
Lübeck – Die vergangenen Jahreshauptversammlungen des VfB Lübeck wurden stets mit großem Interesse erwartet. Ruhig war es nicht immer, denn der Regionalligist hatte meist mit einer schiefen Finanzlage zu kämpfen. Das ist auch für den kommenden Dienstagabend um 19 Uhr im Millenniumpalast zu erwarten. Das aktuelle Loch soll sich erneut auf etwa 500.000 Euro belaufen. Nach der Sammelaktion vor knapp zwei Jahren also wieder hartes Brot für die Mitglieder.
Wer kontrolliert aktuell die Geschäftsführung?
Doch nicht nur dieses Thema dürfte dem Finanzvorstand Sebastian Rath Kopfzerbrechen bereiten, denn er und seine Kollegen Tobias Redlich (Breitensport) sowie die beiden Geschäftsführer der Fußballspielbetrieb-GmbH Hanno Behrens und Romain Bregerie, die zeitgleich Vorstände im Verein sind, müssen sich vermutlich zu vielen Themen äußern. Darunter der inzwischen seit über sieben Monate andauernde Fanstreit um die Pappelkurve. Auch die Rolle des Mediators und verschiedene Verbindungen innerhalb des Vereins zu gewissen Gruppierungen steht sicher auf der Agenda.

Die Frage, warum die beiden Geschäftsführer der Fußballspielbetrieb-GmbH noch Vorstände des Vereins sind, dürfte ebenfalls gestellt und beantwortet werden. Denn zwei von vier Mitgliedern kontrollieren sich aktuell selbst. Ob das ein Compliance- und Corporate-Governance-Thema ist?
Familien-Netzwerk im Aufsichtsrat?
Dazu ist der Aufsichtsrat gefragt, denn dort gibt es anscheinend geschäftliche Beziehungen zwischen Mitgliedern bzw. Familienangehörigen dieser mit Führungskräften einer umstrittenen Fangruppierung. Auch eine offiziell im Handelsregister angemeldete Spielerberatungsagentur spielt dabei mutmaßlich eine Rolle. Das Netzwerk ist interessant, denn dazu soll ein Aufsichtsrat noch Mitglied in der Fangruppierung sein, die für den Angriff am 13. März verantwortlich ist. Diese Fangruppierung hat allerdings seitdem rund ein Drittel an Mitgliedern verloren. Intern scheint es dort zu Unstimmigkeiten gekommen zu sein.
Wahlausschuss bekommt neuen Mann
Auch die Besetzung des Wahlausschusses könnte mit den Vorfällen im vergangenen März zu tun haben. Jörg Priebe wird sich für den neu zu besetzenden Posten zur Wahl stellen. Jemand, der ein sehr gutes Ansehen im Verein sowie der Wirtschaft in der Region genießt. Als Torwart der Traditionsmannschaft und Inhaber eines Handwerksbetriebes also frischer Wind.

Abbe-Nachfolger steht zur Wahl
Spannend wird zudem die Nachwahl des zurückgetretenen Aufsichtsratsvorsitzenden Carsten Abbe (HL-SPORTS berichtete) sein. Maximilian Ahlschwede, Ex-Profi von Hansa Rostock, trug in der Jugend das Trikot der Grün-Weißen und war schon für eine Saison als Kaderplaner für den Verein aktiv. Das war nach dem Abstieg aus der 3. Liga. Sein Name tauchte in der Vergangenheit immer wieder in Verbindung mit dem VfB Lübeck auf. Nun soll er also im Kontrollgremium mitwirken. Dazu stellt sich Mario Groß als Ersatzkandidat zur Wahl, der aktuell als Abteilungsleiter der Tischtennis-Sparte fungiert. Möglicherweise auch schon die Übernahme als Vertreter der Abteilungen, denn im kommenden Jahr wird sich Eckhard Evers aus Altersgründen zurückziehen.
Fünf Anträge, die es in sich haben
Es wird am Dienstag sicherlich nicht langweilig, denn insgesamt liegen fünf Anträge von Mitgliedern vor. Dabei geht es im Einzelnen um den VfB-Kodex unter den Fans, die transparente und nachvollziehbare Aufarbeitung des seit März 2026 bestehenden Fankonflikts, Offenlegung und zum Umgang mit möglichen Interessenkonflikten bei vereinsinternen Entscheidungen, die transparente Offenlegung vorgezogener Einnahmen in der Saison 2026/2027 und den wohl interessanten Antrag: Abberufung des Vertreters des Fankreises im Aufsichtsrat.
Fehlt bald noch ein Aufsichtsrat?
Hierbei handelt es sich um Marcel Burdenski. Der Unternehmer soll nicht vom Fankreis gewählt, sondern bestimmt worden sein. Das entspricht wohl nicht dem demokratischen Prozess der Abteilung. Wie das die Mitgliederversammlung des Gesamtvereins sieht, wird sich am Dienstagabend zeigen.

Zum ersten Mal überhaupt: Ehrenrat gibt Bericht ab
Und dann gibt es noch eine Premiere. Zum ersten Mal überhaupt steht der Ehrenrat mit einem Bericht auf der Tagesordnung. Die Rede des Gremiumsvorsitzenden Wolfgang Piest, derzeit die wohl einzige Person im gesamten Verein, die die größte Erfahrung mitbringt, wird mit Spannung erwartet. Dabei wird es ziemlich sicher auch um den Fankonflikt gehen, denn dort war der Ehrenrat zuvor involviert, wurde allerdings mit dem Ende der Amtszeit von Dr. Dieter Gudel vom Vorstand abgezogen. Stattdessen engagierte dieser einen Mediator aus dem entfernten Ingolstadt, dem der große Durchbruch allerdings nicht gelang.

Über 2.000 Mitglieder aufgerufen
Der 27. Oktober wird also in vielerlei Hinsicht mit ganz viel Spannung erwartet. Über 2.000 Mitglieder sind eingeladen, doch wie viele teilnehmen, ist nicht klar. Der Verein hat für die Rückfahrt aus dem Gewerbegebiet Roggenhorst für die Mitglieder, die nicht mobil sind, einen Shuttle eingerichtet. Der ÖPNV ist dort abends eher schlecht aufgestellt. Die Gewichtung der verschiedenen Parteien wird am Ende den Ausschlag über die aktuelle Spaltung des Vereins entscheiden. Vielen VfBer ist klar: Ein weiter so, kann und darf es nicht geben.








