
Lübeck – Es war das Spiel, auf das viele gewartet haben. Die beiden Top-Favoriten der Kreisliga Süd, der Eichholzer SV II und SV Grün-Weiß Siebenbäumen, trafen aufeinander. Beide Teams standen in der Tabelle direkt hintereinander als Verfolger vom TSV Kücknitz, sodass ein Sieg von enormer Bedeutung wäre. Am Ende des Tages gab es einen deutlichen Sieger, doch das Ergebnis täuscht. Ein großer Aufreger sollte nach hochklassigen 90 Minuten in Erinnerung bleiben.
Hamer und Stellbrinck kehren zurück
Vor der Saison waren sich die Trainer der Kreisliga Süd nahezu einig, dass der Eichholzer SV II und SV Grün-Weiß Siebenbäumen die haushohen Favoriten sind. Mit ihrer hohen individuellen Qualität und dem klaren Ziel, den Gang in die Verbandsliga zu nehmen, sollten die Erwartungen dementsprechend groß sein. Eichholz verlor ein Spiel erst in dieser Saison, während Siebenbäumen vor dieser Partie zweimal das Nachsehen hatte. Beide Teams sollten in der Vorwoche spielfrei haben durch Verlegungen der Partie, sodass Wunden geleckt werden konnten. Beim ESV gab es im Vorfeld noch einige Fragezeichen, doch die Startaufstellung verriet, dass nach einigen Ausfällen in den vergangenen Wochen nahezu alle Mann an Bord waren. Einzig Tom Meier und Tim Germann sollten noch fehlen, doch ansonsten kehrten Niklas Hamer als auch Marcel Stellbrinck zurück ins Team. So startete letzterer in der Innenverteidigung neben Jan Senkbeil. Hamer agierte als einzige Spitze vor Maik Germann. Ansonsten sollten mit Jannes Weist und Henry Michels zwei junge Spieler aus dem Landesligakader starten. Siebenbäumen musste nach der Roten Karte in Rethwisch auf Stürmer Kaleab Begna verzichten. Dieser fehlte gesperrt. So rückte Franz Walter Schlatow nach ganz vorne. Außerdem sollte Marco Urban sich dafür entscheiden, Yannik Teichmann als rechten Außenverteidiger starten zu lassen. Dieser sollte der Gegenspieler von Caspar Stark sein.
Freistoß zur Führung
Die Partie begann direkt intensiv und umkämpft. Beide Mannschaften schenkten sich direkt nichts, sodass es ordentlich zur Sache ging. Die erste Torchance war daher eine Frage der Zeit, denn nach knapp zwei Minuten scheiterte Schlatow bereits am stark reagierenden Kevin Pour. Es war ein Spiel, in dem es einige Zweikämpfe sowie Fouls gab. Nach etwas mehr als zehn Minuten war dies beispielsweise der Fall, als Siebenbäumen zu ungestüm in den Zweikampf mit Stark ging und es aus aussichtsreicher Position einen Freistoß gab. Die Position war optimal für Niklas Hamer, der bereits am ersten Spieltag gegen den TSV Kücknitz einen Freistoß direkt verwandelte und auch gegen die Lauenburger traf er (12.). Eichholz war in Führung gegangen mit dem ersten richtigen Schuss auf das Tor, doch bereits die Minuten zuvor kamen die Hausherren immer besser in die Partie. Dies blieb auch nach der Führung so, als sie umschalteten, doch Maik Germann den Ball nicht auf das Tor bekam. In der 17. Minute gab es erneut einen Freistoß für den ESV, diesmal trat Senkbeil, doch der Ball wurde abgefangen und es resultierte der Konter für Siebenbäumen, doch den abschließenden Schuss von Schlatow blockten sie. Im Anschluss sprang Kokouvi Ahiandjipe in Pour und sicherte sich die Gelbe Karte.

Eichholz II erhöht – Glück für Ahiandjipe
Siebenbäumen nahm nach und nach mehr das Zepter in die Hand und sollte zu Annäherungen kommen wie durch Schlatow, der einen Freistoß zu hoch ansetzte oder aber einen Schuss nach einer halben Stunde, den die Lübecker zur Ecke klärten. Der anschließende Standard wurde gefährlich, doch konnte gelöscht werden. Zehn Minuten vor der Pause war es dann Eichholz über Stark, der Henry Michels (35.) bediente, welcher allein vor dem Tor zum 2:0 erhöhte. Es war nun also schon eine komfortablere Führung der Platzherren, die im ersten Durchgang besser drin waren, auch wenn es nicht allzu viele klare Chancen gab. Siebenbäumen kam noch nicht so richtig in ihr Spiel und schwamm in den letzten Minuten vor der Pause noch etwas, als Nico Hoffmann zweimal verpasste und Germann aus einer aussichtsreichen Situation zu wenig machte. Außerdem gab es eine strittige Situation im Mittelfeld, als Ahiandjipe seinen Gegenspieler stempelte und sich glücklich schätzen durfte, dass der Schiedsrichter ihm nicht die Ampelkarte zeigte. So ging es mit Elf gegen Elf und einem 2:0 in die Pause. Eichholz war die leicht bessere Mannschaft, denn Siebenbäumen mühte sich. Aus den wenigen klaren Möglichkeiten machten sie zu wenig und defensiv waren es zwei Gegentreffer, die in der Entstehung durchaus vermeidbar waren.

Siebenbäumen zeigt ein anderes Gesicht
Zur zweiten Hälfte reagierte Gästecoach Urban und brachte nun für den angezählten Ahiandjipe Luca Scheswki. Seine Mannschaft sollte richtig gut aus der Pause kommen und ein anderes Gesicht zeigen. Nun war es der Auftritt einer echten Spitzenmannschaft, die sich über rechts nach vorne spielte und durch den auffälligen Luke Pantas (50.) verkürzten. Es war genau der Start, den sich die Gäste vorgestellt haben, während Eichholz nicht gut aus der Kabine kam. Nach einer Stunde sollte es dann allerdings die Mega-Chance für die Heimelf geben, als der Ball zu Hamer kam, doch dieser den Ball völlig freistehend am Tor vorbeischoss. Da war mehr drin und auf der anderen Seite sollte sich Veysi Kurt (65.) mal ein Herz fassen und aus der Distanz zum Ausgleich treffen. Das Momentum war nun voll auf Seiten der Lauenburger gekippt, die sich den Treffer durch eine klare Steigerung zur ersten Hälfte verdienten.

War der Ball hinter der Linie?
Eichholz sollte sich allerdings etwas schütteln und nach einer Ecke von der linken Seite durch Jannes Weist (68.), der am zweiten Pfosten einköpfte, wieder in Führung gehen. Der Treffer kam aus dem Nichts, doch dem Gegner den Stecker gezogen haben die Lübecker keineswegs. Thorge Schlüter sollte zunächst an Pour scheitern und nur kurz darauf erneut im Fokus stehen. Es war der Aufreger des Tages, denn nach einer Ecke der Gäste köpfte der Mittelfeldspieler den Ball aufs Tor, doch der Ball wurde wieder geklärt. Dies allerdings hinter der Linie. Der Ball war nach Angaben einiger Beteiligter hinter der Linie, doch der Linienrichter, der freie Sicht hatte, sollte es nicht sehen. Sehr zur Aufregung der Gastmannschaft, die unmittelbar nach dieser Situation in einen Konter lief, den Henry Michels (70.) zum 4:2 vollendete. Nun herrschte großer Ärger beim Verbandsligaabsteiger, dem das 3:3 verwehrt blieb und stattdessen mit der nächsten Aktion, keine 20 Sekunden später, den vierten Gegentreffer bekam. Es war die Szene des Spiels, die für große Diskussionen sorgte.

Pour ist zur Stelle – Özkaya macht alles klar
Somit waren es nun also wieder zwei Tore Rückstand für GWS, das mehrfach den Anschluss liegenließ. Sowohl Schlüter als auch Kurt scheiterten an Pour. Auf der anderen Seite wurden die Lücken durch das eingegangene Risiko der Gäste größer, sodass Ole Rüdiger die Vorentscheidung verpasste. Die Nachspielzeit brach an und Siebenbäumen versuchte es irgendwie nochmal ranzukommen, doch vergeblich. Stattdessen sollte mit der letzten Aktion des Spiels Muhammed Özkaya (95.), der aus der Altherren reaktiviert wurde, den Ball zum 5:2 über die Linie drücken. Der Sieg der Eichholzer war perfekt und auch wenn er einen bitteren Beigeschmack hatte, sollte dieser nach 90 Minuten nicht unverdient sein. Die erste Hälfte ging an die Lübecker, die dort verdient führten und nach der Pause hatte die Zweitvertretung das Spielglück mehr auf ihrer Seite. So klettert Eichholz an den Grün-Weißen vorbei an die Tabellenspitze mit zwei Punkten Vorsprung auf den jüngsten Gegner. Dass dieser Sieg am Ende deutlich zu hoch ausfiel, sah auch ESV-Coach Stephan Lindhoff so. Er sagt gegenüber HL-SPORTS: „Geiler Sieg im Topspiel. Erste Halbzeit sind wir gut im Spiel und gehen mit einer verdienten Halbzeitführung in die Pause. Nach dem Seitenwechsel zeigt Siebenbäumen ihr Klasse und kommt verdient zum 2:2 Ausgleich. Aus dem Nichts machen wir das 3:2. Das Spiel bleibt weiterhin offen. Mit dem 4:2 bekommen wir ein wenig Ruhe ins Spiel und machen kurz vor Ende das 5:2. Das Ergebnis ist definitiv zwei Tore zu hoch. Jedoch fragt da morgen keiner mehr nach. Fußballerisch kein Leckerbissen, aber wir haben heute mit Leidenschaft und Herz gespielt und sind nicht der unverdiente Sieger. Siebenbäumen weiterhin viel Erfolg.“

Die Tabelle in der Kreisliga Süd
| 1. | Eichholzer SV II | 12 | 52 : 26 | 27 |
| 2. | TSV Kücknitz | 12 | 36 : 19 | 26 |
| 3. | Siebenbäumen | 12 | 41 : 18 | 25 |
| 4. | SGWSS | 12 | 36 : 22 | 21 |
| 5. | Breitenfelde/Mölln | 13 | 31 : 22 | 20 |
| 6. | TSV Travemünde | 11 | 24 : 15 | 20 |
| 7. | VfL Rethwisch | 13 | 29 : 29 | 20 |
| 8. | TSV Zarpen | 13 | 33 : 33 | 19 |
| 9. | TSV Schlutup | 10 | 24 : 23 | 16 |
| 10. | Lübeck 1876 | 12 | 19 : 24 | 16 |
| 11. | ATSV Stockelsdorf | 14 | 26 : 52 | 16 |
| 12. | SV Fortuna St. Jürgen | 13 | 30 : 32 | 14 |
| 13. | SV Azadi Lübeck II | 12 | 25 : 33 | 13 |
| 14. | Ratzeburger SV II | 12 | 23 : 32 | 12 |
| 15. | Krummesser SV | 12 | 16 : 52 | 6 |
| 16. | SV Viktoria | 11 | 17 : 30 | 5 |








