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Barmenia Roland Kahl

Hamburg – Die Enttäuschung beim Hamburger SV war nach der 2:3 (2:0)-Heimniederlage überdimensional. Nur wenige Spieler stellten sich danach den Fragen zur Katastrophe am 26. Spieltag der 2. Liga am vergangenen Sonnabend, die den Tabellenzweiten Platz eins und vor allem drei wichtige Punkte kostete.  

Dabei lief zu Beginn alles nach Plan. Es waren keine 40 Sekunden gespielt, da legte Holland Hamburgs Flügelspieler Narey vor dem Darmstädter Strafraum und kassierte die Gelbe Karte. Den Freistoß setzte Santos (2.) ans Lattenkreuz. Drei Minuten später foulte Heller den „Kunstschützen“ Santos auf der linken Seite. Özcan brachte den Freistoß in die Mitte, wo Jatta (5.) das Leder ins Netz köpfte. Für den Gambier war es das erste Heim-Tor seitdem er in Hamburg ist. Noch unter der Woche sagte er: „Mir fehlt ein Tor im Volksparkstadion.“ Bisher traf er in Aue und Kiel, nun also auch zuhause. Es ging weiter Richtung 98-Kasten: Narey (7.) aus Nahdistanz, aber Fernandes tauchte ab, hielt den Schuss fest. Die Hessen gingen robust zur Sache. Im Strafraum foulte Wittek Narey – Elfmeter für den HSV. Lasogga (16.) hämmerte das Ding unter die Latte zum 2:0. Alles war bis zu diesem Zeitpunkt gut. Von den Gästen war nichts zu sehen. Die Rothosen hatten vom Anpfiff alles im Griff und schwammen weiter auf der Derby-Sieg-Welle, ließen es danach bei einsetzendem Regen etwas lockerer angehen. Nach 21 Minuten gab es den ersten gefährlichen Schuss von 98, doch Hollands Volleyschuss aus dem Hinterhalt ging weit drüber. Jones (31.) versuchte es auf dem nassen Rasen erneut aus der zweiten Reihe, aber Pollersbeck hatte keine Probleme. Auf der anderen Seite versuchte es Santos (35.) mit einem Flachschuss, der abgefälscht wurde. Die Ecke landete bei Sakai und auch sein Schuss berührte ein Darmstädter. Bei der erneuten Ecke hatte Fernandes Probleme, doch letztlich befreiten sich die Gäste. Danach gab es wieder ein, zwei Ecken für die Hausherren. Dabei köpfte van Drongelen (39.) über das Gehäuse. Darmstadt kam in dieser Phase nicht mehr vom Fleck, hatte Glück, dass die Hamburger großzügig mit ihren Möglichkeiten umgingen. Kurz vor der Pause suchte Sakai Lasogga (43.) in der Mitte, doch die „Maschine“ verpasste seinen 14. Saisontreffer. Mit einer beruhigenden Führung für den Spitzenreiter der Liga ging es in die Kabinen.

Nach dem Seitenwechsel freuten sich die Hamburger Fans nicht nur über den Spielstand der eigenen Mannschaft, sondern auch über die Einblendungen auf der Anzeigentafel und das Resultat aus Sandhausen, wo der Stadt-Rivale FC St. Pauli nach 50 Minuten schon 0:4 zurücklag (mehr dazu später bei HL-SPORTS). Dabei mussten sie mit ansehen, wie Mehlem (52.) nach einem langen Pass aus der Mitte alleine auf Pollersbeck zulief und zum 1:2 verkürzte. Die zunehmende Passivität der Rothosen rächte sich damit. Das gab den Lilien Mut und sie setzten nach. Die rund 2.000 98-Fans machten sich nun ebenfalls lautstark bemerkbar. Währenddessen vergab der eingewechselte Ito (60.) die Chance auf das 3:1. Aus halblinker Position im Darmstädter Strafraum schoss er zwei Meter am Tor vorbei. Kurzweilig erholte sich der HSV und traute sich wieder nach vorne. Dabei versuchten das Team es immer wieder mit dem Kopf durch die Wand, prallte an der Lilien-Abwehr aber ab. Nach einem komfortablen Vorsprung war es allerdings im zweiten Durchgang eher ein Spiel auf Messers Schneide. Die Hessen wurden immer gefährlicher in der Vorwärtsbewegung. Einmal brach Santos (68.) dagegen nach Zuspiel von Mangala durch, Fernandes hielt seien Schuss nicht fest und der frische Holtby kam einen Tick zu spät. Gegenüber traf Wittek (70.) aus 25 Metern den rechten Innenpfosten. Der Ball sprang wieder ins Feld – großes Glück für die Hausherren. Drei Minuten später verpasste Mehlem den Ausgleich per Kopf. Per Konter sollte es vielleicht besser bei den Hamburgern gehen. Ito kam über links, spielte auf Mangala (77.), der aus 18 Metern Fernandes prüfte. Der Darmstädter Schlussmann war auf dem Posten. Eine Minute später das gleiche Duell. Dieses Mal ging das Leder über das Gehäuse. Arp kam in der Zwischenzeit für Lasogga, blieb aber in der Folgezeit ohne Szene. In der 82. Minute passierte es: Die Lilien glichen mit einem Freistoß von Kempe aus 20 Metern ins kurze Eck aus. Schock und Wachmacher zugleich für den HSV. Große Aufregung gab es im 98-Strafraum, als Ito (83.) auf einmal zu Boden ging. Die Fans forderten Strafstoß. Schiri Badstüber ließ weiterspielen. Nun lief dem Wolf-Team die Zeit davon. Mangala (87.) scheiterte von der Strafraumgrenze an Fernandes. Die Rothosen machten nun wieder Dampf, wollten nicht als gefühlte Verlierer vom Platz gehen, drängten Darmstadt in deren 16er. Jatta (88.) machte einen Haken zu viel, vergab den Siegtreffer aus Nahdistanz. In der Nachspielzeit zielte der Gambier dann noch einmal zu ungenau, war frei vor Fernandes und schoss links am Tor vorbei. Das Unfassbare kam danach. Mehlem (92.) setzte sich durch, schoss aus 16 Metern und versenkte die Kugel links unten zum 3:2-Siegtreffer für die Gäste.

Eine vermeidbare Pleite, die den HSV die Tabellenführung kostete. Bis nach der Länderspielpause wären die Norddeutschen auf Platz eins gewesen (Duisburg gegen Köln wurde für Sonntag abgesagt), wenn sie das 2:0 über die Zeit gebracht hätten. Stattdessen gab es nach dem Derby-Sieg einen Dämpfer. Der Erfolg im Stadt-Duell verpufft, den sicheren Sieg vergeben und Heimspiel und den Platz an der Sonne verloren.

HSV-Coach Hannes Wolf sagte danach: „Das, was wir umsetzen wollten, haben wir zu Beginn auch umgesetzt, sind mit zwei Toren in Führung gegangen und haben dann schon in der ersten Halbzeit den Zugriff auf das Spiel verloren, die Bälle zu leicht hergegeben. Das 2:0 zur Pause war okay, wollten weiter nach vorne spielen. Ein tiefer Ball zum 1:2, ein Pfostenschuss und dann waren wir auch wieder da. Nach dem Freistoß zum 2:2 haben wir alles versucht, hatten sechs, sieben Szenen in der Box inklusive der Chance von Baka. Mit der allerletzten Szene verlieren wir das Spiel. Das tut weh. Wir brauchen die Konstanz. Klar ist: Wir haben in 15 Minuten zwei Tore geschossen und hatten noch 75 Zeit.“

„Wir waren erste Halbzeit sehr gut, hatten es aber im Hinterkopf, dass ein 2:0 ein sehr gefährliches Ergebnis ist. Bei einem Anschlusstreffer ist es dann immer schwer. Wir wollten auf das dritte Tor gehen, haben es aber nicht geschafft und haben am Ende verloren. Wir müssen zukünftig noch klüger sein“, versuchte Berkay Özcan dieses Erlebnis zu erklären.

Statistik:
Hamburger SV – Darmstadt 98 2:3 (2:0)
Tore: 1:0 Jatta (5.), 2:0 Lasogga (16. EM), 2:1 Mehlem (52.), 2:2 Kempe (82.), 2:3 Mehlem (92.)
Zuschauer: 54.668
Hamburg: Pollersbeck, van Drongelen, Bates, Santos, Narey (57. Ito), Lasogga (78. Arp), Janjicic, Jatta, Sakai, Mangala, Özcan (65. Holtby)
Darmstadt: Fernandes, Jones (32. Stark), Palson (80. Wurtz), Mehlem, Kempke, Wittek, Dursun, Heller (70. Bertram), Franke, Holland, Herrmann

26. Spieltag:
Kiel – Aue 5:1
Heidenheim – Berlin 2:1
Hamburg – Darmstadt (Sa.)
Sandhausen – St. Pauli 4:0
Dresden – Magdeburg 1:1
Bielefeld – Bochum (So.)
Duisburg – Köln abgesagt
Paderborn – Ingolstadt
Regensburg – Fürth (Mo.)