Leverkusen – Geht’s denn noch? Harmlos, saftlos, vorgeführt! Mit 0:4 (0:2) hat der abstiegsbedrohte HSV beim Tabellenvierten Bayer Leverkusen verloren. Der Bundesliga-Einstand von Sportdirektor Peter Knäbel als Trainer endete in einem Desaster. Knäbel formulierte es so: „Es ist alles schief gelaufen.“

Am 27. Spieltag haben die Rothosen zwar (noch) ihren Relegationsplatz gehalten, doch ihr Auftritt in der BayArena lässt das Schlimmste für den Rest der Saison befürchten. Schon heute – bei einem Paderborner Sieg gegen Hertha BSC – könnte der HSV auf einem Abstiegsplatz landen.

„Bayer Leverkusen ist ein großer Gegner und klarer Favorit, aber unsere Mannschaft hat fleißig und konzentriert trainiert, deshalb sind wir guter Dinge etwas mitnehmen zu können", hatte der Vorstandsvorsitzende, Dietmar Beiersdorfer, noch vor dem Spiel erklärt.

Schon nach sieben Minuten der erste Dämpfer: Ein Querpass – noch in der Hälfte der Gastgeber – von Johan Djourou auf Heiko Westermann kam nicht an. Karim Bellarabi ging dazwischen und lief von der Mittellinie allein auf das HSV-Tor zu. Vor dem herausgelaufenen Torwart René Adler spielte er quer auf den mitgestürmten Gonzalo Castro – und der zielte sicher ins leere Tor -1:0!

Fortan dominierten die Gastgeber die Partie, geradezu hilflos wirkten die Gäste. Der von Knäbel vorab zitierte Ratgeber „Mut“ hatte das Team offensichtlich schon vor der BayArena verlassen. Ein Offensivspiel der Hamburger war nicht erkennbar.

Und in der 44. Minute nahm die Katastrophe ihren Lauf: Nach der sechsten Ecke für Leverkusen konnte die HSV-Abwehr die Situation zunächst klären, doch Castro spielte den Ball direkt in den Strafraum, die HSVer rückten nicht schnell genug vor – Stefan Kießling kam fünf Meter vor dem Tor zum Kopfball – und es stand 2:0!

Was sollte jetzt noch kommen? Vom HSV nichts mehr, auch die Spielerwechsel blieben wirkungslos – Leverkusen dagegen erhöhte durch Tore von Kießling (56.) und Castro (63.) auf ein standesgemäßes 4:0. Jetzt darf Bayern München am Mittwoch zum DFB-Viertelfinale nach Leverkusen kommen!

Der HSV hingegen hat als nächsten Gegner am 28. Bundesliga-Spieltag den VfL Wolfsburg in der Imtech-Arena vor der Brust.

Zwei Stimmen noch zum Spiel:
Peter Knäbel: „Wenn man so emotionslos verliert, dann muss einiges schiefgelaufen sein – bei uns ist heute alles schiefgelaufen. Sicher hat der Beginn des Spiels einiges dazu beigetragen, dass die Mannschaft nicht unbedingt Selbstvertrauen tanken konnte, das erste Tor haben wir uns praktisch selbst reingemacht. Wenn man dann so in ein Spiel reinkommt, gegen eine Mannschaft, die defensiv sehr stabil ist, dann muss man die entsprechende Basis erstmal wieder finden, das ist nicht einfach. Nach diesem enttäuschenden Beginn hat sich die Mannschaft aufgerafft, aber das Problem ist, dass, wenn wir zu Torchancen kommen, wir nicht konsequent genug sind. Wenn man aufs Tor schießt, kann auch mal einer rein gehen. Wenn man das nicht tut, kann auch keiner reingehen. Statt abzuschließen, versuchen wir immer noch, in eine bessere Position zu kommen. Dann bekommen wir noch vor der Pause das zweite Gegentor. In der zweiten Hälfte haben wir erneut die beiden Tore selbst aufgelegt und am Ende hätte Leverkusen noch höher gewinnen können. Wir wollten einen offenen Schlagabtausch verhindern und sind selbstverschuldet hineingekommen. Wir müssen jetzt versuchen, den Spielern im Training Selbstvertrauen zu vermitteln und werden unseren Weg weitergehen."

René Adler (Foto) wird auf hsv.de so zitiert: „Es fällt schwer, nach so einem Spiel Erklärungen zu finden und es fällt ebenso schwer, zu sagen, dass wir eigentlich zwei sehr gute Trainingswochen hatten, in denen wir uns auf dieses Spiel fokussiert haben und wussten, dass wir eine Top-Leistung brauchen, um hier etwas mitzunehmen. Das ist uns nicht gelungen. Aber wir müssen jetzt weitermachen. Wir wissen, dass wir genug Qualität haben. Dass wir uns nach dem Spiel von den Fans einiges anhören mussten, gehört dazu, genau, wie sich in schönen Momenten von ihnen feiern zu lassen. Es ist unglaublich wichtig, dass wir sie im Rücken haben. Leider sind sie ja schon leidgeprüft, aber wir hoffen, dass wir mit ihnen die Saison noch zu einem guten Ende führen können.“

Bleibt noch diese Anmerkung: In den vergangenen 23 Jahren hat kein HSV-Trainer bei seinem Einstand verloren!

So spielten sie:

Bayer Leverkusen: Leno – Jedvaj (66. Donati), Toprak, Papadopoulos, Wendell – L. Bender – Castro, Rolfes – Bellarabi (82. Calhanoglu), Brandt – Kießling (73. Drmic)

Hamburger SV: Adler – Diekmeier, Djourou, Westermann, Ostrzolek – Behrami, Jiracek (60. Diaz) – Müller (67. Lasogga), Stieber (46. Holtby), Ilicevic – Olic

Tore: 1:0 Castro (7.), 2:0 Kießling (44.), 3:0 Kießling (56.), 4:0 Castro (63.)

Zuschauer: 30.000

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Gelbe Karten: Toprak (21.), Kießling (50.), Papadopoulos (77.)/Westermann (25.), Diekmeier (42.)

Die weiteren Ergebnisse vom 27. Spieltag:
Freiburg – Köln 1:0
Wolfsburg – Stuttgart 3:1
Hoffenheim – Mönchengladbach 1:4
Frankfurt – Hannover 2:2
Bremen – Mainz 0:0
Dortmund – München 0:1
Augsburg – Schalke (heute)
Hertha – Paderborn (heute)