Lübeck – Kälte, Sonne und eine leichte Brise sind für den Start in den Dezember angesagt: Es scheint also alles gerichtet zu sein für das Kult-Event des Segel-Winters. Beim Lübecker Yacht-Club steigt am Sonnabend, 1. Dezember, das Goldene Jubiläum des Eisarsch.

Seit 50 Jahren zwängen sich gestandene Seeleute in Kinderboote, um sich mit viel Leidenschaft für den Segelsport und großer Leidensfähigkeit nicht nur kalte Füße zu holen, sondern auch mit allem Ehrgeiz um die wohl eigenwilligste Trophäe des deutschen Segelsports zu kämpfen: den Eisarsch!

Zum goldenen Jubiläum der Oldie-Opti-Regatta haben sich über 60 Steuerleute – allesamt dem strengen Reglement entsprechend männlich und über 25 Jahre alt – angemeldet. Darunter die Stars dieser besonderen Szene. Denn Opti-Segeln mit einem Körpergewicht jenseits der 70 kg und einer Größe von mehr als 1,70 m fordert schon einiges Geschick, um das viel zu kleine Sportgerät sicher über den Parcours zu bewegen.

Titelverteidiger Matthias Düwel hat natürlich gemeldet. Und der Hamburger ist bestens in Form. Vor zwei Wochen hat er die Kalte Kanne gewonnen – das Eisarsch-Pendant auf der Alster in Hamburg. Hartnäckige Konkurrenten werden Sven Kruse (Hamburg) und Ingo Hüter (Lübeck) sein. Kruse ist der Rekordsieger des Eisarsch und hofft nun, seinen fünften Sieg auf der Wakenitz landen zu können. Hüter gewann 2014 den Eisarsch. Beide haben sich ebenfalls mit Top-Platzierungen bei der Kalten Kanne in Fahrt gebracht.

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Aber es lauern auch viele weitere Eisarsch-Spezialisten auf ihre Chance. Bernhard Krüger (Lübeck) gewann 1983 als Jugendlicher die Deutsche Meisterschaft der Optimisten, hat dann als Erwachsener bereits zweimal (2001 und 2007) den Eisarsch-Pokal ergattert und will nach ein paar Jahren Pause jetzt wieder mitmischen. Meno Bülow (Lübeck) hat sich ebenfalls zweimal als Sieger in die Liste eingetragen: 1997 siegte er auf dem Wasser, 2016 gewann er den Gummistiefel-Weitwurf. Vor zwei Jahren musste das Rennen wegen Eisgangs und Nebel mit einer Ersatzveranstaltung an Land ausgetragen werden. Aber vielleicht schlägt ja auch die Stunde der wahren Oldies. Ulrich Weidner (Lübeck) wirft als 70-Jähriger nicht nur jahrezehntelange Segelerfahrung in die Waagschale, sondern zeigte mit seinem Eisarsch-Sieg 1994, dass er im Opti schnell unterwegs ist. Sein Teamkollege vom Lübecker SV, Günther Wulf, ist zwei Jahre älter und steht seit 1981 in der Eisarsch-Siegerliste.

Dass der Eisarsch eine Leidenschaft fürs Leben ist, beweist Joachim Rohdjeß. Der Segler des gastgebenden LYC gewann vor 40 Jahren (1978) das erste Mal die Trophäe und wiederholte 1983 den Erfolg. Inzwischen ist er 80 Jahre jung und damit noch immer nicht zu alt für den eiskalten Spaß. Im Alter übertroffen wird Rohdjeß allerdings von einem Schwartauer: Volkhard Kreth geht als ältester Teilnehmer mit 82 Jahren an den Start.

Von Seite des ausrichtenden Lübecker Yacht-Club wird das Ereignis mit höchstem Engagement und größter Kompetenz vorbereitet. Die Männer der ersten Stunde bringen sich in das Jubiläums-Event ein: Michael Hanke hat bereits eine Chronik erstellt, die zum Eisarsch ausliegen wird. Charly Brüser wird das Rennen auf „Onkel Bräsig" begleiten. Das schmucke und beheizte Motorboot wird Fotografen und Kameraleuten bereitstehen. Charly Brüser wird als Kenner der Szene gern Rede und Antwort stehen.

Für beste Stimmung auf dem Club-Areal des LYC an der Wakenitz ist gesorgt: Von der Steuermannsbesprechung um 13 Uhr bis zur Siegerehrung gegen circa 16.30 Uhr wird live Jazz-Musik von und mit den Hamburger und Lübecker Jazzern Ralf Böcker (Saxofon, Klarinette und Vocals), Kay Franzen (Piano), Martin Bergmeier (Drums) und Kai Stemmler (Bass) gespielt. Für das leibliche Wohl ist gesorgt und auch „vitaminhaltige" Getränke in heißer und kalter Form.

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