an der Dauer des Verfahrens
Besonders kritisch bewertet der Verein die Dauer des sportgerichtlichen Verfahrens. Nach Kenntnisstand des FC Dornbreite benötigt der SHFV rund sechs Wochen, um Entscheidungen beziehungsweise Strafen gegenüber den betroffenen Spielern auszusprechen.
Dabei verweist der Verein auch auf einen eigenen Spieler, der zunächst vorübergehend gesperrt worden war und dessen Sperre anschließend vorläufig ausgesetzt wurde.
Gemeint ist Kevin Hermann, dessen Sperre von zwei Spielen nach einem Rechtsmittel zunächst nicht weiter vollzogen werden musste. Eine endgültige Entscheidung über seinen Fall war damit allerdings nicht verbunden.
Der FC Dornbreite bewertet Hermanns Verhalten anders als die ursprüngliche Sanktionierung. Nach Wahrnehmung des Vereins habe er versucht, die Schiedsrichter zu schützen.
„Quo vadis Zivilcourage?“
Mit dieser Frage überschreibt der FCD einen zentralen Abschnitt seiner Stellungnahme.
„Wenn ein Spieler in einer eskalierenden Situation versucht, einen Schiedsrichter zu schützen, darf sich daraus nicht der Eindruck entwickeln, dass gerade dieses Verhalten zum Problem wird“, erklärt der Verein.
Damit stellt der FC Dornbreite nicht nur die Behandlung seines eigenen Spielers infrage, sondern wirft eine grundsätzliche Frage nach dem Umgang mit Zivilcourage auf dem Fußballplatz auf.
Was ist mit den weiteren Beteiligten?
Ein weiterer Schwerpunkt der Stellungnahme betrifft Personen, die nach Darstellung des FC Dornbreite auf das Spielfeld gelaufen seien und durch ihr Verhalten zur weiteren Eskalation beigetragen hätten. Hier vermisst der Verein eine klare Reaktion des Verbandes.
Der FCD möchte unter anderem wissen, welche Konsequenzen das Verhalten dieser Personen habe, welche Verantwortung sie für eine weitere Eskalation trügen und wie der SHFV Situationen bewerte, in denen Personen, die keine Spieler sind, lautstark und gestikulierend auf einen Schiedsrichter zulaufen. Dabei macht der Verein deutlich, dass es ihm nicht um gewöhnliche Emotionen oder Diskussionen im Fußball gehe. „Gewalt, Bedrohungen und körperliche Angriffe gehören nicht auf einen Fußballplatz“, heißt es in der Erklärung.
Ob und in welchem Umfang der Verband das Verhalten dieser weiteren Personen bereits geprüft oder sanktioniert hat, geht aus der Stellungnahme nicht hervor.
Vorstand fordert vollständige Aufklärung
Der FC Dornbreite sieht die Angelegenheit damit weiterhin nicht als abgeschlossen an. Der Verein fordert eine vollständige und nachvollziehbare Aufarbeitung sämtlicher Vorgänge – unabhängig davon, welchem Verein die beteiligten Personen angehören.
„Der FC Dornbreite steht weiterhin für einen Fußball, bei dem Respekt, Fairness und Zivilcourage nicht nur Lippenbekenntnisse sind“, betont der Vorstand.
Zum Abschluss richtet der Verein eine grundsätzliche Botschaft an den Verband: „Es geht um die Frage, welchen Fußball wir in Schleswig-Holstein wollen.“ Und weiter: „Und deshalb erwarten wir Antworten.“
Unterzeichnet ist die zweite Stellungnahme von Sven Kruse, dem 1. Vorsitzenden, und Holger Jörgensen, dem 2. Vorsitzenden des FC Dornbreite.
Bildquellen
- Dornbreite: Lobeca/Kaben








