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Barmenia Roland Kahl

Hamburg – Das erste Hamburger Stadtderby in dieser Saison ist vorbei. Der FC St. Pauli ging am Montagabend als verdienter Sieger gegen den Hamburger SV vom Platz. Einigkeit herrschte noch am Tag danach darüber. Die Kiezkicker gewannen 2:0 (1:0) gegen den Rivalen und kletterten auf Rang zehn in der 2. Bundesliga. Der HSV verpasste den Sprung durch diese Pleite zurück an die Tabellenspitze und hat nun einen Zähler Rückstand auf den VfB Stuttgart. Am Tag danach war das große Aufräumen angesagt. Darunter fiel auch die Erkenntnis, dass zwei Situationen grenzwertig waren.

Zum einen hätte Paulis Torschütze Diamantakos schon in der ersten Hälfte vom Platz fliegen können. Beim Führungstreffer der Gastgeber erhielt er die Gelbe Karte, da er sein Trikot beim Jubeln auszog. Da waren 18 Minuten gespielt. Keine Viertelstunde später legte er HSV-Kicker Leibold an der Eckfahne. Der Stürmer hatte da absolut Glück, dass Schiri Jablonski aus Bremen ihn dort nur mündlich verwarnte und nicht vom Platz stellte. Dabei war der Grieche erst wieder aus einer Rotsperre zurück auf dem Platz. Beim Pokalspiel in Lübeck hielt er sich nicht im Zaum und musste nach einem Foul am gegnerischen Torhüter in der 120. Minute vorzeitig zum Duschen.

Der vermeintliche Ausgleich durch Hinterseer kurz vor dem Pausenpfiff war ebenfalls haarig. Jatta brachte den Ball in die Mitte, doch dabei soll das Spielgerät die Seitenauslinie überschritten haben. HSV-Coach Dieter Hecking sagte am Dienstag nach der Niederlage: „Es ist nicht aufzulösen. Es hätte den Spielverlauf sicher beeinflusst. Da bleibe ich bei meiner Meinung: Wenn der Linienrichter das so entscheidet, dann ist das so. Wenn man seine Positionierung im Videobild sieht, dann Hut ab, wie er das gesehen haben will. Aus dem schrägen Winkel kann man es vielleicht genau so sehen, wenn er aber auf Höhe des Balles steht, dann sieht er vielleicht, dass der Ball nicht im Aus ist. Wenn es den Videobeweis auf der Torlinie nicht gibt, dann haben wir keine Chance, das Gegenteil zu beweisen. Deshalb müssen wir es so akzeptieren. Das ist nicht der Grund, warum wir das Spiel verloren haben. Spielentscheidend waren für mich die erste halbe Stunde und das Verhalten beim 2:0.“

Trotzdem hatten die Rothosen einige Hochkaräter, wie es auch schon Kinsombi bei HL-SPORTS nach dem Spiel sagte. Gerade Hinterseer, der sich beim dicksten Ding frei vor dem Gehäuse selbst anschoss (57.) und bei seinem Anspiel und weitergeleitetem Pass auf den eingewechselten Landsmann Harnik (79.) stand der Österreicher knapp im Abseits. Das Eigentor von van Dronglen war für viele schon vorher die Entscheidung. Hecking dazu: „Wir haben Spieler für gewisse Räume bei verschiedenen Varianten eingeteilt. Wenn Spieler nicht an dem Ort stehen, wo sie stehen sollen, dann sind das Dinge, die wir sehr kritisch bemerken müssen. Das darf nicht passieren. Rick war nur das Ende einer Fehlerkette. Wer Rick kennt, der weiß, dass er das Kapitänsamt, die Mannschaft und diesen Verein lebt. Im Derby ein Eigentor zu machen, ist nicht das, was er gerne machen würde.“

Das Pech hatte der HSV also für diesen Abend gebucht. Die Pyro-Aktionen aus beiden Fanlagern wird eine Bestrafung nach sich ziehen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde es feurig auf den Rängen. Jablonski wartete kurz, ließ dann die Begegnung mit den restlichen 45 Minuten anpfeifen. Zum Ende hin machte es der Unparteiische genau richtig. Im HSV-Block wurde es erneut hell und Feuerwerk wurde abgebrannt und –geschossen. Jablonski pfiff 30 Sekunden vor dem regulären Ende ab, umging so eine unnötige Dramatik. Die Pauli-Anhänger zündelten ebenfalls ein zweites Mal, so dass der Verband hier beide Clubs bestrafen wird. Im vergangenen Jahr durften sie gemeinsam 250.000 Euro Strafe zahlen. Die Profis sahen es entspannt und schon im Vorwege war klar, dass es solche Aktionen geben würde. Da half auch kein großer Sicherheitsgipfel und mit Strafen werden sich die Fans davon auch nicht abbringen. Eine Festnahme gab es „nach Auffinden diverser pyrotechnischer Gegenstände in einer Tüte – Böller, Spraydosen, römische Lichter, Feuerwerksbatterie“, wie die Polizei noch in der Nacht mitteilte. Dabei blieb es. Polizeipressesprecher Timo Zill zum Einsatz: „Das Einsatzkonzept war aus einer Position der Stärke heraus angelegt. Damit gelang es die Fantrennung jederzeit konsequent umzusetzen. Die Zusammenarbeit von Polizei und beiden Vereinen darf als hervorragend bezeichnet werden. Die abgesprochenen Maßnahmen haben auch jeweils gegriffen und zum gelungenen Einsatzablauf wesentlich beigetragen. Ein bitterer Beigeschmack bleibt das Zünden von Pyrotechnik und Böllern im Stadion. Hierfür tragen Fans beider Fanlager Verantwortung.“

Dennoch kann man beiden Seiten ein Lob aussprechen. 3.000 HSV-Fans zogen vom Sternschanzenpark zum Stadion am Millerntor und die Pauli-Anhänger hielten sich dieses Mal zurück mit Flaschen- und Farbbeutelwürfen auf den Mannschaftsbus des Rivalen.