Foto: Lobeca/Kaben

Hamburg – Es wird langsam frustrierend. Erneut haben die Hamburg Towers ein enges Match abgegeben, dazu warten sie nach dem 83:86 (62:67, 40:50, 23:30) gegen s.Oliver Würzburg weiter auf den ersten Heimsieg in der easyCredit Basketball Bundesliga. An der tabellarischen Situation auf Platz 15 ändert sich nichts.

Die Drei-Guard-Lineup der Gäste konterte Taylor, der auf den gesperrten Kapitän Beau Beech verzichten musste, mit einer eigenen kleinen Aufstellung um Jorge Gutierrez, Heiko Schaffartzik, Tevonn Walker, Marvin Ogunsipe und Bogdan Radosavljevic. Nachdem er am Freitagabend noch das Musical König der Löwen gesehen hatte, kämpfte Ogunsipe auch direkt wie einer, zerstörte zunächst den Spielfluss der Franken in der Defensive und versenkte dann einen Dreier. Ebenso bissig aus der Distanz zeigte sich Schaffartzik (6:5/4. Minute). Und dann war ganz schnell wieder die Luft raus. Würzburg machte die Lücken in der Hamburger Verteidigung präzise aus und zog per 9:0-Lauf auf 19:10 (6.) davon. Der aufgedrehte Walker gab nach der Auszeit die genau richtige Antwort per rücksichtlosem Drive, der mit einem And-One-Korbleger belohnt wurde. Und unter der Regie von Spielmacher Gutierrez kamen die Towers zurück – nur nie wirklich heran, denn da waren immer wieder diese Dreier (6/7 im ersten Viertel) des Tabellensiebten, die zu einem 23:30-Rückstand führten.

Was die Süddeutschen verwandelten, war mitunter schwer zu glauben. Keineswegs fanden nur offene Dreipunktwürfe ihr Ziel, es störte ebenso wenig, wenn die Hand des Hamburger Verteidigers das Visier versperrte. Erst im zehnten Versuch gab es wieder einen der seltenen Ringtreffer. So ging das bis dato durchaus gute Offensivspiel der Wilhelmsburger etwas unter, sorgte aber immerhin dafür, dass sie in Schlagdistanz blieben. MVP-Kandidat Cameron Wells änderte – selbstverständlich per Dreier – auch diesen Zustand (30:42/15.). Dass Hallensprecher Andreas Lindemeier nach einem Würzburger Treffer nunmehr „für zwei“ besonders betonen musste, war bezeichnend. Ebenso wie der unglücklich vergebene, freie Linkskorbleger von Gutierrez nach vorherigem Ballgewinn (35:48/18.), denn nun schlichen sich auch vorne ärgerliche Fehler ein. Alles Gründe, die das 40:50 zur Halbzeit bedingten.

Besonders Walker wehrte sich nach Kräften. Die routinierten Süddeutschen hatten aber immer noch etwas parat, in diesem Fall eine Ganzfeld-Zonen-Presse, die den Gastgebern zu knabbern gab. Dafür hatten die Hanseaten ihre Hausaufgaben in der Defensive erfüllt und ließen keine weiteren Dreier zu. So kam es, dass Gästetrainer Denis Wucherer auf einen Ogunsipe-Hakenwurf zum 53:60 (26.) per Auszeit reagieren musste – nach der freilich der erste erfolgreiche Wurf des dritten Viertels aus 6,75 Metern folgte. Es war nur ein vorübergehender Befreiungsschlag, denn Hamburg war jetzt am Drücker und zum Viertelende auf 62:67 dran.

Ein spektakulärer Block von Michael Carrera gegen den nur vermeintlich dunkenden Luke Fischer gab den 3400 Zuschauern in der ausverkauften edel-optics.de Arena direkt zu Beginn des Schlussabschnitts einen Grund, weiter lautstark zu unterstützen. Schaffartziks Floater zum 66:69 (33.) einen weiteren. Der Favorit konterte so kaltblütig, wie nur möglich – mit zwei Dreiern, und die Towers suchten ihr Glück nun etwas zu häufig in Einzelaktionen. Radosavljevic brachte mit zwei erfolgreichen Post-Aktionen wieder Ruhe ins Spiel (73:77/37.). Ruhe war hingegen nicht das geeignete Wort für den Zustand auf den Tribünen, nachdem Yanna Franke aus der Ecke weiter verkürzte (77:79/38.). Und, Sie ahnen es, noch weniger, als Schaffartzik sich ein Herz aus der langen Zweierdistanz nahm und zum 81:81 ausglich (39.). Fischer legte per Freiwurf wieder einen vor, im Folgeangriff vergab Gutierrez einen schwierigen Runner. Abermals Freiwürfe für die Gäste, Skyler Bowlin ist zweimal erfolgreich (81:84). 20 Sekunden verbleiben nach einer taylorschen Timeout. Dreier Gutierrez: daneben. Offensivrebound Carrera, Dreier Franke: daneben. Abermals Offensivrebound, diesmal schicken die Franken Schaffartzik an die Linie, der gewohnt zuverlässig ist. Nun müssen die Hausherren foulen, und nachdem Wells auf 86:83 erhöht, verpasst Franke das finale Stoßgebet. Es hat wieder nicht gereicht.

„Die Würzburger Effizienz in der ersten Hälfte war sehr stark, sie haben den Ball bewegt, gut den freien Mann gefunden. Wir haben uns zurückgekämpft, nach dem Seitenwechsel besser verteidigt. Aber das ist die Geschichte dieser Mannschaft: Wir liegen früh hinten, kommen ran, sind aber am Ende nicht geduldig genug. Wir benötigen mehr Konstanz und müssen besser vollstrecken. Sofern das gelingt, bin ich sehr optimistisch“, sagte Taylor.

Hamburg Towers: Franke (11 Punkte), Ibeh (6), Walker (7), Gutierrez (20/7 Rebounds/5 Assists), Schaffartzik (12), Radosavljevic (4), Hollatz (2), Carrera (13), Ogunsipe (8), Yebo.

Der zerrüttete Spielplan der BBL sieht nun abermals eine zweiwöchige Pause vor. Erst am Samstag, 8. Februar, geht es weiter. Und zwar mit dem nächsten Heimspiel. Zu Gast sind die starken MHP RIESEN Ludwigsburg – zu ungewohnter Tip-Off-Zeit um 18 Uhr.