
Travenbrück – Am Dienstagabend sollte es im dritten Anlauf dann also doch klappen. Der Tralauer SV empfing den SV Borussia Möhnsen in der Kreisliga Südwest, nachdem die Partie bereits zweimal verlegt wurde. Dabei war die Heimmannschaft der klare Favorit, sodass die Gäste befreit aufspielen konnten. Das Chancenplus war zur Pause auf Seite der Lauenburger, die es verpassten, in Führung zu gehen. Auf der anderen Seite schlug der Favorit per Freistoß zu. Lange Zeit stand es 1:0, doch in der Schlussphase nahm diese Partie nochmal richtig Fahrt auf. Es war eine irre Schlussphase am Dienstagabend.
Zwei Siege gegen Top-Teams bereits
Seit April ist der Tralauer SV auf heimischer Sportanlage unbesiegt und dies sollte sich auch nach dem vergangenen Dienstagabend fortsetzen. Zu Gast war der SV Borussia Möhnsen, der erst zwei Spiele in dieser Saison gewann, doch beide waren Achtungserfolge. Zunächst wurde gegen den SV Henstedt-Ulzburg (2:0) und jüngst beim SV Eintracht Segeberg (4:1) gewonnen. Dazwischen lag allerdings auch eine Durststrecke, in der es mehrere Wochen keinen Sieg gab und man sogar auf einen Abstiegsplatz abrutschte. Dies war der dünnen Personaldecke geschuldet, die zuletzt wieder deutlich besser aussah. Tralau gewann mit Ausnahme einer Partie, der 2:3-Pleite in Wahlstedt, jedes Spiel und führte daher die Liga an. Zwei Spielausfälle sorgten letztlich dafür, dass die Tabellenführung an Wahlstedt abgegeben wurde. Doch diese galt es sich am Dienstagabend zurückzuholen. Dabei sah es personell erneut nicht optimal aus, doch mit Kevin Öz kehrte zumindest der Schlüsselspieler zurück in die Startelf.
Möhnsen betreibt Chancenwucher – Öz trifft per Freistoß
Von Beginn an sollte der Favorit den Ton angeben. Man hatte mehr den Ball, doch traf auf eine kompakte Gastmannschaft, die immer wieder versuchte umzuschalten. Dabei sollte Torjäger Hendrik Siel eine Position zurück ins Mittelfeld rücken und Platz für Tim Eiberg im Sturm machen. Die erste Chance des Spiels ging an die Platzherren, die durch Yanek Mut verpassten. Im Gegenzug wurde es auf der anderen Seite gefährlich durch Chris Kruse. Es war der Beginn einer Chancenserie der Lauenburger, die in der Folge mehrere Hochkaräter liegen ließen. So scheiterte mehrfach Siel an Torhüter Niels Lehmann. Auch das Aluminium sollte den Favoriten vor dem Rückstand bewahren. Dieser sollte zwar mehr den Ball haben und den Ton angeben, doch die Chancen gingen auf das Konto der Gäste. Diese bekamen den Ball einfach nicht über die Linie. Stattdessen sollte es einen Freistoß aus aussichtsreicher Position für die Heimmannschaft geben. Albanoz wurde von Siel gelegt. Diese Chance ließ sich Kevin Öz (23.) nicht entgehen und traf zur Führung. Diese sollte dem Spitzenreiter mehr Sicherheit geben. Kurz vor der Pause wurde es dann im Strafraum der Borussia brenzlig, als nach einer Ecke zunächst geklärt und anschließend die Latte getroffen wurde.

Beide Teams zur Pause nicht unzufrieden
Nach 45 Minuten stand es also 1:0 für den Favoriten, der in den ersten 25 Minuten sich nicht beschweren dürfte, wenn man in Rückstand geraten wäre. Erst nach der Führung durch Öz gab es klare Chancen. Zur zweiten Hälfte sollte also noch alles offen sein. Beide veränderten nichts, denn das Ergebnis sprach für den TSV und Möhnsen war mit dem Auftritt absolut zufrieden, einzig das Tor fehlte. Tralau-Coach Roman Ismagilov sagte: „Die erste Halbzeit war ziemlich ausgeglichen. Wir hatten etwas mehr Ballbesitz, aber Möhnsen war mit langen Bällen und schnellen Kontern immer wieder brandgefährlich. In zwei Situationen haben wir Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten, und nutzen auf der anderen Seite einen Freistoß zur 1:0-Führung.“ Zu seiner Pausensprache sagte er: „Wir hatten zur Halbzeit eigentlich wenig zu meckern. Wir hatten gute Ballbesitzphasen und auch die Passschärfe hat größtenteils gestimmt. Die langen Bälle von Möhnsen waren allerdings schwer zu verteidigen, weil wir körperlich im Großen und Ganzen einfach unterlegen waren. Deshalb ging es vor allem darum, konzentriert zu bleiben, weiter um jeden Ball zu kämpfen und unseren Fußball konsequent durchzuziehen.“

Torhüter trifft als Feldspieler
Nach dem Wiederbeginn sollten die Stormarner immer wieder mit ihrem Tempo gefährlich werden, doch meist fehlte die letzte Konsequenz. So brachte Hannes Lüneburg einen schnellen Gegenstoß nicht auf das Tor und auch Öz sollte nach starker Einzelaktion die Präzision im Abschluss fehlen. Möhnsen blieb mit ihrer Spielweise, von der man durch die klaren Größenvorteile im Vergleich zu den Tralau-Spielern profitierte. Es wurde immer mal wieder brenzlig. So richtig gefährlich wurde es dann erst in der Schlussphase. Als Siel plötzlich zum Schuss kam und knapp vorbeizog. Auch ein direkter Freistoß, den der Torhüter parierte, sollte für Gefahr sorgen. Der Ausgleich wäre nicht unverdient gewesen und dennoch musste Möhnsen auf der Hut sein, denn die schnellen Gegenstöße des Tabellenführers, vor allem über den eingewechselten Timo Classen, sollten brandgefährlich werden. So auch in der 85. Minute, als er sich auf links durchsetzte, in die Mitte legte und den ebenfalls eingewechselten Cedric Stoltenberg (85.) zum 2:0 fand. Ausgerechnet der eigentliche Torhüter, der im Feld aushalf, sollte nachlegen.

Möhnsen geht volles Risiko
Nun sollte es für Möhnsen eine Mammutaufgabe werden. Zwei Tore Rückstand und nur noch fünf Minuten plus Nachspielzeit gegen den Ligaprimus sollten eine große Herausforderung werden. Doch das Spiel abschenken wollte der Gast auf keinen Fall. Man hatte, wie Trainer Martin Krüger schon im Vorfeld sagte, nichts zu verlieren und so ging man auch in die Schlussminuten. Es wurde alles reingeworfen, volles Risiko gegangen. Dies sollte sich auszeichnen. Nur eine Minute nach dem zweiten Tor war es Tim Eiberg (86.), der verkürzte und nun wollte man unbedingt den Ausgleich. Sie warfen weiter alles rein und plötzlich scheiterte zunächst Kruse am Pfosten, die Situation war allerdings noch nicht gelöscht, denn Julian Höppener (89.) drückte den Ball über die Linie. Es herrschte nun Ekstase bei den Gästen, die kurz davor waren, als erste Mannschaft überhaupt in Tralau zu punkten. Doch der eine Zähler war ihnen nicht genug. Sie wollten das Momentum nun nutzen und die Partie ganz für sich entscheiden. Doch auch Tralau hatte kein Interesse an einem Remis und machte Druck. Nico Ploog zog freistehend über das Tor und kurz darauf gab es die dreifache Möglichkeit. Classen scheiterte am Torhüter, Stoltenberg traf die Latte und der dritte Versuch ging rüber.

Favorit schlägt in letzter Minute zu
Die Mega-Chance auf den Siegtreffer war da, doch es war immer noch nicht Schluss. Die fünfte Minute der Nachspielzeit brach an und wieder wurde es gefährlich. Zweimal konnte Möhnsen klären, doch dann zappelte der Ball tatsächlich doch noch im Tor. Nico Ploog (95.) wurde zum Helden des Tralauer SV, denn er erzielte das 3:2. Nun war nicht mehr lange zu spielen, einen Angriff sollte Schiedsrichter Bastian Sprave noch zulassen. Alle Gästespieler waren in der gegnerischen Hälfte inklusive Torhüter, doch anstatt den langen Ball zu schlagen, verloren sie den Ball und Kevin Öz (97.) traf von der Mittellinie ins leere Tor. Es war die Entscheidung, denn damit war zugleich auch Schluss. Das Nachholspiel bekam ein irres Finish und mehrere Gefühlsexplosionen. Tralau gewann wieder einmal spät und zeigte eine besondere Moral. Ismagilov sagte: „Mit dem späten 2:0 in der zweiten Halbzeit sollte der Deckel eigentlich drauf sein. Aber was danach passiert ist, war einfach nur Wahnsinn und wahrscheinlich nur zu glauben, wenn man selbst dabei gewesen ist. In den letzten zehn Minuten fallen tatsächlich noch vier Tore! Aus einem 2:0 wird plötzlich ein 2:2 und in der Nachspielzeit machen wir mit zwei Treffern doch noch den 4:2-Sieg perfekt. Eine völlig verrückte Schlussphase.“

Offenes Visier auf beiden Seiten
Wieder einmal schlug Tralau ganz spät nochmal zurück, dies war bereits gegen Leezen oder auch Segeberg der Fall. Die Moral in dieser Mannschaft ist außergewöhnlich, denn selbst nach diesen beiden Gegentreffern, wo andere Teams sicherlich nicht mehr zurückgekommen wären, fuhren sich die Stormarner nochmal hoch und sicherten sich doch noch den Sieg. Was in den Schlussminuten geschah, war unglaublich und für die vielen Zuschauer an der Schulstraße nochmal ein echtes Highlight. Der siegreiche Coach sagte: „Ich glaube, wer heute nicht im Waldstadion war, hat ein unglaublich wildes und aufregendes Fußballspiel verpasst. Besonders eine solche Schlussphase habe ich in meiner bisherigen Trainerlaufbahn noch nicht erlebt. Beide Mannschaften haben in den letzten Minuten mit offenem Visier gespielt und wirklich alles reingeworfen. Das war an Spannung und Emotionen kaum zu überbieten. Am Ende steht für uns ein unglaublich emotionaler Sieg gegen eine starke und im absolut positiven Sinne unangenehme Borussia.“
Lauenburger zeigen starke Leistung
Möhnsen machte ein richtig starkes Spiel, nicht erst in der Schlussphase. Über 90 Minuten bot man dem klaren Favoriten Paroli und hätte selbst sogar in Führung gehen können, wenn nicht sogar müssen. Das Glück im Abschluss fehlte und dennoch kam man kurz vor dem Ende nochmal zurück. Der Punkt war zum Greifen nah, doch man wollte noch mehr. Trainer Martin Krüger peitschte seine Mannschaft auch nach dem 2:2 immer weiter nach vorne, wollte unbedingt den Dreier einfahren. Am Ende stand man dann allerdings doch mit leeren Händen da. Ohne Punkte ging es zurück an den Kuckucksberg und dennoch blickt man auf ein alles andere als schlechtes Spiel zurück. Krüger sagt: „Es war ein richtig starker Auftritt von uns. Das ist so ein Spiel, wenn du oben stehst gewinnst und wenn du unten stehst verlierst du es. Wir hätten heute meiner Meinung nach nicht nur einen, sondern drei Punkte verdient gehabt. Wir haben erste Halbzeit die besseren Chancen, kommen dann mit einer guten Moral zurück und verlieren es hinten raus dann maximal unglücklich.“ Vor dem Spiel betonte er, dass seine Mannschaft quasi nichts zu verlieren hat beim Tralauer SV. Nach Abpfiff war die Enttäuschung bei allen Beteiligten dennoch klar sichtbar. Der Möhnsen-Coach sagte: „So ist Fußball, das müssen wir akzeptieren und jetzt uns das Glück erarbeiten, das uns die ganze Saison schon fehlt. Der Fußballgott ist aber über eine ganze Saison gerecht und wir werden uns die Punkte hintenraus gegen andere Gegner wiederholen.“








