Angst vor neuer Gewalt: Verband setzt Spiel ab

Lübecker und Schackendorfer Kreisliga-Teams planten Fairplay-Aktion

Foto: Lobeca/Felix Schlikis

Lübeck – Das Punktspiel zwischen SV Schackendorf und SC Rapid Lübeck II ist abgesetzt. Das bestätigte der zuständige Kreisfußballverband Lübeck (KFV) auf Anfrage von HL-SPORTS am Freitagvormittag. Ursprünglich hätten beide Teams am kommenden Sonntag in Schackendorf gegeneinander gespielt. Direkt vor der Partie sollte die 2. Mannschaft der Segeberger ihr Heimspiel ausgetragen, allerdings wurde dieses bereits zum Gegner SC Wakendorf verlegt. Die SVS-Reserve war am vergangenen Sonntag in einen Spielabbruch gegen die SCR-Drittvertretung verwickelt. Der Verband will „Dampf“ aus der Sache nehmen.

„Es ist aus unserer Sicht eine Entscheidung des Schutzes“

Michael Rosenthal, 2. Vorsitzender des KFV Lübeck erklärte bei HL-SPORTS dazu: „Unsere Entscheidung das Spiel abzusetzen ist bereits am Dienstag gefallen. Wir haben dazu in den verschiedenen Gremien mit Kreisvorstand, Spielausschuss und Staffelleitung beschlossen, dass es nicht den geringsten Anlass geben soll, einer nicht auszuschließenden Gewaltaktion eine mögliche Bühne zu bieten. Es ist aus unserer Sicht eine Entscheidung des Schutzes für Zuschauer, Spieler und Verantwortliche der Vereine. Wir werden als zuständiger Verband für die Kreisliga Süd-Ost die Begegnung zwischen SV Schackendorf und SC Rapid Lübeck II zu gegebener Zeit neu ansetzen.“

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SHFV trägt Entscheidung voll mit

Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) ist der gleichen Ansicht, dass die Kreisliga-Begegnung vorerst nicht ausgetragen werden soll. Das bestätigte Geschäftsführer Dr. Tim Cassel und unterstrich: „Wir haben uns intensiv mit der Sache beschäftigt und ich habe mit allen Beteiligten gesprochen, auch mit dem KFV Lübeck. Wir tragen als Verband die Entscheidung dort voll mit. Es ist auch eine Abwägungsentscheidung und man hat sich in Lübeck ebenfalls sehr intensiv damit beschäftigt. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass die beiden Kreisliga-Mannschaften eine Fairplay-Aktion vorhatten, die Idee finde ich sehr gut und das ist begrüßenswert. Es ist allerdings ein laufendes Verfahren und meiner Kenntnis kam einiges an Gewaltaktionen von außerhalb bei dem Spiel am vergangenen Wochenende in der Kreisklasse. Daher ist die Entscheidung, „wir sorgen erstmal für Ruhe“ die richtige und ist absolut nachvollziehbar. Der Kreis hat sich da gute Gedanken gemacht. Es ist natürlich schade, dass die beiden Mannschaften darunter leiden müssen, weil andere Akteure vom vergangenen Wochenende für den Spielabbruch sorgten.“

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SV Schackendorf II darf spielen: „Ein zusätzlicher Schlag ins Gesicht“

Beim SC Rapid II ist man da anderer Ansicht. Trainer Rene Ewert: „Der KFV Lübeck hat dieses Spiel ohne Absprache mit den betroffenen Mannschaften aus verbandsseitigem Interesse abgesagt. Im Vorfeld haben sowohl wir als auch Schackendorf alles in unserer stehenden Macht versucht um ein normales Fußballspiel zu gewährleisten: Eine Aktion gegen Gewalt beider Mannschaften, die Verlegung des Spiels der 2. Herren von Schackendorf nach Wakendorf und den Einsatz eines professionellen Ordnungsdienstes durch ein Security-Unternehmen. Die getroffenen Maßnahmen sollten im “Worst-Case“ auch einer eventuellen Haftung des KFV Lübeck vorbeugen. Ein Heimrechttausch oder ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit wäre auch denkbar gewesen. Das scheint aber alles nicht relevant zu sein. Unserer Meinung nach wäre die Durchführung des Spiels und die Aktion beider Teams gegen Gewalt das richtige Zeichen für den Sport gewesen. Ein zusätzlicher Schlag ins Gesicht ist dann noch die Tatsache, dass die 2. Mannschaft von Schackendorf an diesem Wochenende spielen darf, während wir aussetzen müssen.“ Eine Anfrage von HL-SPORTS beim SV Schackendorf blieb unbeantwortet.

KFV Segeberg ist zuständig

Das Kreisgericht des KFV Segeberg verhandelt den Spielabbruch vom vergangenen Sonntag. Vorsitzender Hans-Werner Baurycza: „Wir sichten, dass was uns vorliegt. Die Vereine werden aufgefordert eine Stellungnahme abzugeben und wir werden einen Termin für eine mündliche Verhandlung setzen. Wir sehen das ganz nüchtern und wollen den Dingen, die dort passiert sind, Rechnung tragen. Das kann man in so einer mündlichen Verhandlung machen. Das werden wir auch zeitnah machen.“

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