Bleibt auch in schwierigen Zeiten fokussiert: Madeline GIeseler (TSV Siems)
Bleibt auch in schwierigen Zeiten fokussiert: Madeline GIeseler (TSV Siems)

Lübeck – Sie ist Deutschlands beste Viertliga-Torjägerin und eine Garantin für die souveräne Tabellenführung des TSV Siems in der Frauen-Oberliga. Doch die sportlichen Ambitionen von Madeline Gieseler wurden erst einmal gebremst. Der Sport ruht und gleichzeitig hat TSV-Coach Kambiz Tafazoli vor ein paar Wochen bekanntgegeben, dass Siems auf den Aufstieg in die Regionalliga verzichten muss. Dennoch hat sich Gieseler zum TSV bekannt und wird in der kommenden Saison weiter die Fußballschuhe am Krummen Weg schnüren. Zu dieser Gelegenheit sprachen wir mit der 26-jährigen angehenden Lehrerin über ihren sportlichen Werdegang, über ihre sportlichen Ziele mit Siems und Training in Corona-Zeiten.

Die fußballlose Zeit nervt

Madeline Gieseler, die wichtigste Frage vorweg: Wie geht es dir?
Mir geht es gut soweit.

Corona hat uns fest im Griff. Wie verläuft dein Leben aktuell?
Das Meiste spielt sich im Haus ab. Da die Schulen aber eine Notbetreuung eingerichtet haben, bin ich in der Regel mehrmals wöchentlich dort. In der kommenden Woche habe ich allerdings komplett frei.

Und sportlich? Wie bei allen anderen ist das gemeinsame Training ja aktuell Tabu. Habt ihr denn Trainingspläne bekommen? Oder war dein Trainer Kambiz Tafazoli zu faul dazu?
(lacht) Einen konkreten Trainingsplan haben wir nicht. Aber faul ist Kambiz keineswegs. Ansonsten halten wir uns alle individuell fit. Mehr als Laufen und ein bisschen „Hebewerk“ ist nicht drin. Der Ball fehlt schon sehr.

Du könntest doch dein „Homework“ für Instagram oder YouTube aufnehmen.
Ich glaube, das will keiner sehen. (lacht)

Nervt die fußballose Zeit?
Oh ja, total. Nicht kicken zu können, ist sehr schlimm. Vor allem, wenn man so gut drauf ist wie wir. Aber die allgemeine Gesundheit geht nun mal vor. Von daher habe ich Verständnis, dass die Saison unterbrochen ist.

Viel Vertrauen vom Verein

Wie ist denn Kambiz als dein Trainer so?
Er macht das richtig gut! Er hat viele Ideen, versucht uns besser zu machen und weiß genau, wie er uns ansprechen muss, um nochmal ein paar Prozent mehr aus uns heraus zu kitzeln. Er ist menschlich und fachlich einfach top.

Jetzt hatte er vor wenigen Wochen aber die schlechten Nachrichten, dass ihr -trotz der wahrscheinlichen Meisterschaft- nicht in die Regionalliga aufsteigen werdet. Zu deinem Leidwesen kennst du das ja schon aus Ratekauer Zeiten. Wie gehst du damit um?
Die Nachricht war in der Tat nicht schön und wenn man Meister wird, dann will man auch aufsteigen. Aber man muss die Vereine auch verstehen: was nicht geht, geht nicht! Aber der große Unterschied zu Ratekau ist, dass der Gesamtverein ganz anders hinter der Frauenmannschaft steht. Da ist ein ganz anderes Vertrauen da.

Ist das der Grund, dass du auch in der kommenden Saison in Siems spielen wirst?
Definitiv. Wir können und wollen sportlich die dritte Liga erreichen. Dazu fühle ich mich in der Mannschaft ungemein wohl und bin hier letzten Sommer super aufgenommen worden. Da gibt es überhaupt keinen Grund, woanders hinzugehen.

Da klingt so durch, als wäre es in Ratekau nicht immer so gut gewesen.
Die letzten Monate waren zugegebenermaßen schwierig, weil es nicht so lief und es auch mit dem Verein nicht immer einfach war. Wenn es dann sportlich nicht so läuft, kommt vieles zusammen. Aber insgesamt war es eine großartige Zeit und erfolgreich waren wir ja auch.

Eine Mannschaft: der TSV Siems bejublt einen Gieseler-Treffer (Foto: Raasch/Lobeca)
Eine Mannschaft: der TSV Siems bejublt einen Gieseler-Treffer (Foto: Raasch/Lobeca)

Gieseler bereut abgelehnte Angebote nicht

Apropos erfolgreich: wir können uns an dein Sportlerportrait aus 2018 erinnern, in dem du davon träumst, nochmal höherklassig zu spielen. Jetzt hast du seit 2017 96 Oberliga-Tore geschossen. Da wird doch sicherlich der eine oder andere Verein angeklopft haben.
Angebote gab es, das stimmt. Aber letztlich hat es irgendwie nicht gepasst. Vor allem bin ja damals aus Bremen weggegangen, um mich auf meine berufliche Zukunft vorzubereiten. Und die Prioritäten haben sich nicht verschoben. Ich bin jetzt in meinem Referendariat. Von daher ist die Priorität klar.

Wirst du es irgendwann bereuen, nicht nochmal die Chance ergriffen zu haben?
(überlegt kurz) Nein, ich denke nicht. Ich habe mich vor mehreren Jahren für das Studium entschieden. Warum sollte ich das nun anders machen? Das passt so! Und mit Siems spielen wir hoffentlich 2021 eine Liga höher.

Meisterschaft wichtiger als Tore

Im Vorwege sprachen wir darüber, dass du unter den Top-5-Oberliga-Torjägerinnen bundesweit bist. Was glaubst du, auf welchem Platz stehst du?
Gute Frage, aber ich weiß es nicht.

Gemeinsam mit Kira Buller vom TuS Schwachhausen (Bremen) stehst du mit 29 Toren an der Spitze. Bedeutet dir das etwas? Oder interessiert es dich gar nicht?
Es wäre gelogen, wenn es mich nicht stolz machen würde. Aber ansonsten interessiert mich das nicht. Ich schaue das auch nicht ständig nach. Warum auch? Mir ist das persönlich auch egal, wie viele Tore ich schieße. Hauptsache die Mannschaft ist erfolgreich!

Also lieber einen weiteren Meisterschaftspokal in der Vitrine als eine Torjägerkanone?
Genauso ist es. Und lieber schieße ich ein paar Tore weniger, wenn wir im Gegenzug aufsteigen.

Madeline Gieseler, vielen Dank für das nette Gespräch. Bleib gesund!

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