Foto: Fishing4/Marcel Krause

Hamburg – Es war der Weihnachtswunsch von Mike Taylor, dass seine Hamburg Towers beweisen, gegen ein Spitzenteam der easyCredit Basketball Bundesliga konkurrenzfähig zu sein. Über weite Phasen der Partie gegen ALBA BERLIN verpackten ihm seine Spieler ein Geschenk in Silberpapier. Das nächste Mal sollte sich der Cheftrainer vielleicht einen Sieg wünschen, denn trotz einer der besten Leistungen der Saison ging die Begegnung mit 75:100 (62:74, 47:52, 22:30) verloren.

Gegen die das dritte Spiel in fünf Tagen absolvierenden Berliner setzte Taylor in Abstinenz von Malik Müller (Bänderdehnung) und Kevin Yebo (Erkältung) zu Beginn auf Jorge Gutierrez, Yanna Franke, Michael Carrera, Beau Beech und Prince Ibeh. Dem Rivalen war von Müdigkeit zunächst aber nichts anzusehen, stattdessen warf er sich direkt eine 8:0-Führung (3. Minute) heraus. Und die schmolz auch nach der Auszeit nicht. Im Gegenteil: Rokas Giedraitis erhöhte auf 11:0. Erst dann fanden die Towers ein Mittel gegen die extreme Spannweite der Albatrosse: Penetration zum Korb. Vor allem Gutierrez verantwortete das kurze Zwischenhoch (10:16/6.) Es sollte nicht das einzige bleiben, doch die Gäste beherrschen die Kunst, das Kick-Down-Pedal immer dann anzutippen, wenn der Vorsprung zu gering zu werden scheint. So gingen sie mit einem 30:22 ins zweite Viertel.

Hier drückten nun aber die Gastgeber vor Augen ihres begeisterten Publikums aufs Gas. Ein Resultat der außerordentlich guten Dreierquote: sechs der ersten neun Versuche zappelten im Netz (30:33/13.). Allerdings war der Tabellendritte in dieser Beziehung auf Augenhöhe. Ein 7:0-Run binnen 70 Sekunden vernichtete die vorübergehenden Hoffnungen auf den Ausgleich (30:40/14.). Heiko Schaffartzik hielt die Norddeutschen mit drei Dreiern gegen seinen Ex-Klub im Rennen. Auch physisches Spiel und Offensivrebounding waren Erfolgsrezepte. Alles gut, wären da nicht diese Nadelstiche, nein Dolchstöße, der Hauptstädter, die Towers-Läufe immer wieder austrocknen ließen. Dennoch: Zur Pause war das Taylor-Team auf 47:52 dran.

Direkt nach dem Seitenwechsel machte die Mannschaft von Trainerlegende Aito Garcia dann wieder exakt so viel, um entspannt in Führung zu bleiben, in diesem Fall ein 6:0-Run. Doch abermals waren die Wilhelmsburger nicht gewillt nachzulassen. Sie zeigten eine Vorstellung, die einen Werbeclip für das Modewort „resilient“ verdient gehabt hätte. Sei es ein Gutierrez-Dreier, ein Franke-Floater oder ein Ibeh-Dunk – während der zweiwöchigen Spielpause hatte der Aufsteiger offenkundig an seinem Angriff gearbeitet. Die individuelle Qualität von ALBA war jedoch hoch. Zu hoch, um den Vize-Meister ernsthaft ins Schwitzen zu bringen. Vor dem Schlussviertel war der Rückstand wieder auf 62:74 angewachsen.

Dieser Trend setzte sich fort. Anstatt der überspielten Berliner wurden die Towers müde. Das Resultat wuchs an und ließ die Leistung der Hansestädter somit schwächer wirken, als sie tatsächlich war. Letztlich war die Klasse des Euroleague-Teilnehmers zu überwältigend. Die 3400 Zuschauer in der ausverkauften edel-optics.de Arena schienen dennoch ihren Spaß zu haben: Die Towers-Fans erfreuten sich an spektakulären Aktionen von Ibeh, die Anhänger der Gäste feierten und sangen ohnehin die kompletten 40 Minuten.

In die Loblieder stimmte Taylor bei der Pressekonferenz ein: „Wir haben alles gegeben, aber die Effizienz von Berlin war auf einem anderen Niveau. Jeder unserer Fehler wurde bestraft. Das war heute eine Prüfung für unsere Mannschaft. Mit dem Videomaterial werden wir sehr viel anfangen können. Wie wir uns im zweiten Viertel zurückgekämpft haben, macht mich zufrieden, es war eine gute Leistung, aber am Ende ist Berlin eine Klasse besser.“

Hamburg Towers: Franke (14 Punkte), Ibeh (8), Beech (7), Walker (2), Gutierrez (13/5 Assists), Schaffartzik (15), Kindzeka, Freese (2), Hollatz (5 Assists), Carrera (6), Ogunsipe (8).

Viel Zeit, die Weihnachtstage zu genießen, bleibt den Towers nicht. Bereits am ersten Weihnachtstag brechen sich ins Rheinland auf, wo sie am Donnerstag, 26. Dezember, um 15 Uhr von Abstiegskonkurrent Telekom Baskets Bonn empfangen werden.

(PM)

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