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Lübeck – Unter der Woche traf sich HL-SPORTS mit Frank Barthel (Foto links, neben HL-SPORTS- Redakteur Kurt Biester), dem neuen Sportlichen Leiter der HSG Ostsee Neustadt/Grömitz, zu einem Interview. Thema waren die aktuelle Situation und die Außendarstellung des Drittligisten.

HL-SPORTS: Hallo Frank, kannst du kurz erläutern, was deine Hauptaufgaben als Sportlicher Leiter bei der HSG sind?

Frank Barthel: Eingestiegen bin ich bei der HSG mit der Initialzündung, dass für Tiffy Schlegel – er hat ja leider hingeworfen – ein neuer Trainer gesucht wurde. In diesem Zusammenhang kam die HSG auf mich zu und hat angefragt, ob ich nicht bei der Suche helfen könnte. Da ich die Situation bei der HSG schon seit dem vergangenen Jahr verfolge – da mein Sohn Yannik dort aktiv ist – brauchte ich nicht lange überlegen und habe Mike Enke zugesagt. Ich habe festgestellt, dass es viele handballbegeisterte Menschen bei der HSG gibt, wobei die Strukturen im Hintergrund nicht mitgewachsen sind. Durch meine Erfahrungen bei den „Raubmöwen“ und dem VfL Bad Schwartau will ich dieses bei der HSG vorantreiben.

HL-SPORTS: Du bist also für das gesamte sportliche Umfeld verantwortlich?

Frank Barthel: Ich habe Tobias Schröder als Trainer geholt und im Vorwege meine Vorstellungen mit den Gesellschaftern abgesprochen. Dabei hatte ich meine bestimmten Vorstellungen, wen ich holen möchte. Es sollte jemand sein, der zu der jungen Mannschaft passt und sie weiter entwickeln kann. Nun müssen wir eben sehen, dass es auch zum Rollen kommt.

HL-SPORTS: Das schließt sich die nächste Frage an: Der Trainerwechsel vor zwei Spielen – er hatte einen guten Einstand. Gibt es für die Mannschaft noch neue taktische Ausrichtung, an die sie sich erst gewöhnen muss?

Frank Barthel: Es wird sich sicherlich etwas ändern, aber Tobi muss sich da nun erst einmal reinfinden. Adam (Adam Swoboda, Anm. d. Red.) hat einen Riesenjob gemacht, als „Tiffy“ (Stephan „Tiffy“ Schlegel) sagte, er kann es nicht mehr, war er sofort da. Er hat die Jungs so gut erreicht, dass wir vier Siege mit Adam einfahren konnten. Doch jetzt geht es darum die nächsten Schritte zu machen und zu schauen, wo wollen wir hin. Wichtig war auch, dass Adam und Tobi als Trainergespann zusammenpassen. Adam ist auch in der Lage die Mannschaft einmal Alleine zu führen, jetzt hoffen wir auf eine gute gemeinsame Weiterentwicklung der Mannschaft.

HL-SPORTS: Nach jetzt zwölf Spielen steht ihr mit 8:16 Punkten auf Platz 14, gegenüber dem Vorjahr mit 7:17 und Platz 13. Liegt die HSG damit in den Erwartungen trotz der heftigen Spiele zu Beginn der Serie?

Frank Barthel: Wir sehen uns da voll im Soll und schielen im Grunde ein bisschen auf die Rückrunde, haben in der Hinserie einige Spiele unglücklich liegen lassen, da wollen wir uns die Punkte in den Rückspielen holen. Magdeburg und Bernberg zu Anfang, da kannst du was mitnehmen. Vielleicht musst du da auch was mitnehmen, aber am Ende hat es zum Sieg in Altenholz gereicht und wir haben die Füchse niedergerungen. Das ist eigentlich viel wichtiger zu sehen, die Jungs hauen sich da rein, Emotion und Engagement ist da. Da haben wir sicherlich mehr Potential wie die anderen Teams und das müssen wir jetzt umsetzen.

HL-SPORTS: Wie seht ihr euren Einlauf am Ende der Saison?

Frank Barthel: Das kann ich jetzt ganz schlecht einschätzen, da ist so viel Musik drin. Das Feld in dieser Saison ist sehr eng und die Liga ist immer für Überraschungen gut. Ich glaube eigentlich, auch mit dem Zugang von Max Mißling, dass wir so viel Qualität haben, dass es für den Klassenerhalt reichen muss.

HL-SPORTS: Du hast Max Mißling als bisher einzigen Linkshänder im Rückraum verpflichten können. Er hatte einen blendenden Einstand mit fünf Treffern im ersten Spiel. Wie konntest du ihn überzeugen, dass er zu euch kommt?

Frank Barthel: Das ist eine längere Geschichte. Ursprünglich hatte Adam dieses einmal initiiert, weil er da ein Auge draufhatte, dass Max in Hildesheim nicht zum Einsatz kam. Auch aus den Spielerkreisen kamen die gleichen Rückmeldungen. Wer Max kennt – ich kenne ihn sehr gut, er hat mit Yannik beim VfL zusammen gespielt – der weiß, er hat immer Bock und will Handball spielen. Es passte trotz guten Vertrages in Hildesheim nicht, somit konnten wir uns auch finanziell einigen, da er auch wieder zu Hause wohnt. Ihm war auch wichtig Spielzeiten zu bekommen, was er bei uns als einziger Linkshänder im Rückraum bekommen wird. Weiterhin steht im Raum einen Kooperationspartner zu finden, wo so Talente wie Mißling auch eine weitere Perspektive finden können. Da wäre sicherlich der VfL Bad Schwartau als die Nummer eins der Region für uns als Nummer zwei ein attraktiver Partner. Die Jugendlichen des VfL hätten bei uns eine Möglichkeit weitere Spielpraxis zu erlangen. Das wäre eine denkbare Win-Win-Situation für beide. Aber dazu bedarf es noch vieler Gespräche.

HL-SPORTS: Habt ihr noch ein Backup für Max im Rohr?

Frank Barthel: Konkret für diese Saison nicht, aber für die kommende plane ich ja schon, ohne eine konkrete Personalie zu nennen. Na klar müssen wir schauen, dass wir da jemanden finden, der Max auch entlasten und gegebenenfalls vertreten kann. Das muss die Zielsetzung sein und daran arbeite ich, dass wir jede Position doppelt besetzt haben.

HL-SPORTS: Wie sieht es denn zuspruchstechnisch in der Region aus? Seid ihr zufrieden? Geht da noch mehr? Wie ist die Stimmung in der Halle?

Frank Barthel: Das ganze Konstrukt Neustadt/Grömitz ist natürlich auch ein bisschen fragil, wenn du zwei Vereine in ein Boot holst, hast du immer gewisse Spannungsfelder. Ich will jetzt Mal sagen, das ist völlig normal. Das hält sich alles im Rahmen und wir haben da schon die eine und andere Geschichte, wo wir mal rum diskutieren müssen. Da ist meine Person natürlich im Moment so ein bisschen heilsam oder ausgleichend, weil ich weder Grömitz und auch nicht Neustadt bin, sondern ich bin Handball. Ich glaube, wir können diesen Einzugsraum für uns aber auch intensiver erschließen. Es ist eine völlig eigene Veranstaltung, also Ostholstein, Eutin, Neustadt, Grömitz. Dieser ganze Teil der Lübecker Bucht ist für uns einfach greifbar. Alles was da so auf der linken Seite oder auf der oberen Seite der Lübecker Bucht ist, da können wir auch so einige für uns ins Hinterland befördern. Aber das müssen wir erst einmal tun. Das habe ich auch schon in der vergangenen Saison gesehen, da passiert nicht so viel. Das wissen die Beteiligten auch nicht und können es auch teilweise nicht leisten, weil sie es sich nicht erarbeiten können, sie haben nicht so viel Zeit. Wir haben jetzt einen Email-Newsletter auf unsere Homepage gebracht, einfach um die Leute noch einmal direkt anzusprechen. Wir werden die Homepage jetzt auch noch einmal auf links drehen, um da auch Dinge noch einmal technisch nach vorne zubringen. Das Merchandising ist ein Thema, da müssen wir Mal sehen. Wir müssen jetzt erst einmal an Sichtbarkeit arbeiten und deswegen ist es toll, wenn ich hier bei euch Mal ein Interview geben kann, toll wenn ich bei Radio Lübeck Mal was sagen darf, damit die HSG Ostsee einfach da ist und das die Leute es merken, dass wir da sind.

HL-SPORTS: Das fliegt ihr aktuell noch ein bisschen unter dem Radar?

Frank Barthel: Ganz genau, und vereinsintern – ich kenne das ja nur zu gut von den Raubmöwen – was waren das für Grabenkämpfe, die ich da ausgetragen habe. Das ist in jedem Verein so, wo du Breitensport gegen Spitzensport stellst. Beides braucht sich, aber das ist immer ganz schwierig, das auf eine Linie zu bringen. Das ist im Übrigen aber auch – das kann man gerne einmal so sagen und das weiß ich auch zu beurteilen – beim VfL Bad Schwartau nicht so. Da ist der Breitensport auch zu 100 Prozent der 1. Herren, der A-Jugend und so weiter zugetan – die spielen alle dahin und es ist wie eine Pfeilspitze. Da hast du diese Reibungsverluste nicht und musst du dich nicht mit auseinandersetzen. Das ist für die eine ganz wichtige Geschichte.

HL-SPORTS: Was kannst du aus deiner Zeit bei den Raubmöwen und dem VfL in die HSG transportieren? Geht das überhaupt?

Frank Barthel: Vielleicht kann man ein paar Sachen transportieren. Was wir gerade gesagt haben, Leistungssport und Breitensport. Das sehe ich natürlich ganz deutlich, dass du da diese Spannungsfelder hast und das versuche ich einfach mit auszugleichen. Das wir da dem Breitensport auch erklären, wir brauchen auch mal eine Hallenzeit mehr oder wir brauchen halt auch ein bisschen Geld mehr. Das brauchen wir eben, aber das muss man den Leuten auch erklären. Ob es verstanden wird, ist eine andere Sache, aber man muss darüber sprechen und versuchen, dass man alle abholt. Das ist in Neustadt schon ganz gut, weil der Hauptverein drinnen ist. Auch in Grömitz ist der Hauptverein in der HSG mit drin und die bringen sich da auch aktiv ein. In Neustadt gibt es noch einen Förderverein, der spielt da noch eine Rolle und das alles unter einen Hut zu kriegen ist ganz okay. Aber wichtig ist für uns – das habe ich bei den Mädels auch gemacht, die hießen Raubmöwen – das weiß heute noch jeder, dass die HSG eine ähnliche Marke werden muss. HSG muss als Marke erkannt werden. HSG Ostsee muss in aller Munde sein. Es gibt noch keine Idee, da denke ich noch drauf rum, hatte schon Mal so ein paar Sachen geguckt, aber ich weiß eben noch nichts Konkretes. Ich weiß nur, dass wir da noch ganz viel Luft nach oben haben. Dass die Leute da sind, das muss man einfach einmal sagen, auch für den Hintergrund. Früher waren Thomas Knorr und Roland Dieckmann. Die haben das vorangetrieben und waren die Macher. Mit Andreas Brüßhaber hat die HSG das gut gelöst. Roland hatte auch eine berufliche Veränderung und konnte nicht mehr so, wie er sollte. Und da fehlten dann die beiden Macher. Dann haben sich einfach fünf Leute bei Mike Enke im Büro getroffen und gesagt: Was machen wir denn jetzt? Es soll sich nicht in Wohlgefallen auflösen. Wir gründen eine Spielbetriebs-UG und schauen, was wir hinkriegen mit den Möglichkeiten, die uns gegeben sind. Und das muss man Mal sagen: da muss man den Hut vor ziehen – vor den Leuten, die gesagt haben: ich bin dabei. Auf meinen Zettel, den ich in die erste Besprechung rein gegeben habe, stand: wir spielen in der 3. Liga, damit das auch jeder einfach verinnerlicht, wo wir da eigentlich zu Gange sind. Das wird einfach auch unter Wert verkauft und das müssen wir den Leuten mit an die Hand geben. Wenn wir das schaffen gut zu transportieren, dann verstehen die Neustädter und Grömitzer auch viel mehr, was wir da eigentlich machen und warum. Warum ist das gut, dass mein Kind jetzt in dieser Minimix spielt? Den Zusammenhang müssen wir herstellen und da müssen wir einfach dran arbeiten.

HL-SPORTS: Zu den Hallen für die Heimspiele, gibt es da irgendeinen Schlüssel für die Verteilung ob in Neustadt oder Grömitz?

Frank Barthel: Nein, erst sollten alle Heimspiele nur in Neustadt stattfinden. Die Halle dort wird nicht nutzbar sein, da sie aufwendig und komplett umgebaut wird. Da gehen mehrere Millionen rein, was den Umbau angeht. Gut für die kommende Saison, aber ab Januar ein echtes Problem. Die Spiele ab diesem Zeitpunkt sind alle in Grömitz. Das geht nicht anders. Wir müssen auch Hallenzeiten neu organisieren, da eigentlich die Information war, dass Trainingsbetrieb weiter in Neustedt stattfinden könnte. Es hat sich aber herausgestellt, dass es doch nicht so ist.

HL-SPORTS: Vielen Dank für den ausführlichen Einblick und die Transparenz und vor allem viel Erfolg.