Regionalliga Nord. Foto: objectivo

Lübeck – So schnell geht es in dieser ungewöhnlichen Regionalligasaison: Man könnte nach diesem Wochenende schon wieder irgendwelche Titel wie „Frühjahrsmeister“ oder „Oster-Absteiger“ verteilen, wenn denn nicht noch so einige Nachholspiele auf dem Programm stünden. Zunächst aber steht der VfB Oldenburg im Blickpunkt, der an der Spitze der Meisterrunde einsam seine Runden dreht. Nun wartet auf die Niedersachsen das Duell gegen den Nord-Meister Holstein Kiel II.

Meisterrunde:

Hannover 96 II – VfB Lübeck (Sa., 13 Uhr)

Es gibt kein Fußballspiel, in dem es um nichts geht. Zumindest geht es für beide Teams um den ersten Sieg in dieser Runde. Bei Hannover wird es zumindest nicht langweilig, denn die Mannen von der Leine sorgen immer für unterhaltsame Spiele bzw. Ergebnisse. Das letzte 0:0 in einem Punktspiel gab es am 2. Dezember 2018 gegen Weiche Flensburg. Das Gegenteil fand zuletzt in Hamburg statt, wo bei Teutonia 05 beim 4:4 ein Punkt entführt wurde – dank Moussa Doumbouya, dem drei Treffer gelangen. Er wird nun Bekanntschaft machen mit der traditionell starken VfB-Abwehr. Die war schon der Grundstein für die Meisterschaft 2020, aber in der Offensive läuft einfach zu wenig: nur zwei Tore in dieser Runde. Nach dem 1:2 gegen Oldenburg sagte Trainer Lukas Pfeiffer: „Der Blick geht jetzt nach vorn, wir wollen uns beweisen und uns weiterentwickeln.“ Schließlich geht es für die Spieler auch um Prämien und Verträge. Und das ist bestimmt nicht nichts.

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SC Weiche Flensburg – Werder Bremen II (Sa., 14 Uhr)

Die Fördestädter würden ihre Fans so gern mal wieder mit einem Heimsieg beglücken. Die vergangenen sechs Versuche gingen daneben. Rechnet man den Spielausfall gegen Atlas Delmenhorst vor zwei Wochen dazu, sind es sogar sieben. Altona 93 hieß am 23. Oktober 2021 der letzte Gast, der bezwungen wurde. Nun droht der nächste Ausfall, denn nachdem Werders Auftritt in Kiel in der Vorwoche nach diversen Corona-Ausbrüchen schon abgesagt werden musste, hat sich die Personallage noch nicht entspannt. Flensburgs Trainer Thomas Seeliger bläst nach dem 4:0 in Hildesheim dennoch zur Aufholjagd: „Wer sich hohe Ziele setzt, der geht in dieser Meisterrunde in jedes Spiel wie in ein Endspiel.“ Er kann zumindest wieder auf die Rückkehrer Patrick Thomsen, Ilidio Pastor Santos und Nico Empen bauen, musste dann aber eine Überraschung verkraften: Der lange verletzte Stammtorwart Florian Kirschke wechselt im Sommer zum Ligakonkurrenten VfB Lübeck.

Hamburger SV II – Atlas Delmenhorst (So., 13 Uhr)

Der Star ist diesmal nicht die Mannschaft, sondern steht in der Mitte: Schiedsrichter Denys Schurman pfeift sein drittes Spiel innerhalb von acht Tagen. Der Ukrainer floh Ende Februar zu Verwandten nach Hamburg, wurde von Bundesliga-Referee Patrick Ittrich als Pate betreut. Bei seinem Debüt am Freitag der Vorwoche bei der Partie des Regionalliga-Anwärters Concordia Hamburg gegen HEBC überraschte er manchen Kicker, der von dem rückwärts laufenden FIFA-Schiedsrichter überholt wurde. Das passiert den körperlich präsenteren Regionalligisten natürlich nicht, aber sie dürfen sich auf ein intensives „Testspiel“ freuen. „Wir haben aber noch viel vor“, sagte HSV-Trainer Pit Reimers nach dem 1:2 gegen Oldenburg, das den Rückstand auf acht Punkte vergrößerte, „denn man hat gesehen, dass wir inzwischen auch gegen Spitzenmannschaften mithalten können.“ Atlas wäre wohl froh, mal wieder einen Punkt mitnehmen zu können – sechs der vergangenen acht Partien endeten remis.

Teutonia 05 Ottensen – VfV 06 Hildesheim (So., 14 Uhr)

Bei allen Planungen für ein Stadion-Großprojekt auf 190000 Quadratmetern, für das der Verein bzw. seine Sponsoren 40 Millionen Euro in die Hand nehmen möchten, steht der Sport in Ottensen immer noch im Blickpunkt. Das hofft zumindest der zum Saisonende scheidende Teutonia-Trainer Dietmar Hirsch. Allerdings hatte sein Team zuletzt große Personalprobleme und er muss das wesentlich wichtigere Pokalspiel am nächsten Mittwoch bei Tura Harksheide im Auge behalten. So haben die Gäste, die zuletzt gegen Flensburg daheim mit 0:4 unter die Räder kamen, durchaus gute Möglichkeiten.

VfB Oldenburg – Holstein Kiel II (So., 15 Uhr)

Erst ein Sieg beim formstarken Hamburger SV, der zuvor sechs Siege aus sieben Spielen gefeiert hatte, dann ein Sieg bei Drittliga-Absteiger VfB Lübeck – der VfB Oldenburg arbeitet seine Aufgaben auf dem Weg in die 3.Liga eindrucksvoll ab. „Respekt an die Jungs, ich bin stolz, Trainer dieser Mannschaft zu sein“, kommentierte Dario Fossi das 2:1 in Lübeck. Neunmal in Folge ist der Spitzenreiter nun schon wieder ungeschlagen. Doch die Aufgaben werden nicht leichter – denn nun kommt es zum Duell der Vorrunden-Meister. Der Nachwuchs von Holstein Kiel war im Norden fußballerisch mit Abstand die beste Mannschaft. Nun ist das Team allerdings nicht im Rhythmus, da es das bislang letzte Spiel bereits am 19. März gab (0:0 in Delmenhorst). Mit einem Sieg in Oldenburg wären die Jungstörche in der „Milchmädchen-Rechnung“ (Nachholspiele sind Nachholsiege…) sogar punktgleich mit dem VfB. Für das Aufstiegsrennen wäre dies egal, da Holstein keine Lizensierungsunterlagen eingereicht hat.

Die Tabelle

1.VfB Oldenburg1220 : 727
2.SC Weiche Flensburg1116 : 1020
3.Holstein Kiel II1015 : 818
4.SV Werder Bremen II (U23)1023 : 1217
5.Hamburger SV II (U21)1117 : 1616
6.FC Teutonia 05 Ottensen1217 : 2416
7.SV Atlas Delmenhorst1111 : 1414
8.VfB Lübeck1110 : 149
9.VfV Borussia 06 Hildesheim1111 : 288
10.Hannover 96 II (U23)1114 : 216

Abstiegsrunde:

Eintracht Norderstedt – BSV Rehden (Sa., 14 Uhr)

Es trifft nur einer – Jan Lüneburg und sonst keiner…! Der Norderstedter Top-Torjäger, der am Saisonende mit 31 Jahren seine Stiefel an den Nagel hängt, weil er gerade Vater geworden ist, muss am Wochenende allerdings wegen seiner fünften Gelben Karte zuschauen. So kann (Co-)Trainer Olufemi Smith, der ab Sommer alleinverantwortlich ist, schon mal für die Zukunft planen. Stellt er Pelle Hoppe, der beim 4:0 in Hannover zweimal traf, in die Sturmspitze? Beim 0:0 in Lüneburg – dem sechsten Remis in Folge beim LSK – wurde zumindest der deutliche Abstand zu den Abstiegsplätzen gewahrt. Auch Rehden kämpft sich bislang souverän durch die schwierige Zitter-Runde, ist inzwischen seit vier Partien ungeschlagen.

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Heider SV – HSC Hannover (Sa., 14 Uhr)

Letzte Chance? Natürlich! Für die Dithmarscher ist jedes Spiel die letzte Chance – denn viele Experten geben dem „kleinen HSV“ längst keine mehr. Schließlich verlor das Team von der Küste zweimal gegen Altona 93, das genauso wenig konkurrenzfähig in dieser Liga ist. Aber: Zuletzt gewann das Team des neuen Trainers Markus Wichmann 2:1 in Jeddeloh und gar 4:1 gegen den FC Oberneuland. Ein weiterer Sieg würde zumindest Fans und Mannschaft weiter zusammenschweißen und sogar den Gegner überholen. Dennoch müsste natürlich der HSC eigentlich nach zwei Niederlagen locker gegen den schwächsten Nord-Verein der Vorrunde gewinnen.

FC St. Pauli II – SSV Jeddeloh (So., 14 Uhr)

Seit Tagen regnet es in Norderstedt und so findet diese Partie 24 Stunden nach dem Auftritt der Eintracht wohl nicht auf dem eigentlichen Heim-Platz des Zweitliga-Nachwuchs statt. Vielleicht gibt es ja noch eine andere Lösung, denn das Team will unbedingt den Ausrutscher vom 0:5 in Rehden wettmachen. „Das war ein rabenschwarzer Tag von uns“, sagte Trainer Joachim Philipkowski. Dass seine Mannschaft mehr kann, zeigte sie in der Vorrunde eher gegen die großen Teams. Nun kommt in Jedderloh eine „Männer-Mannschaft“, wogegen sich die Jung-Kicker eher schwer tun. Die Niedersachsen waren zuletzt weder mit dem Auftritt bei schwachen Altonaern (2:1) noch beim 1:1 gegen die in doppelter Unterzahl spielenden Drochtersenern zufrieden. Aber das Punkte-Polster sollte für die Mannen von Ex-Profi Oliver Reck allemal reichen.

Phönix Lübeck – Lüneburger SK (So., 14 Uhr)

Seitdem Oliver Zapel bei den Hausherren als Trainer an der Linie steht, feiern diese Erfolge. Nur beim HSV zog das damals ersatzgeschwächte Team den Kürzeren. Die Hanseaten sind Tabellenführer, aber derzeit heimatlos. Der Platz am Buniamshof ist unbespielbar, ein Ausweichen an die Lohmühle zu teuer. Nun wird mit einer Ausnahmegenehmigung auf Kunstrasen auf dem Trainingsplatz am Flugplatz gespielt. Die Lüneburger warten schon wieder seit 247 Spielminuten auf einen Treffer und müssen für den Klassenerhalt immer noch vier Punkte aufholen, damit sich Teamchef Rainer Zobel beruhigt in den Ruhestand verabschieden kann. Beim 0:0 gegen Norderstedt zeigten sie aber, dass sie mithalten können.

SV Drochtersen/Assel – FC Oberneuland (So., 15 Uhr)

Ein Freistoß-Gegentor dürften die Bremer zumindest nicht kassieren. Denn Drochtersens Urgestein Nico von der Reith musste bereits zum zweiten Mal in dieser Saison mit einer Gelb-Roten Karte vorzeitig vom Platz und ist somit gesperrt. Aber selbst in doppelter Unterzahl bewiesen die Elbestädter, dass sie eigentlich nicht in diese Runde gehören (aber beim vorentscheidenden 0:0 in Altona fehlte van der Reith eben, um einen Elfmeter zu verwandeln) und holten in Jeddeloh einen Punkt. Für Oberneuland gab es gleich zwei Erfolgserlebnisse: Gegen Altona sorgte Tom Trebin mit einem Hacken-Traumtor in letzter Sekunde zum 2:2 für einen Punktgewinn und in Sören Seidel steht der Trainer für die neue Saison fest. Dennoch wartet das Schlusslicht nunmehr seit 16 Partien auf einen Sieg.

Spielfrei: Altona 93

Die Tabelle

1.1. FC Phönix Lübeck1425 : 1729
2.FC Eintracht Norderstedt1424 : 1025
3.SV Drochtersen/​Assel1414 : 1024
4.SSV Jeddeloh1322 : 1523
5.BSV Rehden1328 : 1919
6.FC St. Pauli II1420 : 1819
7.Lüneburger Sport-Klub Hansa1311 : 1515
8.HSC Hannover1311 : 2313
9.Altona 931516 : 2712
10.Heider SV1416 : 2411
11.FC Oberneuland1312 : 2110

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