Foto: Lobeca/Kaben

Hamburg – Von einer Feel-Good-Story zur nächsten. Das trifft derzeit zwar nicht auf die Hamburg Towers zu, dafür aber auf ihre Gegner. Eine Woche nach dem Duell mit dem Überraschungsteam aus Crailsheim reisen die Wilhelmsburger nun zur BG Göttingen. Die Niedersachsen haben sich in den vergangenen Wochen in die Playoff-Konversation gespielt und gehen als Favorit in die Begegnung am Sonnabend, 7. März, um 20.30 Uhr in der Sparkassen-Arena.

Zu Saisonbeginn als Abstiegskandidat gehandelt und mit sechs Niederlagen in Serie gestartet, ist es dem Vierzehnten der vergangenen beiden Spielzeiten nicht nur gelungen, das Ziel Klassenerhalt überpünktlich zu erreichen, sondern auch mit den Playoffs zu liebäugeln. Es wäre die erste Teilnahme an der Meisterrunde seit dem Wiederaufstieg 2014. Und zehn Siege aus den vergangenen 14 Partien, davon acht aus den vorigen zehn, lassen Trainer Johan Roijakkers – seit 2012 im Amt und damit dienstältester Coach der easyCredit Basketball Bundesliga – berechtigterweise hoffen. Dass punktuelle Erfolge des Euro-Challenge-Gewinners von 2010 keine Eintagsfliegen sind, dürften spätestens die Heimtriumphe gegen ALBA BERLIN und den FC Bayern München bewiesen haben. Zuletzt gewann der Tabellenzehnte (10:10-Bilanz) mit 91:87 im Niedersachsen-Derby bei den Basketball Löwen Braunschweig.

Dominierende Akteure sind Point Guard Kyan Anderson (15,8 Punkte), Center Dylan Osetkowski (12,7 Punkte/6,4 Rebounds), Forward Terry Allen (10,8 Punkte) und allen voran die erfahrene Schweizer Taschenmachete Alex Ruoff (11,3 Punkte//5,1 Rebounds/4,9 Assists/2 Steals). Der Aufschwung der Veilchen begann mit der Nachverpflichtung des 33-jährigen US-Amerikaners.

Was also tun gegen die mannschaftsdienlich angreifenden Universitätsstädter, deren Feldkörben zu 70,6 Prozent ein Assist vorausgeht? Auf höhere Mächte hoffen beispielsweise. In diesem Fall die Liga, die sperrte nämlich den starken Osetkowski aufgrund einer Tätlichkeit im minderschweren Fall im Braunschweig-Match. Göttingen hat allerdings Einspruch eingelegt, eine finale Entscheidung steht aus. Dann bleibt den Norddeutschen also nur, sich auf ihre eigene Spielstärke zu verlassen. Die zeigte sich im ersten Aufeinandertreffen, das geradezu sinnbildlich für die komplette Saison steht, erst im zweiten Durchgang. Zunächst lagen die Towers mit 26 Zählern zurück, arbeiteten sich dann bis auf drei Punkte heran, um letztlich mal wieder knapp mit 87:93 zu verlieren.

Cheftrainer Mike Taylor mag sich nicht an solche Szenarien gewöhnen: „Es liegt nicht in meinem Naturell, lange frustriert zu bleiben. Die Mannschaft hat den gleichen Ansatz gezeigt und in dieser Woche wirklich sehr hart und motiviert trainiert. Für uns ist jetzt jedes Spiel ein Playoff-Spiel. Wir müssen besser darin werden, unsere Emotionen im Griff zu behalten, darüber haben wir gesprochen.“ Ein Besuch im exzellenten Restaurant Fischereihafen am Mittwochabend soll das Teamgefüge zusätzlich stärken.

Es ist jetzt umso wichtiger, denn von nun an muss der Aufsteiger für den Rest der Saison ohne Prince Ibeh auskommen. Der defensivstarke Center wurde am Donnerstagmorgen von Dr. Paul Preisser im Agaplesion operiert. Dabei wurde die Führung einer Sehne im rechten Handgelenk wiederhergestellt. Ibeh kam in 15 Spielen auf durchschnittlich 5,9 Punkte, 4,1 Rebounds und 1,6 Blocks. Ungewiss ist der Einsatz von Backup-Guard René Kindzeka, der umgeknickt ist. Dafür ist Heiko Schaffartzik nach überstandener Wadenverhärtung mit von der Partie, Malik Müller ist ins Training eingestiegen und plant sein Comeback am 15. März gegen Ulm.

Abermals überträgt das Hamburger Ding die Begegnung. Das Public Viewing am Nobistor 16 beginnt um 19.30 Uhr. Der Livestream startet um 20.15 Uhr.

(PM)