Hamburgs Michael Carrera schaffte mit einer Energieleistung in der 2. Halbzeit fast die Wende
Foto: Lobeca/Kaben

Hamburg – Der erste Heimsieg muss bis zum nächsten Jahr warten. Erneut ist den Hamburg Towers daheim kein Erfolg gelungen. Gegen RASTA Vechta setzte es im Nord-Derby mit 72:79 (60:58, 36:42, 21:12) die sechste Niederlage im sechsten Saisonspiel in der mit 3400 Zuschauern wie immer ausverkauften. edel-optics.de Arena. Dadurch verweilen die Jungs von Cheftrainer Mike Taylor auf dem 15. und drittletzten Tabellenplatz der easyCredit Basketball Bundesliga.

Schon lange vor dem Tip-Off mussten die Gastgeber eine Hiobsbotschaft verkraften. Regisseur Jorge Gutierrez hatte im Training einen Schlag aufs Knie bekommen und war nicht einsatzfähig. Er wird am Montag im MRT genauer untersucht. Für den Mexikaner rückte Justus Hollatz in die Starting Five, die zudem aus Heiko Schaffartzik, Beau Beech, Marvin Ogunsipe und dem direkt im ersten Angriff dunkenden Prince Ibeh bestand. Ein mindestens ebenso schwungvolles Duell wie auf den Tribünen, wo auch die 300 mitgereisten Gästefans für tolle Stimmung sorgten, entwickelte sich auf dem Court. Schnelles Umschalten von Verteidigung auf Angriff, äußerst muntere Wurffinger, und das zunächst mit dem etwas besseren Beginn für die Hamburger, die nach fünf Minuten hauchdünn 7:6 führten. Bei aller Spiel- und Zockerkultur: Die Treffsicherheit war anfangs beidseitig überschaubar. Besonders Vechta besaß Schwierigkeiten, verfehlte sämtliche fünf Dreier im ersten Abschnitt. In Abstinenz von Gutierrez rückte Schaffartzik in die Spielmacher-Rolle, die er exzellent ausfüllte und dafür verantwortlich zeichnete, dass seine Mannschaft zum Viertelende auf 21:12 davonzog.

An das beste erste Viertel der bisherigen Saison knüpften die Wilhelmsburger nahtlos an. Ein kurzer 4:0-Zwischenlauf von RASTA wurde, angeführt vom 18-jährigen Justus Hollatz, direkt gekontert (26:17/13.). Entscheidend war zudem die gute Defense gegen Vechtas Aufbauspieler Steve Vasturia, der kaum eigene Abschlussgelegenheiten geboten bekam. Unter anderem auch durch den 1000. Feldkorb der BBL-Karriere von Schaffartzik blieb der Vorsprung konstant (29:20/15.). Zweite Chancen nach eigenen Fehlwürfen brachten den ehemaligen Zweitliga-Rivalen wieder heran. Zunächst netzte Trevis Simpson einen Eckendreier ein, dann verkürzte Jordan Davis per Dreipunktspiel weiter (31:28/17.). Die Towers wehrten sicher. Und wie geht das am besten? Mit einem Kämpfer. Mit einem wie Michael Carrera, der blaue Flecken unter den Körben verteilte und dabei gleich noch scorte. Doch der Halbfinalist der Vorsaison hatte seinen Groove nun gefunden und lag zur Pause mit 42:36 vorn.

Rückstand zur Pause

Von Aufstiegskapitän Cha Cha Zazai, der im Freiwurf-Halbzeitspiel US-Konsul Darion Akins zerlegte, hatte sich das Taylor-Team dann offenbar inspirieren lassen. Vor allem Schaffartzik lief mit neun schnellen Punkten heiß, Beech besorgte vor Augen seiner aus Florida angereisten Geschwister von jenseits der Dreierlinie die Führung (51:49/25.), und 3100 Zuschauer johlten. BBL-Trainer des Jahres Pedro Calles reagierte und baute eine druckvollere Ganzfeld-Verteidigung mit gelegentlichem Doppeln ein. Zwar blieb die Anzahl der Ballverluste des Aufsteigers überschaubar, doch der offensive Rhythmus war gebrochen (52:55/27.). Nun war es an Taylor, während einer Auszeit Lösungen zu finden. Die fand er mit einer kleineren und defensiv vielseitigeren Formation, in der vor allem Carrera aufblühte, was zur 60:58-Führung nach 30 Minuten langte.

Drei Dreier in drei Minuten änderten dies schlagartig (62:67/34.). „Rasta Vechta“-Sprechchöre hallten durch den Inselpark – bis Ibeh per spektakulärem Dunking wieder die eigenen Anhänger animierte. Es war ein würdiges Derby. Eines, in dem die Gäste kritische Ballgewinne erzwangen und sich auf 72:64 (36.) absetzten. Abermals offenbarten die Hanseaten ihre Comeback-Qualitäten. Yanna Franke gab mit zwei erfolgreichen Korblegern ein Beispiel. Es war nicht genug. Denn was an Würfen besonders in der Anfangsphase danebenging, verwandelte der Playoff-Kandidat nun eiskalt.

Vechta hat sich zurückgekämpft

„Glückwunsch an Pedro und seine Mannschaft. Das war ein sehr gutes Spiel von beiden Teams. Wir haben stark begonnen, den Ball bewegt, und Heiko hat seine Dreier getroffen. Damit war ich sehr zufrieden. Respekt an Vechta, das sich zurückgekämpft hat. Wir haben alles gegeben, hatten unsere Möglichkeit, aber Rasta war einfach etwas besser“, sagte Taylor.

Hamburg Towers: Franke (11 Punkte), Ibeh (6/9 Rebounds), Beech (11), Walker (6), Schaffartzik (15), Freese, Hollatz (5), Carrera (15), Ogunsipe (3).

Kaum ist Vechta erledigt, steht das nächste Nord-Duell an. Am Sonntag, 5. Januar treten die Towers bei den EWE Baskets Oldenburg an. Spielbeginn ist um 15 Uhr. (PM)