Lübeck – Vor einem Jahr erst ist dem SSV Jeddeloh II, heute zu Gast beim VfB Lübeck, der Aufstieg in die Regionalliga Nord gelungen. Dabei hätte die fußballerische Vertretung des 1.300-Seelen-Dorfes aus dem Ammerland durchaus auch bereits 2015 den Sprung ins Halbprofi-Geschäft wagen können. Einzig die Sorge vor den finanziellen Unwägbarkeiten hatte die Vereinsführung damals vom Einreichen der nötigen Unterlagen für die vierte Liga absehen lassen. Sportlich sollte sich der SSV in der Saison 2017/18 als Überraschungsmannschaft entpuppen. Platz 7 hieß es am Ende für die Schützlinge von Trainer Key Riebau (Foto). Ein Zufall war dies aber nicht!

Das Fußballmagazin „11 Freunde“ bezeichnete im April 2018 den allgemeinen Aufstieg des SSV Jeddeloh II als „märchenhaft“. Tatsächlich aber ist die Erfolgsgeschichte dieses Fußballvereins das Ergebnis einer längerfristigen Planung gewesen, die die Kicker aus dem Oldenburger Umland von der Kreis- bis in die Regionalliga führen sollte.

Einer der Väter dieses sportlichen Erfolgs war und ist der 58jährige Jeddeloher Fleischfabrikant und Mäzen Rolf Bley, der sich seit 15 Jahren in seinem Heimatverein finanziell engagiert.

Das Konzept des Vereins und seines Förderers besteht indes nicht darin, die zur Verfügung stehenden Mittel einfach in den Aufbau einer fußballerischen Söldnertruppe zu investieren. Tatsächlich wird in Jeddeloh II auf ein zweisäuliges Modell gesetzt, in dem Amateurspieler aus der Region einerseits und Jungprofis höherklassiger Vereine andererseits zu einem neuen Kollektiv zusammengefügt werden. Während erstere abseits des Platzes noch einer beruflichen Tätigkeit nachgehen oder sich in Ausbildung und Studium befinden, handelt es sich bei der zweiten Gruppe um junge Talente, die den Sprung in die Profiabteilungen ihrer jeweils letzten Vereine nicht geschafft haben.

In der Praxis gestaltet sich dies wie folgt: Nicht wenige der sowohl ehemaligen als auch aktiven Fußballer des SSV stehen heute in Rolf Bleys Fleischwarenbetrieb in Lohn und Brot. Die jungen Talente wiederum entstammen zumeist den Nachwuchsabteilungen der zweiten und dritten Liga, wie das Beispiel der beiden in diesem Sommer verpflichteten 19jährigen Kasra Ghawilu (1. FC Magdeburg) und Justin Bretgeld (VfL Osnabrück) belegt.

Dass der SSV Jeddeloh II alles andere als ein Punktelieferant ist, hat die Truppe um Key Riebau in der abgelaufenen Spielzeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Während sich die ebenfalls 2017 aufgestiegenen Mannschaften Altona 93 und Eutin 08 nach einem Intermezzo von 34 Spieltagen und respektive 80 beziehungsweise 73 Gegentoren aus der Regionalliga Nord verabschieden mussten, beendete Jeddeloh II die Saison im oberen zweiten Tabellendrittel.

Auch der VfB Lübeck hatte seine liebe Müh und Not mit den Kickern aus dem Ammerland: Obwohl am Ende beide Spiele gewonnen wurden (4:2; 1:0), hatten die Siege entweder erst spät oder nach hartem Kampf errungen werden können. Dass dies am Sonnabend (Anstoß 14 Uhr) wieder so sein könnte, ist folglich nicht ganz auszuschließen. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass der Dorfverein nach eigenem Bekunden mit dem Ziel angetreten ist, die Regionalliga zu „rocken“ und dementsprechend darauf hofft, insbesondere den Aufstiegsaspiranten den einen oder anderen Stein in den Weg legen zu können.

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Einer der Garanten des Jeddeloher Erfolgs in der vergangenen Saison war der heute 34jährige Nils Laabs: Mit 18 Treffern hatte er nicht nur gut ein Drittel aller Gesamttore des SSV beigesteuert, sondern sich gleichzeitig auch noch Platz 4 in der Torjägertabelle gesichert. So beeindruckend diese Zahlen auch sein mögen; sie offenbaren zugleich auch eine starke Abhängigkeit der Ammerländer von ihrem Mittelstürmer. Ob er an schlechten Tagen adäquat ersetzt werden kann?

Ein anderes Problem stellt den Zahlen nach die Defensivabteilung dar: Den 57 erzielten Toren in der vergangenen Saison (immerhin zwei mehr als der VfB) stehen 56 Gegentreffer gegenüber. Besonders zum Spielende hin schienen den Jeddelohern immer mal wieder die Kräfte zu schwinden, so dass sich ein eigentlich sichergeglaubter Sieg zuweilen in ein Unentschieden oder aber ein leistungsgerechtes Remis in eine Niederlage verwandeln konnte.

Vor diesem Hintergrund sind auch die oben bereits genannten Neuverpflichtungen zu verstehen, die dem SSV künftig sowohl Durchschlagskraft im Angriff als auch Stabilität in der Abwehr verleihen sollen. Während Kasra Ghawilu etwa in 51 Spielen für den 1. FCM in der A-Jugend-Regionalliga immerhin 22 Tore erzielen konnte, besticht sein neuer Vereinskollege Justin Bretgeld durch ein starkes, weil „aggressives“ Defensivverhalten.

Dass aber vor allem die Abwehr eine besondere Priorität genießt, hat nicht zuletzt eine weitere Neuverpflichtung des SSV in diesem Sommer gezeigt: Mit dem 34jährigen Dennis Geiger (SV Meppen) hoffen Vereins- und Mannschaftsführung jemanden gefunden zu haben, der durch Ruhe und Umsicht den Abwehrverbund der Jeddeloher zu führen und zu ordnen weiß.

Auch wenn der Verein vom Küstenkanal nun in seine zweite Regionalliga-Saison geht, so wird die Mannschaft um Trainer Key Riebau wieder mit der entsprechenden Euphorie zu Werke gehen. Zu dieser Leidenschaft wird sich jedoch wieder auch ein nicht unerhebliches Maß an Professionalität gesellen, die dem VfB Lübeck und allen weiteren Aufstiegsanwärtern alles abverlangen wird. Weiche Flensburg hat dies am ersten Spieltag leidvoll erfahren müssen. Vorsicht ist also geboten!

 

 

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