Yannik Franke war erneut bester Werfer der Hamburg Towers.
Foto: Lobeca/Kaben

Hamburg – Gegen das Überraschungsteam soll eine Überraschung her. Was vor der Saison vermutlich als Kellerduell verortet worden wäre, ist nun ein Aufeinandertreffen unter anderen Vorzeichen. Denn die HAKRO Merlins Crailsheim, die die Hamburg Towers am Sonntag, 19. Januar, empfangen, sind auf dem besten Weg, die Cinderella-Story dieser Spielzeit zu schreiben. Sprungball in der atmosphärischen Arena Hohenlohe, die unter anderem für Rinderauktionen genutzt wird, ist um 15 Uhr.

Im Vorjahr erst am finalen Spieltag auf dramatische Weise den Klassenerhalt gesichert, finden sich die Merlins (9:5 Siege) urplötzlich auf dem fünften Platz wieder. Und das völlig verdient. Keine erweiterte Metrik weist darauf hin, dass es sich lediglich um eine außergewöhnlich lange Glückssträhne handelt. Fünfbestes Offensiv-Rating (116,9 Punkte pro 100 Angriffe), sechstbestes Defensiv-Rating (109,2), fünftbestes Net-Rating (7,7) – und Letzteres mit großem Abstand vor der restlichen Konkurrenz. Ein Playoff-Einzug der Auswahl der finnischen Trainer-Brüder Tuomas und Jonas Iisalo ist derzeit wahrscheinlich. Die Baden-Württemberger reiten schon wieder auf einer Erfolgswelle von drei Siegen in Folge, darunter zuletzt einem eindrucksvollen 73:69 gegen Brose Bamberg.

Ein Erfolgsfaktor:

Keine Mannschaft der easyCredit Basketball Bundesliga nimmt mehr Dreier pro Begegnung. Angeführt werden die Zauberer von Forward Javontae Hawkins (16,9 Punkte pro Spiel) sowie ihrem enorm verbesserten Kapitän, dem Deutsch-Chilenen Sebastian Herrera (13,5 PpS/48,5 Prozent Dreierquote). Dazu verfügen sie über vielseitige Leistungsträger wie Jeremy Morgan (12,6 PpS), DeWayne Russell (11,5 PpS/6,1 Assists pro Spiel), Aaron Jones (11,1 PpS) sowie Quincy Ford (10,9 PpS/6,0 Rebounds pro Spiel).

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„Die Merlins spielen fantastisch. Ihr Style ist einzigartig in der BBL. Er ist wahnsinnig schnell, basiert auf kleinen, aber enorm athletischen Formationen, in denen jeder Spieler eine hohe Qualität im Eins gegen Eins besitzt. Wenn es uns gelingt, ihnen die Transition wegzunehmen, und wir auf den defensiven Druck vorbereitet sind, ändert sich die Struktur des Duells jedoch“, sagt Towers-Cheftrainer Mike Taylor, der sich bereits auf die Stimmung im zweitkleinsten BBL-Standort (32000 Einwohner) freut. „Das Coole an der deutschen Liga ist, dass sie auch diesen kleinen Städten, in denen die Menschen Basketball wie verrückt lieben, eine Heimat gibt.“

Kleine Städte, kleine Sorgen. Große Städte, große Sorgen.

Denn der Gesundheitszustand von Flügelspieler Malik Müller bereitet den Wilhelmsburgern Kopfzerbrechen. Nachdem der 25-Jährige seinen Bänderriss nahezu auskuriert hatte, erlitt er einen Rückschlag und fällt nun auf unbestimmte Zeit aus. Immerhin ist Yanna Franke nach fünftägiger Pause wegen einer Ohrenentzündung, die eine Antibiotika-Kur verlangte, wieder ins Training eingestiegen und wird am Sonntag einsatzbereit sein. Abgesehen davon, dass seine Akteure ihre Blessuren auskurieren konnten, ist Taylor kein großer Fan der einwöchigen Pause gewesen. „Es ist schwierig, im Rhythmus zu bleiben.“ Dagegen arbeitete der Aufsteiger unter anderem mit regelmäßigen teaminternen Testspielen an. Dazu wurde das System vertieft, „um Spieler in Positionen zu bringen, in denen sie erfolgreicher sind.“

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